Autor/in: Elisabeth Czaplewski

Schriftliche Praktikumsarbeit

Biographie

Frau K.

  • Geboren am 01.05.1914 in Rüstringen/Wilhelmshaven
  • Die Eltern sind früh verstorben. Der Vater ist im Krieg gefallen, die Mutter verstarb an einer Lungenentzündung während des Krieges.
  • Alle vier Kinder mussten ins Waisenhaus wo die Aufsicht und die Erziehung der Waisenkinder von Nonnen übernommen wurde.
  • Das Leben im Waisenhaus war von der Außenwelt isoliert. Die dort lebenden Kinder bekamen oft Schläge und hatten Hunger. Auch wenn das Essen nicht so gut war: „Der Kochtopf ist immer von mehreren Kindern ausgeleckt worden …, der Hunger war groß. Ich habe die Nonnen gehasst.“
  • Als junges Mädchen wurde sie von den Nonnen ins Pensionat/Klosterschule nach Schlesien geschickt
  • Dort hat sie ihre Berufsausbildung als Schneiderin gemacht.
  • Ihre Hobbys sind: Tanzen, Singen, Handarbeit, Nähen und noch mehr, aber die Bewohnerin kann sich nicht mehr erinnern.
  • Gearbeitet hat sie als Schneiderin in einem „Berliner-Mode-Geschäft“
  • In Berlin lernte sie ihren Mann Leopold kennen und heiratete ihn. Sie lebten in Berlin.
  • Sie bekommt drei Kinder, allesamt Töchter.
  • Durch die berufliche Veränderung ihres Mannes zog die ganze Familie nach Duisburg.
  • Sie führte eine glückliche Ehe, war gern in Gesellschaft: Kino, Theater, Reisen und Familientreffen.
  • Sie liebt bei den Menschen die Ehrlichkeit und Anständigkeit.
  • Vorliebe für Möhrchen, Milchsuppe und Kaffee…
  • Sie ist gesellig und fröhlich.

Körperlicher Zustand:

BMI 23

Grösse147cm

Gewicht 47,8 kg

Bradenskala 22 Punkte

9.8.04 RR 110/60

Puls 64,

BZ145 mg

Diagnose:

chronische Bronchitis, Exikose, Inkontinenz, organisch wahnhafte Störung, mittelschwere Demenz, Gangstörung, Unruhe, Aggressivität, normochrome normocytäre Anämie, Volumenmangel, Schmerzen im Becken.

Medikation:

Risperdal 1mg                      0           ½          0           ½ nachts

Prometharzin                                                20 Tr.

Dipiperon Saft                                               4 ml

Valeron N ref. 50/4mg          1           0           1

Risperdal: stark wirksames Neuroleptika, HWZ: 6 Stunden.

Anwendung: bei chronischen schizophrenen Psychosen

Unerwünschte Wirkungen: extrapyramidal, vegetative und hormonelle Störungen Sedation, Dyskinesen, allergische Reaktionen, Herz-Kreislauferkrankungen, Blutbildveränderung, Schlaflosigkeit, Somnolenz, Schwäche, Obstipation, Bauchschmerzen, Sehstörungen,

Wechselwirkungen: (theoretisch) mit allen zentral wirksamen Substanzen wie z.B. Dopaminagonisten, z.B. Levodopa

Prometharzin: schwach wirksames Neuroleptika, HWZ 12 bis15 Stunden.

Anwendung: bei Schlafstörungen und Unruhezuständen

Unerwünschte Wirkungen: siehe Risperdal, außerdem Überwachung der Herzfunktion und des Blutbildes.

Dipiperon Saft: schwach wirksames Neuroleptika, HWZ unbekannt.

Anwendung: bei Halluzinationen oder Wahnvorstellungen, gestörten Schlaf-Wachrhythmus

Unerwünschte Wirkungen: Sedation, Dyskinesen, allergische Reaktionen

Valeron 4mg:Opoidanagetika, Schmerzmittel z.B. für postoperative, traumatische oder Tumorschmerzen.

Unerwünschte Wirkungen: es kann mit Tilidin und anderen Medikamenten zu einem Wirkungsverlust kommen. Diarrhöe. Obstipation, unspezifische Bauchschmerzen, antidiuretische Wirkung, Atemdepression, emetische Wirkung später antiemetische Wirkung, verzögerte Magenentleerung, Hautrötung, Juckreiz

Pflegeplanung nach Krohwinkel:

  • Kommunizieren können:

Frau K. hat keine Störungen im Bereich der Kommunikation. Sie kann ihre Anliegen formulieren und mitteilen, allerdings hat sie Merkfähigkeitsstörungen. Sie spricht viel um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie kann dabei zeitweise verbal sehr ausfallend und aggressiv werden wenn sie diese nicht bekommt. Sie beschimpft dann die Mitbewohner und das Pflegepersonal unflätig und geht, als wolle sie schlagen, auf die Menschen los.

Ziel: Ausschreitungen verhindern und Mitbewohner schützen.

Maßnahmen: Gespräche führen, gewünschte Aufmerksamkeit geben aber bei verbalen Beschimpfungen Frau K. konsequent auf ihre Grenzen hinweisen und bei Aggressionen gegen Mitbewohner Frau K. auf ihr Zimmer schicken. Ablenkung durch das Singen alter Volkslieder da Frau K. sehr gerne singt.

Frau K. benötigt eine Brille zum Lesen und akzeptiert dieses Hilfsmittel auch

Ziel: intaktes Sehvermögen erhalten.

Maßnahmen: tägliches Reinigen der Brille und nach Bedarf und täglich die Brille aufsetzen

  • sich bewegen können:

Frau K. ist in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt. Ihr Gang ist schlurfend und kleinschrittig. Als Hilfsmittel hat sie einen Rollator den sie allerdings fast nie benutzt. Aufgrund ihres unsicheren Ganges ist Frau K. sturzgefährdet. Frau K. klagt täglich über Schmerzen in den Beinen und im Becken, der Arzt wurde informiert.

Ziel: Stürze vermeiden.

Maßnahmen: Sturzprophylaxe nach Verfahrensanweisung, täglich auf die Benutzung des Rollator hinweisen, Frau K. täglich auf ihre körperlichen Einschränkungen hinweisen.

  • vitale Funktionen aufrechterhalten:

Frau K. friert leicht, Sie teilt dieses dann mit. Frau K. ist leicht kurzatmig wenn sie sich viel bewegt, sie kann mit ihren Kräften nicht haushalten.

Ziel: Wärmeregulation erhalten, beschwerdefreie Atmung.

Maßnahmen: auf die Jahreszeiten entsprechende Bekleidung achten, Frau K. auf Ruhezeiten oder Pausen hinweisen.

  • sich pflegen können:

Frau K. kann sich unter Anleitung den Oberkörper selbst waschen, für den Unterkörper benötigt sie Hilfe durch das Pflegepersonal.

Ziel: Selbstständigkeit erhalten. Für Hygiene und Wohlbefinden sorgen.

Maßnahmen: Frau K. durch die Pflegekräfte anleiten sich täglich 2-mal den Oberkörper zu waschen. Übernahme des Unterkörpers zu waschen 2-mal täglich durch die Pflegekräfte.

Haare waschen nach Bedarf

1-mal wöchentlich Duschen und nach Bedarf

2-mal täglich Mundpflege

Nagelpflege nach Bedarf

Hautpflege mit w/öl Lotion

  • essen und trinken können:

Frau K. hat keine Zähne mehr, sie lehnt auch Zahnprothesen ab. Frau K. kommt mit dieser Situation gut zurecht, sie spuckt das Essen das sie nicht kauen kann aus. Frau K. hat ein geringes Risiko der Unterernährung.

Ziel: Frau K. soll weiterhin selbstständig essen und trinken.

Maßnahmen: je nach Konsistenz der Nahrung bekommt Frau K. passierte Kost.

Frau K. immer wieder zum Trinken auffordern.

  • Ausscheiden können:

Aufgrund der dementiellen Erkrankung findet Frau K. nicht den Weg zur Toilette. Sie akzeptiert Einlagen und macht sich bemerkbar wenn sie zur Toilette muss.

Ziel: Frau K. soll sich sauber und wohl fühlen.

Maßnahmen: mindestens 3-mal pro schicht mit Frau K. Toilettengänge durchführen. Richten der Kleidung durch das Pflegepersonal.

Zur Nacht gelbe Einlage

Toilettenstuhl ans Bett stellen

  • sich kleiden können:

Frau K. kann sich teilweise durch Anleitung der Pflegekraft An- und Auskleiden.

Ziel: Förderung und Erhaltung der Eigenaktivität.

Maßnahmen: Frau K. soll sich durch Anleitung der Pflegekraft An- und Auskleiden

  • ruhen und schlafen können

Frau K. hat einen gestörten Schlafrhythmus. Sie weckt nachts andere Bewohner auf und läuft über die Flure. Die Medikation zur Nacht nimmt sie jedoch bereitwillig ein.

Ziel: Schlafdefizite vermeiden.

Maßnahmen: Verabreichen der Medikation laut ärztlicher Verordnung, aufgrund des nicht vorhandenen Schlafrhythmus soll Frau K. auf Anordnung des Neurologen tagsüber nicht schlafen. Tagesrhythmus einhalten um 8 Uhr wecken und um 20 Uhr zu Bett bringen.

  • sich beschäftigen können:

Frau K. kann sich nicht selbstständig beschäftigen. Sie fordert Aufmerksamkeit und sucht diese im Bewohnerkreis und bei den Pflegekräften. Frau K. nimmt gerne an allen Beschäftigungsangeboten teil.

Ziel: Beschäftigungsdefizit vermeiden.

Maßnahmen: Frau K. ermöglichen am hauswirtschaftlichen Tagesablauf der Station mitzuwirken. Frau K. ermöglichen an sozialen Angeboten des Hauses teil zu nehmen wie: Kochgruppe, Singgruppe, Handarbeitsgruppe. Außerdem möchte Frau K. am Sonntag an der katholischen Messe teilnehmen.

10.) sich als Mann oder Frau fühlen:

Frau K. hat kein Problem sich als Frau zu fühlen.

11.) für Sicherheit sorgen können:

Frau K. ist nicht in der Lage ihre Kräfte richtig einzuschätzen und Gefahren zu erkennen.

Ziel: Gefahren vermeiden.

Maßnahmen: situativ unterstützend intervenieren.

12.) soziale Bereiche des Lebens sichern können:

Frau K. ist ein sehr geselliger Mensch und nicht gerne alleine. Sie geht offen auf ihre Mitmenschen zu. Frau K. vergreift sich oftmals im Ton gegenüber den Mitbewohnern, Pflegekräften und Verwandten. Sie kann Kontakte nicht aufrechterhalten, da sie nur ihre Meinung gelten lässt und jedes Gespräch in verbalen Beleidigungen und Aggressivität endet.

Ziel: Frau K. kommuniziert ohne ihre Mitmenschen zu verletzen. Die Sozialkontakte von Frau K. sind erhalten, sie ist im Wohnbereich integriert und akzeptiert die Regeln des Zusammenlebens.

Maßnahmen: Gespräche führen um Streitgespräche zu entschärfen. Validation nach Bedarf. Aufmerksamkeit und Zuneigung geben. Sozialangebote des Hauses nutzen.

Problem: Sozialverhalten und Aggression

Relevantes Problem sind die unflätigen Beschimpfungen und die Aggressionen gegenüber den Mitbewohnern und dem Pflegepersonal. Frau K. lässt nur ihre Meinung gelten und rastet regelrecht aus wenn sie diese nicht bestätigt sieht. Sie geht dann mit Drohgebärden auf die Bewohner und das Pflegepersonal los als wolle sie schlagen. Herr G., der neben Frau K.   beim Essen sitzt, hat lange Geduld bewiesen und versuchte immer wieder Streitgesprächen aus dem Weg zu gehen. Nun möchte er, wie alle anderen Mitbewohner, nicht mehr am Tisch mit Frau K. sitzen und in Ruhe essen ohne das Saftglas oder den Pudding vor sich auf den Tisch oder über die Hose geleert zu bekommen.

Mögliche Ursachen

Aufgrund ihrer dementiellen Erkrankung lebt Frau K. zeitweise in ihrer Jugendzeit. Da die Eltern früh verstorben sind und die Geschwister ins Waisenhaus mussten, wo sie von der Außenwelt getrennt von den Nonnen viel Schläge und wenig zu essen bekamen, haben sich wahrscheinlich im Unterbewusstsein viele Aggressionen in Frau K. aufgebaut obwohl sie später mit ihrem Mann wie sie sagt ein glückliches Leben geführt hat wird sich dessen Verlust im alter wiederum in Trauer, Widerstand und Aggressionen aufgebaut haben. sie sagt ja immer wieder dass sie Heimbetriebe hasse.

Die Ressourcen

Frau K. ist ein sehr geselliger Mensch der gerne auf Andere zugeht. Sie hat keine Störungen im Bereich der Kommunikation, d.h. sie kann ihre Wünsche formulieren und versteht die Antworten. Sie hilft bereitwillig bei der Grundpflege und beim An- und Auskleiden mit, kann den Wunsch äußern wenn sie zur Toilette oder auf ihr Zimmer möchte. Frau K. singt sehr gerne. Sobald jemand ein altes Volkslied anstimmt singt Frau K. lauthals mit.

Das Ziel von Pflege und Therapie

Frau K. kommuniziert ohne ihre Mitmenschen zu verletzen, Ausschreitungen werden vermieden die Sozialkontakte von Frau K. sind erhalten und sie fühlt sich in ihrer   Person bestätigt. Sie ist im Wohnbereich integriert und akzeptiert die Regeln des Zusammenlebens.

Die Maßnahmen durch die eine Besserung oder Beseitigung erreicht werden soll

Einnahme der Medikation nach ärztlicher Verordnung.

Gespräche führen, nach Bedarf Validation.

Bei Aggressionen gegen Mitbewohner Streitgespräche entschärfen.

Frau K. sagen wenn man sich gekränkt fühlt und auf ihre Grenzen hinweisen. Ablenkung durch das Singen alter Volkslieder.

Frau K. in den hauswirtschaftlichen Tagesablauf der Station einbinden wie Servietten, Handtücher etc. falten.

Frau K. soll an der Zeitungs- und Erzählrunde teilnehmen.

Frau K. ermöglichen an sozialen Angeboten des Hauses teilzunehmen

Montag/Donnerstag Singgruppe

Mittwoch Handarbeitsgruppe

Freitag Kochgruppe

Jeden ersten Samstag im Monat Tanzcafé.

Sonntag katholischer Gottesdienst

Evaluation 2004-09-20

Frau K. hat ihre Situation im Heimbetrieb besser angenommen. Sie nimmt gerne an den Angeboten des Hauses teil und wirkt ausgeglichener. Sie fragt nicht mehr den ganzen Tag endlos nach ob sie schon ins Bett schlafen gehen kann. Das Angebot an der Kochgruppe teilzunehmen lehnt sie ab, weil sie nachher Geschirr abwaschen muss und dieses nicht ihre Aufgabe ist (so der Kommentar von Frau K.). Die Sing- und Handarbeitsgruppe bereiten ihr jedoch viel Freude. Den sonntäglichen katholischen Gottesdienst sieht sie als willkommene Abwechslung und bleibt auch gleich zum evangelischen sitzen. Auf der Station gibt es noch einige Diskussionen, da einige Kolleginnen nicht mit den Anderen an einem Strang ziehen und Frau K. oft nicht rechtzeitig für Gruppenaktivitäten wie z. B. Zeitungs- und Erzählrunde wecken. Es hat sich allerdings ein neues Problem ergeben: Es gibt eine neue Bewohnerin, die aufgrund ihres Krankheitsbildes ohne Vorwarnung schlägt und beißt, worunter alle Bewohner zu leiden haben. Wenn Frau K. gerade einen Handtuchstapel vor sich auf dem Tisch liegen hat und die neue Bewohnerin diesen auseinander pflückt ist dies für sie ein Grund wieder unflätig zu schimpfen und in Gegenangriff zu gehen. Bis sich die Wogen wieder glätten dauert es eine halbe Stunde. Beim Essen sitzt Frau K. alleine was ihr anscheinend nichts ausmacht. Von Zeit zu Zeit kommt es noch zu Wortgefechten mit den anderen Bewohnern, da die räumlichen Verhältnisse auf einer geschlossenen Station beengt sind und die verschiedenen Krankheitsbilder der Bewohner ein friedliches Miteinander oft unmöglich machen.

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