Ärztl. Behandlungsverordnung: Ungewöhnlich fand ich, dass die Wunde nicht gereinigt wird.
Vom Heim weiß ich, dass Bewohner mit Ulcus cruris täglich
ein Beinbad mit Kaliumlösung zur Wundreinigung erhielten und
erst dann wurde der Wundverband angelegt. Ich habe mich mit Schwester
Waltraud aus dem Heim in Verbindung gesetzt und sie um Rat gefragt.
Sie bestätigte meine Theorie. Darauf hin habe ich mit meiner
Mentorin der Sozialstation gesprochen und mit ihr den Arzt angerufen
und ihm die momentane Wundbeschreibung und meine Erfahrungen aus
dem Heim mitzuteilen. Der Arzt war kompromissbereit, verschrieb Kaliumpermanganat
und verordnete vor dem Verbandswechsel, der nach wie vor nur 3x wöchentlich
gemacht werden soll, ein Beinbad von ca. 10 min. 05.07.02 11.00 Uhr 08.07.02 11.15 Uhr 15.07.02 12.00 Uhr 22.07.02 12.00 Uhr 28.07.02 12.10 Uhr 02.08.02 11.50 Uhr 14.08.02 11.55 Uhr Der Arzt ist von seiner verordneten Therapie überzeugt. Ich habe Frau R. Unterlagen über die Verwendung von Nu-Gel mitgegeben, aber es sieht keine Veranlassung die Behandlungsmethode umzustellen. 21.08.02 12.10 Uhr Patientenbeschreibung Nr. 2
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Laut ärztlicher Verordnung müssen diese Wunden täglich versorgt werden.
Wunde werden mit Ringerlösung gespült.
Ein Kompressionskissen wird mit Kochsalzlösung getränkt und
nach dem die Wunde mit Betaisodonasalbe behandelt wurde so steril wie
möglich darauf gelegt. Mit einer Kompresse abgedeckt und abgeklebt.
Den Pat. habe ich nur 4 mal besucht. Beim ersten Besuch beobachtete und assistierte ich die Behandlung. Bei den weiteren Besuchen führte ich die Behandlung unter Beobachtung und Assistenz meiner Mentorin aus. Diese Wundbehandlung war für mich eine Herausforderung. Es hat mir Spass gemacht diese zur Zufriedenheit des Pat. und meiner Mentorin durchzuführen. Leider wurde Herr W. auf eine andere Tour verlegt.
Frau H. lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in einer exklusiven 5-Zimmerwohnung
am Neckarufer in Neuostheim. Das Zweifamilienhaus ist Eigentum. Im
Erdgeschoss wohnt ihr Sohn, der als Arzt in Hockenheim eine eigene
Praxis unterhält.
Frau H. ist 92 Jahre alt.
Sie ist an Alzheimer erkrankt, befindet sich im 1. Stadium und kann sich
nicht mehr selbst waschen oder duschen. Der Ehemann versorgt sich zwar
noch selbst, jedoch mit großen Einschränkungen. Zweimal wöchentlich
kommt eine Haushaltshilfe die versucht die Unordnung die Herrschaften
machen einigermaßen wieder aufzuräumen.
Herr und Frau H. haben die Tendenz ihre Kleiderschränke auszuräumen
und die Kleidung in der ganzen Wohnung zu verteilen. Es kommt nicht selten
vor, dass man Unterhosen im Kühlfach findet.
Beide sind sehr freundliche, liebenswerte und höfliche Persönlichkeiten.
Bei meiner Vorstellung haben sie mich mit ihrem Enkel Sebastian verwechselt,
dem ich wohl stark ähnlich sehe. Ich habe die Verwechslung aufgeklärt
und mich vorgestellt was sie verstanden haben, jedoch sahen sie in mir
lieber ihren Enkel.
Frau H. ist Urininkontinent, akzeptiert aber keinerlei Einlagen.
Sie wird täglich geduscht und angezogen.
Bis man die Kleidung und Handtücher zur Durchführung der Maßnahme
zusammengefunden hat, verbringt man oft 10 min.
03. Juli 2002
heute war ich erstmals alleine bei Frau H. Als ich hereinkam wurde ich
recht herzlich begrüßt. „Na Sebastian schön dass
Sie wieder kommen.“ Ich dachte mir es so zu akzeptieren, denn
wenn er „Sie“ zu mir sagt, weiß er auch wer ich bin.
Als ich dann die Maßnahme an Frau H. durchgeführt hatte
und sie in die Küche begleitete, saß die Schwiegertochter,
die Mutter von Sebastian, da. Ich merkte, dass ihr etwas nicht gefällt
und versuchte nach einer freundlichen Begrüßung von mir,
ein Gespräch anzufangen um ihre Stimmungslage besser einschätzen
zu können. Was liegt näher als ein Kompliment über die
schöne gepflegte Gartenanlage zu machen. Sie antwortete darauf:
„Ich wusste gar nicht, dass Männer auf der Sozialstation arbeiten!“
„Ist das für Sie ein Problem, wenn ja werde ich dies mit der PDL besprechen
und wir werden die Einteilung verändern.“ Antwortete ich überfreundlich
darauf. Herr H. griff ins Gespräch ein: “Er ist so nett und freundlich
und sieht unserem Sebastian ähnlich. Sie dürfen weiterhin kommen.
Frau H. jun. schaute mich an und meinte, dass ich viel Ähnlichkeit
mit Sebastian hätte und wenn es ihre Schwiegereltern so wünschen
können Sie gerne weiterhin kommen.
04. Juli 2002
Familie H. erwarteten mich schon. Vor der Türe stand ein Paket für
sie, was ich ihnen mit hochbrachte. Sie bedankten sich bestimmt 20 mal,
dass ich es mitgebracht habe.
Als ich wieder ging, traf ich im Hof die Schwiegertochter. Sie war sehr
freundlich und hat erzählt. Ich merkte, dass sie mich als Pfleger
akzeptiert.
05. Juli 2002
nach langem Suchen konnte ich nirgends eine Unterhose für Frau H.
finden. Ich wollte ihr aus hygienischen Gründen keine Gebrauchte
anziehen, aber gar keine anziehen wollte ich erst recht nicht. Es blieb
mir nichts anderes, als eine frische Unterhose ihres Mannes zu nehmen,
die ich mit eine Tena-Lady ausgepolstert habe. Ich klärte Frau H.
auf und sie war damit einverstanden. Diese Maßnahme habe ich dokumentiert
und meiner Mentorin erzählt. Sie war mit der Handlung einverstanden.
08. Juli 2002
der Kontakt zu den Eheleuten hat sich stark gefestigt. Sie hatten mich übers
Wochenende vermisst.
Die Schwiegertochter berichtete mir, dass Frau H. hat die Tena Lady am
Freitag in der Hose lies. Es ist für mich ein Ziel, Frau H. zum
Tragen für eine Einlage zu motivieren, damit Sie uneingeschränkt
am Leben teilnehmen kann.
10 Juli 2001
Frau H. lässt die Tena nicht in der Hose. Sie ist daher sehr stark
eingenässt. Sie nässt auch jede Nacht ins Bett ein und bleibt
bis in der Früh darin liegen. Habe vom Heim ein Muster einer Tena-Plus
Einlage und einer Netzhose, nach Absprache mit Schwester Waltraut, besorgt
und es der Schwiegertochter vorgestellt. Auf jeden Fall sollte nochmals
vor dem Schlafengehen, Frau H. mit einer neue Einlage versorgt werden.
13. Juli 2002
Patientin wäre tagsüber trocken, geht zur Toilette und zieht
die Tena wieder hoch. Da sie am Abend nicht versorgt wird, hat das Einnässen
im Bett noch nicht aufgehört.
Habe Schwiegertochter gebeten doch zu überlegen, ob es nicht sinnvoll
wäre die Sozialstation auch Abends kommen zu lassen. Sie wird das
mit Ihrem Mann besprechen und bei Interesse mit der PDL in Verbindung
setzten.
14. Juli 2002
Herr H. war an diesem Tag sehr schwindlig und hatte in der Hüftgegend
starke Schmerzen. Der Sohn wohnt im Haus und ist Arzt. Habe vom Bewohner
aus versucht bei ihm anzurufen, aber keiner hat abgenommen. Bin dann
runter an die Klingel und der Mutter der Schwiegertochter, die auf Besuch
da ist, bescheid gesagt. Sie hat es sofort ausgerichtet, aber der Sohn
wollte erst später nach seinem Vater schauen.
22. Juli 2002
fast täglich liegt Frau H. noch im Bett wann ich komme, obgleich
es schon meist 11.00 Uhr durch ist. Das Bett ist eingenässt und
die Patientin liegt meist ohne Hose darin. Ich finde es eine Zumutung
der Patientin gegenüber, sie so zu vernachlässigen.
Habe ein erneutes mal ihren Ehemann und die Schwiegertochter darauf angesprochen
und ihnen die Vorteile einer zusätzlichen abendlichen Pflege erläutert.
- Toilettengang: Patientin kann ausscheiden, Selbständigkeit
- Intimpflege: Wohlbefinden, intakte Haut
- Einlage einsetzten: Frau H. kann durchschlafen, weniger Bettwäsche
Sie haben der zusätzlichen Pflege zugestimmt. Erstmals ab 23. 07.
soll die Spätschicht Frau H. nochmals versorgen.
Auf der Station mitgeteilt. Ein neuer Vertrag wird geschrieben.
Pflegeplanung ist nicht mehr aktuell. Habe heute Nachmittag eine Neue
erstellt.
29 Juli 2002
Die Versorgung morgens und abends hat eine Verbesserung gebracht. Es
passiert immer noch, dass sie über Nacht die Einlage auszieht,
jedoch nur noch einmal wöchentlich.
Durch das, dass der Spätschicht erst um 20.00 Uhr die Patientin
versorgt, kann sie vorher nochmals ausscheiden und schläft meist
durch.
01. August 2002
Der Sohn fährt mit Familie vom 14 – 30 August in Urlaub. Die
Senioren wären alleine. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass
die Herrschaften sich nicht alleine versorgen können und nicht alleine
bleiben können.
Habe im Heim nachgefragt ob für Kurzeitpflege ein Platz da ist.
Natürlich nicht.
Mit PDL die Situation besprochen, dass sie Kontakt aufnimmt und eine
Lösung findet.
08. August 2002
Frau H. wirkt immer sehr müde. Obwohl ich sehr viel mit ihr rede
kommt von ihr wenig zurück. Heute sagte ich zu ihr, dass sie eine
hübsche Frau ist. Darauf hin hat sie mich über die Wangen gestreichelt
und gelacht.
Für ihr hohes Alter ist sie wirklich eine hübsche Frau mit
einer starken Ausstrahlung.
14. August 2002
Heute ist der Sohn mit seiner Familie in Urlaub gefahren. Ich fühle
mich nicht gut, dass die Senioren jetzt alleine den ganzen Tag alleine
sind. Ich habe Herr H. meine Telefonnummern aufgeschrieben, dass er mich
anrufen kann, wenn er etwas braucht. Er hat mir versprochen, davon gebrauch
zu machen. Dies beruhigt mich.
Am Abend habe ich noch mal angerufen, ob alles in Ordnung ist.
16. August 2002
Es läuft alles in bester Ordnung. Herr H. fährt mit seinem
Auto einkaufen und richtet das Frühstück für seine Frau.
Ich habe die Schmutzwäsche in die Waschmaschine gesteckt und laufen
lassen. Herr H. wird dann die Wäsche aufhängen.
Nachmittags bin ich nochmals vorbeigefahren und habe nach dem Ehepaar
geschaut. Herr H. hatte wirklich die Wäsche aufgehängt.
21. August 2002
Das Ehepaar kommt gut alleine zurecht. Nach wie vor stecke ich die Schmutzwäsche
in die Waschmaschine und schüttle ihre Betten auf. Ich habe mich
angeboten mit ihnen am Nachmittag einen Ausflug in Luisenpark zu machen,
aber er hat keine Lust.
23. August 2002
Es fiel mir schwer mich von ihnen zu verabschieden. Die ganzen acht Wochen
war ich täglich bei Ihnen. Sie haben mir sehr viel Vertrauen entgegen
gebracht. Herr H. sprach mich mit Namen an und erzählte mir viel
aus seinem Leben. Frau H. hätte ich gerne weiterhin gepflegt.
Durch die Kommunikation die ich in der Valitadion gelernt habe, ist
es mir gelungen, dass sie eine Vertrauensverhältnis zu mir aufgebaut
hat. Für das Paar wünsche ich mir, dass sie so lange wie
möglich zusammen in ihrer vertrauten Umgebung sein können.
Ich habe Herr H. versprochen, mich die nächsten Tage bis zur Rückkehr
seines Sohnes täglich zu melden, was ich auch getan habe.
Die Aufgaben der Sozialstation beschränken sich auf 3 mal wöchentliches Duschen.
Zur hauswirtschaftlichen Unterstützung hat er eine junge Frau,
Monika, eingestellt, die ihn vom Frühstück an bis zum Abend
zur Verfügung steht. Ihre Aufgaben bestehen darin, ihn zu verköstigen,
seine Aktivitäten zu unterstützen und ihn zu begleiten.
Sie hat ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis zu ihm.
Bei Entscheidungen wird sie voll miteingebunden.
Zur Säuberung der Wohnung steht weiteres Personal zur Verfügung.
Herr S. besuchte ich zum erstem mal am 26. Juli. Im Vorfeld wurde
er von einem Zivildienstleistenden geduscht.
Monika hat mich in der Halle empfangen. Bereits bei der Begrüßung
merkte ich, dass sie sehr abweisend und kühl reagierte. Ich war
auf das schlimmste gefasst. Sie führte mich zu Herr S. der noch
im Bett lag. Noch nie habe ich soviel Prunk um mich herum gesehen, was
mich nervös machte.
Monika zeigte mit das angrenzende Bad. Dieses Handtuch für die Füße,
dieses für die Beine, dieses für die Haare, dieses fürs
Gesicht und und und.. Diese Duschgel für die Füße, dieses
fürs Gesicht, dieses für den Rücken und und und... Diese
Salbe.....,
Hier ist das Hemd, eine Unterhose, eine Bambershöschen, diese Socken,....
Was sie mir in den 5 Minuten erzählt hat, hätte ich mir um
Himmelswillen nie merken können.
Es ging um Herr S., der immer noch im Bett lag und das über sich
ergehen lassen musste. Ich spürte, dass es ihm sehr unangenehm war,
wie sie so die Anweisungen gegeben hat.
Ich sprach Herr S. direkt an: „Ich glaube wir kommen ganz gut zurecht
miteinander. Sagen Sie mir wie Sie es gerne hätten und ich werde
mich auf Sie einstellen“. Das Herr S. gefallen, dass er mit einbezogen
wurde.
Ich half ihm aus dem Bett und begleitete ihn zur Toilette und anschließend
in die Dusche.
Noch nie hatte ich vorher das Gefühl, dass das erlernte schulische
Duschen nicht nur eine hygienische Bedeutung hat sondern eine Methode
der Entspannung und des Wohlbefinden bedeutet. Herr S. genoss es erst
langsam die Beine, dann die Arme, Bauch und Rücken von unten nach
oben abgeduscht zu bekommen. Eine befreundete Friseurin zeigte mir vor
Wochen ein paar Handgriffe und Handlungen beim Haare waschen und frisieren.
Ich wendete diese an. Herr S. war begeistert und lobte mich sehr, was
mich natürlich freute.
Ich fragte ihn während der Pflege immer wieder ob alles in
Ordnung ist und erklärte ihm, warum ich das auf diese Art und
Weise mache. Mein Ziel war es, ihm meine Kompetenz zu zeigen.
Auf seine Ansprüche ging ich ein. Er wollte zum Beispiel, dass der
Duschstuhl heiß abgeduscht wird, bevor er sich darauf setzt um
in aufzuwärmen. Das kann ich natürlich nachvollziehen. Beim
Waschen der Zehen wollte er den Fuß auf einen gewärmtem Waschlappen
stellen. Diese Wünsche erfülle ich gerne wenn das das Wohlbefinden
und die Zufriedenheit des Menschens bedeutet.
Bis her war er es gewohnt, dass jede Pflegemaßnahme voll und ganz
durch den Pfleger übernommen wird. Für mich galt es in erster
Linie seine Ressourcen zu nützen und ihn zur aktive Mithilfe anzuregen.
Als ich ihn fertig geduscht hatte, wollte er, noch nass, aus der Dusche raus und zum abtrocknen auf eine Sitzbank setzen. Bis er aus der Dusche draußen war und sich gesetzt hatte vergingen mehrere Minuten. Das hat mir nicht gefallen, da er zu lange nass war. Zum Glück war es ein heißer Tag.
Die Hautpflege hat er wiederum sichtlich genossen. Ich stimulierte seinen Kreislauf. Seine Zehen wollte er einzeln mit Bebanten Heilsalbe einmassiert haben.
Nach dem Anziehen begleitete ich ihn zum Frühstücksraum, wo ein herrschaftliches Frühstück, an einem Stil- und Gourmetgerechten Tisch auf ihn wartete.
Er erzählte Monika, wie gut ich ihn gepflegt hätte und wie groß die Unterschiede innerhalb der Pflege sein können.
Ich verabschiedete mich bei beiden per Handschlag und machte die Zeit für kommenden Montag aus.
55 Minuten war ich bei Herr S.
29. Juli 2002 7.45 Uhr
Monika war sehr freundlich. Sie erzählte mir, dass Herr S. das ganze
Wochenende von mir gesprochen hat und jedem erzählt hat wie gut
es ihm ging. Das erfüllte mich mit Freude. Herr S. lag noch im Bett
hat aber schon gewartet bis ich komme.
Die Pflege führte ich durch wie beim letzten mal, jedoch überzeugte
ich ihn, den Oberkörper und die Haare noch in der Dusche trocken
zu machen um eine Erkältung vorzubeugen. Das war für ihn kein
Problem, im Gegenteil.
Nach der Pflege begleitete ich ihn wieder zum Frühstücksraum.
Er hatte Monika angewiesen für mich eine Erfrischung im Wohnzimmer
einzudecken.
Auf einem silbernen Tablett lag eine Banane, daneben eine 3 zackige Obstgabel.
In einem Kelchglas war Tee zubereite. Ich habe nichts gegessen, weil
ich wirklich nicht wusste, wie ich eine Banane mit Gabel essen soll.
31. Juli. 2002 7.50 Uhr
Monika hat für Herr S. eine geschlossene Einlagenhöschen hergerichtet.
Herr S. ist nicht inkontinent, hin und wieder treten ein paar Tröpfchen
Urin aus. Da diese Höschen sehr warm sind und die Haut in der Leistengegend
etwas gerötet war, habe ich ihm empfohlen eine normale Unterhose
zu tragen. Ich habe ihm erklärt, dass es für seinen Fall, kleinere
Einlagen gibt die bequem zu tragen sind. Ich habe ihm versprochen am
Freitag welche mitzubringen.
Als Erfrischung waren heute getrocknete Pflaumen und Tee hergerichtet.
02. August 2002 7.50 Uhr
Einlagen habe ich mitgebracht und Herr S. vorgestellt. Ich habe ihm gezeigt
wie die Einlage benutzt wird und ihn dann selbst das Einlegen ausführen
lassen.
Beim Waschen und Eincremen der Zehen hat er heute Schmerzen. Die Zehenspitzen
haben Druckstellen. Es kommt davon, dass sie nach unten zeigen, obwohl
sie beweglich sind und keine Kontrakturen aufweisen. Er meint, dass daran
seine Mutter schuld ist, denn sie hätte ihn immer in zu kleine Schuhe
gezwängt.
Von einer anderen Patientin kenne ich eine Zehenunterlage, welche die
Zehne in einer physiologischen Haltung stellt. Ich habe ihn vorgeschlagen
solche Einlage für ihn zu besorgen. Im Sanitätshaus am Marktplatz
habe ich welche gefunden. Preis 8,50 €.
05. August 2002 7.45 Uhr
Bew. kommt mit den Einlagen, Tena Lady, zurecht und findet es angenehmer
diese zu tragen.
Monika ist für 3 Wochen in Urlaub und eine Vertretung, ehemalige
Hauswirtschaftlerin die seine verstorbene Frau gepflegt hat, versorgt
Herr S. solange.
Sie hatte zweierlei Strümpfe hergerichtet, was mir bei anziehen
aufgefallen war. Eigentlich kein Problem. Herr S. sagte mir in welcher
Kommode ich neue holen kann. Herr S. hat ihr dann freundlich gesagt,
dass die Strümpfe verwechselt waren, damit sie die richtigen zusammenlegt.
Dann sie fährt in einem frechen, bestimmenden und lauten Ton an.
Ich wollte mich nicht einmischen. Herr S. hat selbst versucht die Angelegenheit
zu klären, ihr gesagt, dass es kein Vorwurf sei, aber sie wurde
immer frecher. „Ich kann sofort wieder gehen, ich muss nicht hier
sein, ich bin nur wegen ihnen da. Ich bat sie die Diskussion zu beenden. „Herr
S. weis ihre Arbeit sehr zu schätzen, er sagte mir während
dem Duschen mir wie viel Aufopferung sie Frau S. gepflegt haben und dass
sie eine gute Seele des Hauses immer noch sind. Sie wurde zwar ruhig,
aber ich merkte dass gespannte Energie war. Mir tat Herr S. leid, dass
ich ihn in dieser Situation alleine lassen musste.
Heute habe ich ihm zum ersten mal die Zehenunterlage angezogen. Habe
ihn darauf hingewiesen, dass wenn er einen Druck verspüren sollte,
diese auszuziehen soll.
07. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. hat die Zeheneinlage gut getan. Er verspürt keine Druckschmerzen
mehr.
09. August 2002 7.50 Uhr
Herr S. spricht mich mit Namen an. Er wiederholt öfters, dass er
mit meiner Pflege sehr zufrieden ist und mich bewundert, dass ich ihn
mit soviel Liebe versorge. Er hat mir eine Flache Wein herrichten lassen.
Er hat darauf bestanden, dass ich sie mitnehme. Aber ich verzichte prinzipiell
auf Geschenke. Ich mache meinen Beruf aus eigener Überzeugung und
möchte jeden Menschen gleich behandeln, egal wie vermögend
einer ist oder ob er Gehschenke geben kann oder nicht. Das habe ich im
Heim bei allen Angehörigen und Bewohner, sowie jetzt in der Sozialstation,
erklärt und so gehalten. Ich finde es gefährlich, denn wenn
jemand auf Incentives anspricht, wird er immer vorrangig die Patienten
oder Bewohner aus Berechenbarkeit bevorzugt behandeln.
12. August 2002 7.40 Uhr
Herr S. hat mir erzählt, dass er sich mehrmals in der Woche bei „Grün-Weiss“ zum
Schachspielen trifft. Gestern hätte er sich nicht auf das Spiel
konzentrieren können. Er wollte wissen ob er nun sein Gedächtnis
verliert. Ich antwortete ihm, dass jede Konzentration auch Tagesformabhängig
ist und auch wir Jungen darunter hin und wieder betroffen sind. Er fragte
mich was ich dagegen bei mir tue. Ich nehme eine entspannendes Bad mit
einem ätherischen Pfefferminzöl oder wasche mich damit. Ich
erzählte ihm davon, dass ich eine Bewohnerin im Heim mehrere Wochen
täglich mit Pfefferminzöl gewaschen habe. Ihr hat es gut getan
und eine sichtbare Veränderung herbeigeführt.
Er hat mich gebeten, ihm so ein Öl zu besorgen.
14. August 2002 7.50 Uhr
heute habe ich Herr S. erstmals eine kleine Hautpartie mit Pfefferminzöl
behandelt um die Verträglichkeit zu testen. Er hat den Duft für
ein bisschen stechend, aber für sehr angenehm empfunden. Sollte
es keine Hautirritationen geben, werde ich ihm am Freitag damit duschen.
16. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. hatte keine Hautirritationen. Er sagte sogar, dass sein Bad sehr
frisch gerochen hätte. Er bat mich, heute das Öl einzusetzen.
Später hat er seiner Hauswirtschafterin von diesem Erlebnis erzählt.
Er nannte das Duschen wirklich ein Erlebnis. So etwas erfüllt
mich mit Freude.
23. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. fühlt sich sehr wohl. Er glaubt fest daran, dass ihm das
Pfefferminzöl gut tut.
Ich habe ihm erst heute gesagt, dass es mein letzter Besuch ist und mein
Praktikumeinsatz mit dem heutigen Tag endet. Dies habe ich gemacht, damit
er nicht wieder mit einem Geschenk auffährt. Herr S. war sichtlich
bestützt. Er wollte in der Sozialstation anrufen und dafür
sorgen, dass ich weiterhin zu ihm kommen kann. Ich habe ihm erklärt,
dass ich im Rahmen meiner Ausbildung diesen Einsatz absolvierte und nun
wieder im Heim tätig sein werde. Er bot mir an, dass ich ihn in
meiner Freizeit versorge und er mich dafür bezahlen will. Dies habe
ich abgelehnt und darauf hingewiesen, dass ich das nicht darf und auch
nicht möchte.
Am liebsten hätte ich noch mehr Patienten in meinem Bericht aufgeführt. Ich weiß, dass die Vorgabe 2 Patienten zu beschreiben ist. Ich fand jedoch die beschriebenen Patienten so interessant um mein Bild über die Unterschiedlichkeit des Einsatzes zu verdeutlichen. Täglich nach Dienstende habe ich an dem Bericht gearbeitet, so konnte ich sehr Praxisnah dokumentieren und das Erstellen ist mir leichter gefallen.
Bereits im Bericht habe ich meine Gefühle, Erfahrungen und
Meinungen geschrieben. Auch darüber ob ich später im Heim
oder in einer Sozialstation arbeiten werde. Ich gehöre nicht
zu den Menschen, die lange Zeit vorausplanen. Eher lasse ich mich,
vielleicht auch manchmal zu sehr, von meinen Gefühlen und Emotionen
leiten. Aber eins weiß ich genau: Ich erlerne den Beruf nicht
nur für mich sondern für die Menschen die mir anvertraut
werden und sich auf mich verlassen müssen. Was wäre ein
Leben im Pflegeheim, wenn sich jeder Pfleger/in nach deren Ausbildung
einen leichten Weg einschlagen würde.
Ein leichterer Weg wäre sicherlich die Arbeit in einer Sozialstation.
Ich denke eher, dass ich mich weiterhin im Heim engagieren werde und versuchen werde eine Position zu erreichen um selbst Entscheidungen treffen zu können.
Vor einem halben Jahr habe ich angefangen ein Buch zu schreiben.
Ich habe viel recherchiert, aber nach meinen Recherchen nicht weiter
gemacht. Der Titel des Buches soll heißen: „ Im Namen
des Volkes - Sie sind alt-!“ Über den Inhalt des Buches
möchte ich noch nichts schreiben, aber wenn Sie wollen kann
ich Ihnen persönlich davon berichten, was ich gerne tun würde
um Ihre Meinung dazu zu hören.
Durch den Einsatz in der Sozialstation sind mir soviel Unregelmäßigkeiten
von Seiten der Angehörigen, Politik, Kranken- und Pflegekassen aufgefallen,
dass ich nun wieder aktiv daran arbeite.
Beispiel:
Die PDL musste Anfang des Jahres eine Pflegevisite vornehmen. Eine Tochter
betreut ihre Mutter. Diese lag seit mehreren Wochen in einem total
abgedunkelten Zimmer. Die Rollläden wurden nie hochgezogen. Die
Frau ertränkt in ihrem eigenen Urin. Erst gegen 13.00 Uhr kommt
jemand in Ihr Zimmer um ihr ein Frühstück zu bringen. Die
Tochter wohnt in der selben Wohnung und geht nicht arbeiten. Bei einer
Gerichtsverhandlung wurde der Tochter nicht einmal die Betreuung abgenommen.
Das einzigste war, dass kein Pflegegeld mehr bezahlt wird. Was soll
das? Geht es um einen Menschen der dringend Hilfe braucht oder um Geld
das eingespart werden kann?
Ich bin dankbar über den Einsatz in der Sozialstation. Ich
wurde in einer Sache sensibilisiert die ich für mich als Wichtig
ansehe Abhilfe zu schaffen.
Ich konnte im medizinischen und behandlungspflegerischen Bereich viel
neues und interessantes dazulernen.
Meine Befürchtungen vor dem Einsatz sind nicht eingetroffen.
Die Sozialstation hat sich sehr viel Mühe gegeben, mich fair und
pflichtbewusst zu behandeln. Eine Station die ihrer Aufgabe gegenüber
Schüler gerecht wird und selbst bestrebt ist Nachfolger auszubilden.
Was mir nicht gefallen hat. Die ganzen Angestellten reden von Windeln und Bambers, auch gegenüber den Patienten und in der Dokumentation. Ich hatte das Thema bei einer Teambesprechung angeschnitten und darauf hingewiesen, dass dieser Ausdruck einen psychischen Druck auf Patienten ausüben kann. Sie zeigten zwar ein lächelndes Verständnis, aber geändert hat sich nichts.
Man trifft immer wieder auf Pflegende, gleich ob Professionell oder Angehörige, die den Menschen als Sache sehen und auch so behandeln. Ich finde, dass das in der häuslichen Pflege noch ausgeprägter ist als bei der Stationären. Diese Art von Behandlung strahlt keinerlei Würde und Achtung gegenüber den Bedürftigen aus. Diktieren, Delegieren und Kommandieren sind deren Ungangsmethoden und meist glauben Diese, dass sie die besten Angehörigen und Pflegende sind.
Mannheim, 23. August 02
| Autor: Rainer Frühsammer |