Autor/in: Cordula

Injektionen

•  Definition : Unter einer Injektion versteht man die Verabreichung eines flüssigen, sterilen Medikamentes mittels Spritze und Hohlnadel direkt in das Gewebe oder Gefäßsystem unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes. (=parenterale Verabreichung)

•  Injektionsarten: Werden durch das Gewebe bezeichnet, in das injiziert wird:

Injektionsart: Intracutane
Abk.: i.c.
Gewebe: Cutis
Struktur: Haut, Oberhaut = Epidermis
Beispiele:

Injektionsart: subcutane
Abk.: s.c.
Gewebe: Subcutis
Struktur: Unterhaut
Beispiele: Heparine, Insuline

Injektionsart: intramuskuläre
Abk.: i. m.
Struktur: Muskel
Beispiele: Viele Impfungen

Injektionsart: intravenöse
Abk.: i. v.
Struktur: Vene

Injektionsart: Intraarterielle
Abk.: i.a.
Struktur: Arterie
Beispiele: Chemotherapeutika

Injektionsart: Intrakardiale
Gewebe: Kardia
Struktur: Herz
Beispiele: Adrenalin

Injektionsart: Intraartikulare
Gewebe: Articulus
Struktur: Gelenk
Beispiele: Schmerzmittel, gg. Entzündungen Cortison

Injektionsart: intrathekale
Gewebe: Hülle
Struktur: Liquorraum (Innenhaut des Liqorraumes, Hülle des Gehirns)
Beispiele:

Injektionsart: intalumbal
Struktur: In Lumbalsack

Spritzen zur Injektion

  • Einmalspritzen: steril verpackt, aus Kunststoff mit einem Volumen von 1, 2,   5, 10 oder 20 ml
  • Standardspritze: besteht aus zwei Teilen: Kolben und Zylinder, hat meistens eine Graduierung (Stempel) in ml, einen Konus (Spitze) und einer Griffplatte
  • Insulinspritze: 1ml Spritze für 40 IE oder 2ml Spritze mit 80 IE
  • Insulin-Pen : 1ml = 100 IE
  • Tuberkulinspritze : 1 ml Spritze mit Skalenwert von 0,01 ml » exakte Dosierung
  • Konus:
  • Luer-Steckansatz : zum Aufstecken der Kanülen
  • Luer-Lock-Ansatz : Kanüle wird aufgeschraubt

Injektionskanülen:

•  Einwegkanülen : genormte Größen; steril, einzelnd verpackt; in unterschiedlichen Außendurchmesser und verschiedene Länge erhältlich erkennbar an Farbmarkierung (s.c. braun)

•  Bestandteile : Schliff, Schafft, Ansatz

Vorteile

  • Schneller Wirkungseintritt (Resorption abhängig von Durchblutung, Bewegung …)
  • i.v. und i.a. Injektionen:        sofort
  • i.m. Injektionen:                  10 bis 15 Minuten (bei öligen Lösungen etwas verzögert)
  • s.c. Injektionen:                   20 bis 30 Minuten
  • i.c. Injektionen:                   30 bis 35 Minuten
  • Kein Wirkstoffverlust: bei oraler Gabe evtl. Resorptionsstörungen (Inaktivierung von Verdauungsenzymen)
  • Lokale Wirkung : z. Bsp. Intraartikuläre Injektionen
  • Exakte Dosierbarkeit
  • Steuerung des Wirkungseintritt und Wirkungsdauer
  • Durch die Auswahl von Injektionsart und Auswahl der Injektionslösung (z. Bsp. Depot-Präparate
  • Vermeiden von Magen-Darm-Beschwerden
  • Durch lokale Reizung der Magen-Darmschleimhaut (Systemische Wirkung bei parenteraler Gabe können allerdings nicht ausgeschlossen werden
  • Unabhängig von den Ressourcen des Patienten
  • Zum Bsp. bei bewusstlosen Patienten

Nachteile

  • Eingriff in die Unversehrtheit des Patienten
  • Kann nicht rückgängig gemacht werden
  • Infektionsgefahr bei unsachgemäßer Handhabung (Abszesse, Nekrosen, Sepsis ..)
  • Unverträglichkeitsreaktionen
  • Bsp. Allergische Reaktion; Reaktionen prinzipiell können bei jeder Medikamenten Verabreichung auftreten, sind aber bei parenteraler Gabe ausgeprägter und setzen oft schneller und ohne Vorboten ein.
  • „Was einmal drin ist, ist drin“
  • Falscher Injektionsort

Folgen einer falschen Injektion

  • Hämatome z.B. verursacht durch Durchstechen der Gefäßwände
  • Lokale oder generalisierte Infektionen : durch mangelnde Hautdesinfektion, Verwendung unsauberer Materialien, mangelnde Hygiene
  • Schmerzen durch Applikationsfehler, durch zögerliches Einstechen der Kanüle oder zu schnelles Injizieren
  • Bewegungseinschränkungen
  • Nervenläsionen

Kontraindikationen (allgemein und spezielle bei s.c. Injektionen)

  • Bekannte Allergien
  • Patient weigert sich (Injektion ist immer ein Eingriff in die Unversehrtheit, man braucht immer eine Genehmigung/Einwilligung nach § 223 STGB)
  • Mangelndes Wissen der Person, die injiziert (Informationspflicht über Nebenwirkungen, Wirkungen, keine Möglichkeit, Informationen einzuholen–) Möglichkeit der Verweigerung zu injizieren)
  • Marcumarisierte Patienten
  • Bei Apoplex (i.m. nicht auf gelähmter Seite, s.c. möglich)
  • Ödeme, da nur ganz schlecht bzw. gar nicht resorbiert wird
  • Besonderheiten an Extremitäten (Bsp. Shunt-Arm)
  • Nicht in Narben (keine Gefäße » keine Durchblutung » keine Resorption
  • Verletzungen
  • Nicht in OP-Gebiete und Umgebung
  • Cystektomie, Prostatektomie
  • Nicht in infizierte Gebiete (Bsp.: Mückenstich, Neurodermitis)
  • Mangeldurchblutetes Gewebe
  • Oberflächig verlaufende Gefäße (Besenreiservarizen), venöse Stauung durch portale Hypertension
  • Schockzustand, da haut und Muskulatur nur unzureichend durchblutet werden, so dass injizierte Medikamente nicht (vollständig) resorbiert werden und das Gewebe schädigen können
  • Nur wo gut durchblutet ist

Aufziehen aus einer Glasampulle

Ggf. die Injektionslösung aus dem Ampullenkopf in die Ampulle zurückbefördern

  • Ampullenhals mit 2-3 Sägebewegungen mit Ampullensäge ansägen, bei Brechampullen entfällt dieser Schritt, Sollbruchstelle ist mit Punkt oder Ring gekennzeichnet
  • Ampulle in die Hand nehmen und einen unsterilen Tupfer (Vermeidung von Schnittverletzungen) mit dem Zeigefinger hinter den Ampullenhals klemmen und Ampullenkopf mit dem Zeigefinger als Hebel abbrechen
  • Lösung mit Aufziehkanüle (G(osch) 18 – 20) restlos aufziehen (durch Schräghaltung und Drehen des Schliffs)
  • Entsorgung der Aufziehkanüle, den Kanülenschutz nicht wieder aufsetzen
  • Luft aus Spritze entfernen, evtl. Luftblasen nach oben zum Konus klopfen
  • Leere Ampulle zur Spritze legen
  • Spritzekanüle aufsetzen

Aufziehen aus Stechampullen

  • Metall- bzw. Plastikverschluss entfernen
  • Gummikappe desinfizieren (Einwirkzeitbeachten)
  • Evtl. Mini-Spike benutzen oder Belüftungskanüle mit Filter
  • keinesfalls Luft einspritzen, da das unsteril
  • Zuviel aufgezogendes Medikament verwerfen
  • Teilweise entleerte Stechampullen mit Uhrzeit und Datum versehen (24 Stunden noch brauchbar

Auflösen von Trockensubstanzen

  • Trockensubstanzen müssen vor der Injektion komplett aufgelöst sein
  • Trockensubstanz und Lösung in Glasampullen
  • Glasampullen öffnen
  • Lösung mit Spritze aufziehen
  • Lösung mit geringen Druck auf Trockensubstanz spritzen (Schaumbildung vermeiden)
  • Abwarten bis Trockensubstanz vollständig aufgelöst ist (nicht mit Kanüle rühren oder Ampulle schütteln)
  • Bei Stechampullen
  • Metall- bzw. Plastikkappe entfernen
  • Gummistopfen desinfizieren (Einwirkzeit)
  • Überleitungskanüle in Lösung einstechen
  • Stechampulle   mit Trockensubstanz auf die andere Seite aufstecken
  • Gesamte Lösungsmenge überleiten
  • Vollständige Auflösung der Trockensubstanz abwarten (durch vorsichtiges Rollen der Stechampulle zwischen den Händen evtl. beschleunigen)

Unbeschriftete Spritze oder Spritze, neben der keine Ampulle steht, muss verworfen werden

Schutzhüllen nie wieder zurück auf Kanüle stecken » Verletzungsgefahr

  • Beim Entfernen der Luftblasen Medikament nicht in die Luft spritzen
  • Zwei verschiedene Medikamente nur auf ausdrückliche Anordnung in einer Spritze aufziehen
  • Kontamination der Medikamente mit der Haut vermeiden, evtl. Handschuhe tragen

S. c. Injektionen

Medikamente

Alle isotonischen, wässrigen Lösungen wie z. Bsp. Insulin, Heparin

  • Besonderheiten bei der Applikation von Heparin
  • Fertigspritzen dürfen nicht entlüftet werden (vorhandene Luftblase gewährleiset volle IE-Gabe (Luftblase muss sich am anderen Ende des Konus befinden), Gefahr der Hämatombildung wird verringert
  • Ort: 1. Wahl
  • Besonderheiten bei der Applikation von Insulin
  • Im Kühlschrank aufheben
  • Trübe Insuline nur hin- und herrollen bzw. kippen , nicht schütteln wegen Luftblasen
  • Injektionsschema erstellen
  • Nur kleine Mengen

Mögliche Applikationsorte :

1. Wahl:

  • Oberschenkel: gesamter Vorder- und Außenbereich, Gelenkbereiche der Knie, Hüft- und Leistenregion großzügig aussparen (1 Handbreit Abstand)
  • Bauchdecke: unterhalb und seitlich des Nabel (2cm) Abstand (schnellste Resorptionszeit)

2. Wahl:

  • Oberarm mittleres Drittel und Außenseite (Resorptionszeit am ungünstigsten
  • Flankenbereich
  • Oberhalb und Unterhalb der Schulterblätter

Injektionsorte regelmäßig wechseln (Gefahr der Subcutisschädigung) !!

Vorbereitung

  • Hygienische Arbeitsbedingungen:
  • Spritzentablett desinfizieren
  • Händedesinfektion
  • Arbeitsfläche desinfizieren

•  Materialien vorbereiten, damit das Medikament ohne Unterbrechung auggezogen werden kann und so die Kontaminationsgefahr verringert werden kann

  • Spritze erst unmittelbar vor der Injektion richten, höchstens 1 Stunde vorher
  • Gekühlte Medikamente anwärmen

Materialien

  • Spritzentablett
  • Medikament nach Arztanordnung
  • Sterilisierte Tupfer (mindestens 2)
  • Ggf. Ampullensäge
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Händedesinfektionsmittel
  • Aufziehkanülen (Gr. 2 (grün, bzw. Minispikes
  • Injektionskanülen
  • Spritzen
  • Ggf. Belüftungskanülen mit Bakterienfilter für Stechampullen (statt Aufziehkanüle)
  • Kanülenabwurfbehälter
  • Abwurfgelegenheit
  • Handschuhe bei infektiösen Erkrankungen

Erforderliche Kontrollen

  • 5-R-Regel
  • richtiger Patient
  • richtiger Zeitpunkt (zeitlicher Abstand und Häufigkeit
  • richtiges Medikament
  • richtige Dosierung, Konzentration
  • richtige Verabreichung, Applikationsort
  • Überprüfung des Medikamentes
  • Der Anwender ist verpflichtet sich über
  • Wirkung
  • Nebenwirkung, Komplikationen
  • Besonderheiten bei Applikation zu informieren
  • Darüber hinaus muss das Medikament aus Gründen der Sorgfaltspflicht überprüft werden auf:
  • Verfallsdatum
  • Defekte am Behälter
  • Veränderung des Medikamentes (Trübung, Ausfällung)
  • Sachgemäße Lagerung
  • Merke: Wichtig ist das genaue Einhalten der im Beipackzettel angegebene Hinweise, Nichteinhalten kann zur Veränderung der Wirkstoffkonzentration und Wirkungsweise führen

Patienten informieren

  • Ängste nehmen

Durchführung

  • Hautdesinfektion
  • Sprühen-wischen-sprühen
  • Haut satt benetzen
  • 15 Sekunden Einwirkzeit
  • Injektionsfeld muss trocken sein
  • Händedesinfektion
  • Mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte abheben
  • Zügig in die Hautfalte einstechen und Hautfalte festhalten, damit man im Fettgewebe bleibt und die Spritze nicht verrutschen kann
  • 90° Einstichwinkel:   12 mm Kanülen
  • 45° Einstichwinkel: längere Kanülen
  • spitze Einstichwinkel und Haut spannen, nur wenige mm tief einstechen: bei kachektische Patienten
  • keine Aspiration: bei Fertigspritzen, i.v. Injektion ist nicht zu befürchten, da in diesen Regionen keine größeren Venen vorhanden sind, Aspiration kann zu Gewebeschäden, evtl. Lageveränderung der Kanüle und zu einer zeitlichen Verlängerung der Injektion führen
  • Aspiration bei allen anderen Spritzen
  • Medikament langsam applizieren
  • Kanüle kurz im Gewebe belassen (Pen 5 Sekunden)
  • Kanüle im Einstichwinkel entfernen
  • Hautfalte loslassen
  • Einstichstelle punktuell mit Tupfer komprimieren

Nachsorge

  • Kanüle unfallsicher am Patientenbett in der Box entsorgen
  • Material entsorgen
  • Arbeitsplatz säubern
  • Einstichstelle auf Infektionszeichen und Hämatome kontrollieren
  • Dokumentation (wann, wo, wer, was)
  • Bei Besonderheiten Arzt-Info

Rechtliche Folgen von Fehlern des Pflegepersonals

Rechtliche Folgen von Fehlern des Pflegepersonals

Folgen einer fehlerhaften Injektion

Strafrechtlich :

  • Anklage vom Staatsanwalt wegen fahrlässiger Körperverletzung nach öffentlichen Recht (STGB)
  • » Geld und/oder Freiheitsstrafe

Zivilrechtlich :

  • Klage des Patienten wegen einer unerlaubten bzw. Vertragsverletzung auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Privatrecht (BGB) gegen Krankenhaus/Arzt/Pflegekraft
  • » Verurteilung zum Schadensersatz

Berufsrechtlich :

  • Abererkennung (bei gravierendem Fehlverhalten) wegen nachträglich eingetretener Unzulässigkeit

Arbeitsrechtlich

  • PP muss die „Grundsätze zur Übertragbarkeit ärztlicher Aufgaben“ kennen
  • Weigert sie sich, eine übertragende Aufgabe zu übernehmen, wird arbeitsrechtlich überprüft, ob die Weigerung berechtigt war oder nicht
  • Wenn nicht, kann der Arbeitgeber die PP anmahnen oder, je nach Sachlage ordentlich oder fristlos kündigen
  • Verweigerungspflicht:
  • Fühlt sich eine PP einer Aufgabe nicht gewachsen, ist sie verpflichtet die Durchführung zu verweigern
  • Tut sie dies nicht, kann sie sich wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar machen (§ 8 Abs. 2 BAT)

Zulässigkeit der Delegation von ärztlichen Aufgaben auf nicht-ärztliches Personal

  • Patient willigt ein
  • Art des Eingriffes erfordert kein persönliches Handeln des Arztes
  • Arzt ordnet die Maßnahme an
  • Ausführende Pflegeperson ist zur Durchführung der Anordnung befähigt
  • Ausführende Pflegeperson ist zur Durchführung der Anordnung bereit
  • Durchführung muss für die ausführende Pflegekraft zumutbar

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