Autor/in: Michl69

Dekubitus

1.Einleitung:

Der heutige medizinische Fortschritt führt zu einer im allgemeinen höheren Lebenserwartung der Menschheit. Somit steigt der prozentuale Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung an. In der Regel befindet sich darunter auch ein großer Teil bettlägeriger Patienten, die ihren Lebensabend oftmals in Altenpflegeheimen oder Krankenhäusern verbringen.
Das dortige Pflegepersonal versorgt die typischen, altersbedingten Probleme ihrer Patienten, unter anderen auch den Dekubitus.
Um ihr Unternehmen wirtschaftlich zu gestalten, müssen Altenpflegeheime und Krankenhäuser einen optimalen Weg zwischen der Berücksichtigung der Bedürfnisse ihrer Patienten und der Senkung anfallender Kosten finden.

2. Dekubitus

Als Dekubitus bezeichnet man einen Gewebedefekt ( Druckgeschwür ), der durch Liegen und Druck von außen an besonders belastenden und deshalb besonders gefährdeten Körperstellen entsteht. Der Hauptauslöser dafür ist ein über längere Zeit anhaltender Druck auf die Blutgefäße des betroffenen Gewebes mit der Folge einer Ischämie (Mangeldurchblutung) und Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, wobei Druck von außen stärker sein muss als der Blutdruck innerhalb der Gefäße. Dies führt zur Nekrose (Absterben) des betroffenen Gewebes. Besonders gefährdet sind vor allem Körperpartien, die ohne, oder nur mit geringer Muskelpolsterung einem Knochen anliegen.

2.1 Risikogruppen:
Besonders gefährdet sind:

  • alte Menschen mit sehr dünner, trockener und unelastischer Haut
  • Bettlägerige Patienten
  • Personen mit Durchblutungsstörungen, Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Inkontinente, stark schwitzende und hochfiebernde Kranke
  • kachektische, wie auch adipösen Kranke
  • Patienten mit erhöhtem Gewebedruck bei Ödemen und Eiweißmangel
  • Diabetiker, Patienten mit Anämie, multipler Sklerose und onkologischen Erkrankungen

3. Dekubitusprophylaxe

Ziel einer Dekubitusprophylaxe ist das Vermeiden aller möglichen Entstehungsursachen:
An erster Stelle steht die möglichst großflächige Druckentlastung und die tägliche Kontrolle der Haut besonders an den gefährdeten Körperstellen z.B. Steißbein, Ferse.
Alle Maßnahmen müssen individuell mit dem Kranken (soweit möglich) und mit dem Pflegeteam gemeinsam geplant werden. Es sollte eine Norton / Skala verwendet werden.

3.1 Maßnahmen

 

Druckentlastung beim Liegen

  • Umlagerung ca. alle 2 Stunden im Wechsel in eine 30-Grad / Schräglage,
  • weiche Lagerungsmaterialien benutzen, wie z.B. Federkissen, Lagerungskissen u.s.w.
  • Hohl- oder Weichlagerung mit entsprechenden Dekubitusmatratzen

Druckentlastung beim Sitzen

  • Schaumstoffringe, Gellkissen verwenden
  • auf Scherkräfte achten

Förderung der Durchblutung

  • Massage der Haut
  • Bäder (evtl. mit Zusätzen)
  • Stabilisierung des Kreislaufs durch aktive/passive Bewegungsübungen
  • Vermeiden von durchblutungshemmenden Faktoren wie z.B. enge Kleidung/Verbände

Schutz der Haut

  • Hautpflege mit pH.- neutralen Reinigungsmitteln und W/O- Pflegepräparaten
  • sorgfältige Hautpflege bei Inkontinenz
  • saubere, faltenfreie Wäsche und saugfähige Unterlagen
  • kein Hautkontakt mit Gummi oder Plastik

Sinnvolle Ernährung

  • aufbauende Kost bei Mangelzuständen
  • Reduktionskost bei Übergeweicht
  • reichlich Flüssigkeitszufuhr

4. Behandlung von Dekubituswunden

Spezielle Wundversorgung unter Berücksichtigung des Schweregrades:
Dekubitusbehandlung Grad 1- 4

Grad 1:

  • absolute Druckentlastung bis zum Verschwinden der Rötung
  • keine lokale Wärme, keine Massagen wegen zu starker Reizung der Haut
  • Beobachtung

Grad 2:

  • absolute Druckentlastung
  • Hautblase geschlossen halten und steril mit Kompresse abdecken, aufgrund der Infektionsgefahr
  • bei Infektion wird die Blase steril geöffnet; aseptischer Wundverband
  • bei oberflächlicher Hautschädigung: aseptischer Wundverband

Grad 3 und 4:

  • absolute Druckentlastung
  • bei Infektion immer Wundabstrich
  • die feuchte Wundtherapie richtet sich nach der Wundheilungsphase und der Sekretmenge; bei ausgedehnter Nekrosenbildung chirurgische Therapie
  • bei großen Defekten evtl. Hauttransplantation nach Granulationsphase erforderlich

5. Pflegedokumentation

In der modernen Kranken – / Altenpflege ist die Pflegedokumentation unabdingbarer Bestandteil des Alltags. Dennoch wird sie nicht in allen Einrichtungen praktiziert. Bei Unterlassung kann es zu „Unfällen“ und falscher Versorgung kommen , weil das Pflegepersonal nicht über aktuelle Entwicklung im Krankheitsverlauf oder über neue Medikation unterrichtet ist.
Auch bei der Wundversorgung ist eine Dokumentation aller Maßnahmen elementarer Bestandteil der Pflege.
Eine standardisierte Wunddokumentation des gesamten Heilungsverlaufes bietet jederzeit die Möglichkeit einer aktuellen Analyse. Die Therapie kann entsprechend des Heilungsverlaufs angepasst werden.
Die Pflegedokumentation dient auch als Beweismittel. Außerdem wird durch die schriftliche Form eine Menge Zeit eingespart. Wiederholte mündliche Überlieferung könnte zu Ungenauigkeiten führen und würde außerdem einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeuten.

6. Aspekte einer Kosten- Analyse

Bei der Wundversorgung müssen zusätzliche Aspekte für einen Kostenvergleich herangezogen werden.
Der Verbandswechsel erfordert nicht nur Wundauflagen, sondern auch Einmalhandschuhe, Unterlagen, Spritzen und ähnliches. Dies verursacht zusätzliche Kosten, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Personalkosten.
Eine adäquate Ausführung des Verbandwechsels kann meist nur durch entsprechendes Fachpersonal vorgenommen werden. Personalkosten müssen also ebenfalls bei der Kostenberechnung mit einbezogen werden.
Bei einer Wundversorgung sollte eventuell ein Wechsel von der traditionellen zur modernen Wundversorgung in Betracht gezogen werden, die Einsparungen in Bezug auf Zeit und Kosten einbringt.
Die traditionelle Wundversorgung beinhaltet einen mehrmals täglichen Verbandwechsel, da herkömmliche Verbände schnell durchgeblutet und fibrinverklebt sind.
Längere Wechselintervalle sind schon aus hygienischen Gründen nicht akzeptabel. Außerdem würde dann jeder Wundheilungserfolg durch die immer wieder auftretende Zerstörung des Granulationsgewebes zunichte gemacht werden.

6.1 Aufstellung Materialkosten pro Verbandwechsel

Materialkosten pro Verbandwechsel

Dieser erste Schritt des Kostenvergleiches zeigt, dass die Kosten pro Verbandwechsel bei der modernen Wundversorgung höher sind. Aber schon in zweiten Schritt, bei der Berechnung der Verbandkosten pro Wochen sinken die Kosten der modernen Wundversorgung deutlich unter den Wert der traditionellen Wundversorgung ab.

6.2 Durchschnittliche Materialkosten pro Woche

Man kann eine deutliche Kostensenkung beider Wundversorgungen beobachten. Grund dafür ist ein deutlich häufigerer Verbandwechsel, der bei der traditionellen Wundversorgung zweimal täglich anfällt.

6.3 Durchschnittliche Personalkosten pro Woche

Durchschnittliche Personalkosten pro Woche

Da bei der traditionellen Wundversorgung aus den oben genannten Gründen der Verbandwechsel erheblich öfter durchgeführt werden müssen, würde eine Einsparung der Personalkosten bei der modernen Wundversorgung in der Regel schneller erreicht werden.

6.4 Durchschnittliche Gesamtkosten pro Woche

Durchschnittliche Gesamtkosten pro Woche

Jede Woche kostet die traditionelle Wundversorgung durchschnittlich 39,4 Prozent mehr. Das bedeutet, bei einer modernen Wundversorgung würden Einsparungen von 75 Prozent gegenüber der traditionellen Wundversorgung erreicht. Berücksichtigt man bei der Berechnung noch die Schmerzmittel und Antibiotika, so würden daher die Gegenüberstellung und Kosten noch extremer ausfallen. Aus ökonomischer Sicht spricht daher alles für einen Wechsel zur modernen Wundversorgung.
Aufgrund der schnelleren Heilung, der besseren Beweglichkeit, der geringeren Schmerzen beim Verbandwechsel und der verbesserten Lebensqualität bei der modernen Wundtherapie ist der Nutzen für den Patienten ebenso offensichtlich.
Außerdem führen kürzere Heilungszeiten zu einem deutlichen Rückgang bei der Zahlung von Lohnersatzleistungen. Gleichzeitig sinken auch die Kosten der Krankenversicherungen.

7. Resümee

Aus der vorangegangenen Ausführung ist deutlich hervorgegangen, dass ein optimales Zusammenspiel zwischen dem Wunsch des Unternehmens auf Kostensenkung und dem Wunsch des Mediziners auf völlige Genesung seines Patienten von Nöten ist, um ein optimales Ergebnis zu erreichen.
Wie heißt es doch so schön:
Nur gemeinsam sind wir stark!

Quelle: Altenpflege in Ausbildung und Praxis – Georg Thieme Verlag Seite 319 – 322
www.medizininfo.de/wundmanagement/wirtergebnisse.htm

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