Praktikum in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung
Einleitung
Im Rahmen meiner Ausbildung als Altenpflegerin, führte ich ein Praktikum in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung durch.
Meine Erwartungen und Neugier, mit welchen schwierigen Krankheitsbildern ich konfrontiert werde, standen auch sehr gemischte Gefühle gegenüber.
Im Vordergrund stand dabei meine Angst, die Pflege und Betreuung dieser Patienten nicht fachgerecht durchführen zu können, sowie negative Erlebnisse und Eindrücke auszuhalten und verarbeiten zu können.
Entgegen meinen Erwartungen stellte ich fest, dass zu 80%, bezogen auf die Krankheitsbilder, kein großer Unterschied zu einem Altenpflegeheim besteht. Jedoch ein großer Unterschied gegenüber einem Altenpflegeheim besteht bei den Rahmenbedingungen, welche für psychisch Kranke allgemein nicht die besten
Voraussetzungen bieten.
1. Rahmenbedingungen für die pflege psychisch kranker Menschen
Jede Pflege kann nur so gut sein, wie die Rahmenbedingungen sind, unter denen sie geleistet wird.
Dabei ist auf die Anzahl und die Qualifikation der Pflegekräfte, die räumliche und materielle Ausstattung der Einrichtung und deren Einbindung in ein differenziertes Netz von Hilfsangeboten zu achten.
Des weiteren besteht eine Abhängigkeit zu den finanziellen Möglichkeiten und der politischen Entscheidung darüber, was psychisch Kranke und ältere Menschen in der heutigen Gesellschaft wert sind.
Psychisch kranke alte Menschen gehören Einerseits zu der Gruppe der psychisch kranken und Andererseits zu der Gruppe der alten Menschen, bei denen eine lange Tradition von gesellschaftlicher Abwertung und Aussonderung existiert.
Die Rahmenbedingungen der Altenpflege und die der psychiatrischen Versorgungseinrichtungen spiegeln sich in einer unzureichenden Versorgung psychisch kranker Menschen wieder.
90% der älteren Menschen werden von Angehörigen gepflegt und betreut, dies gilt auch für psychisch kranke.
Die Angehörigen sind jedoch bei fortgeschrittener Krankheit überfordert und stoßen an ihre Grenzen. Sie entscheiden sich für eine stationäre Unterbringung.
Auch nahezu alle ambulanten Einrichtungen sind mit der Betreuung mit psychisch kranken alten Pflegebedürftigen konfrontiert. Dringend notwendig ist, die Mitarbeiter für dieses Aufgabenfeld zu qualifizieren.
Eine angemessene Behandlung gerontopsychiatrischer Erkrankungen kann in diesem Rahmen nur selten erfolgen. Die psychiatrischen Kliniken oder Abteilungen eines Krankenhauses sind häufig nur eine Durchgangsstation, wo die diagnostische Abklärung erfolgt und danach in Heime entlassen werden.
Die Altenpflegeheime sind meistens die „Endstation“ der existierenden Versorgungskette. Sie können von den Angehörigen oder ambulanten Diensten nicht mehr versorgt werden. Der Anteil der psychisch kranken unter den Pflegeheimbewohnern beträgt etwa 50-70%.
Diesem Anteil psychisch kranker Patienten sind die Heime von den Rahmenbedingungen her nicht immer gewachsen.
2. Der Wahn
Der Wahn ist ein komplexes Phänomen seelischer Störungen. Er gehört zu den schwierigsten psychischen Krankheiten, was die Diagnose, das Arzt-Patient Verhältnis und die Therapie betrifft.
Der Wahn ist nicht auf schizophrene Psychosen beschränkt, er kann auch Hirnorganische Krankheiten und Depressionen betreffen.
Der Wahn ist eine krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Realität.“ Der Wahn, eine objektiv falsche aus krankhafter Ursache entstehende Überzeugung, die ohne entsprechende Anregung von außen entsteht und trotz vernünftiger Gegengründe aufrechterhalten wird.“
Die Patienten halten an dieser Fehlbeurteilung mit Gewissheit und unkorrigierbar fest, auch wenn sie im Wiederspruch mit der Wirklichkeit steht.
Selbst die eigene Lebenserfahrung und das Urteil seiner gesundenMitmenschen beeindrucken ihn nicht. Häufig will der wahnkranke seine wahnhafte Überzeugung auch nicht korrigieren.
Diese Überzeugung ist unerschütterlich und unanfechtbar. In seinem übrigen denken kann er aber sogar folgerichtig urteilen.
Der Wahn ist auch Ausdruck einer veränderten Umweltbeziehung.
die Betroffenen sind unfähig diesem „Wahngefängnis“ mit seinem Symptomen zu entrinnen.
Die Wahnwirklichkeit ist die einzige Realität für die Betroffenen und ist in seiner Wahnwelt gefangen. Manchmal nehmen sie auch noch teilweise an der Realität des gesunden teil.
Auch wenn der Wahn in seinem erleben nicht dominiert, ist er der wichtigere Teil seines Lebens geworden.
Manchmal können Wahn und Realität nebeneinander bestehen, ohne das sie sich stören, der betroffene lebt also in zwei Welten, seiner Wahnwelt und in der Wirklichkeit. Es können aber auch beide Welten ineinander überfließen.
Der Wahn ist auch deshalb komplex, weil es verschiedene Formen des Wahnerlebens gibt und sich in verschiedenen Erscheinungsformen zeigen kann.
2.1.Formen des Wahnerlebens
- Wahnstimmung: Alarmstimmung, alles so unheimlich, bedrohlich, sonderbar, „es liegt etwas in der Luft“, aber was?
Folge: Angst, Argwohn, Misstrauen, Verunsicherung, Ratlosigkeit, Schreck, Bedrohungsgefühle usw. Vielleicht auch Gehobenheit, Beseligung, Zuversicht. kurz: es ist etwas los. Meist im Vorfeld wahnhaften Erlebens.
- Wahneinfall: plötzlich auftauchende wahnhafte Überzeugung, Eingebung, Erleuchtung. Beispiele: Verfolgung, Beeinträchtigung, aber auch Berufung, Erhöhung usw.
- Wahngedanken: gedanklich nur mit dem Wahn befasst, also wahnhaftes grübeln, Verknüpfung, Erklären usw.
- Wahnwahrnehmung: reale Wahrnehmung aus alltäglichen Vorkommnissen erhalten eine andere, für den betroffenen wirklichkeitsgerecht erscheinende, für den gesunden Beobachter krankhafte Bedeutung. Beispiele: eine Bemerkung, ein Gespräch, eine Geste, ein Artikel, eine Radio- oder Fernsehsendung hat plötzlich eine spezifische Bedeutung für den Patienten (Zeichen, Hinweis, Warnung, Aufforderung).
- Wahnarbeit: Der Wahn wird durch weitere Symptome bewiesen, begründet, abgeleitet, ausgestaltet, kurz: bearbeitet.
- Wahnerinnerungen: Die Vergangenheit wird rückwirkend wahnhaft umgedeutet.
- Wahnsystem: systematischer Ausbau eines regelrechten Wahnsystems.
- Wahndynamik: gemütsmäßige Aspekte des Wahngeschehens, von „ innerlich leer“ bis „ starke Gemütswallungen“
2.2 Erscheinungsformen des Wahns
- schizophrener Wahn
- Verfolgungswahn
- Größenwahn- auch bei Manie
- religiöser Wahn
- Beziehungswahn
- depressiver Wahn
- Verarmungswahn
- Hypochondrischer Wahn
- Versündigungswahn
- Verschuldungswahn
- typisch bei HOPS
- Bestehlungswahn – typisch bei Demenz
- Dermatozeon Wahn (Tierchen auf der Haut)
- typisch bei jungen Menschen
- Liebeswahn
- Beziehungswahn
- Eifersuchtswahn
- weitere
- Beeinträchtigungswahn
- Untergangswahn
- Fremdbeeinflussungswahn
- wahnhafter Identitätswandel
- Heilswahn
- Weltverbesserungs- bzw. Welterneuerungswahn
- Allmachtswahn
- Abstammungswahn
- nihilistischer Wahn (nichts sein)
- Verdammungswahn
- Schwangerschafts- bzw. Mutterschaftswahn
- Reichtumswahn
- wahnhafte Rollenerhöhung
- Begnadigungswahn
- Unschuldswahn
- Bedrohungswahn
2.3. Ursachen
Ursachen des Wahns können sein:
- schizophrene Erkrankung
- major Depression ~ Wahn ist depressiv getönt z.B. Verarmungswahn
- Manie ~ Größenwahn
- Schädel- Hirn- Trauma ~ meist nur kurzfristig
- Vergiftung ~ meist nur kurzfristig
- Alzheimer- Demenz ~ z.B. Bestehlungswahn
- Alkoholismus ~ z.B. Eifersuchtswahn
- Drogen
2.4. Symptome
- Ratlosigkeit
- Rückzug
- Verwirrung
- Angst
- Panik
- Reaktionen wie mit dem Kopf gegen die Wand schlagen
- abrupter Abbruch des Kontaktes zu anderen Menschen
3. Hypochondrischer Wahn
Hypochondrie ist die krankhaft gesteigerte Beobachtung der eigenen Körperfunktionen und Überbewertung von Beschwerden.
Es leitet sich ab aus dem griechischen Wort „ Hypochondrium“ unter dem Brustknorpel liegende Körpergegend, Oberbauch; aus „hypo“ unter und „Chondrus“ Brustknorpel bzw. Stückchen, Krümchen, Korn.
Nach anderer Deutung rührt die Bezeichnung daher, dass im Altertum diese Körpergegend als Sitz der Seele und des Gemütes betrachtet wurde.
Es gibt verschiedene Definitionen: eine medizinische, eine psychologische, eine psychoanalytische Theorie und eine psychiatrische .
Psychiatrische Definition:
- Syndrom wird als „hypochondrischer Wahn“ bezeichnet
- wahnhafte Überzeugung an einer schweren krankheit zu leiden auch bei eindeutigen Gegenbeweisen
- Steigerung der hypochondrischen Idee ins Wahnhafte
- in ausgeprägter Form besonders bei Depressionen, die eigentliche Krankheit Depression wird dabei vom Kranken verneint und tritt in den Hintergrund
- Symptomfelder werden unterschieden in z.B. „Zirkumskripte H“ mit einem eng beschriebenen Körpergebiet, „topische H“ meist in der Magengegend lokalisiert
3.1. Wer bzw. was ist ein Hypochonder
Es wurde statistisch ermittelt, das 5-10% der Patienten in einer Hausarztpraxis unter einer extremen Selbstbeobachtung leiden.
Hypochonder sind die „Medizinexperten“ unter den Laien. Sie suchen über Jahre hinweg, meist zunehmend nach Antworten auf ihre nie endenden Fragen zu ihrem Körper und seinem Symptomen. Nebenbei bilden sie sich in medizinischen Dingen fort.
Es erscheint wie eine Sucht, um so mehr Antworten er bekommt, desto mehr Fragen und Ängste entwickeln sich.
Die Grenze zwischen seinem Wunsch nach Informationen über den eigenen Körper wird überschritten, es entsteht Krankheitsfurcht und ein gestörtes Körperbild.
Die Überbewertung der Selbstwahrnehmung durch den Hypochonder kann sich in Extremfällen bis zum hypochondrischen Wahn steigern.
Der Betroffene kann noch in der Lage sein, seine tägliche Arbeit zu verrichten. erkennt der Arzt das abweichende Verhalten, dann muss er es gegen die Depression oder Psychosen abgrenzen. Phobien (Ängste) beschäftigen sich mit Gegenständen oder Umständen, die von außen drohen, bei hypochondrischer Selbstbeobachtung dreht sich alles um „Bedrohungen“ von innen.
Hypochondrie ist eine Berufskrankheit vieler Ärzte, hervorgerufen durch das Studium und die tägliche Praxis, einzig und vor allem auf den Körper fixiert zu sein.
3.2. Symptome
- Das gestörte Körperbild fängt oft bei einem Organ an und breitet sich fortwährend über den Körper aus.
- Der Hypochonder ist nur schwer von seiner Gesundheit überzeugen.
- Der Hypochonder macht dem Arzt immer mehr Vorschläge zur Interpretation seiner Symptome.
- Kaum ist ein Symptom erklärt oder erfolgreich behandelt, schon stellen sich neue Beschwerden ein, oft begleitet von Todesangst.
- "Verdächtig" ist der Patient, der mit Büchern bewaffnet in der Praxis auftaucht und seinen Arzt informieren möchte, da "der Arzt ja schließlich nicht alles wissen kann", denn ein Arzt, der nichts findet, ist kein guter Arzt.
- Ein hypochondrisch veranlagter Mensch bezeichnet grundsätzlich nur den Arzt als gut, der auf seine Beschwerden intensiv eingeht und "alles untersucht".
- Hypochonder können auch auf eine Körperregion (zum Beispiel Hirn) fixiert sein und sich trotz aller Untersuchungen und kurzfristigen Wiederholungen, sowie Doppeluntersuchungen bei mehreren Ärzten von ihrer Angst (oft Krebsangst) nicht lösen.
- Die Fixierung auf bestimmte Krankheiten kann sowohl ein Organ (z.B. Leber) oder eine Körperregion (z.B. Bauch) als auch eine Krankheitsart (z.B. Krebs oder Entzündung) oder eine Diagnose (z.B. Morbus Alzheimer) betreffen. Auch z.B. das Knarren von Gelenken kann zum Gegenstand intensiver Selbstbeobachtung werden, auch (oder gerade weil?) eine Reihe von Ärzten, speziell Orthopäden, das Symptom für harmlos erklärt haben.
- Auch eine Häufung von Besuchen bei Spezialisten aus eigener Entscheidung, besonders bei Spezialisten derselben Fachrichtung, deutet auf übertriebene Ängste hin.
- Der "Koryphäenkiller" war schon bei Spezialisten mit möglichst vielen medizinischen Titeln (Professor Dr. Dr., etc), besonders namhaften Ärztinnen und Ärzten und reizt diese zur maximalen Anstrengung, um die eigenen Ängste und möglicherweise tatsächlichen Symptome zu erklären und die Furcht vor lebensgefährlichen Folgen zu zerstreuen. Sie sind oft in der Lage, sogar Koryphäen (also Spitzenkräfte oder Berühmtheiten des betreffenden Fachgebietes) zu verunsichern.
- Häufig ist die Neigung zu erkennen, aus den Krankheiten oder Symptomen äußeren Gewinn zu ziehen (Aufmerksamkeit, materielle Vorteile, Krankschreibung, etc)
- Hypochonder "pflegen" ein bestimmtes Krankheitsverhalten und einen bestimmten Stil in der Arzt-Patienten-Beziehung, "Kult-Bildung"
- Andauernde Ungewissheit erzwingt immer neue Arztbesuche, eine Beruhigung durch Diagnoseergebnisse, welche die Gesundheit bestätigen, ist kaum möglich oder schnell unwirksam.
3.3. Klassifikationsmerkmale
- übermäßige Beschäftigung mit der Angst oder Überzeugung hinsichtlich einer ernsthaften Erkrankung aufgrund Fehlinterpretation von Symptomen
- (Kriterium B)
- auch ohne medizinische Diagnose bleibt die Angst bestehen
- jedoch kein wahnhaftes Ausmaß/ subjektive Selbstkritikfähigkeit bleibt erhalten
- soziale und berufliche Beeinträchtigung als Folge des Kriterium A
- mindestens 6 Monate anhaltend
- wird nicht besser durch Generalisierte Angststörung, Zwangs-/Panikstörung, Major Depression oder andere somatoforme Störung erklärt
- Codierung
- Zusatzcodierungen
- zugehörige Beschreibungsmerkmale und Störungen
- ausführliche und detaillierte Anamnese
- doctor shopping
- schlechte Arzt-Patienten-Beziehung häufig
- Widerstand gegen psychologische oder psychiatrische Behandlung
- Komplikationen als Folge wiederholter diagnostischer Prozeduren
- hohe Kosten
- Belastung sozialer Beziehungen
- komplette Invalidität möglich
- Auslöser oft Kindheitserfahrungen oder psychosoziale Belastungen (Tod eines Angehörigen)
- oft auch andere psychische Störungen
- Angst
- depressive Störungen
- Beschreibung vielfältiger körperlicher Symptome ohne Diagnose können zu oberflächlicher Behandlung führen
- Prävalenz
- 4 - 9% in Allgemeinpraxen geschätzt
- keine Geschlechtsunterschiede
- Verlauf
- meist im frühen Erwachsenenalter
- chronischer Verlauf mit wechselnder Intensität
- vollständige Remission möglich
- Differentialdiagnose
- medizinischer Krankheitsfaktor
- körperliche Symptome (eher bei Kindern)
- im Alter eher realistische Gesundheitssorgen (affektive Störung)
- generalisierte Angststörung
- Zwangs-/Panikstörung
- Major Depression
- Trennungsangststörung
- andere Somatoforme Störung
- Spezifische Phobie (Angst vor einer Krankheit)
3.4. Behandlung von Hypochondrie
- Da es sehr schwer ist, den Hypochonder von seiner Gesundheit zu überzeugen, sollte man immer versuchen, dem Betroffenen dabei zu helfen, wieder das Grundvertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
- Hilfreich kann der Verweis auf die eigenen Möglichkeiten sein, was kann und will derjenige selbst für seine Gesundheit tun, welche Hobbys hat er
- Stärkung der Eigenverantwortung
- Anregung zu sportlicher Betätigung
- An die Stelle der Besorgnis immer eine Möglichkeit eigenen Handelns setzen
- Ausgleich eventuell bestehender Energiemangelzustände (Schlaf, Regeneration, emotionaler Stress, Konfliktsituationen, Arbeitsumfeld, Probleme im Freundes- oder Familienkreis, Partnerschafts-Konflikte)
- Ausgleich eventuell bestehender Mangelzustände im Bereich Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine
- Unterstützung der Maßnahmen, die beim Patienten Wohlempfinden hervorrufen (aktives Tun)
- Psychosomatische Kliniken bieten spezielle Programme an.
- Man sollte immer versuchen, mehr die Zusammenhänge zu erklären als auf die Details des Organs oder der befürchteten Krankheit einzugehen.
- Gestalten, Malen und körperliche Belastung, das Spüren normaler körperlicher Funktionen, sind oft erfolgreich bei der Behandlung dieser neurotischen Störung.
3.5. Was ist zu beachten
Die Betroffenen leiden, deshalb sollte man den Begriff Hypochonder nicht beleidigend oder mitleidig sondern als Diagnose, bzw. eigenes Krankheitsbild verwenden. Das kann jedoch wiederum zur Falle werden, denn je mehr der hypochondrische Mensch als Kranker anerkannt wird, desto mehr steigert er sich hinein und kann sich umso weniger von seiner Selbstbeobachtung lösen.
Hypochondrie ist die nicht durch organische Veränderungen begründbare Befürchtung, krank zu sein oder krank zu werden. Das ist die offizielle Definition aus Lehrbüchern der Neurologie und Psychiatrie. Der Hypochondrie ist ein eigenes Kapitel innerhalb der Neurosenlehre im Fachbereich Psychiatrie gewidmet. Im Katalog der Diagnosenverschlüsselung nach der ICD (International Classification of Diseases) hat die Hypochondrie eine eigene Nummer. Nach diesem Katalog muss inzwischen auch der deutsche Kassenarzt selbst erhobene oder übernommene Diagnosen verschlüsseln, bevor er seine Quartals-Abrechnung bei der Kassenärztlichen Vereinigung abgibt.
Hypochonder leiden unter emotionalem Druck, der zu emotional gefärbten Fehlinterpretationen normaler Körperphänomene führt. Emotion, Überinformation, übersteigertes Gesundheitsbewusstsein und die individuelle Persönlichkeit wirken zusammen. Aufgrund von Realitätsverlust erfolgt keine Distanzierung von den nie endenden eigenen Befürchtungen.
Entwickelt sich das hypochondrische Empfinden und Verhalten hin zu einer jahrelangen Odyssee durch die Arztpraxen und Sammeln von Medikamenten, dann ist die Prognose schlecht. Wegen mangelnder Einsicht in dieses abnorme Verhalten kann sich der Betroffene kaum von selbst aus dem Labyrinth seiner eingebildeten Krankheiten befreien. Nach Sigmund Freud tritt ein Körperorgan an die Stelle sozialer Objekte, die Aufmerksamkeit wird von den Mitmenschen abgezogen. Folge: Zwischenmenschliche Konflikte können verschleiert werden. Hypochondrie kann "helfen", Schuldgefühle zu verarbeiten. Sie bindet auch diffuse Ängste vor äußeren Bedrohungen. Die Beschäftigung mit sich selbst kann von außen ablenken.
Sowohl das Eingehen auf die vielen Besorgnisse als auch ihr Ignorieren können das abweichende Verhalten dauerhaft korrigieren helfen. Hänseln und übergroße Strenge von Seiten der näheren Umgebung hilft nicht weiter. Die Übergänge zu normalen Überreaktionen von Menschen, in deren näherem sozialen Umfeld eine schwere, nicht vorhersehbare ernste Erkrankung oder ein überraschender Todesfall aufgetreten ist und die nun besorgt sind, vielleicht selbst gefährdet zu sein, sind fließend. Oft kann ein einschneidendes Erlebnis in dieser Hinsicht der Beginn einer "hypochondrischen Karriere" sein. Hierbei können Klärung der gesundheitlichen Situation (Körper-Check, Gesundheitsuntersuchung) und Ablenken von den Befürchtungen durch Hinweise auf optimales Gesundheitsverhalten von Beginn an der Hypochondrie Einhalt gebieten.
Man hüte sich vor dem schnellen Urteil. Nicht selten werden Menschen mit Beschwerden, die sich nicht in gängige Schemata einordnen ließen, für Hypochonder gehalten und ihnen eine erweiterte Diagnostik und die notwendige Therapie vorenthalten.
4. Überblick über die Therapie psychisch Kranker
Therapeutische Kette
- Psychiatrische Ambulanz (regionale, heimatnahe Betreuung)
- Fachpsychiatrische Station (offen / geschlossen
- Tages-, Nacht-, Wochenendkliniken (teilstationäre Einrichtungen
- Wohnheime / Übergangswohnheime (komplementäre Einrichtungen)
- Wohngemeinschaften (Weiterbetreuung nach der Therapiephase)
Dienstkleidung/Anrede
- Die Anrede ist in jedem Fall per „Sie“, da nur so eine professionelle Distanz aber auch eine therapeutische Nähe im Sinne der Beziehungsarbeit hergestellt werden kann.
- Die Dienstkleidung ist zivil. So ist schon äußerlich erkennbar, dass der Tätige bereit ist eine persönliche Ebene, also eine Subjekt-Subjekt Beziehung herzustellen. Die Art der Kleidung lässt seine Wertschätzung gegenüber dem Anderen erkennen und ist nicht provozierend.
Die Säulen der psychiatrischen Therapie
- Somatische Verfahren
- Psychopharmakotherapie zentralnervöse Regulation
- Neuroleptika
- Antidepressiva
- Physiotherapie
- Schlafentzug
- Elektrokrampftherapie
Psychotherapeutische Verfahren
Ziel ist die Bearbeitung / Bewältigung persönlicher Probleme, bzw. die Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit psychologischen Mitteln.
- Einzel- und Gruppengespräche
- Verhaltens- und kognitive Therapien
- Paar- und Familientherapie
- die Psychoanalyse
Sozialtherapeutische Verfahren / Basistherapie
Ziele aller dieser hier hinzu zu zählenden Maßnahmen sind
Die Verbesserung der sozialen Situation
Die Stärkung gesunder Kräfte des Patienten, um mit dieser Stärkung eigene neue Strategien entwickeln zu können.
Förderung der Eigeninitiative des Patienten
Förderung der Selbständigkeit des Patienten
Förderung der Eigenverantwortlichkeit des Patienten
Es ist der bedeutendste Faktor, der die Atmosphäre im psychiatrischen Krankenhaus prägt und durch das gesamte therapeutische Team getragen und abhängig ist.
Erhaltung einer humanen Umgebung mit wohnlichem Charakter mittels
- Angebote mitmenschlicher Kontakte
- Arbeitsmöglichkeiten
- Angebote zur Freizeitgestaltung
- Ergotherapie
- Arbeitstherapie
- Beschäftigungstherapie
- Spiele, Musiktherapie, Sportangebote
4.1. Soziotherapie
Ausgehend von der Feststellung im Krankheitsverständnis von Dörner/Plog, muss man feststellen, dass die bisherige Ausrichtung der Krankenpflege nicht ausreicht. Die psychiatrische Krankenpflege muss sich in ihren persönlichen und in der fachlichen Beschreibung ihrer Tätigkeiten damit beschäftigen, dass die Unterstützung des Patienten nur dann möglich ist, wenn die Tätigen sich mit dem Normalen des Lebens im Bezug auf ihre Tätigkeiten auseinandersetzen - meint das Zusammenleben, das soziale Umfeld und das Behandeln, also die Therapie.
Die Handlungsebene ist hier
- die Überlegung der Zielsetzung,
- das gemeinsame Tun,
- das Milieu, das zur Gesundung beitragen soll.
Soziotherapie behandelt die Bedürfnisentwicklung und Befriedigung im Zusammenhang mit den Regeln und Normen der Gesellschaft und der Zusammenarbeit anhand des Interaktionsprozesses mit anderen.
Soziotherapie sind alle handlungsorientierten Einflussnahmen auf die Wechselwirkung zwischen der Erkrankung des Patienten und seinem sozialen Umfeld.
Inhalte der Soziotherapie
Die wesentlichen Handlungsbereiche der Soziotherapie beziehen sich auf allen Strukturebenen auf
- Wohnen und Zusammenleben
- Festlegen gemeinsamer Normen durch
- Einsicht
- Verständnis
- Auseinandersetzen mit den Bedürfnissen des Einzelnen
WAS TUN MIT SUIZIDGEFÄHRDETEN KLIENTEN?
- Beobachten Sie den Klienten: Ist er verzweifelt? Ratlos? Perspektivlos? Verschenkt er seine Sachen, macht er plötzlich “Ordnung” in Dinge die er bislang vernachlässigt hat? Bricht er langjährige Kontakte ab? Erlöschen seine üblichen Interessen? Stellt er Dinge und Werte in Frage, die bisher für ihn wichtig waren? Gibt er Aussagen von sich, wie “Es hat ja doch alles keinen Sinn mehr!” oder “Am besten wäre es, wenn es mich nicht mehr gäbe?”
- Verharmlosen Sie diese Aussagen nicht! Gehen Sie darauf ein, sprechen Sie das ungewohnte Verhalten an. Vermeiden Sie dabei Vorwurfshaltungen und Drohungen!
- Befragen Sie die Angehörigen zum seelischen Zustand des Klienten und ziehen sie seine unmittelbare Geschichte in Betracht: gab es in letzter Zeit schwere Verlusterlebnisse (Tod des Partners, schwerwiegende medizinische Diagnosen, et. cet.)?
- Versuchen Sie das erlernte Wertesystem des Klienten kennenzulernen. Achten Sie dabei auf Ansichten, die sich in Äußerungen wie “Ich bin nichts mehr wert!” oder “Wer nichts arbeitet soll auch nichts essen!”
- Sprechen Sie solche Äußerungen an! Betonen Sie positive Einstellungen und Sichtweisen. Versuchen Sie mit dem Klienten einen (neuen) Lebenssinn zu finden.
- Verharmlosen Sie die Lebenssituation des Patienten nicht. Teilen Sie ihm mit, daß Suizidgedanken in seiner Situation nicht selten oder verwunderlich sind. Ermöglichen Sie dem Patienten, daß er ohne Angst vor Konsequenzen über seine Suizidwünsche sprechen kann.
- Besuchen Sie den Patienten öfter und engmaschiger, ohne jedoch das Gefühl des Kontrolliert-werdens entstehen zu lassen.
- Ziehen Sie den Patienten in Aktivitäten ein, fordern Sie von ihm Dinge, die er erfüllen kann, geben Sie ihm eine Aufgabe, der er gewachsen ist.
- Verharmlosen Sie Suizidversuche nicht und verschweigen Sie sie auch nicht. Sprechen Sie ganz normal darüber, ohne Vorhaltungen, ohne Schuldgefühle zu erzeugen und ohne diese zu ver-harmlosen.
- Halten Sie Sich mit Ihrer eigenen Meinung zu diesem Thema dem Patienten gegenüber zurück. Heben Sie die Möglichkeit hervor, daß Selbsttötung nur eine Art ist, ein Problem zu lösen, daß dies in dieser Situation zwar verständlich ist, aber bei einer etwas anderen Sichtweise des Problems sich auch andere Strategien ergeben können.
- Sprechen Sie auch mit Angehörigen darüber und raten Sie diesen im o.a. Sinn zu handeln.
- Achten Sie auch auf sich selbst, indem auch Sie in Supervision und Teamgesprächen über ihre eigenen Probleme mit diesem Klienten sprechen.
- Wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen, ziehen Sie Fachleute zu Rate,
WAS TUN BEI EINEM GELUNGENEN SUIZID?
- Verändern Sie nichts, am Patienten oder in der Wohnung. Stellen Sie lediglich seine Vitalzeichen (Puls, Atmung) fest.
- Sollten diese noch vorhanden sein, leisten Sie sofort erste Hilfe (1. Rettung rufen, 2. Reanimieren)
- Sollten die Vitalzeichen nicht mehr vorhanden sein, rufen Sie Polizei an und informieren Sie umgehend Ihre Dienststelle. Räumen Sie keine eingenommenen Medikamente weg, lösen Sie keine Strangulationsknoten auf.
- Nehmen Sie sich für den Rest des Tages frei.
- Sprechen Sie über den Vorfall und ihre Gefühle dabei mit ihrer Supervisorin.
Erzählen Sie ihren anderen Klienten davon nichts, um den Nachahmungseffekt zu vermeiden.
WAS TUN MIT AGGRESSIVEN KLIENTEN?
- Sprechen Sie mit den Angehörigen des Patienten und versuchen Sie in Erfahrung zu bringen, welche Themen “Reizthemen für den Patienten” sind. Achten Sie dabei in besonderen Maße auf Dinge aus seiner Biographie!
- Oft geht einem Aggressionsausbruch Erregung und Unruhe voran. Beobachten Sie den Patienten deshalb und achten sie auf Grundstimmung, Ärger, Angst und Missmut. Beobachten Sie seine Wortwahl und sein Minenspiel im Gespräch.
- Sprechen Sie die aggressiven Signale des Patienten offen an. Fragen Sie nach den Gründen seines Missmutes. Bleiben Sie bei Provokationen höflich distanziert und gelassen.
- Ziehen Sie wahnhafte Äußerungen oder Halluzinationen des Patienten niemals in Zweifel, bestätigen Sie diese aber auch nicht. Geben Sie dem Patienten das Gefühl, das Sie ihm seine Wahrnehmungen oder Sichtweisen zwar glauben und nachfühlen können, die Dinge aus eigener Sicht aber anders sehen.
- Wenn Sie merken, das ein Patient Sie in seine Wahnwelt einbaut oder Sie zur Zielscheibe seiner Aggression macht, übergeben Sie die weitere Betreuung des Klienten so rasch wie möglich einer Kollegin.
- Beantworten Sie aggressive Attacken, gleichgültig ob verbal oder brachial, niemals mit Gegengewalt.
- Wenn Sie aggressiven Attacken von Klienten ausgesetzt waren, bzw. sind, sprechen Sie unbedingt im Rahmen der Supervision oder bei den Teamgesprächen über Ihre eigenen Gefühle dabei.
Hält die Aggressivität des Patienten an, oder wird sie zunehmend schlimmer, holen Sie sich unbedingt fachliche Hilfe
10 Regeln für den Umgang mit Wahnkranken:
- Ziehen Sie niemals das Erleben eines Wahnkranken in Zweifel, sondern verbalisieren Sie die Gefühlsinhalte des Betroffenen
- Bezweifeln Sie nie den Wahninhalt vor dem Betroffenen, sondern äußern Sie kongruent Ihr eigenes Erleben
- Versuchen Sie nicht, dem Betroffenen den Wahn auszureden, sondern stehen Sie dem neutral gegenüber
- Überprüfen sie Wahnideen mit hoher logischer Struktur auf ihren Realitätsgehalt,- oft haben sich manche Wahnideen als durchaus wirklich erwiesen
- Studieren Sie die Biographie des Patienten, insbesondere auf psychosoziale Stressoren und Vulnerabilität (=Verletzlichkeit)
- Unterbrechen Sie die Isolation des wahnhaften Patienten durch Einbeziehung dessen in eine möglichst “normale” Umwelt
- Bei Größenwahn überlassen Sie verbindliche Abmachungen mit dem Patienten hierarchisch höher gestellten Personen im Team
- Bei Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn ist es wichtig für eine, dem Patienten angemessen erscheinende Sicherheit zu sorgen
- Stellen Sie dem Patienten eine von ihm gewählte Bezugsperson als ständige Ansprechperson zur Verfügung , muß nicht unbedingt eine PflegePerson sein.
10. Sollten Sie in das Wahnsymptom eines Patienten einbezogen werden, brechen Sie den Kontakt zu ihm ab und überlassen diesen jemand anderen
5. Assessment
Unter einem geriatrischen Assessment versteht man eine standardisierte und dokumentierte Einschätzung, bzw. Beurteilung von Problemen und Ressourcen eines alten Menschen. Dies geschieht auf mehreren Ebenen und durch mehrere Personen des multiprofessionellen Teams, entsprechend deren therapeutischen Aufgaben im Rahmen von umfassenden Untersuchungen bzw. bei Aufnahmen zu länger dauernden Behandlungen.
Im wesentlichen folgt ein Geriatrisches Assessment dem biopsychosozialen Paradigma, also einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise des Menschen. Wesentliche Ebenen dieses Menschenbildes sind:
- Die biologische Ebene (Körper)
- Die psychische Ebene im Bereich der Affektivität
- Die psychische Ebene im Bereich der Kognitivität
- Die soziale Ebene (unmittelbares Umfeld, Familie, Angehörige)
- Die biographische Ebene (Lebensgeschichte, Anamnese)
Das geriatrische Screening
Dieses dient dazu, sich einen ersten Überblick über Probleme und Ressourcen des Patienten zu verschaffen und besteht aus
- dem ärztlich diagnostischen Gespräch
- dem pflegediagnostischen Gespräch
- einer standardisierten Befragung bez. Allgemeiner Alltagsfähigkeiten
Das ärztlich diagnostische Gespräch beinhaltet
- eine Exploration der Ereignisse, die zur Untersuchung führten
- Anamnese sowie eventuell auch Fremdanamnese
- Die allgemeinmedizinische Untersuchung
Das pflegediagnostische Gespräch beinhaltet
- Pflegeanamnese und Pflegediagnose
- eine Exploration der Selbstpflegefähigkeiten des Patienten
- Festlegung des Pflegezieles und Einschätzung des Pflegeaufwandes
Das Basis - Assessment Weltweit sind mehrere hundert verschiedene, vor allem psychologische Tests in Verwendung die eine möglichst objektive Feststellung von Problemen zum Ziel haben, zusätzlich dazu hat jede ernstzunehmende Therapie ihre speziellen diagnostische Verfahren entwickelt. Es kommt aber im klinischen Alltag nicht darauf an, möglichst viele Testverfahren anzuwenden, sondern möglichst effiziente. Welche das sind, wird in der Regel vom Patienten bzw. den Bedingungen unter denen dieser lebt, bestimmt. Es ist daher nicht nur notwendig bestimmte Standards anzuwenden, sondern dies auch so zu tun, das diese Standards dem jeweiligen Individuum gerecht werden.
Die wichtigsten Faktoren im Assessment sind:
- Zeit
- Aufklärung
- Persönliche Beziehung
Einige Instrumente des Basis-Assessments
Der Mobilitätstest nach Tinetti
Identifiziert Patienten mit erhöhten Sturzrisiko, indem er Funktionen der Mobilität (Balance, Stand, Gangbild) analysiert. Er läßt sich leicht innerhalb von fünf bis zehn Minuten durchführen und folgt in der Regel unmittelbar dem Timed Up and Go - Test. Werden von den insgesamt 28 möglichen Punkten weniger als 20 erreicht besteht ein signifikanter Hinweis auf ein erhöhtes Sturzrisiko.
Die Minimental-State-Examination nach Folstein (MMS)
Ist eine weitere Möglichkeit globale kognitive Störungen festzustellen und enthält bestimmte Fragen und Aufgaben, die sich in etwa 15 Minuten durchführen lassen. Erreicht der Proband weniger als 24 von 30 Punkten ist eine weitere Abklärung auf das Vorliegen eines dementiellen Syndromes zu empfehlen, insbesondere bei Werten unter einer Punkteanzahl von 17 muß mit schweren kognitiven Einschränkungen gerechnet werden.
Die Geriatrische Depressionsskala (GDS)
Etwa die Hälfte aller alten Patienten, die zu einer klinischen Untersuchung kommen, leiden unter geronto-depressiven Syndromen, wobei diese durchaus auch in einer larvierten oder neurotischen Form auftreten können, bzw. das Bild eines dementiellen Syndromes (Pseudodemenz) zeigen können. Die GDS nach Yesavage kann eine erste Differenzierung dazu ermöglichen. Sie enthält 15 Fragen, die vom Patienten selbst oder auch durch ein Interview innerhalb von fünf Minuten beantwortet werden können. Sechs Punkte oder mehr sprechen für das Vorliegen einer depressiven Symptomatik.
Der Barthel - Index
oder auch ADL-Test, wurde bereits 1965 von einer Ärztin und einer Physiotherapeutin entworfen und ist nach wie vor einer der zuverlässigsten Tests bzw. Fragebögen im Rahmen eines geriatrischen Assessments. Er besteht aus zehn Items, welche die wichtigsten Bereiche des täglichen Lebens beschreiben. Besonders gut anwendbar ist er vor allem im Bereich der Langzeitpflege, da er mit den ATL nach Roper korrespondiert.
Der IADL - Test nach Lawton & Brody
Ist ein erweitertes Testverfahren zur Bestimmung der Alltagsfähigkeiten: er betrifft den Umgang mit Telefon, Verkehrsmittel, Einkaufen, Kochen, Haushalt, Wäsche und Medikamente. Aufgrund seiner generellen Ausrichtung ins primäre Umfeld des Klienten wird er vor allem in der psychosozialen Rehabilitation sowohl zur Status-Feststellung als auch zur Verlaufskontrolle herangezogen.
Ziele:
- Aufdecken von Funktionsdefiziten
- gezielte Rehabilitationsplanung
- rationeller Einsatz ambulanter Dienste
- optimale Platzierung in der geriatrischen Versorgungskette
- objektivierbare Verlaufskontrolle
Quellenverzeichnis:
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