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Mitglied im Pflegenetz
,
Autor: Marc Wechselmann
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Praktikumsbericht


Inhaltsverzeichnis

1 Darstellung der Praxisstelle
2 Arbeitssituation
2.1 Pflege- und Betreuungskonzept mit Zielsetzung
2.2 Formen der Zusammenarbeit2.3 Einsatzbereiche2.4 Konzept der Anleitung / Einarbeitung
3. Exemplarische Darstellung eines eigenständigen Arbeitsschwerpunktes
3.1 Beschreibung der Planung und Umsetzung auf theoriegeleiteter Grundlage
4. Zusammenfassung4.1 Lernerfahrungen in diesem Ausbildungsabschnitt

 

1 Darstellung der Praxisstelle

Das 1977 errichtete Seniorenpflegehaus trägt den Namen "Richard Weiß". Richard Weiß war der erste Sozialstadtrat in Kreuzberg nach dem zweiten Weltkrieg. Er hat sich besonders um die Integration alter und behinderter Flüchtlinge verdient gemacht.

Das Seniorenpflegehaus befindet sich auf einem ca. 9000m² großen Grundstück im Bezirk Kreuzberg, Fidicinstraße 2, im Zentrum Berlins. Träger des Seniorenpflegehauses ist das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Das Bezirksamt betreibt außerdem noch ein Pflegeheim in der Stallschreiberstraße. Beide Einrichtungen werden als Städtische Seniorenheime Kreuzberg geführt.

Die Einrichtung liegt in einem Wohngebiet mit überwiegendem Mietshausbestand an einer verkehrsberuhigten Straße. Sie wurde 1959 erbaut. Die Anlage ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen. Die am Haus befindliche Grünanlage ist mit Tischen und Bänken ausgestattet. Jeder Bewohner hat die Möglichkeit, mit dem Aufzug bequem auf die Straße oder in den Garten zu gelangen. Einkaufsmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe in der für Kreuzberg typischen Vielfalt vorhanden.

Der Pflege- und Betreuungsbereich hat eine Kapazität von 105 Bewohnern. Die fünf Etagen sind in drei Wohngruppen aufgeteilt, denen eine Wohnbereichsleitung vorsteht. Die Wohngruppen werden in sich jeweils noch in fünf Wohnbereiche (analog zu den fünf Etagen) aufgeteilt, damit die Voraussetzung eines überschaubaren Pflegebereichs für die ganzheitliche Pflege gegeben ist. Die 6. Etage wird für Aktivitäten wie z.B. die "Frühstücksrunde" oder Backrunde benutzt. Die Wohnbereiche sind per Aufzug oder Treppe zu erreichen. Die Eingänge des Hauses besitzen Rampen für Rollstuhlfahrer.

Das Haus bietet überwiegend Einzelapartments, auf Wunsch auch Doppel- und Ehepaarapartments. Es gibt 73 Einzel- und 16 Doppelzimmer. Die Zimmer können mit den eigenen Möbeln ausgestattet oder voll- bzw. teilmöbliert zur Verfügung gestellt werden. Für das leibliche Wohl sorgt die hauseigene Küche mit vier Mahlzeiten am Tag sowie Nachmittagskaffee. Das Mittagsangebot teilt sich auf in Normale Kost, Diabetiker/Schonkost und Vegetarische Kost. Angehörigen stehen alle Mahlzeiten auch zur Verfügung. Ein vielseitiges Leistungs- und Freizeitangebot wird für die Bewohnerinnen und Bewohner bereitgestellt. Sogar Haustiere können von Bewohnern mitgebracht werden.

Nicht nur persönliche Geburtstage, sondern auch viele gemütliche Feste zu allen Jahreszeiten werden "gefeiert". Kleine Räumlichkeiten, sonnige Terrassen und ein großer Festsaal stehen dafür zur Verfügung. Die Heimleitung führt nicht nur regelmäßige Veranstaltungen durch, sondern vermittelt auch gemeinsame Ausflüge sowie die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen außerhalb der Einrichtung. Außerdem werden jedem Bewohner wöchentliche Veranstaltungen angeboten. Montag bis Freitag gibt es Kaffeetrinken in geselliger Runde mit Spielen, Gesprächen im großen Saal oder - im Sommer - auch im Garten. Zu weiteren Angeboten gehören Sitztänze, gemeinsames Singen, Abendbrot in geselliger Runde, Gruppengymnastik in Verbindung mit Bewegungsspielen und Gedächtnistraining. Monatliche bzw. jährliche Veranstaltungen werden auch angeboten. Ein Mal im Monat gibt es eine kleine Busfahrt mit maximal 5 Bewohnern und einer Begleitperson. Zwei Mal jährlich wird ein Konzert mit klassischer Musik und Variete angeboten. Ein Mal jährlich kann jeder eine Dampferfahrt mitmachen.

Kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Physiotherapie, Massage, Fußpflege und Friseur werden auch angeboten. Folgende Leistungen der psychosozialen Betreuung werden im Seniorenwohnhaus "Richard Weiß" angeboten:

Einzelbetreuung der Heimbewohner im Zimmer oder, bei bettlägerigen Bewohnern, am Bett, (z.B. kognitives Training, Gymnastik, Erzählen), Gruppenaktivitäten (z.B. kognitives Training, gemeinsames Backen, Kochen, Erzählrunden, Gymnastikübungen, gemeinsames Musikhören, Sitz- oder Stuhltänze, Brett- und Kartenspiele etc.), Ausflüge (geplant und spontan, je nach Wetterlage), Sterbebegleitung, seelsorgerliche Begleitung (nur in Absprache mit in die Betreuung involvierte Geistliche). Es gibt sowohl geschlossene, als auch offenen Gruppenangebote. Bei geschlossenen Gruppen sind die zu betreuenden Bewohner namentlich benannt. Bei offenen Gruppen ist jeder Bewohner herzlich willkommen.

Für viele Menschen stellt der Heimaufenthalt den letzten Aufenthaltsort dar. Gerade unter Zugrundelegung des Pflegeleitbildes erscheint es wichtig, dass der Sterbeprozess begleitet wird. Hier können die Mitarbeiter des Wohnbereiches helfende Menschen sein, die ein Sterben in Würde ermöglichen.

2 Arbeitssituation

 

2.1 Pflege- und Betreuungskonzept mit Zielsetzung

Das Ziel der Pflege ist, die Bewohner in ihren Aktivitäten zu unterstützen, die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern. Sollten die Selbstpflegekräfte der Bewohner nicht mehr ausreichen, so übernehmen die Mitarbeiter des Seniorenpflegehauses die Pflege nach den individuellen Wünschen der Bewohner.

Unter Einbeziehung der Zielsetzungen haben die Mitarbeiter der Einrichtung ein für sich ganz persönliches Pflegeleitbild erarbeitet, welches Leitmotiv für ihr pflegerisches Handeln sein soll und wie folgt formuliert wurde:

"Jeder Mensch ist einzigartig. Wir achten die Würde und die Lebenserfahrung unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Wir geben unseren Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause. Als offene und lernfähige Institution ist unser Denken und Handeln ganzheitlich ausgerichtet. Unser Ziel ist die Zufriedenheit aller, die im Seniorenheim leben, arbeiten und es fördern."

Grundlage der pflegerischen Arbeit ist die ganzheitliche Versorgung der Bewohner unter Einbeziehung ihrer individuellen, kulturellen, religiösen und sozialen Bedürfnisse und unter Berücksichtigung ihrer Umgebung. Das Ziel ist es, auf die individuelle und biographische Lebenserfahrung jedes einzelnen Bewohners einzugehen und dessen Pflege darauf auszurichten.

Das Modell der "Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des täglichen Lebens" (kurz: AEDL) nach Krohwinkel bildet die theoretisch-philosophische Grundlage des in der Einrichtung anzuwendenden Pflegemodells, welches von Monika Krohwinkel in den Jahren 1983 - 1997 erarbeitet wurde. Das Pflegemodell dient als Bezugsbasis bzw. Identifikationsrahmen für das pflegerische Handeln, mit dessen Hilfe man sich Eigenständigkeit, Systematik und einen ganzheitlichen Zugang zu den zu pflegenden Menschen verspricht. Sie dienen als Orientierungshilfe für die Einschätzung von Bedürfnissen, Fähigkeiten und Problemen:

  • Kommunizieren (Orientierungsvermögen, Sprechvermögen, Seh- und Hörvermögen, geistig/psychische Fähigkeiten)
  • Sich bewegen ( Fähigkeiten, Einschränkungen)
  • Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten (Atmung, Kreislauf, Temperatur)
  • Sich Pflegen (Körperpflege, Gewohnheiten, Fähigkeiten, Einschränkungen)
  • Essen und Trinken (Gewohnheiten, Vorlieben, Ernährungszustand, Zeiten, Einschränkungen)
  • Ausscheiden (Kontinenz, Gewohnheiten)
  • Sich kleiden (individuellen Bedürfnisse, Vorlieben)
  • Ruhen und schlafen (Zeiten, Gewohnheiten, Schlaf-Wach-Rhythmus)
  • Sich beschäftigen (Tagesgestaltung, Interessen)
  • Sich als Mann oder Frau fühlen (Sexualität, Einsamkeit, Kleidung)
  • Für eine sichere Umgebung sorgen (Bewegungsdrang, Sicherheit, Sturzgefährdung)
  • Soziale Bereiche des Lebens sichern (Kontakte, Angehörige, soziale Beziehungen)
  • Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen (Angst, Isoliertheit, Ungewissheit, Freude, Trauer, Sterben)

Hohe Fachlichkeit, die die neuesten pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse mit einbeziehen soll, verbunden mit der Akzeptanz und dem Respekt vor der Individualität des alten Menschen, ist zwingende Voraussetzung für eine wertschätzende Betreuung. Pflegen in diesem Sinne ist ein zwischenmenschlicher Beziehungsprozess der bewusst gestaltet und reflektiert werden muss. In einer kurzen Zusammenfassung soll zum besseren Verständnis das Modell nachfolgend vorgestellt werden:

Kategorien der fördernden Prozesspflege sind nach Krohwinkel:

  • Pflege muss sichtbar sein (die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Probleme von pflegebedürftigen Personen werden bewusst gemacht, gezielt berücksichtigt und dargestellt)
  • Pflege muss ganzheitlich sein (Fähigkeiten, Bedürfnisse, Probleme und Maßnahmen in den AEDL`s werden in ihren Zusammenhängen und Wechselwirkungen erkannt, Ergebnisse werden unter Einbeziehung der Gesamtsituation systematisch ausgewertet)
  • Pflege muss kongruent sein (es besteht eine Übereinstimmung in den oben beschriebenen Verhaltensdimensionen)
  • Pflege muss Kontinuität beinhalten (die pflegerischen Abläufe werden von pflegerischen Bezugspersonen und situationsbezogenen Personen gewährleistet)
  • Pflege muss Unabhängigkeit und Wohlbefinden fördern (Pflege ist ausgerichtet auf die Förderung von Fähigkeiten in den für die pflegebedürftige Person wesentlichen AEDL Bereichen).

Das Pflegemodell bietet für die Mitarbeiter der Einrichtung eine Grundlage für eine Pflege nach dem Leitsatz: "Mit dem Bewohner so in Beziehung treten, wie wir uns wünschen würden, dass mit uns in Beziehung getreten wird". Der Ausdruck "Beziehung" steht auch für Würde, Respekt, Persönlichkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Wahrung der Intimsphäre. Im Zuge der täglichen Pflegepraxis kann es durchaus vorkommen, dass einzelne Aspekte des Pflegeprozesses anders, als im Modell beschrieben, ablaufen.

Der Pflegeprozess besteht aus einer Reihe einzelner Schritte, welche die pflegerische Arbeit als einen systematischen Handlungsablauf verdeutlichen sollen. Durch diese Schritte, soll die Pflege planbar, systematisierbar, zielorientiert und überprüfbar sein. Die pflegeplanerische Arbeit soll eine professionelle Beziehung zwischen dem Bewohner und dem Pflegenden ermöglichen. Durch Beurteilung/Neuanpassung entsteht ein Kreis, der einen fortlaufenden Pflegeprozess ergibt. Der Pflegeprozess allein beschreibt nur das systematische, logische und wissenschaftliche Vorgehen.

Die Pflege soll individuell und ganzheitlich sein. Der Mensch ist ein durch seine persönliche Lebensgeschichte geprägtes Individuum, das zum aktiven Handeln und Verantworten fähig ist. as bedeutet für uns, dass wir die Bewohner/Innen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten sehen und respektieren.

Die Pflege soll außerdem aktivierend sein. Treten Krankheit und Pflegebedürftigkeit auf, so wollen wir dafür sorgen, dass Selbständigkeit erhalten und gefördert wird. In diesem Sinne beinhaltet Pflege nicht nur manuelle Hilfestellung, sondern auch Anleitung und Unterstützung, Mobilisierung und Aktivierung, sowie Erklärung und Ermunterung. Ebenso gehört, in Zusammenarbeit mit Ärzten, eine optimale Versorgung mit Hilfsmitteln dazu.

Gruppenpflege statt Funktionspflege. Um eine ganzheitlich ausgerichtete, aktivierende und individuelle Pflege zu verwirklichen, haben wir überschaubare Pflegeeinheiten geschaffen. Eine feste Mitarbeitergruppe ist für alle bewohnerorientierten Aufgaben selbständig verantwortlich. Die Planung und Einteilung der anstehenden Aufgaben geschieht gemeinschaftlich im Team unter der Verantwortung der Etagenleitung bzw. der jeweiligen Pflegefachkraft.

  • Um eine optimale Pflege zu gewährleisten wird jeder Pflegefachkraft eine überschaubare Anzahl von Bewohner/Innen zugeordnet. Diese "primäre Pflege-Bezugsperson" ist verantwortlich für die nach dem Pflegeprozess ausgerichtete Pflege. Sie leitet u. a. Pflegehelfer/Innen an und ist Ansprechpartner/In nach innen und außen. Im Gegensatz dazu, ist die "aktuelle Pflege-Bezugsperson" diejenige Pflegekraft, die aktuell jeweils für z. B. einen Tag oder eine Schicht die Bewohner/Innen versorgt. Diese Organisationsform soll gewährleisten, dass es klare Zuständigkeit und Verantwortung für die Pflege bestimmter Bewohner/Innen gibt. Formen der Zusammenarbeit

Im Seniorenpflegehaus "Richard Weiß" ist eine Pflegedienstleitung und eine stellvertretende Pflegedienstleitung mit einem Beschäftigungsumfang von 100 % der Regelarbeitszeit
(38,5 h/Woche) beschäftigt. Um den großen qualitativen Anforderungen an Pflegeheimen gerecht zu werden, ist die Funktion der Pflegedienstleitung doppelt besetzt (Pflegedienstleitung und stellvertretende Pflegedienstleitung). Die Anwesenheit einer leitenden Pflegefachkraft ist dadurch gewährleistet. Pflegedienstleitung und stellv. Pflegedienstleitung arbeitet nicht in der direkten Pflege mit.

Die Sicherstellung der Weitergabe von Informationen ist für die Ablauforganisation der Einrichtung und den Pflegeprozess ein äußerst wichtiges Kriterium. Es gibt ein Kommunikationssystem, das die Weitergabe aller relevanten Informationen sicher und ohne Zeitverlust an alle betroffenen Personen weiterleitet. Dazu gehören:

Auf den Wohnetagen finden täglich drei Übergabegespräche statt, in denen u. a. die Vorkommnisse, Erkrankungen, Befindlichkeiten, durchgeführten Maßnahmen, Beobachtungen und ärztliche Verordnungen der Bewohner besprochen werden. Es nehmen alle Mitarbeiter der jeweiligen Dienstschichten daran teil. Es werden die Informationen besprochen, welche in der Pflegedokumentation festgehalten sind. Tagesplanungen und Schichtplanungen werden ebenfalls erörtert.

Mindestens einmal im Monat findet für alle Mitarbeiter eine Dienstbesprechung statt. Teilnehmer sind im Dienst befindliche Mitarbeiter und die Pflegedienstleitung/stellv. Pflegedienstleitung oder eine von ihr beauftragte Person. Bei Bedarf können Gäste gehört werden. Die Inhalte und das Ergebnis dieser Besprechung werden in einem Protokoll festgehalten. Dieses wird zugänglich für alle Mitarbeiter abgelegt, so dass auch Mitarbeiter, die nicht an der Besprechung teilgenommen haben, jederzeit über die Ergebnisse informiert werden. Die Mitarbeiter bestätigen schriftlich die Teilnahme an den Dienstbesprechungen. Mindestens zweimal im Monat trifft sich die Pflegedienstleitung mit den Wohnbereichsleitern, um aktuelle Probleme der Wohnbereiche zu besprechen. Ergebnisse dieser Besprechungen können dann durch die ebenfalls regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen der Wohnbereiche an die einzelnen Mitarbeiter weitergeleitet werden.

Mindestens einmal im Monat erfolgt eine Leitungsbesprechung, an der die Geschäftsführung, Heimleitung, Pflegedienstleitung, der Qualitätsbeauftragte sowie Mitarbeiter der Verwaltung und der Hauswirtschaft (auf Einladung) teilnehmen. Die Inhalte und das Ergebnis dieser Sitzung werden protokolliert. Die Anwesenden bestätigen schriftlich die Teilnahme. Informationen, die für die Mitarbeiter per Rundscheiben weitergereicht werden, können zusätzlich an der Informationswand in den jeweiligen Tätigkeitsbereichen eingesehen werden.

Alle Pflegebereiche sind mit einem PC ausgerüstet, ein schneller Informationstransfer zwischen einzelnen Pflegebereichen und zwischen Pflegebereichen und Leitungsebenen ist so sichergestellt. Dienstanweisungen, die Sachverhalte, Arbeitsanweisungen und Verhaltensmaßnahmen regeln, werden von den Mitarbeitern nach Kenntnisnahme per Unterschrift bestätigt. Informationen, die in der Pflegedokumentation niedergeschrieben wurden, werden durch das Reitersystem an der Mappe kenntlich gemacht und fordern die Mitarbeiter auf, diese Information zu lesen, umzusetzen und weiterzugeben.

Es findet werktäglich in kurzer Besprechungsform, ein Austausch zwischen Pflegedienstleitung und Pflegekräften während eines Rundgangs der Pflegedienstleitung statt, in dem Vorkommnisse, Besonderheiten oder Ereignisse des Vortages sowie Planungen für den aktuellen Tag erörtert werden.

Nach Erfassung der Ressourcen/Probleme, müssen die Ziele formuliert werden. Hier gilt es, die Bewohnerin durch Aktivierung und Ausgleich der Defizite der betroffenen AEDL's in ihrer depressiven Stimmung zu verstehen und Wege zu finden, um gemeinsam mit der Bewohnerin und ihren Bezugspersonen mögliche Schritte zu erarbeiten, die ein weiteres Abgleiten in eine depressive Grundhaltung verhindern. Die Planung der Pflege und die Umsetzung des Pflegeprozesses müssen auf dieses Ziel ausgerichtet sein.

Die Primäre Fachpflege Bezugsperson und die Bewohnerin versuchen gemeinsam:

Möglichkeiten der Beschäftigung in der Einrichtung zu finden (z. B. Teilnahme an Beschäftigungsangeboten wie Blumenpflege), durch den Erhalt von Gewohnheiten Sicherheit in der neuen Umgebung herzustellen, die Kommunikation mit anderen Bewohnern zu fördern und Möglichkeiten der Bewegung zu finden.

Erreicht das Pflegeteam, dass die Bewohnerin sich wieder für etwas interessiert, so wird nicht nur Langeweile bekämpft, sondern auch der physische und seelische Verfall aufgehalten. Die Primäre Fachpflege Bezugsperson sollte alle Ressourcen und auch jede personelle Hilfe in ihre Planung mit einbeziehen, d.h. die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen nutzen, z.B. könnte die Hilfe einer Krankengymnastin und einer Ergotherapeutin sehr nützlich sein, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Die detailliert formulierten und schriftlich in der Pflegedokumentation fixierten Maßnahmen werden nach dem vorher erstellten Plan durchgeführt. Nach einem vorher bestimmten Zeitraum erfolgt die Zielkontrolle. Sie muss sich am Verhalten und an Äußerungen der Bewohner, Beobachtungen der Mitarbeiter und an Aussagen von Angehörigen orientieren. Sind die festgestellten Defizite bei den AEDL's weiterhin vorhanden? Ist der Bewohner weiterhin depressiv oder wird er durch die pflegerischen Maßnahmen fröhlicher und hat Kontakte geknüpft? Sind die Pflegemaßnahmen angemessen oder sollten alternative Maßnahmen gewählt werden?

Diese Aussagen zu Einschätzung, Planung, Pflegemaßnahmen und Evaluation sind Bestandteil des Pflegeprozesses.

2.3 Einsatzbereiche

Ich bin im Seniorenpflegehaus "Richard Weiß" in den folgenden Bereichen überwiegend eingesetzt worden:

  • Bei der Pflege (Grund- und Intimpflege, Mundpflege)
  • Mobilisierung von Bewohnern (Toilettegänge, Spaziergänge)
  • Bei der Beschäftigung (Zigarette halten, Brettspiele spielen und Unterhaltungen)
  • Bei hauswirtschaftlichen Angelegenheiten (Frühstück/Abendbrot machen, Küche aufräumen)
  • In der Durchführung von Prophylaxen (Dekubitus-, Pneumonie-, Kontraktion-, Sturz- und Thromboseprophylaxe)

2.4 Konzept der Anleitung / Einarbeitung

Für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter wurde im Qualitätszirkel ein Verfahrenshandbuch erstellt, das die Einweisung und Einarbeitung regelt. Es wird unterschieden zwischen der Einarbeitung neuer Mitarbeiter im Pflegebereich und der Einarbeitung von Zivildienstleistenden und Mitarbeitern eines freiwilligen sozialen Jahres.

Zu Beginn meiner Tätigkeit im Seniorenpflegehaus bin ich zunächst allen Bewohnern vorgestellt worden. In den ersten drei Tagen habe ich eine Pflegefachkraft begleitet, die mich in groben Zügen über die Grundpflege informierte. Ich habe viele Informationen über meine neue Tätigkeit erhalten; gleichzeitig sind mir alle meine Fragen beantwortet worden. Danach konnte ich die Grundpflege in den wesentlichen Zügen selbstständig ausführen. An einigen Tagen hat mich mein Praxisanleiter begleitet. Dabei hat er mir eine Menge Tipps für die praktische Arbeit gegeben. Außerdem konnte ich durch intensive Gespräche mein theoretisches Wissen erweitern.

3. Exemplarische Darstellung eines eigenständigen Arbeitsschwerpunktes

3.1 Beschreibung der Planung und Umsetzung auf theoriegeleiteter
Grundlage

Mein Arbeitsschwerpunkt ist der 85jährige Herr W. Er wurde im Februar 1919 in Berlin geboren. Nachdem er die Volksschule besucht hatte, absolvierte er eine Berufsausbildung zum Bäcker und Konditor. Später machte er seinen Meisterbrief. Während des 2. Weltkrieges hat sich Herr W. eine Kriegsverletzung zugezogen.

Folgende Verhaltensweisen sind bei ihm zu finden:

Er ist ein Tagmensch, ordnungsliebend, eine Führernatur, lebhaft, fröhlich und geschlechtsbewusst. Herr W.'s Diagnose ist das Morbus Parkinsonsyndrom (nach James Parkinson benannt), das auch Schüttellähmung genannt wird. Bei dieser Krankheit kommt es aus ungeklärter Ursache zu einem Absterben von Dopamin produzierenden Zellen im Mittelhirn und damit zum Mangel an Dopamin im Gehirn. Dopamin wird benötigt, um in dem kleinen Schaltzentrum im Gehirn Signale an weitere Zentren der Motorik zu geben. Die Symptome der Krankheit zeichnen sich durch Bewegungsarmut, einer erhöhten Muskelspannung, eine starre Mimik sowie durch spontane Bewegungen aus. Die Stimme ist leise, tonlos und monoton.

Vegetative Veränderungen sind bei Herrn W. in Form von erhöhtem Speichelfluss, Schluckstörungen, Obstipation sowie Harn- und Stuhlinkontinenz zu beobachten. Gleichzeitig hat sich sein Auffassungsvermögen unter Beibehaltung seiner Intelligenz verlangsamt. Herr W. äußerte oft die Worte: "Ich kann nicht mehr!", wodurch er seine depressive Stimmung zum Ausdruck brachte.

Folgende Therapie wird bei Herrn W. eingesetzt:

gezielte Bewegungsübungen, Krankengymnastik, Wärme gegen Versteifung und Sprachübungen.

Zur Sicherheit wird das Bettgitter hochgestellt, tagsüber wird er am Rollstuhl mit dem Gurt fixiert. Diese Fixierungen sind durch eine Verfügung angeordnet. Medikamentös wird er mit Madopar 125 und Amantadin 100 behandelt, was die Dopaminwirkung verbessert. Außerdem bekommt er ASS 100, was entzündungshemmend und schmerzlindernd ist und zur Blutverdünnung verwendet wird.

In diesem Zusammenhang soll auf die AEDL's " Kommunizieren", "Sich bewegen" und "Sich Pflegen" tiefer eingegangen werden. Bei dem AEDL " Kommunizieren" wurde bei Herrn W. als Problem festgestellt, dass die verbale Kommunikation erschwert ist. Als Ressourcen wurden erkannt, dass er kurze Sätze klar und deutlich formulieren kann, wenn man ihm geduldig zuhört. Außerdem kann er hören und lesen. Damit Herr W. sich besser verstanden fühlt, sind folgende Maßnahmen ergriffen worden:

  • Ihm wird genügend Zeit gelassen, um auf Fragen zu antworten.
  • Er wird ruhig und direkt angesprochen.
  • Er wird für seine Verbesserungen häufig auf freundliche Weise gelobt.

Bei dem AEDL " Sich bewegen" wurden Kontrakturen in den Beingelenken, Dekubitusgefahr und ein eingeschränkter Bewegungsdrang diagnostiziert. Außerdem kann er nicht laufen. Als Ressourcen wurde festgestellt, dass der Bewohner bedingt stehen kann, wenn er sich irgendwo festhalten kann. Folgende Maßnahmen wurden ergriffen, um die Beweglichkeit zu erhalten und ein Dekubitus zu vermeiden:

  • Durchführung von Krankengymnastik
  • Animation zur Selbstbewegung
  • Einsatz einer Wechseldruckmatratze (Dekubitusmatratze).

Bei dem AEDL "Sich Pflegen" wurde erkannt, dass Herr W. bei der Oberkörperwaschung teilweise Hilfe benötigt. Den Unterkörper kann er nicht selbstständig waschen und beim Rasieren braucht er ebenfalls Hilfe. Als Ressourcen wurde festgestellt, dass er seine Hände und sein Gesicht selber waschen kann. Ferner kann er seine Zahnprothese selber einsetzen. Folgende Maßnahmen wurden ergriffen, damit sich Herr W. wohl fühlt, was eine intakte Haut und Mundflora einschließt:

  • Ganzwaschung des Unterkörpers einschließlich der Intimpflege im Bett
  • Anbietung von Unterstützung bei der Oberkörperwaschung
  • Rasur durch Pflegepersonal, ggf. Hilfestellung dabei.

Bevor ich die Grundpflege beginne, bekommt Herr W. von einer Pflegefachkraft eine Medikation gegen sein Morbus Parkinsonsyndrom. Dadurch fällt ihm das Aufstehen später leichter. Zunächst begrüße ich ihn freundlich und schließe ggf. das Fenster und mache das "Anwesenheitslicht" an. Als nächstes wird die Intimpflege durchgeführt. Die Intimpflege führe ich im Bett durch, da Herr W. nicht lange stehen kann und außerdem morgens immer inkontinent ist. Ich hole mir dazu das benötigte Material ans Bett. Hierbei handelt es sich um die Waschschüssel mit Wasser, die Waschlotion, zwei Handtücher, einen Waschlappen und diverse Einmalwaschlappen, Inkontinenzmaterial (Windel) und Einmalhandschuhe. Nun informiere ich den Bewohner, dass ich ihn im Intimbereich waschen und ihn dazu entkleiden werde. Durch seine Mimik macht er deutlich, dass er damit einverstanden ist. Die Tür ist geschlossen. Ich entkleide Herrn W. unterhalb der Taille und nehme ihm das Inkontinenzmaterial ab. Zuvor habe ich mir die Einmalhandschuhe angezogen und mir die Hände desinfiziert. Dann lege ich ihm ein Handtuch unter das Gesäß. Danach säubere ich den Bewohner von Kot und Urin im Intimbereich. Dazu sind die Einmalwaschlappen und ein Reinigungsschaum sehr hilfreich. Die Einmalwaschlappen und das Inkontinenzmaterial gebe ich nach dem Gebrauch in einen Beutel, der später entsorgt wird. Jetzt fange ich mit der eigentlichen Waschung an. Ich wasche die Bauchdecke einschließlich Nabel, Leisten, Oberschenkel, Beine und Füße einschließlich Zehenzwischenräume und trockne diese anschließend ab. Dann ziehe ich die Vorhaut vom Penis zurück, um angesammelten Belag unter der Eichel zu entfernen. Dazu achte ich drauf, die Vorhaut wieder zurückzuschieben, da sonst die Gefahr einer Stauungsschwellung entstehen kann. Jetzt hebe ich den Hodensack, wasche ihn und trockne alles ordentlich ab. Dann bitte ich Herrn W., dass er sich zur Seite drehen möchte. Jetzt wasche ich die Anusregion vom Anus bis zum Kreuzbein und trockne alles gut ab. Nun nehme ich mir ein Hautpflegemittel und creme die gewaschenen Stellen ein. Anschließend creme ich zusätzlich die Analfalte mit Bepanthen ein und lege ihm das Inkontinenzmaterial an. Anschließend informiere ich Herrn W., dass ich ihn unterhalb der Taille bekleide und ihn dann in den Rollstuhl helfe. Hierbei wende ich den Hebe-Stützgriff an, um seinen Oberkörper aufzurichten.

Dann fahre ich ihn ins Badezimmer zum Waschbecken. Dort gebe ich ihm die Zahnprothese, die er mit einer Zahnbürste säubert und dann in den Mund nimmt. Nachdem ich das Material (z.B. Waschlappen, Handtücher, Waschlotion, Kamm) zur Grundpflege auf Vollständigkeit überprüft habe, lasse ich lauwarmes Wasser einschließlich Waschlotion in das Waschbecken ein. Er erhält auf Wunsch einen Waschlappen in die Hand, der nur mit lauwarmem Wasser und nicht mit der Lotion in Berührung gekommen ist, damit er sich das Gesicht und die Ohren selber waschen kann. Den Brustkorb und die Unterarme wäscht er ebenfalls selbst. Bei den Oberarmen, den Achselhöhlen und dem Rücken übernehme ich die Waschung. Nachdem er sich teilweise selbst abgetrocknet hat, sorge ich dafür, dass er an allen Stellen, z.B. hinter den Ohren wirklich trocken ist. Danach creme ich den gesamten Oberkörper einschließlich der Arme ein. Das Gesicht cremt Herr W. abschließend selbst ein. Eine Intertrigo- und Dekubitusprophylaxe ist während der Grund- und Intimpflege selbstverständlich. Bei der Dekubitusprophylaxe achtet man z.B. auf sorgfältige Hautpflege bei Inkontinenz, saubere faltenfreie Wäsche und saugfähige Unterlagen, kein Hautkontakt mit Gummi oder Plastik. Um Die Durchblutung zu fördern sollte man Durchblutungshemmende Faktoren wie beengende Kleidung oder Verbände vermeiden. Aktive und passive Bewegungsübungen fördern außerdem die Stabilisierung des Kreislaufs. Ziel der Dekubitusprophylaxe ist das Vermeiden aller möglichen Entstehungsursachen. Alle Maßnahmen müssen individuell mit dem Bewohner und mit dem Pflegeteam gemeinsam geplant und überwacht werden. Bei der Intertrigoprophylaxe achte ich darauf die Haut nach dem reinigen trocken zu halten. Besonders gefährdete Körperstellen wie die Leistenbeugen, Bauchfalten bei adipösen Menschen, Achselhöhlen, Zwischenräume zwischen den Fingern und Zehen, Hautpartien zwischen den Gesäßfalten, Gliedmaßenstumpf bei Prothesenträgern und unter den Brüsten sind zu beobachten. Ziel der Intertrigoprophylaxe ist die Gesunderhaltung der Oberhaut an gefährdeten Stellen.

Dann fahre ich ihn ins Zimmer zurück, bekleide ihn zu Ende, kämme ihn und setze ihm die Brille auf. Ggf. helfe ich ihm bei der Rasur. Schließlich fahre ich ihn in den Tagesraum, in dem er das Frühstück erhält.

3.2 Kritische Reflektion der Ergebnisse

Da ich während meines Zivildienstes im Jahr 2000 und eines zweiwöchigen Praktikums im Jahr 2003 bereits pflegerische Tätigkeiten durchgeführt hatte, fiel mir der Einstieg in das vorliegende Praktikum nicht schwer. Sowohl das Team als auch die Bewohner, die ich schnell alle kennen und schätzen lernte, machten es mir leicht, so dass ich mich in kurzer Zeit in das Team eingliedern konnte.

Ich habe eine sehr gut organisierte Station mit motivierten und engagierten Mitarbeitern kennen gelernt. Besonders gut gefiel mir die Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und der Wohnbereichsleitung. Der kooperative Führungsstil der Wohnbereichsleitung zeichnete sich dadurch aus, dass aktuelle Themen offen angesprochen werden konnten. Bei Problemen oder Konflikten wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht. Während des gesamten Praktikums waren sowohl die Wohnbereichsleiterin als auch der Praxisanleiter als Ansprechpartner für mich da. Sie erschienen mir fachlich und sozial sehr kompetent. Mir wurde Einsicht in viele Unterlagen (u.a. Pflegedokumentationen) gewährt und ich bekam jegliche Unterstützung. Ich wurde von meinem Praxisanleiter und den Pflegekräften gut eingearbeitet . Gleich nach der Einarbeitung war ich für eine Gruppe von 4-5 Bewohnern die Bezugsperson, bei denen ich täglich die Grund- und Intimpflege durchführte. Ich stellte fest, dass mir der Umgang mit Fäkalien nichts ausmacht und ich mich auf die Pflege konzentrieren konnte.

Während meines Praktikums sind drei Bewohner des Seniorenpflegehauses gestorben. Der Tod einer 98jährigen demenzkranken Frau hat mich emotional zunächst etwas belastet, weil ich zu ihr einen guten Bezug aufgebaut hatte. So kam es vor, dass ich mich oft mit ihr unterhalten habe. Sie sprach bei diesen Gelegenheiten viel über ihre Tochter, die heute noch lebt. Als ich mich an einem Tag nach ihrem Befinden erkundigen wollte, stellte ich fest, dass sie völlig verkrampft im Bett lag und nicht ansprechbar war. Ich legte sie sofort auf die stabile Seitenlage und holte die Pflegefachkraft. Diese rief die Feuerwehr, die den Transport der Frau per Helikopter veranlasste. Später erfuhr ich, dass die Frau infolge eines Schlaganfalls verstarb. Für mich war dieses Ereignis von besonderer Bedeutung, da ich mich dadurch erneut veranlasst sah, mich mit den Folgen des Alterns und mit dem Tod im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Ich war froh, dass ich mir die Zeit genommen hatte, mich mit ihr intensiv zu unterhalten. Meine Aufmerksamkeit und die Hilfe des übrigen Pflegepersonals haben ihr mit Sicherheit geholfen, mit dem Älterwerden zu Recht zu kommen. In diesem Zusammenhang wurde mir bewusst, wie wichtig eine qualitativ hochwertige Pflege im Alter ist.

Aktivierende Pflege trägt zum seelischen Wohlbefinden bei, indem sie Ausdrucksmöglichkeiten schafft, das Selbstwertgefühl stärkt und Sicherheit vermittelt. Genau das konnte ich bei Frau F. beobachten. Frau F. hat sich ein Oberschenkelhalsbruch zugezogen und wurde stark immobil. Das hatte zur Folge, dass sie nur noch im Bett gewaschen und mit dem Rollstuhl in den Tagesraum gefahren wurde. Da sie die Nahrung nicht mehr selbst zu sich nahm, musste ihr diese gereicht werden. Durch Motivation und Anleitung zur Selbstpflege stellte ich fest, dass Frau F. langsam Fortschritte machte. Mit einer Pflegekraft habe ich versucht, sie jeden Morgen zu mobilisieren, indem wir sie beide beim langsamen Laufen unterstützten. Mit der Zeit machte sie Fortschritte, so dass sie nach ca. acht Wochen - gegen Ende meines Praktikums - mit einem Rollator fast selbstständig laufen konnte. Dass sie sich darüber sehr gefreut hat, konnte man an ihrem Lächeln erkennen. Der Erfolg kam dadurch zustande, dass Frau F. in den Bereichen Bewegung, Transfer, Heben und Tragen sowie der Mitarbeit beim Lagern aktiviert wurde. Dies habe ich entsprechend dokumentiert. Einige Pflegekräfte baten mich, nicht so eindeutig zu dokumentieren, dass sich das Befinden von Frau F. verbessert hatte. Es wurde die Gefahr gesehen, dass die Pflegestufe von Frau F. herabgestuft wird. Ich vertrete die Auffassung, dass eine genaue Dokumentation die Grundlage für die Aktivierende Pflege darstellt. Bei der aktivierenden Pflege werden die körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Bewohner gefördert und erhalten. Dies geschieht durch zielgerichtete Maßnahmen oder Aktivitäten. Dies ist gerade nicht möglich, wenn keine genaue Dokumentation durchgeführt wird.

4. Zusammenfassung

4.1 Lernerfahrungen in diesem Ausbildungsabschnitt

Ganzheitliches Pflegesystem

Wie das Pflegemodell mit seine "13 Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des täglichen Lebens" in der täglichen Pflege- und Betreuungspraxis innerhalb des Pflegeprozesses umgesetzt werden konnte, möchte ich zur Verdeutlichung anhand eines Beispiels darstellen:

Eine 75jährige Frau wurde in der Einrichtung aufgenommen. Sie erschien sehr depressiv und gab an, nun ihren Lebensinhalt verloren zu haben, weil sie ihren gewohnten Aktivitäten, wie z.B. Gartenarbeit und die Unterhaltung mit den Gartennachbarn nicht mehr nachgehen konnte. Die Defizite lagen im Bereich "Sich beschäftigen können" und "Soziale Bereiche des Lebens sichern können". In einem Gespräch konnte ich mit ihrer Fachlichen Bezugsperson weitere potentielle Probleme feststellen. Sie hatte zu wenig Bewegung und verlor dadurch die Kontrolle über ihre "sichere Umgebung". Es waren also zusätzlich die AEDL's: "Für Sicherheit sorgen können" und "Sich bewegen können" betroffen.

  • An diesem Beispiel wird deutlich, wie die verschiedenen AEDL's Einfluss aufeinander haben. Die Bewohnerin hat eine für sie wichtige Beschäftigung und dadurch den Lebensmut verloren. Es wird ein ganzheitliches Pflegesystem angewandt, bei dem eine bewohnerorientierte Pflege stattfindet. In diesem Pflegesystem werden die Mitarbeiter zu "Bezugspersonen". In der Bezugspersonenpflege werden die Bewohner nachvollziehbar bestimmten Pflegemitarbeitern zugeordnet. Fortschritte waren schon nach wenigen Wochen zu erkennen.

Umsetzung von Lagerungs- und Trinkplänen

Zu Beginn meines Praktikums hatte ich Schwierigkeiten, die individuellen Lagerungs- und Trinkpläne ordnungsgemäß umzusetzen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass diese Aufgabe nur dann zur Zufriedenheit der Bewohner ausgeführt werden konnte, wenn man sich im Team absprach. Die Optimierung der eigenen Planung ist möglich, wenn man beispielsweise das 6-Schritte-Modell der vollständigen Handlung berücksichtigt. Ich plane bei meinem nächsten Einsatz, das Modell in der Praxis anzuwenden.

Umgang mit Demenzkranken

Auf meiner Station habe ich nach einer gewissen Einarbeitungszeit besser mit Demenzkranken umgehen können. Anfangs musste ich mich über das Krankheitsbild Demenzkranker informieren. Ich wusste beispielsweise nicht, dass man einen Demenzkranken nicht mit einer Vielzahl von Fragen belasten darf. So kam es schon mal vor, dass ich eine demenzkranke Person mit meinen Fragen verwirrte. Erst später wurde mir durch Gespräche mit Fachpflegekräften und meinem Praxisanleiter sowie durch schriftliche Informationen klar, dass demenziell erkrankte Menschen

vertraute Bezugspersonen, die ihnen eine ruhige Sicherheit geben und keine therapeutischen Erfolgsansprüche stellen,

einen strukturierten Tagesablauf,

eine harmonische Wohn- und Lebenswelt ohne Stress,

Erinnerungsstücke, die so lange wie möglich eine Verbindung zu ihrer eigenen Geschichte und Identität herstellen,

helle, offene Räume, die eine einfache Orientierung ermöglichen und keine Gefährdungen, wie Schwellen oder offene Treppen enthalten,

Bewegungsraum und Rückzugsmöglichkeiten benötigen.

Die Arbeit mit Demenzkranken war eine Herausforderung für mich, da es nicht einfach ist, hilflosen Menschen eine aufmerksame und verständnisvolle Unterstützung zu geben. Ich würde mich freuen, wenn jeder begreifen würde, dass eine zunehmende demenzielle Erkrankung professionelle Hilfe erforderlich macht.

Autor: Marc Wechselmann
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