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Die Bedürfnisse
des Menschen ausgerichtet an die Bedürfnis-Pyramide nach Abraham
Maslow
Im Grunde seines Wesens strebt jeder Mensch nach der Befriedigung
seiner Bedürfnisse und nach der Veränderung der gegenwärtigen
Situation. Sobald ein Mensch ein Ziel erreicht hat, schiebt sich
ein neues Bedürfnis in den Vordergrund und er wird danach streben,
dieses Ziel zu erreichen. Bedürfnisse weisen immer darauf hin,
daß irgendwo ein Mangel besteht, ein Bedürfnis nach etwas
bestimmten. Dieser Mangel aktiviert den Menschen, gibt ihm ein Motiv,
diesen Mangelzustand zu beseitigen. Das Wort Motivation kommt von
dem lateinischen Wort -movere- und bedeutet so viel wie sich bewegen.
Der Begriff Motivation beschreibt, welche psychischen Beweggründe
für das konkrete Verhalten einer Person verantwortlich ist.
Das Verhalten ist zu beobachten, die dem Verhalten zugrunde liegende
Motivation hat noch nie jemand gesehen. Das Motiv liegt in der Person
selbst, muß nicht nachvollziehbar sein für aussenstehende
und spiegelt die Persönlichkeit, die Individualität des
Einzelnen.
Zu unterscheiden sind primäre und sekundäre Bedürfnisse:
Primäre Bedürfnisse sind biologischen Ursprungs, z.B. Schlaf,
Hunger, Durst, Sexualität
Sekundäre Bedürfnisse sind psychischen bzw. sozialen Ursprungs
und werden im Lauf der Entwicklung im Umgang mit anderen Menschen erlernt.
Als Beispiel kennt man die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung, Selbstverwirklichung,
Sicherheit und Geborgenheit.
In der Pflege ist es nicht selten der Fall, daß man zu einer Problemstellung
gleich mehrere zum Teil sehr unterschiedliche Meinungen erfahren kann.
Allgemeingültig ist deshalb die Bedürfnisorientierung und auf
einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
Der Amerikaner Abraham Maslow ( war amerikanischer Psychologe und
lebte von 1908 bis 1970) ordnete die menschlichen Bedürfnisse
in einer Hierarchie, die Maslow´sche Bedürfnispyramide
genannt wird.
Aus Maslow´s Bedürfnispyramide erwuchs das Bedürfnismodell
von Rooper, welches 12 Lebensaktivitäten beinhaltet. Liliane Juchli
erstellte ebenfalls ein bedürfnisorientiertes Pflegemodell. Sie
spricht von 12 Aktivitäten des Lebens . Monika Krohwinkel, die sich
ebenfalls an Maslow orientiert hat, verstärkt die Berücksichtigung
des sozialen Bereiches und der existentiellen Erfahrungen.
Maslow behauptet, daß jeder Mensch erst die Bedürfnisse
der untersten Stufe befriedigt, bevor er sich der nächst höheren
Stufe zuwendet. Sind zum Beispiel grundlegende Bedürfnisse wie
Hunger und Durst (Stufe 1) befriedigt, so tritt auf der nächsten
Stufe das Bedürfnis nach Sicherheit (Stufe 2) in den Vordergrund.
Es folgen die sozialen Bedürfnisse (Stufe 3) wie Liebe und Zugehörigkeit
und schließlich die Bedürfnisse nach Wertschätzung
(Stufe 4) und nach Selbstverwirklichung (Stufe 5).
Aber auch wenn die physiologischen Bedürfnisse das nackte Überleben
sichern, so ist man doch zum Erreichen eines bestimmten Zieles in
einer höheren Stufe durchaus bereit, eine Zeitlang Hunger, Durst
oder Schlafmangel zu ertragen. Als praktisches Bespiel verzichten
wir Schüler doch ganz bewußt auf Ruhe und geregelten Schlaf,
um der Selbstverwirklichung und dem Wissenserwerb ein Stück
näher zu kommen.
Hier möchte ich aber den Heimbewohner in den einzelnen Stufen
der Hierarchie darstellen.
Viele Bedürfnisse, die in der untersten Stufe gar nicht erwähnt
werden, gehören zum Überleben, nämlich der Hautkontakt,
die Berührung und die Streicheleinheiten. Es ist längst
bewiesen, daß der Entzug der sensorischen Reize den Menschen
immer trifft, auch wenn "sauber, satt, trocken" ist.
Nach diesen Grundbedürfnissen, wünscht sich der Mensch in Stufe
2 das Gefühl der Sicherheit. Dies ist der Punkt, den wir in der
Pflege in Zusammenhang mit dementen Personen sehr beachten müssen.
Ein Mensch, der nicht weiß wo er ist, wo sich sein Zimmer befindet
oder wann der Ehepartner kommt, der aber vielleicht schon vor Jahren
verstorben ist, ist in seinem Sicherheitsgefühl empfindlich gestört.
In diesem Fall ist es wichtiger, wir kümmern uns um dieses Problem,
als daß das Bedürfnis nach Sicherheit zugunsten der jetzt
eigentlich anstehenden Dusche einfach beiseite geschoben wird.
In Stufe 3 folgt jetzt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.
Wir sollten uns fragen, wo denn der alte Mensch im Heimalltag sein
Stück Geborgenheit und Zugehörigkeit herbekommen kann,
denn die Familie ist ja nicht permanent präsent.
In Stufe 4 müssen wir uns fragen, in welchem Ausmaß alte
Menschen im Heimalltag soziale Anerkennung erfahren. Ein Mensch,
dessen Selbstwertgefühl stabil ist, wird das nicht belasten.
Jedoch Menschen, die aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl
und auch krankheitsbedingten Einschränkungen um Anerkennung
in der Gruppe kämpfen müssen, werden zu den unterschiedlichsten
Mitteln greifen, um ihr Bedürfnis zu befriedigen. Manche schreien,
manche versuchen positiv oder negativ aufzufallen, wieder Andere
fühlen sich grundlos angegriffen. Macht wird zum Mittel, Anerkennung
und Zuwendung zu erhalten. Diese Macht kann sehr subtil eingesetzt
werden, indem das eigene Leiden als Mittel eingesetzt wird, andere
zu einem bestimmten Verhalten zu nötigen.
Die Stufen 1 bis 4 werden auch als Defizit-Motive beschreiben: Das
Verhalten des Einzelnen dient dazu, einen bestimmten Mangelzustand
auszugleichen. Auf der Stufe 5 tritt das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung
in den Vordergrund. Hier geht es nicht darum, ein Defizit zu vermeiden,
sondern eigene Fähigkeiten sollen zur Geltung gebracht und etwas
weiterentwickelt werden. So können Menschen unglücklich
sein, die eigentlich alles haben. Leistungen werden erbracht, weil
sie Freude machen, man wendet sich Interessen zu, weil sie Spaß machen.
Einem Außenstehenden ist es meist jedoch nicht möglich
zu unterscheiden, ob ein bestimmtes Verhalten der Selbstverwirklichung
nur gezeigt wird , um Anerkennung zu erhalten oder weil es eben einfach
Spaß macht.
Man muß in der Pflege zum Erreichen bestimmter Pflegeziele
sehr darauf aufpassen, das man den bestimmten Menschen motiviert
und nicht manipuliert. Bei der Motivation geht es darum, dem Motivierten
zu ermöglichen- mittels eines bestimmten Verhaltens- seine Bedürfnisse
zu befriedigen. Bleiben diese unberücksichtigt und es geht nur
noch darum, die Absichten des Motivierenden umzusetzen, so spricht
man nicht mehr von Motivation , sondern klar von Manipulation.
In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, von negativer und positiver
Motivation zu sprechen. Negative Motivation heißt: einen Menschen
unter Druck zu einem bestimmten Ziel hinbewegen. Positive Motivation
funktioniert eher durch hochloben.
Wer motiviert muß sich jedoch der Verantwortung bewußt sein,
daß er einen anderen Menschen zu etwas bewegen will, was der zunächst
einmal gar nicht will!! Man darf hier die eigenen Bedürfnisse nicht über
die Wünsche des alten Menschen stellen. Auch sollten wir uns die
Kontinuitäts- und Disengagementtheorie wieder ins Gedächtnis
rufen. Auch kann ich nicht jemanden zum Kartenspielen in der Gruppe ermutigen,
der sein Leben lang Kartenspiele gehaßt hat.
Außerdem schließt die Hierarchie der Bedürfnisse nicht
aus. daß sich die Motivationen eines Menschen ständig ändern
können. Ein Bedürfnis, daß gestern noch wichtig war,
kann heute anders empfunden werden oder gar unwichtig erscheinen.
Jeder Mensch entwickelt seine Wertvorstellungen aus einem bestimmten
sozialen Kontext und seinen persönlichen Erfahrungen heraus. So
kann ein allgemeines Wertesystem nicht unbedingt auf jede Person übertragen
werden. Diese Argumentation zeigt, daß man nicht von einer eindimensionalen
Betrachtungsweise ausgehen darf, da sich die beteiligten Faktoren im
Wandel der Zeit und der Einflüsse verändert haben.
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