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Mitglied im Pflegenetz
,
Autor: Rainer Frühsammer
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Einsatz Ambulante Pflege


Inhaltsverzeichnis

Eindrücke und Gedanken vor dem Einsatz Seite
Der erste Tag
Sozialstation
Räumlichkeiten und Ausstattung
Personal
Dienstzeit
Teambesprechung
Die Rolle als Schüler
Patienten
Dienstleistung und Aufgabe der Sozialstation
Leistungsmodule
Abrechnung
Dokumentation
Touren- Besuchs- und Zeitrhythmus
Patientenbeschreibung Nr. 1
Patientenbeschreibung Nr. 2
Patientenbeschreibung Nr. 3
Patientenbeschreibung Nr.4
Neue Erfahrungen
Resümee

Eindrücke und Gedanken vor dem Einsatz

Morgen ist es soweit. Mein Einsatz in der Sozialstation steht mir bevor. Ich verspüre etwas Nervosität vor dem was auf mich zu kommt. Es sind nicht die Patienten, eher die Wohnungen aber auch die Anforderungen denen ich vielleicht noch nicht gewachsen bin. Wie komme ich bei den Mitarbeitern der Sozialstation an? Akzeptieren sie mich, mein Alter, meine Art?
Ich habe mich heute während meines Frühdienstes mit meiner Mentorin, Schwester Waltraut, über meine Gefühle unterhalten. Sie findet, dass mir dieser Einsatz sicherlich gefallen wird und ich dafür bestens gerüstet bin. Ich soll meine Umsicht, den Respekt gegenüber den Patienten und meine Arbeitseinstellung beibehalten, dann würde es ein fruchtbarer Einsatz werden.

Ich freue mich schon neue Erfahrungen, vielleicht auch eine neue Zukunftsperspektive, kennen zu lernen. Auch darauf wie ich mich in der Pflege auf neue Situationen einstellen werde und wieweit meine Kenntnisse sind.

Im Vorfeld habe ich auch zweimal mit der PDL, Frau Willer, telefoniert und sie hatte vor, mich dem Kollektiv am vergangenen Mittwoch bei der wöchentlich stattfindenden Teambesprechung vorzustellen. Leider ist diese Besprechung ausgefallen, da sich die Geschäftsführung angemeldet hatte.

Der erste Tag

6.30 Uhr sollte ich mich in der Sozialstation einfinden. Um pünktlich zu sein war ich bereits um 6.15 Uhr da, jedoch die Tür war noch verschlossen. Ich wartete und wurde langsam unsicher ob ich richtig bin, als die Uhr nur noch ein paar Minuten vor halb 7 zeigte. Es wurde später und später, ich war mehrmals von der Tür zum Innenhof gelaufen, aber keiner zu sehn. 20 Minuten vor 7 kam eine Mitarbeiterin die wusste, dass ich heute anfangen soll. Da sie gleich auf Tour musste, schloss sie mir die Station auf, begleitete mich ins Büro und meinte, dass meine Mentorin später kommt und ich möchte hier warten. Nun war ich allein in der Sozialstation, was ich als Vertrauensbeweis wertete. So gegen 7.00 Uhr kam meine Mentorin, Schwester Sandra. Nach einem kurzen Kennenlerngespräch merkte ich, dass sie einen guten Eindruck auf mich machte. Wir richteten alles für die Tour her und starteten. Während der Autofahrt erzählte sie etwas über sich und ich über mich. Es war ein offenes und vertrautes Gespräch. Schnell fühlte ich mich wohl.
Unsere Gebiet reicht von Oststadt, Neuostheim bis Neuhermsheim und teilweise Schwetzinger Vorstadt. Vor jedem Patientenbesuch hat sie mich auf die Persönlichkeiten und Krankheitsbilder hingewiesen.
Schwester Sandra fährt die Tour seit mehr als 3 Jahren. Ihr Bezug zu den Patienten ist sehr eng, respektvoll und korrekt.

Wir besuchten 19 Patienten. Behandlungspflege wie Verbandswechsel, Kompressionsstrümpfe, Injektionen und Medikamentengabe wurden am häufigsten durchgeführt. 3 Patienten benötigten Hilfe bei der Körperpflege.

Ein Patient machte die Tür nicht auf, was er meist nicht tut da er keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen will. Es handelt sich um einen 82 jährigen Patienten, der an Diabetes mellitus leidet und zwei mal täglich eine Insulininjektion bekommen sollte. Er ist seit mehreren Wochen nicht mehr in der Lage, an sich selbst die Injektion durchzuführen. Vor 3 Wochen ist er sogar in ein diabetisches Koma gefallen.
Wir haben den in der Nachbarschaft wohnenden Hausarzt aufgesucht und ihm den Verlauf geschildert, sowie seinen Sohn informiert.

Gegen 12.45 Uhr hatten wir unsere Tour beendet und fuhren zur Station. Dort wurde ich dem Team vorgestellt und durch die Station geführt.

Ich war sehr beeindruckt von ersten Tag. Mit der körperlich und psychisch anstrengenden Arbeit im Heim nicht zu vergleichen. Wenn ich da an die letzte Woche zurück denke, in der ich 4 Tage „nur zu zweit“ auf der Station arbeiten mussten und ich von der PDL nach meiner Beschwerde die lapidare Antwort bekam, „ich habe kein Personal“, ein echtes Honiglecken.

Sozialstation

Die Sozialstation St. Elisabeth, ist ein ambulanter Pflegedienst die seit 1974 tätig sind. Der Träger ist die Franziskushaus gGmbH, Speckweg 6, 68305 Mannheim.
Der Spitzenverband ist der Caritasverband der Erzdiözese Freiburg, der die Verhandlungen und Außenverantwortung auf Landesebene führt.
Der Caritasverband Mannheim e.V. übernimmt die selben Aufgaben auf Stadtebene.

St. Elisabeth versorgt in den Stadtteilen Oststadt, Neuhermsheim, Neuostheim, Lindenhof, Schwetzingervorstadt, Innenstadt und Jungbusch pflegebedürftige Menschen.

Die Aufgabe der Sozialstation besteht darin, kranken, alten, pflegebedürftigen und behinderten Menschen eine Alternative zur stationären Betreuung zu bieten, ihnen durch professionelle Pflege und hauswirtschaftlicher Unterstützung ein Leben in Würde und Eigenständigkeit in gewohnter Umgebung zu ermöglichen. Hilfe wird jedem Menschen, egal welcher Glaubenszugehörigkeit oder Weltanschauung, gewährt.

Räumlichkeiten und Ausstattung

Im R 7 Quadrat Nr. 12-13 ist die Sozialstation zu Hause. Vor ca. 2 Jahren hat sie ihrem angestammten Platz in der Schwetzingervorstadt verlassen um dort im Marienhaus, Haus für betreutes Wohnen, ihre moderne Zentrale einzurichten. Die Verwaltung, die Hauswirtschaft und die Pflege teilen sich die Räume, was für eine funktionierende Kommunikation und einen schellen reibungslosen Ablauf von Vorteil ist.
Jede Abteilung hat ihre eigenen Büros verteilt über 2 Etagen. Moderne Nasszellen, einen gemütlichen Aufenthaltsraum unterstützen das angenehme Betriebsklima. Das Schwesternzimmer ist modern und übersichtlich eingerichtet.
Die technische Ausstattung der Büros (Fax. Kopierer, Computer usw.) sind auf dem notwendigen Stand.
Für Teambesprechungen und Veranstaltungen können die großzügigen Veranstaltungsräume des Marienhaus im Untergeschoss mitgenutzt werden.
Um auch beim Außeneinsatz schnell reagieren zu können, ist jeder Mitarbeiter mit einem Handy ausgestattet.
Die Geschäftswagen sind Opel Corsa, die regelmäßig gewartet werden.
Jeder Pflegemitarbeiter hat eine professionelle Ausstattung an Hilfsmittel wie Blutdruckmessgeräte, Desinfektionsmittel, Handschuhe usw.. Er hat selbst die Verantwortung zu tragen, dass diese Hilfs- und Arbeitsutensilien in ausreichender Menge mitgeführt werden.

Personal

Die Leitung der Sozialstation unterliegt der PDL Frau Willer. Im Pflegedienst sind zur Zeit 11 Mitarbeiter (2 männlich) tätig. Davon arbeiten 6 Vollzeit, 3 arbeiten 75% und 2 a. 25%.
Für den hauswirtschaftlichen Bereich sind 6 Mitarbeiterinnen tätig.
Die Verwaltung ist mit 2 Mitarbeiter besetzt.
Ein Zivildienstleistender steht momentan für alle Bereiche einsetzbar zur Verfügung.


Dienstzeit

Frühdienst: 06.30 Uhr -13.30 Uhr
Großer Spätdienst: 15.30 Uhr - 20.30 Uhr
Kleiner Spätdienst: 16.30 Uhr - 20.00 Uhr
Wochenende / Feiertage: 06.30 Uhr -13.00 Uhr
Nach Absprache meist : geteilter Dienst
Rufdienst per Handy: 19.00 Uhr – 07.00 Uhr

Nach 6 Arbeitsstunden: eine halbe Stunde Pause

Teambesprechungen

Diese finden in regelmäßigen Abständen, jeden Mittwoch Nachmittag, statt.
An den Dienstbesprechungen sind alle Pflegekräfte die Frühdienst hatten und die PDL anwesend. Schüler werden mit einbezogen.
Es werden neben organisatorischen Punkte, Bewohner und Praxisbezogene Themen, Neuheiten, Fortbildungen, Erfahrungen besprochen.
Bei der ersten Teambesprechung wurde ich offiziell von der PDL vorgestellt und begrüßt und hatte die Möglichkeit etwas über mich zu sagen.
Einmal vierteljährlich findet nach Absprache eine große Dienstbesprechung mit allen Abteilungen statt.

Für die tägliche Übergabe liegt eine Übergabebuch im Schwesternzimmer aus. Nach Rückkehr vom Außeneinsatzes werden im Buch (Art Berichteblatt) besondere Vorkommnisse eingetragen. Derjenige der die Nachfolgeschicht übernimmt muss per Handzeichen bestätigen, dass er die Eintragung zur Kenntnis genommen hat.

Die Rolle als Schüler

Ich konnte mich recht schnell ins Team einfinden und wurde von den Mitarbeitern geschätzt und freundlich aufgenommen. Der Kontakt zur PDL war sehr offen und konstruktiv.
Mit meiner Mentorin habe ich mich gut verstanden und wir konnten uns aufeinander verlassen. Bei den Patienten hat sie mich vorgestellt und bereits im Vorfeld angekündigt. Sie hat sich viel Mühe gegeben, mir die Krankheitsbilder, die Therapien und Behandlungen bis hin zum Ziel zu erklären. Erstmals zeigte sie mir die durchzuführende Maßnahmen, lies mich dann zu Werke gehen und dann selbständig verrichten.
Ich fühlte ich mich nie vernachlässigt oder alleine gelassen.
Eigenkreativitäten sowie aktive Mitarbeit wurden unterstütz und gefördert.

An den wöchentlichen Teambesprechungen konnte ich Teil nehmen und mich rege daran beteiligen.
Die Zeit in der Sozialstation, die Durchführung der Maßnahmen und der Behandlungspflegen, die Zusammenarbeit mit den Kollektiv haben mir außergewöhnlich viel Spass gemacht. Ich konnte viel Neues lernen und Einiges abschauen.
Nachdem ich nun die Arbeiten auf Station, in der BT und der Sozialstation kennenlernen konnte und mich jetzt für einen Bereich entscheiden müsste, würde mir sicherlich die Arbeit bei der Sozialstation viel Spass machen und erfüllen. Doch der Gedanke, dass gerade die Bewohner in den Heim einen noch dringender benötigen, Pfleger die sie achten, respektieren und würdevoll behandeln, bin ich mir fast sicher, trotz schwerere körperliche Arbeit meine Kraft im Heim einzusetzen. Im Heim wird man täglich mit Pfleger- u. innen konfrontiert, welche die Bewohner kommandieren, befehlen und als Kinder behandeln. Wenn alle die eine andere Pflegeeinstellung haben die Heime verlassen, wird sich der Zustand nie ändern. Hier gilt: Hinschauen und selbst handeln.

Patienten

Unterschiedliche Persönlichkeiten, Charakteren, Interessen, Wünsche, Vergangenheiten, Vorstellungen, Lebensweisen natürlich auch Geschlechter und Krankheitsbilder trifft täglich in der Sozialstation vor.
Die Menschen die zu Hause wirken auf mich meist glücklicher und lebensfroher. Sie stehen mitten im Leben und kämpfen täglich darum ihren Lebensstandart und Lebensunterhalt zu meistern. Die meisten haben Angst vor einer Heimeinweisung, sehen das Altenheim als letzte Stadion in Leben als Abschiebeanstalt und Sterbelager.

Dies gibt mir zu denken, ob unsere Arbeit im Heim die Qualität hat von der wir doch so überzeugt sind. Es stellt sich mir die Frage, ob im Vergleich zu den Menschen im eigenen Heim wir an der Integration unserer Heimbewohner versagt haben, obgleich auch das Heim das eigene Zuhause ohne Einschränkungen ersetzten soll. Es ist mir klar, dass die meisten Bewohner durch ihre Krankheiten und oder physischen und psychischen Einschränkungen nicht mehr alleine zu Hause leben können. Aber kann das Heim nicht eine identische und auf die Lebensgewohnheiten orientierte Alternative darstellen? Ich wünsche mir, dass in Zukunft solche Fragen mit zu den Prioritäten gehören und Visionen umgesetzt werden. Ich selbst setzte mir als Ziel, Konzepte zu entwerfen und zu verwirklichen.

Dienstleistungen und Aufgabe der Sozialstation

Nachfolgende Punkte habe ich aus dem Imageprospekt der Sozialstation St. Elisabeth herausgearbeitet und teilweise übernommen.

Pflege und Betreuung von alten und kranken Menschen

  • Hilfe bei der Körperpflege
  • Hilfe beim An- u. Auskleiden
  • Lagern / Betten / Umbetten
  • Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
  • Mobilisation / Aktivierung

Ausführung ärztlicher Verordnungen

  • Injektionen
  • Verbände und Wickel
  • Vitalwerte- Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle
  • Medikamentengabe
  • Wundpflege
  • Künstliche Ernährung

Haus und Familienpflege

  • Vertretung der Hausfrau und Mutter in besonderen Notsituationen (z.B. bei Krankenhausaufenthalt, Kuraufenthalt, Überlastung usw.)

Hauswirtschaftliche Versorgung – Nachbarschaftshilfe

  • Hilfe im Haushalt
  • Einkaufen
  • Betreuung nach einem Krankenhausaufenthalt
  • Begleitung bei Arztbesuchen
  • Behördengänge

Verleih von Pflegemitteln wie:

  • Kranken- und Pflegebetten
  • Nachtstühle
  • Rollstühle u.s.w.

Hilfe für Pflegende

  • Kurse in häuslicher Kranken- u. Altenpflege
  • Gesprächskreis für pflegende Angehörige

Beratung und Information

  • Erarbeitung eines Hilfeplans
  • Vermittlung ergänzender Hilfen
  • Pflegeanleitung
  • Gesundheitsberatung
  • Beratung pflegender Angehöriger
  • Hilfe bei Finanzierung
  • Ausstattung von Krankenzimmern

Leistungsmodule

Die ambulanten Pflegeleistungen sind im in Baden-Württemberg zu Leistungsmodulen zusammengefasst worden.
Die Leistungspakete beinhalten alle Tätigkeiten, die in Anlehnung an die Lebenspraxis oder nach fachlichem Standart damit verbunden sind.
Der Vorteil dieser Module ist die Transparenz und Vereinfachung der Abrechnung.
Die Preise für das einzelne Leistungsmodul richten sich nach der Qualifikation der Pflegekräfte. Unterschieden wird zwischen Pflegefachkraft, Ergänzende Hilfen, Zivildienstleistende. Die Ergänzende Hilfe und die Zivildienstleistende können aber nur in zugelassenen Fällen eingesetzt werden und wenn die verantwortliche Pflegekraft keine fachlichen Einwände hat.
Gebührenverordnung „Stand 01. August 2002“ Fachkraftpreise

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Abrechnung

Grundsätzlich werden alle vom Arzt verordneten Leistungen mit der Krankenkasse abgerechnet. Anderen Leistungen werden über die Pflegekasse gedeckt. Übersteigt der Betrag den Pflegekassensatz muss der Patienten selbst dafür aufkommen.
Um Leistungen mit der Krankenkasse abzurechnen ist ein vom Arzt ausgestellter und vom Patienten unterzeichneter Verordnungsschein zwingend nötig. Eine erstmalige Ausstellung wird für einen Zeitraum von 14 Tagen gewährt, Folgescheine können Quartalsmäßig eingereicht werden.
Der Verordnungsschein muss nachfolgende Angaben enthalten:

  • weshalb die Maßnahmen nützlich sind, z.B. zur Fortsetzung der ärztlichen Behandlung oder Therapie usw.
  • Art der Behandlung
  • wie oft die Maßnahme durchgeführt werden muss, z.B. 1x täglich, 2x täglich usw. sowie die Behandlungsdauer.
  • die Diagnose

Grundsätzlich kann der Arzt drei Leistungen (Grundpflege, Behandlungspflege, hauswirtschaftliche Versorgung) verordnen.
Zusätzlich können im besonderen Fall Zuschläge abgerechnet werden wenn Leistungen wie: Infusionen, Infusionsüberwachung oder Sondenernährung angeordnet ist.
Aber auch wenn das Erbringen der Leistung zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr oder an Sonn- und Feiertagen oder bei Kindern zwischen 0 und 6 Jahren erbracht werden müssen.
In bestimmten Fällen kann auch vom Arzt eine Haushaltshilfe verordnet werden.

Dokumentation

Bei den Patienten liegt die Dokumentenmappe aus. Die Pflegekraft unterschreibt täglich die geleisteten Arbeiten. Am Ende des Monats werden die Blätter der Stationsverwaltung übergeben.
Die Dokumentationsmappen enthalten zusätzlich:
Anamnesebogen
Patientenstammblatt
Kopie der Verordnungsscheine
Pflegeplanung
Medikamentenblatt
Je nach Patient: Wundbehandlungsblatt, Blutzuckerwerteblatt u.s.w.
Dokumentenblatt

Touren- Besuchs- und Zeitrhythmus

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Patientenbeschreibung Nr. 1 Frau R.

Frau R., 71 Jahre, lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in einer 3 Zimmerwohnung im Stadtteil Neuostheim. Die Wohnung ist sehr dunkel, dazu noch mit dunklen Tapeten und Eichemöbel ausgestattet.
Das Ehepaar harmonisiert sehr gut zusammen. Herr R. ist noch berufstätig und Frau R. kümmert sich um die Arbeiten im Haus und Küche.
Frau R. leidet seit dem Frühjahr 2001an Ulcus cruris an beiden Unterschenkel. Nachdem ein Ulcus abgeheilt war, entstand gleich darauf ein weiterer.
Die Patientin beschreibt die Wunde als Schmerzfrei, nur hin und wieder ein leichtes jucken.

Wundanamnese 03.07.02 11.30 Uhr.
Der Ulcus cruris am rechten Unterschenkel, unterhalb des Knöchels, (siehe Foto Nr.1) hat eine Größe von ca. 6x4 cm. und eine Tiefe von 8 - 10 mm.. Die Wunde richt sehr, der Geruch ähnelt verfaultem Fleisch und nässt.
Der Ulcus cruris am linken Unterschenkel (siehe Foto Nr.2) hat eine Größe von ca. 2x1 cm und hat eine Tiefe von 1 mm.. Diese Wunde richt und nässt nicht.

Foto 1 (rechts) Foto 2 (links)
Hier Steht ein Foto
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Weitere Symptome:

Müdigkeit im linken Bein nach Belastung
Bew. fühlt sich seit Ulcuserkrankung Schlapp und Schwach.
Bewohnerin nimmt Marcumar ein.

Ärztl. Behandlungsverordnung:
Montag – Mittwoch – Freitag Verbandswechsel
Auf die Wunde kommt Cutinova cavity (Fa. Beiersdorf) diese wird mit einer Kompresse abgepolstert und verbunden.
Anschließend das Bein mit einem Kompressionsverband gewickelt.

Ungewöhnlich fand ich, dass die Wunde nicht gereinigt wird. Vom Heim weiß ich, dass Bewohner mit Ulcus cruris täglich ein Beinbad mit Kaliumlösung zur Wundreinigung erhielten und erst dann wurde der Wundverband angelegt. Ich habe mich mit Schwester Waltraud aus dem Heim in Verbindung gesetzt und sie um Rat gefragt. Sie bestätigte meine Theorie. Darauf hin habe ich mit meiner Mentorin der Sozialstation gesprochen und mit ihr den Arzt angerufen und ihm die momentane Wundbeschreibung und meine Erfahrungen aus dem Heim mitzuteilen. Der Arzt war kompromissbereit, verschrieb Kaliumpermanganat und verordnete vor dem Verbandswechsel, der nach wie vor nur 3x wöchentlich gemacht werden soll, ein Beinbad von ca. 10 min.
Darauf hin wurde die Patientin informiert, dass beim Arzt ein Rezept abzuholen ist.

05.07.02 11.00 Uhr
Frau R. hat heute erstmals ein Fußbad gemacht und bis zu unserem Kommen die Wunde offen gelassen und die Füße hochgelagert.
Sie fühlt sich wohl und das Fußbad empfand sie als sehr angenehm und wohltuend.
Die Wunde richt nicht mehr. Neuen Wundverband angelegt.
Frau R empfohlen, vor dem nächsten Verbandswechsel am kommenden Montag das Fußbad zu wiederholen.

08.07.02 11.15 Uhr
Heute hat Frau R zum wiederholten mal das Fußbad gemacht. Die Wunde richt nicht mehr. Sichtliche Veränderungen sind noch keine feststellbar. Patientin fühlt sich jedoch besser und hat das Gefühl, dass die Fußbäder eine Verbesserung der Wundheilung darstellen. Morgen hat sie einen Termin beim Arzt.

10.07.02 12.00 Uhr

Der Arzt ist mit der Wundheilung zufrieden. Die Behandlung soll wie bisher weitergeführt werden.

15.07.02 12.00 Uhr
Pat. hat Schmerzen am Fuß. Sie fragt ob sie Schmerztabletten einnehmen darf. Ich habe sie an ihren Arzt verwiesen, dieses mit ihm abzusprechen. Meine Mentorin erzählte mir später, dass bei Marcumar-patienten meist keine Schmerzmittel verschrieben werden, da bei eventuell auftretende Magenblutungen der Patient verbluten kann.

22.07.02 12.00 Uhr
Ulcus am rechten Bein bildet eine weiße Schicht. Hin und wieder verspürt sie ein Jucken in der Wunde. Der Arzt diagnostiziert eine Wundheilung.
Der Ulcus am linken Bein schmerzt nach wie vor. Eine Veränderung der Wunde ist nicht zu erkennen.

28.07.02 12.10 Uhr
Pat. ist psychisch angeschlagen. Sie äußerte lieber bald zu sterben, als weiterhin mit der Erkrankung zu leben. Sie hat nachts starke Schmerzen. Auch der Quicktest den sie morgens machen lassen musste hatte kein gutes Ergebnis. Wert 15.
Alles das zusammen drückt ihr auf die Psyche.

02.08.02 11.50 Uhr
Patientin geht am Dienstag zu ihrem Hausarzt. Sie will mit Ihm über die seit Tagen auftretenden nächtlichen Schmerzen reden. Habe ihr empfohlen, bei der Hautklinik vorstellig zu werden. Viele Patienten haben mir in den letzten Wochen erzählt, dass diese Ärzte heilende Therapien kennen und einsetzten.

14.08.02 11.55 Uhr
Der Ulcus am rechten Bein hat eine weiße Granulatschicht gebildet. Der Arzt hat der Pat. erklärt, dass dies ein wichtiger Folgeschritt der Heilung ist. Die Wunde ist etwas herausgewachsen und hat noch eine Tiefe von ca. 8 – 10 mm. Der Wundrand ist verhärtet und schmerzt hauptsächlich Nachts.
Der Ulcus am linken Bein hat sich nicht verändert.

Der Arzt ist von seiner verordneten Therapie überzeugt. Ich habe Frau R. Unterlagen über die Verwendung von Nu-Gel mitgegeben, aber es sieht keine Veranlassung die Behandlungsmethode umzustellen.

21.08.02 12.10 Uhr
die Wunde hat sich seit letzter Woche nicht verändert. Habe mich von Pat. verabschiedet und mich bedankt, dass ich die Behandlung begleiten durchführen durfte.

Patientenbeschreibung Nr. 2
Herr W.

Herrn W. kenne ich aus dem Richard Böttger Heim. Anfang Mai hat er das Heim verlassen und ist in seine 2-Zimmer Wohnung in die Schwetzingervorstadt zurückgezogen. Herr W. ist 63 Jahre alt.
Er hat mir erzählt, dass er vor 18 Monaten von einem Auto angefahren wurde, und dabei am Gesäß schwere Verletzungen erlitt. Seine Gehfähigkeit ist seitdem eingeschränkt. Anfangs konnte er nicht mehr selbständig gehen und war auf den Rollstuhl angewiesen. Durch KG-Anwendungen hat er das Laufen wieder erlernt, ist jedoch auf Rollator oder Gehstock angewiesen.
An Beiden Gesäßbacken sind offene Wunden mit einem Durchmesser von ca. 7 – 8 cm. (siehe Foto)

Foto 1 (rechts) Foto 2 (links)
Hier Steht ein Foto
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Laut ärztlicher Verordnung müssen diese Wunden täglich versorgt werden.

Wunde werden mit Ringerlösung gespült.
Ein Kompressionskissen wird mit Kochsalzlösung getränkt und nach dem die Wunde mit Betaisodonasalbe behandelt wurde so steril wie möglich darauf gelegt. Mit einer Kompresse abgedeckt und abgeklebt.

Den Pat. habe ich nur 4 mal besucht. Beim ersten Besuch beobachtete und assistierte ich die Behandlung. Bei den weiteren Besuchen führte ich die Behandlung unter Beobachtung und Assistenz meiner Mentorin aus. Diese Wundbehandlung war für mich eine Herausforderung. Es hat mir Spass gemacht diese zur Zufriedenheit des Pat. und meiner Mentorin durchzuführen. Leider wurde Herr W. auf eine andere Tour verlegt.

Patientenbeschreibung Nr. 3
Frau H.

Frau H. lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in einer exklusiven 5-Zimmerwohnung am Neckarufer in Neuostheim. Das Zweifamilienhaus ist Eigentum. Im Erdgeschoss wohnt ihr Sohn, der als Arzt in Hockenheim eine eigene Praxis unterhält.
Frau H. ist 92 Jahre alt.
Sie ist an Alzheimer erkrankt, befindet sich im 1. Stadium und kann sich nicht mehr selbst waschen oder duschen. Der Ehemann versorgt sich zwar noch selbst, jedoch mit großen Einschränkungen. Zweimal wöchentlich kommt eine Haushaltshilfe die versucht die Unordnung die Herrschaften machen einigermaßen wieder aufzuräumen.
Herr und Frau H. haben die Tendenz ihre Kleiderschränke auszuräumen und die Kleidung in der ganzen Wohnung zu verteilen. Es kommt nicht selten vor, dass man Unterhosen im Kühlfach findet.
Beide sind sehr freundliche, liebenswerte und höfliche Persönlichkeiten. Bei meiner Vorstellung haben sie mich mit ihrem Enkel Sebastian verwechselt, dem ich wohl stark ähnlich sehe. Ich habe die Verwechslung aufgeklärt und mich vorgestellt was sie verstanden haben, jedoch sahen sie in mir lieber ihren Enkel.

Frau H. ist Urininkontinent, akzeptiert aber keinerlei Einlagen.
Sie wird täglich geduscht und angezogen.
Bis man die Kleidung und Handtücher zur Durchführung der Maßnahme zusammengefunden hat, verbringt man oft 10 min.

03. Juli 2002
heute war ich erstmals alleine bei Frau H. Als ich hereinkam wurde ich recht herzlich begrüßt. „Na Sebastian schön dass Sie wieder kommen.“ Ich dachte mir es so zu akzeptieren, denn wenn er „Sie“ zu mir sagt, weiß er auch wer ich bin. Als ich dann die Maßnahme an Frau H. durchgeführt hatte und sie in die Küche begleitete, saß die Schwiegertochter, die Mutter von Sebastian, da. Ich merkte, dass ihr etwas nicht gefällt und versuchte nach einer freundlichen Begrüßung von mir, ein Gespräch anzufangen um ihre Stimmungslage besser einschätzen zu können. Was liegt näher als ein Kompliment über die schöne gepflegte Gartenanlage zu machen. Sie antwortete darauf:
„Ich wusste gar nicht, dass Männer auf der Sozialstation arbeiten!“
„Ist das für Sie ein Problem, wenn ja werde ich dies mit der PDL besprechen und wir werden die Einteilung verändern.“ Antwortete ich überfreundlich darauf. Herr H. griff ins Gespräch ein: “Er ist so nett und freundlich und sieht unserem Sebastian ähnlich. Sie dürfen weiterhin kommen.
Frau H. jun. schaute mich an und meinte, dass ich viel Ähnlichkeit mit Sebastian hätte und wenn es ihre Schwiegereltern so wünschen können Sie gerne weiterhin kommen.

04. Juli 2002
Familie H. erwarteten mich schon. Vor der Türe stand ein Paket für sie, was ich ihnen mit hochbrachte. Sie bedankten sich bestimmt 20 mal, dass ich es mitgebracht habe.
Als ich wieder ging, traf ich im Hof die Schwiegertochter. Sie war sehr freundlich und hat erzählt. Ich merkte, dass sie mich als Pfleger akzeptiert.

05. Juli 2002
nach langem Suchen konnte ich nirgends eine Unterhose für Frau H. finden. Ich wollte ihr aus hygienischen Gründen keine Gebrauchte anziehen, aber gar keine anziehen wollte ich erst recht nicht. Es blieb mir nichts anderes, als eine frische Unterhose ihres Mannes zu nehmen, die ich mit eine Tena-Lady ausgepolstert habe. Ich klärte Frau H. auf und sie war damit einverstanden. Diese Maßnahme habe ich dokumentiert und meiner Mentorin erzählt. Sie war mit der Handlung einverstanden.

08. Juli 2002
der Kontakt zu den Eheleuten hat sich stark gefestigt. Sie hatten mich übers Wochenende vermisst.
Die Schwiegertochter berichtete mir, dass Frau H. hat die Tena Lady am Freitag in der Hose lies. Es ist für mich ein Ziel, Frau H. zum Tragen für eine Einlage zu motivieren, damit Sie uneingeschränkt am Leben teilnehmen kann.

10 Juli 2001
Frau H. lässt die Tena nicht in der Hose. Sie ist daher sehr stark eingenässt. Sie nässt auch jede Nacht ins Bett ein und bleibt bis in der Früh darin liegen. Habe vom Heim ein Muster einer Tena-Plus Einlage und einer Netzhose, nach Absprache mit Schwester Waltraut, besorgt und es der Schwiegertochter vorgestellt. Auf jeden Fall sollte nochmals vor dem Schlafengehen, Frau H. mit einer neue Einlage versorgt werden.

13. Juli 2002
Patientin wäre tagsüber trocken, geht zur Toilette und zieht die Tena wieder hoch. Da sie am Abend nicht versorgt wird, hat das Einnässen im Bett noch nicht aufgehört.
Habe Schwiegertochter gebeten doch zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre die Sozialstation auch Abends kommen zu lassen. Sie wird das mit Ihrem Mann besprechen und bei Interesse mit der PDL in Verbindung setzten.

14. Juli 2002
Herr H. war an diesem Tag sehr schwindlig und hatte in der Hüftgegend starke Schmerzen. Der Sohn wohnt im Haus und ist Arzt. Habe vom Bewohner aus versucht bei ihm anzurufen, aber keiner hat abgenommen. Bin dann runter an die Klingel und der Mutter der Schwiegertochter, die auf Besuch da ist, bescheid gesagt. Sie hat es sofort ausgerichtet, aber der Sohn wollte erst später nach seinem Vater schauen.

22. Juli 2002
fast täglich liegt Frau H. noch im Bett wann ich komme, obgleich es schon meist 11.00 Uhr durch ist. Das Bett ist eingenässt und die Patientin liegt meist ohne Hose darin. Ich finde es eine Zumutung der Patientin gegenüber, sie so zu vernachlässigen.
Habe ein erneutes mal ihren Ehemann und die Schwiegertochter darauf angesprochen und ihnen die Vorteile einer zusätzlichen abendlichen Pflege erläutert.
- Toilettengang: Patientin kann ausscheiden, Selbständigkeit
- Intimpflege: Wohlbefinden, intakte Haut
- Einlage einsetzten: Frau H. kann durchschlafen, weniger Bettwäsche
Sie haben der zusätzlichen Pflege zugestimmt. Erstmals ab 23. 07. soll die Spätschicht Frau H. nochmals versorgen.
Auf der Station mitgeteilt. Ein neuer Vertrag wird geschrieben.
Pflegeplanung ist nicht mehr aktuell. Habe heute Nachmittag eine Neue erstellt.

29 Juli 2002
Die Versorgung morgens und abends hat eine Verbesserung gebracht. Es passiert immer noch, dass sie über Nacht die Einlage auszieht, jedoch nur noch einmal wöchentlich.
Durch das, dass der Spätschicht erst um 20.00 Uhr die Patientin versorgt, kann sie vorher nochmals ausscheiden und schläft meist durch.

01. August 2002
Der Sohn fährt mit Familie vom 14 – 30 August in Urlaub. Die Senioren wären alleine. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass die Herrschaften sich nicht alleine versorgen können und nicht alleine bleiben können.
Habe im Heim nachgefragt ob für Kurzeitpflege ein Platz da ist. Natürlich nicht.
Mit PDL die Situation besprochen, dass sie Kontakt aufnimmt und eine Lösung findet.

08. August 2002
Frau H. wirkt immer sehr müde. Obwohl ich sehr viel mit ihr rede kommt von ihr wenig zurück. Heute sagte ich zu ihr, dass sie eine hübsche Frau ist. Darauf hin hat sie mich über die Wangen gestreichelt und gelacht.
Für ihr hohes Alter ist sie wirklich eine hübsche Frau mit einer starken Ausstrahlung.

14. August 2002
Heute ist der Sohn mit seiner Familie in Urlaub gefahren. Ich fühle mich nicht gut, dass die Senioren jetzt alleine den ganzen Tag alleine sind. Ich habe Herr H. meine Telefonnummern aufgeschrieben, dass er mich anrufen kann, wenn er etwas braucht. Er hat mir versprochen, davon gebrauch zu machen. Dies beruhigt mich.
Am Abend habe ich noch mal angerufen, ob alles in Ordnung ist.

16. August 2002
Es läuft alles in bester Ordnung. Herr H. fährt mit seinem Auto einkaufen und richtet das Frühstück für seine Frau. Ich habe die Schmutzwäsche in die Waschmaschine gesteckt und laufen lassen. Herr H. wird dann die Wäsche aufhängen.
Nachmittags bin ich nochmals vorbeigefahren und habe nach dem Ehepaar geschaut. Herr H. hatte wirklich die Wäsche aufgehängt.

21. August 2002
Das Ehepaar kommt gut alleine zurecht. Nach wie vor stecke ich die Schmutzwäsche in die Waschmaschine und schüttle ihre Betten auf. Ich habe mich angeboten mit ihnen am Nachmittag einen Ausflug in Luisenpark zu machen, aber er hat keine Lust.

23. August 2002
Es fiel mir schwer mich von ihnen zu verabschieden. Die ganzen acht Wochen war ich täglich bei Ihnen. Sie haben mir sehr viel Vertrauen entgegen gebracht. Herr H. sprach mich mit Namen an und erzählte mir viel aus seinem Leben. Frau H. hätte ich gerne weiterhin gepflegt. Durch die Kommunikation die ich in der Valitadion gelernt habe, ist es mir gelungen, dass sie eine Vertrauensverhältnis zu mir aufgebaut hat. Für das Paar wünsche ich mir, dass sie so lange wie möglich zusammen in ihrer vertrauten Umgebung sein können.
Ich habe Herr H. versprochen, mich die nächsten Tage bis zur Rückkehr seines Sohnes täglich zu melden, was ich auch getan habe.

Patientenbeschreibung Nr. 4
Herr S.

Herr S. ist ein 93 jähriger Herr. Er lebt alleine in seiner Villa in der Oststadt. Er ist eine angesehnen und bekannte Persönlichkeit in Mannheim. Beruflich war er als Zigarettenfabrikant tätig und hat diese vor Jahren seinem Sohn zu 50% überschrieben. Er selbst führt noch immer die Geschäfte von seinem Wohnzimmer aus mit.
Herr S. ist bis auf körperliche Bewegungseinschränkungen fit und aktiv. Seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen kommt er nach.

Die Aufgaben der Sozialstation beschränken sich auf 3 mal wöchentliches Duschen.

Zur hauswirtschaftlichen Unterstützung hat er eine junge Frau, Monika, eingestellt, die ihn vom Frühstück an bis zum Abend zur Verfügung steht. Ihre Aufgaben bestehen darin, ihn zu verköstigen, seine Aktivitäten zu unterstützen und ihn zu begleiten. Sie hat ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis zu ihm. Bei Entscheidungen wird sie voll miteingebunden.
Zur Säuberung der Wohnung steht weiteres Personal zur Verfügung.

Herr S. besuchte ich zum erstem mal am 26. Juli. Im Vorfeld wurde er von einem Zivildienstleistenden geduscht.
Monika hat mich in der Halle empfangen. Bereits bei der Begrüßung merkte ich, dass sie sehr abweisend und kühl reagierte. Ich war auf das schlimmste gefasst. Sie führte mich zu Herr S. der noch im Bett lag. Noch nie habe ich soviel Prunk um mich herum gesehen, was mich nervös machte.
Monika zeigte mit das angrenzende Bad. Dieses Handtuch für die Füße, dieses für die Beine, dieses für die Haare, dieses fürs Gesicht und und und.. Diese Duschgel für die Füße, dieses fürs Gesicht, dieses für den Rücken und und und... Diese Salbe.....,
Hier ist das Hemd, eine Unterhose, eine Bambershöschen, diese Socken,.... Was sie mir in den 5 Minuten erzählt hat, hätte ich mir um Himmelswillen nie merken können.
Es ging um Herr S., der immer noch im Bett lag und das über sich ergehen lassen musste. Ich spürte, dass es ihm sehr unangenehm war, wie sie so die Anweisungen gegeben hat.
Ich sprach Herr S. direkt an: „Ich glaube wir kommen ganz gut zurecht miteinander. Sagen Sie mir wie Sie es gerne hätten und ich werde mich auf Sie einstellen“. Das Herr S. gefallen, dass er mit einbezogen wurde.
Ich half ihm aus dem Bett und begleitete ihn zur Toilette und anschließend in die Dusche.
Noch nie hatte ich vorher das Gefühl, dass das erlernte schulische Duschen nicht nur eine hygienische Bedeutung hat sondern eine Methode der Entspannung und des Wohlbefinden bedeutet. Herr S. genoss es erst langsam die Beine, dann die Arme, Bauch und Rücken von unten nach oben abgeduscht zu bekommen. Eine befreundete Friseurin zeigte mir vor Wochen ein paar Handgriffe und Handlungen beim Haare waschen und frisieren. Ich wendete diese an. Herr S. war begeistert und lobte mich sehr, was mich natürlich freute.

Ich fragte ihn während der Pflege immer wieder ob alles in Ordnung ist und erklärte ihm, warum ich das auf diese Art und Weise mache. Mein Ziel war es, ihm meine Kompetenz zu zeigen.
Auf seine Ansprüche ging ich ein. Er wollte zum Beispiel, dass der Duschstuhl heiß abgeduscht wird, bevor er sich darauf setzt um in aufzuwärmen. Das kann ich natürlich nachvollziehen. Beim Waschen der Zehen wollte er den Fuß auf einen gewärmtem Waschlappen stellen. Diese Wünsche erfülle ich gerne wenn das das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Menschens bedeutet.
Bis her war er es gewohnt, dass jede Pflegemaßnahme voll und ganz durch den Pfleger übernommen wird. Für mich galt es in erster Linie seine Ressourcen zu nützen und ihn zur aktive Mithilfe anzuregen.

Als ich ihn fertig geduscht hatte, wollte er, noch nass, aus der Dusche raus und zum abtrocknen auf eine Sitzbank setzen. Bis er aus der Dusche draußen war und sich gesetzt hatte vergingen mehrere Minuten. Das hat mir nicht gefallen, da er zu lange nass war. Zum Glück war es ein heißer Tag.

Die Hautpflege hat er wiederum sichtlich genossen. Ich stimulierte seinen Kreislauf. Seine Zehen wollte er einzeln mit Bebanten Heilsalbe einmassiert haben.

Nach dem Anziehen begleitete ich ihn zum Frühstücksraum, wo ein herrschaftliches Frühstück, an einem Stil- und Gourmetgerechten Tisch auf ihn wartete.

Er erzählte Monika, wie gut ich ihn gepflegt hätte und wie groß die Unterschiede innerhalb der Pflege sein können.

Ich verabschiedete mich bei beiden per Handschlag und machte die Zeit für kommenden Montag aus.

55 Minuten war ich bei Herr S.

29. Juli 2002 7.45 Uhr
Monika war sehr freundlich. Sie erzählte mir, dass Herr S. das ganze Wochenende von mir gesprochen hat und jedem erzählt hat wie gut es ihm ging. Das erfüllte mich mit Freude. Herr S. lag noch im Bett hat aber schon gewartet bis ich komme.
Die Pflege führte ich durch wie beim letzten mal, jedoch überzeugte ich ihn, den Oberkörper und die Haare noch in der Dusche trocken zu machen um eine Erkältung vorzubeugen. Das war für ihn kein Problem, im Gegenteil.
Nach der Pflege begleitete ich ihn wieder zum Frühstücksraum. Er hatte Monika angewiesen für mich eine Erfrischung im Wohnzimmer einzudecken.
Auf einem silbernen Tablett lag eine Banane, daneben eine 3 zackige Obstgabel. In einem Kelchglas war Tee zubereite. Ich habe nichts gegessen, weil ich wirklich nicht wusste, wie ich eine Banane mit Gabel essen soll.

31. Juli. 2002 7.50 Uhr
Monika hat für Herr S. eine geschlossene Einlagenhöschen hergerichtet. Herr S. ist nicht inkontinent, hin und wieder treten ein paar Tröpfchen Urin aus. Da diese Höschen sehr warm sind und die Haut in der Leistengegend etwas gerötet war, habe ich ihm empfohlen eine normale Unterhose zu tragen. Ich habe ihm erklärt, dass es für seinen Fall, kleinere Einlagen gibt die bequem zu tragen sind. Ich habe ihm versprochen am Freitag welche mitzubringen.
Als Erfrischung waren heute getrocknete Pflaumen und Tee hergerichtet.

02. August 2002 7.50 Uhr
Einlagen habe ich mitgebracht und Herr S. vorgestellt. Ich habe ihm gezeigt wie die Einlage benutzt wird und ihn dann selbst das Einlegen ausführen lassen.
Beim Waschen und Eincremen der Zehen hat er heute Schmerzen. Die Zehenspitzen haben Druckstellen. Es kommt davon, dass sie nach unten zeigen, obwohl sie beweglich sind und keine Kontrakturen aufweisen. Er meint, dass daran seine Mutter schuld ist, denn sie hätte ihn immer in zu kleine Schuhe gezwängt.
Von einer anderen Patientin kenne ich eine Zehenunterlage, welche die Zehne in einer physiologischen Haltung stellt. Ich habe ihn vorgeschlagen solche Einlage für ihn zu besorgen. Im Sanitätshaus am Marktplatz habe ich welche gefunden. Preis 8,50 €.

05. August 2002 7.45 Uhr
Bew. kommt mit den Einlagen, Tena Lady, zurecht und findet es angenehmer diese zu tragen.
Monika ist für 3 Wochen in Urlaub und eine Vertretung, ehemalige Hauswirtschaftlerin die seine verstorbene Frau gepflegt hat, versorgt Herr S. solange.
Sie hatte zweierlei Strümpfe hergerichtet, was mir bei anziehen aufgefallen war. Eigentlich kein Problem. Herr S. sagte mir in welcher Kommode ich neue holen kann. Herr S. hat ihr dann freundlich gesagt, dass die Strümpfe verwechselt waren, damit sie die richtigen zusammenlegt. Dann sie fährt in einem frechen, bestimmenden und lauten Ton an. Ich wollte mich nicht einmischen. Herr S. hat selbst versucht die Angelegenheit zu klären, ihr gesagt, dass es kein Vorwurf sei, aber sie wurde immer frecher. „Ich kann sofort wieder gehen, ich muss nicht hier sein, ich bin nur wegen ihnen da. Ich bat sie die Diskussion zu beenden. „Herr S. weis ihre Arbeit sehr zu schätzen, er sagte mir während dem Duschen mir wie viel Aufopferung sie Frau S. gepflegt haben und dass sie eine gute Seele des Hauses immer noch sind. Sie wurde zwar ruhig, aber ich merkte dass gespannte Energie war. Mir tat Herr S. leid, dass ich ihn in dieser Situation alleine lassen musste.
Heute habe ich ihm zum ersten mal die Zehenunterlage angezogen. Habe ihn darauf hingewiesen, dass wenn er einen Druck verspüren sollte, diese auszuziehen soll.

07. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. hat die Zeheneinlage gut getan. Er verspürt keine Druckschmerzen mehr.

09. August 2002 7.50 Uhr
Herr S. spricht mich mit Namen an. Er wiederholt öfters, dass er mit meiner Pflege sehr zufrieden ist und mich bewundert, dass ich ihn mit soviel Liebe versorge. Er hat mir eine Flache Wein herrichten lassen. Er hat darauf bestanden, dass ich sie mitnehme. Aber ich verzichte prinzipiell auf Geschenke. Ich mache meinen Beruf aus eigener Überzeugung und möchte jeden Menschen gleich behandeln, egal wie vermögend einer ist oder ob er Gehschenke geben kann oder nicht. Das habe ich im Heim bei allen Angehörigen und Bewohner, sowie jetzt in der Sozialstation, erklärt und so gehalten. Ich finde es gefährlich, denn wenn jemand auf Incentives anspricht, wird er immer vorrangig die Patienten oder Bewohner aus Berechenbarkeit bevorzugt behandeln.

12. August 2002 7.40 Uhr
Herr S. hat mir erzählt, dass er sich mehrmals in der Woche bei „Grün-Weiss“ zum Schachspielen trifft. Gestern hätte er sich nicht auf das Spiel konzentrieren können. Er wollte wissen ob er nun sein Gedächtnis verliert. Ich antwortete ihm, dass jede Konzentration auch Tagesformabhängig ist und auch wir Jungen darunter hin und wieder betroffen sind. Er fragte mich was ich dagegen bei mir tue. Ich nehme eine entspannendes Bad mit einem ätherischen Pfefferminzöl oder wasche mich damit. Ich erzählte ihm davon, dass ich eine Bewohnerin im Heim mehrere Wochen täglich mit Pfefferminzöl gewaschen habe. Ihr hat es gut getan und eine sichtbare Veränderung herbeigeführt.
Er hat mich gebeten, ihm so ein Öl zu besorgen.

14. August 2002 7.50 Uhr
heute habe ich Herr S. erstmals eine kleine Hautpartie mit Pfefferminzöl behandelt um die Verträglichkeit zu testen. Er hat den Duft für ein bisschen stechend, aber für sehr angenehm empfunden. Sollte es keine Hautirritationen geben, werde ich ihm am Freitag damit duschen.

16. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. hatte keine Hautirritationen. Er sagte sogar, dass sein Bad sehr frisch gerochen hätte. Er bat mich, heute das Öl einzusetzen. Später hat er seiner Hauswirtschafterin von diesem Erlebnis erzählt. Er nannte das Duschen wirklich ein Erlebnis. So etwas erfüllt mich mit Freude.

23. August 2002 7.45 Uhr
Herr S. fühlt sich sehr wohl. Er glaubt fest daran, dass ihm das Pfefferminzöl gut tut.
Ich habe ihm erst heute gesagt, dass es mein letzter Besuch ist und mein Praktikumeinsatz mit dem heutigen Tag endet. Dies habe ich gemacht, damit er nicht wieder mit einem Geschenk auffährt. Herr S. war sichtlich bestützt. Er wollte in der Sozialstation anrufen und dafür sorgen, dass ich weiterhin zu ihm kommen kann. Ich habe ihm erklärt, dass ich im Rahmen meiner Ausbildung diesen Einsatz absolvierte und nun wieder im Heim tätig sein werde. Er bot mir an, dass ich ihn in meiner Freizeit versorge und er mich dafür bezahlen will. Dies habe ich abgelehnt und darauf hingewiesen, dass ich das nicht darf und auch nicht möchte.

Neue Erfahrungen

  • Varikosis
  • z.n. TEP-Knie
  • ausgeprägte periphere Ödeme
  • Varikosos bds.
  • Macularödem
  • Kompressionsverbände in Ärenform anlegen
  • s.c. – Injektionen zu spritzen
  • Wundverbände anzulegen
  • Anus Präter
  • Wundbehandlung einer Unterschenkelamputation
  • Reinigung und Einkleben einer Kehlkopfprothese
  • Verschiedene Methoden beim Anziehen von Kompressionsstrümpfe
  • Richten von Medikamenten
  • Neue Medikamente
  • Durogesic TTS - Pflaster

Resümee

Am liebsten hätte ich noch mehr Patienten in meinem Bericht aufgeführt. Ich weiß, dass die Vorgabe 2 Patienten zu beschreiben ist. Ich fand jedoch die beschriebenen Patienten so interessant um mein Bild über die Unterschiedlichkeit des Einsatzes zu verdeutlichen. Täglich nach Dienstende habe ich an dem Bericht gearbeitet, so konnte ich sehr Praxisnah dokumentieren und das Erstellen ist mir leichter gefallen.

Bereits im Bericht habe ich meine Gefühle, Erfahrungen und Meinungen geschrieben. Auch darüber ob ich später im Heim oder in einer Sozialstation arbeiten werde. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die lange Zeit vorausplanen. Eher lasse ich mich, vielleicht auch manchmal zu sehr, von meinen Gefühlen und Emotionen leiten. Aber eins weiß ich genau: Ich erlerne den Beruf nicht nur für mich sondern für die Menschen die mir anvertraut werden und sich auf mich verlassen müssen. Was wäre ein Leben im Pflegeheim, wenn sich jeder Pfleger/in nach deren Ausbildung einen leichten Weg einschlagen würde.
Ein leichterer Weg wäre sicherlich die Arbeit in einer Sozialstation.

Ich denke eher, dass ich mich weiterhin im Heim engagieren werde und versuchen werde eine Position zu erreichen um selbst Entscheidungen treffen zu können.

Vor einem halben Jahr habe ich angefangen ein Buch zu schreiben. Ich habe viel recherchiert, aber nach meinen Recherchen nicht weiter gemacht. Der Titel des Buches soll heißen: „ Im Namen des Volkes - Sie sind alt-!“ Über den Inhalt des Buches möchte ich noch nichts schreiben, aber wenn Sie wollen kann ich Ihnen persönlich davon berichten, was ich gerne tun würde um Ihre Meinung dazu zu hören.
Durch den Einsatz in der Sozialstation sind mir soviel Unregelmäßigkeiten von Seiten der Angehörigen, Politik, Kranken- und Pflegekassen aufgefallen, dass ich nun wieder aktiv daran arbeite.

Beispiel:
Die PDL musste Anfang des Jahres eine Pflegevisite vornehmen. Eine Tochter betreut ihre Mutter. Diese lag seit mehreren Wochen in einem total abgedunkelten Zimmer. Die Rollläden wurden nie hochgezogen. Die Frau ertränkt in ihrem eigenen Urin. Erst gegen 13.00 Uhr kommt jemand in Ihr Zimmer um ihr ein Frühstück zu bringen. Die Tochter wohnt in der selben Wohnung und geht nicht arbeiten. Bei einer Gerichtsverhandlung wurde der Tochter nicht einmal die Betreuung abgenommen. Das einzigste war, dass kein Pflegegeld mehr bezahlt wird. Was soll das? Geht es um einen Menschen der dringend Hilfe braucht oder um Geld das eingespart werden kann?

Ich bin dankbar über den Einsatz in der Sozialstation. Ich wurde in einer Sache sensibilisiert die ich für mich als Wichtig ansehe Abhilfe zu schaffen.
Ich konnte im medizinischen und behandlungspflegerischen Bereich viel neues und interessantes dazulernen.
Meine Befürchtungen vor dem Einsatz sind nicht eingetroffen.
Die Sozialstation hat sich sehr viel Mühe gegeben, mich fair und pflichtbewusst zu behandeln. Eine Station die ihrer Aufgabe gegenüber Schüler gerecht wird und selbst bestrebt ist Nachfolger auszubilden.

Was mir nicht gefallen hat. Die ganzen Angestellten reden von Windeln und Bambers, auch gegenüber den Patienten und in der Dokumentation. Ich hatte das Thema bei einer Teambesprechung angeschnitten und darauf hingewiesen, dass dieser Ausdruck einen psychischen Druck auf Patienten ausüben kann. Sie zeigten zwar ein lächelndes Verständnis, aber geändert hat sich nichts.

Man trifft immer wieder auf Pflegende, gleich ob Professionell oder Angehörige, die den Menschen als Sache sehen und auch so behandeln. Ich finde, dass das in der häuslichen Pflege noch ausgeprägter ist als bei der Stationären. Diese Art von Behandlung strahlt keinerlei Würde und Achtung gegenüber den Bedürftigen aus. Diktieren, Delegieren und Kommandieren sind deren Ungangsmethoden und meist glauben Diese, dass sie die besten Angehörigen und Pflegende sind.

Mannheim, 23. August 02

Autor: Rainer Frühsammer
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