Bereiche
PfeilStartseite
PfeilAusarbeitungen
PfeilArzneimittel
PfeilAnatomie
PfeilBeschäftigung
PfeilErnährung
PfeilKlausuren
PfeilKrankheiten
PfeilPflege
Pfeilf-j - k-o - p-t - u-z
PfeilPraktika
PfeilPsychologie
PfeilGedichte
PfeilRecht
PfeilSonstige
PfeilAusbildung
PfeilAltenpflegeschulen
PfeilSchule vorstellen
PfeilArbeit einsenden
abschluss_grafik
 Interaktiv
PfeilSchüler Forum
PfeilPflege Chat
PfeilBücher Tipps
PfeilLinks/Downloads
abschluss_grafik
 Service
PfeilStellen / Börse
PfeilKontakt
PfeilDas Team
PfeilImpressum
abschluss_grafik


Mitglied im Pflegenetz
Autor: Fibula
Diese Seite Ausdrucken

Dekubitusprophylaxe

Ein Gemeinschaftsarbeit von Ernst, Theo, Romano, Christine, Stefanie, Katja, Galina, Fibula und Elena

1.Was bedeutet Dekubitus?

Die Bezeichnung Dekubitus stammt aus dem lateinischen, von decubare = liegen. Man spricht auch von Druckgeschwür, Wundliegen, Durchliegegeschwür. Die Benennung Druckgeschwür gibt sehr deutlich die Ursache dieser gefürchteten Zweiterkrankung/Folgeerkrankung, z. B. durch längere Bettruhe wieder.

Man unterscheidet im weiteren unter einem akuten Dekubitus (decubitus acutus), der bereits nach kurzen Liegezeiten (nach Stunden) [Operation] oder Tagen) auftritt; er ist durch eine Oberflächliche Hautschädigung gekennzeichnet.

Und einen chronischen Dekubitus (Decubitus chronicus), der erst nach einer langen Liegezeit (nach mehreren Wochen oder Monaten der Bettlägerigkeit) entsteht; es handelt sich hier um ein tiefes, fauliges, sogenanntes böses Druckgeschwür.

Dekubitus bedeutet nicht nur eine Schädigung der Haut. Bei offenen Geschwüren kann es durch Infektion zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Große Dekubiti belasten und schwächen den ganzen Körper Bei tiefen Geschwüren können nach der Abheilung Dauerschäden zurückbleiben.

1.1. Wie entsteht ein Dekubitus

Hauptursache für die Entstehung eines Dekubitus ist in erster Linie ein lang anhaltender Druck auf Gefäße mit der Folge einer Mangeldurchblutung (Ischämie) und dem nachfolgendem Absterben des betroffenen Gewebes (Nekrose) . Durch die Kompression der Blutgefäße, wird die Blutzirkulation abgeschnitten, die Sauerstoffversorgung des Gewebes wird unzureichend, wodurch an der Druckstelle die Haut abstirbt. Der einwirkende Druck ist zwar der Auslöser, nicht aber die eigentliche Ursache der Entstehung.

Dekubitus ist keine eigenständige Erkrankung sondern eine Folgekrankheit.

Eigentliche Ursache ist die nicht mehr ausreichende eigene Körperkraft, um kurz oder langfristig die Körperstellung zu verändern. Sind die Schutzreflexe die einen gesunden Menschen dazu veranlassen, gefährdete Hautstellen, bewußt oder unbewußt, zu entlasten reduziert, so entsteht mit hoher Wahrscheinlichkeit als Folgekrankheit ein Dekubitus.

Weitere äußere Faktoren sind neben der Druckbelastung die Reibung, z. B. durch harte Unterlagen, Falten im Bettlaken, verknautschte Nachthemden, oder im Bett liegende Krümel. Des weiteren führt Feuchtigkeit, z. B. aufgrund von Schwitzen oder Inkontinenz, zur Aufweichung der oberen Hautschichten, die dadurch leichter Verletzbar werden. Die rein feuchtigkeitsbedingte Hautschädigung nennt man Mazeration. Auch die Kälte ist ein Faktor. Bei Kälte kontrahieren sich die Hautgefäße und drosseln so die Kapillardurchblutung.

Zu beachten ist die Wirkung der Scherkräfte bei unphysiologischer Lagerung oder bei unsachgemäßem Bewegen (Zerren von Haut uns Muskeln).

1.2. Gefährdete Personengruppen

Nahezu jeder Patient kann unter bestimmten Umständen einen Dekubitus entwickeln. Im folgenden werden jedoch die besonders gefährdeten Gruppen von Patienten erwähnt, die aufgrund verschiedener ungünstiger Faktoren verstärkt zu Dekubitus neigen. Dies sind Menschen mit:

  • Bewegungsbehinderungen Chirurgische Eingriffe (Knochenbrüche u.s.w.)
  • Lähmungen (Plegien) Multiple Sklerose
  • Bewußtlosigkeit (Koma/Narkose) Übergewicht (Adipositas)
  • Schock Hauterkrankungen
  • Arterielle Verschlußkrankheiten allgemeine Stoffwechselkrankheiten
  • Verbrennungen Diabetes mellitus
  • Durchblutungsstörungen Kachexie (völliger Kräfteverfall)
  • Schwere Depressionen Fieber
  • Katatonie (Bewegungsstarre ) Exsikkose
  • Kontrakturen Anämie
  • Inkontinenz Prämedikation
  • Herzinsuffizienz starke Sedation  

Erkennung von Risikofaktoren bedeutet, daß ein Patient als Risikopatient erkannt wird und dies auch entsprechend dokumentiert wird. Zur besseren Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit empfiehlt sich die Verwendung eines Wertungsschemas. Die Norton-Skala (von Doreen Norton aus England in den 50er Jahren entwickelt) hat sich inzwischen zur systematischen Einschätzung der individuellen Dekubitusgefährdung bewährt.

Die Skala zeigt in ihrer ursprünglichen Form (die Skala ist inzwischen erweitert worden) 5 Spalten für besondere Gefährdungskriterien des Kranken, die jeweils wieder in 4 Schweregrade eingeteilt und mit Punkten bewertet werden. Aus der Summe der Punkte läßt sich die momentane Dekubitusgefährdung errechnen!

Eine unmittelbare Dekubitusgefahr liegt demnach vor, wenn die errechnete Summe 14 (bzw. 25) Punkte oder weniger beträgt.

Punkte 4 3 2 1

Motivation/

Kooperation

Voll Wenig Teilweise Keine
Alter Bis 10 Bis 30 Bis 60 Ab 60
Hautzustand Normal Schuppig/

Trocken

Feucht Allergie/

Risse

Zusatzerkrankung Keine Fieber

Diabetes

Anämie

MS

CA

Kachexie

Adipositas

Koma

Lähmung

Körperlicher Zustand Gut Leidlich Schlecht Sehr schlecht
Geistiger Zustand Klar Apathisch

Teilnahmslos

Verwirrt Stuporös

(stumpfsinnig)

Aktivität Geht ohne Hilfe Geht mit Hilfe Rollstuhlbedürftig Bettlägerig
Beweglichkeit Voll Kaum eingeschränkt Sehr eingeschränkt Voll eingeschränkt
Inkontinenz Keine Manchmal Meistens Urin Urin & Stuhl

1.3. Entwicklung eines Dekubitalulkus

In der Fachliteratur werden zum Teil sehr unterschiedliche Stadieneinteilungen vorgeschlagen.

Unter besonderer Berücksichtigung pflegerischer Gesichtspunkte lassen sich 4 Schweregrade unterscheiden.

1.3.1. Schweregrad 1 (Rötung)

Das erste Anzeichen für eine Minderdurchblutung durch Druckbelastung ist ein weißer Aufliegefleck. Kommt es zur Druckentlastung, z. B. durch Umlagern, geht der weiße Fleck in eine scharf begrenzte Rötung über, weil das betroffene Hautareal plötzlich verstärkt durchblutet wird. In diesem Stadium können leicht brennende Schmerzen vom Patienten angegeben werden. Die Hautrötung ist normalerweise nicht schmerzhaft und läßt sich nicht durch einen leichten Fingerdruck wegdrücken. Bei fachgerechter Druckentlastung klingt die Rötung in kurzer Zeit folgenlos ab. Eine Rötung ist aber auch bei fehlenden Schmerzen verdächtig und sollte dokumentiert und weiter beobachtet werden.

1.3.2. Schweregrad 2 (Blasenbildung)

Bleibt die Druckeinwirkung jedoch bestehen, kommt es im Bereich der Hautrötung zu verstärkten Einlagerung von Gewebswasser mit anschließender Blasenbildung. Platzt die Blase auf, ergeben sich schmerzhafte, nässende und infektionsanfällige Defekte der Epidermis bis zu tieferen Schichten der Dermis, jedoch noch ohne Beteiligung der Subcutis. Bei sofortiger und konsequenter Druckentlastung wird auch dieser Grad der Schädigung mit entsprechender Verbandbehandlung gut ausheilen, da relativ wenig Ersatzgewebe aufgebaut werden muß. Die ohne Nekrose verlaufenden Schweregrade 1 und 2 heilen bei sachgerechter Druckentlastung und Hautpflege in der Regel folgenlos ab. Stadium 3 und 4 hingegen sind komplikationsträchtig.

1.3.3. Schweregrad 3 (Nekrose)

Im Schweregrad 3 verfärbt sich das abgestorbene Hautgewebe tiefschwarz. Die Oberfläche ist intakt. Sofern keine zusätzliche Entzündung vorliegt gehen die Schmerzen zurück. Oft sind benachbarte Bezirke im Sinne eines Schweregrades 1 oder 2 verändert. Sehr häufig besteht eine zusätzliche Entzündung, so daß das örtliche Erscheinungsbild eine Mischung aus Nekrose und Infektion darstellt. Der Defekt durch die Druckschädigung umfaßt nun alle Hautschichten und reicht bis auf die Faszien (Haut welche die Muskel umgibt). Abgestorbenes Gewebe kann nicht abheilen, aber unter der Nekrose bildet sich ein Granulationsgewebe und die toten Zellen werden abgestoßen. Durch das bestreben des Organismus, das nekrotische Gewebe abzustoßen, bricht das Geschwür auf. In der Wunde sind Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien und eventuell intaktes Periost (Knochenhaut) sichtbar. Eine natürliche Wundheilung wäre jedoch nur unter einer völligen Druckentlastung , guter Durchblutung und fehlender Infektion möglich. Häufiger verläuft die Abheilung infolge ungünstiger lokaler Umstände zögernd und langwierig über Wochen und Monate.

1.3.4. Schweregrad 4 (Druckgeschwür/Ulkus)

Der Schweregrad 4 bezeichnet die offene, nicht selten tiefe Drucknekrose. Das Geschwür stellt sich als eine bis auf den Knochen reichende Wunde dar, wobei bereits eine Ostemyelitis ( Entzündung der Knochenhaut, Knochengewebe, Knochenmarks) bestehen kann. Das Dekubitalulkus ist meistens infiziert und führt häufig zu Komplikationen. Der Heilungsverlauf ist langwierig. Auch die Muskulatur; Sehnen und Faszien sind betroffen. Oft entwickeln sich dabei Abszesse und Fisteln, die eine chirurgische Behandlung erforderlich machen.

Im Verhältnis zu den oft sehr großen und tiefreichenden Geschwürbildungen klagen die Patienten oft über erstaunlich wenig Schmerzen, da in dem nekrotischen Bezirk mit dem allgemeinen Zelltot auch die Schmerzrezeptoren zerstört wurden.  

Deku Bild

1.4. Gefährdete Körperstellen

Je nachdem, wo der Druck auf die Haut einwirkt, kann sich ein Dekubitus an Jeder Körperstelle entwickeln.

Das größte Risiko ist aber gegeben, wenn der Aufliegedruck des Körpers und der Gegendruck der Aufliegefläche senkrecht auf ein Hautareal einwirken, das über Knochenvorsprüngen liegt und wenig durch Unterhautfettgewebe abgepolstert ist. Als klassische Lokalisationen gelten der Sakralbereich, die Fersen, die Sitzbeine, der große Rollhügel, sowie die seitlichen Flächen. Ca. 100% aller Dekubiti treten an diesen Körperstellen auf.

Seltener finden sich Druckschäden an Schulterblättern, Dornfortsätzen, Wirbelsäule, Brustbein, Ellenbogen, Kniescheiben, Hinterkopf und Ohrmuscheln. Bei adipösen (übergewichtig) Patienten können zwischen den Hautfalten an Gesäß, Leisten, Brüsten und Bauch Hautschäden mit ähnlichem Erscheinungsbild entstehen. Längerfristiger Hautkontakt mit harten Fremdkörpern führt ebenfalls zu Drucknekrosen. Man beobachtet dies beispielsweise bei schlecht sitzenden Gipsverbänden oder lange liegenden Kathetern und Sonden, die dann Druckulzera in dem jeweiligen Organ (Nasen- Rachen- Raum, Luftröhre, Speiseröhre, Harnblase) verursachen. Dazu gehört auch das Dekubitalulkus der Portio bei Scheidenpessarträgerinnen. Zusätzlich ergibt sich eine Gefährdung durch die sogenannten Scherkräfte. Sie verursachen eine Verschiebung der Hautschichten untereinander, wodurch ebenfalls Blutgefäße eingeengt und komprimiert werden. Scherkräfte treten bevorzugt in der Gesäßregion auf, beispielsweise dann, wenn der Patient in eine neue Position gezogen anstatt angehoben wird, oder beim Sitzen durch ungenügende Abstützung der Füße rutscht.

Bild

2. Dekubitusprophylaxe


2.1. Was bedeutet eigentlich Prophylaxe?

Prophylaxe bedeutet vorbeugen, verhindern, verhüten. Durch gezielte Prophylaxen soll der Bewohner vor zusätzlichen Krankheiten und Erkrankungen geschützt werden.

Oberstes Ziel bei allen Prophylaxen ist das Gesunderhalten des ganzen Menschen, das Verhüten von Infektionen und Wunden und das Vermeiden von Folgeerkrankungen.

2.1.1. Die Wirkung hängt ab von:

  • Intensität: bewußtes Wahrnehmen und Pflegesorgfalt
  • Regelmäßigkeit: über 24 Stunden
  • Integration: Alle Prophylaxen sind in die Pflegehandlung einzubinden
  • Kooperation: der Bewohner muß über die Pflegemaßnahmen informiert und integriert sein

Das Auftreten eines Dekubitus, ist ein Merkmal für die Qualität der Pflege. Ihn zu vermeiden ist ein Schwerpunkt des pflegerischen Handelns. Aus diesem Grunde sollte jede Pflegeperson die effizienten prophylaktischen Maßnahmen kennen und umsetzen, sowie die "Sinnlosen" aus ihrer täglichen Arbeit verbannen.

2.2. Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe sind:


2.2.1.Druckentlastung

  • durch Umlagern (2stündlich), nach Plan (30°-Schräglage)
  • Hohl- oder Superweich - lagern
  • Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen, Fersen- bzw. Ellenbogenschützer, Felle, Rhombo - fill - Kissen, Wasserbett, Gelkissen usw.

Die beste Art, bei dekubitus-gefährdeten eine Druckentlastung zu erreichen ist die Mobilisierung eines Pflegefalls.

2.2.2. Hautpflege

Neben die Druckentlastung sollte als wirksame Maßnahme der Dekubitusprophylaxe die Hautpflege treten.

Durch Rötungen, Blasenbildung und Einrisse setzt das Organ Haut rechtzeitig Warnsignale, die jeder in der Alten- bzw. Krankenpflege tätigen Pflegekraft nur zu bekannt sind. Aber soweit muß es erst gar nicht kommen.

Dazu folgende Punkte:

  • häufiges Einreiben der Haut mit hochprozentigem Alkohol wie Franzbranntwein führt zu einer Austrocknung der häufig schon stark beanspruchten Haut. Kleine Risse in der Oberhaut sind die Folge, die Krankheitskeimen den Zutritt erleichtern. Gerade bei älteren Patienten ist besondere Vorsicht geboten.
  • Die Anwendung von Menthol- und kampferhaltigen Präparaten ist gefährlich, da sie mit der Schleimhaut im Sakralbereich in Kontakt kommen und zu schweren Läsionen führen können.
  • Vor Verwendung mit Salben muß gewarnt werden. Sie sollten nur zur medikamentösen Therapie als Trägersubstanz angewandt werden, da sie durch ihre abdichteten Eigenschaft zum Wärmestau führen.

Fiebernde Patienten sind besonders gefährdet. Das gilt auch für die Anwendung von Vaseline.

  • Bei trockener Haut (ca. 30% aller Patienten) sollten sogenannte Syndets (Waschwasserzusätze), obwohl ihnen oft rückfettende Substanzen zugefügt sind, nicht mehrmals täglich angewandt werden. Durch die in ihnen enthaltenen Tenside wird die Oberflächenspannung der Haut herabgesetzt und damit ein Entfetten der Oberhaut bewirkt. Wobei man sagen muß, das Syndets immer noch besser sind als alkalische Seifen.
  • Abzulehnen ist auch die Anwendung von Puder, da er der Haut Wasser entzieht und durch Krümelbildung die Haut in hohem Maße reizt.
  • Gelegentlich wird immer noch Melkfett angewandt, das die Haut vor schädigenden Umwelteinflüssen (z.B. aggressive Körperflüssigkeiten) schützen soll. Im Gegensatz zur erwünschten Wirkung führt es zur kompletten Abdichtung der Haut und ermöglicht somit keinen Wärmeaustausch. Nicht selten ruft Melkfett allergische Hautreaktionen (durch Zusatz von Desinfektionsmitteln oder Antibiotika) bei Patient und Personal hervor.

Zudem liegt bis heute keine Zulassung der Humanmedizin vor.

- Die Behandlung der Haut mit Farbstofflösungen, die eine Gerbung erreichen sollen, ist nicht mehr zeitgemäß "lebende Haut" läßt sich nicht gerben; außerdem führt die Verfärbung dazu, daß eine visuelle Beurteilung der haut nicht mehr möglich ist. Rötungen und Druckstellen können übersehen werden. Die früher geübte Praxis des "Eisens und Fönens" ist nach heutigem Erkenntnißstand abzulehnen. Die Hautdurchblutung wird eher gemindert als gefördert. An den geeisten und gefönten Körperstellen findet sich zudem eine erhöhte Keimansiedlung.

"Die Haut ist der Sinn aller Sinne!" (Thomas von Aquin) Diese Aussage kann deutlich machen, welche Bedeutung die Hautpflege in der Patientenpflege einnehmen müßte. Richtig verstanden gehört sie zu den wichtigsten (eigenständigen) Pflegehandlungen. Um das richtige Hautpflegemittel einsetzen zu können, müssen wir sowohl das zu wählende Hautpflegemittel als auch die individuelle Haut kennen. Eine gründliche Analyse der Haut muß also der Hautpflege voraus gehen. Hauttyp und Hautveränderungen müssen erfaßt sein.

Syndets oder alkalifreie Seifen ins Waschwasser geben?

Cremes, Lotionen und Salben?

Es werden die verschiedenen Präparate in 2 Gruppen unterteilt.

Die Wasser- in- Öl- Emulsion, welche die Haut mit einem Fett- und Wassermantel überzieht, sowie die Öl- in- Wasser- Emulsion, die der Feuchtigkeitszufuhr und der Reinigung dient.

Paradoxerweise führen Cremes als Öl- in- Wasser- Emulsion zu einer Austrocknung der Haut.

Der etwa 60%ige Wasseranteil der Cremes führt zu einem Aufquellen der oberen Hornschicht und fördert damit die Verdunstung der körpereigenen Hautflüssigkeit.

Die Feuchtigkeitsbindung der Haut von außen geschieht primär über die Anwendung von sogenannten WÖ-Präparaten. Diese Wasser- in- Öl- Präparate bewirken, daß ein guter Fett- und Wassermantel über die Haut gezogen wird, der die Haut vor Austrocknung schützen soll. Bei der WÖ-Lotion ist das Prinzip folgendes: Wasser ist in die Öltröpfchen eingebracht worden und somit überzieht die Haut, bei der Auftragung mit diesem Präparaten, ein hochprozentiger Fettfilm, der aber durch die Wasseranteile, die enthalten sind, eine Luftdurchlässigkeit garantiert und einen Wärmeaustausch ermöglicht. Der hohe Anteil von vorhandenem Öl wiederum stellt sicher, daß die eigene Hautfeuchtigkeit nicht entweichen kann.

  • Die Haut sollte also lediglich mit PH - neutralen Pflegemitteln in Berührung kommen. Wasser- in- Öl- Emulsionen scheinen am Besten zu sein.
  • Vermeiden Sie zusätzliche Beanspruchung der Haut durch Inkontinenz.
  • Sorgen Sie für falten- und krümelfreie Bettwäsche

2.2.3. Die Ernährung

Nicht zu vergessen, auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Ernährungsstörungen sind mit Ursache eines Dekubitus. Es ist durch eine Eiweiß- und Vitaminreiche Kost vorzubeugen. Auch an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu denken. Reduktionskost bei adipösen Patienten. Als Zwischenmahlzeiten eignen sich:

Eiweißcoktail, Bouillon mit Ei, Quarkspeisen, eine Vitaminanreicherung erzielt man durch Früchte, Gemüse bzw. Frucht- und Gemüsesäfte.

2.2.4. Durchblutungsförderung

  • Massieren der Haut mit Massageöl oder Körperlotion
  • Beim Baden stoffwechselanregende Zusätze verwenden
  • Kreislaufsstabilisierung durch Bewegungsübungen
  • Durchblutungshemmende Faktoren, wie z. B. enge Verbände oder enge Kleidung vermeiden 

2.2.5. Lagerung

Das Ziel der Dekubitusprophylaxe liegt in der Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Blutes und somit auch der Haut. Wie anfangs schon erwähnt ist der Auflagedruck die Ursache Nr. 1 .

Die Blutgefäße dürfen nicht so weit komprimiert werden, daß der Blutstrom versiegt und ein totaler Sauerstoffmangel des betroffenen Hautareals entsteht. In dieser Situation darf die Druckverweilzeit 2 Stunden nicht überschreiten. Liegt ein dekubitusgefährdeter Patient jedoch auf einer weichen Unterlage oder gar auf einer superweichen Matratze, wird der Auflagedruck durch den Polstereffekt gesenkt. Dadurch werden die Blutgefäße nicht vollständig komprimiert, und der Sauerstoffmangel ist infolge dessen nur partiell.

2.2.5.1. Superweichlagerung

Ein Risikopatient muß unbedingt sofort auf eine superweiche Matratze gelagert werden. Die Fersen schützt man zusätzlich mit Hilfe von Schaf-Fellschuhen. In den meisten Fällen wird man den Patienten zuerst in Rückenlage auf der Superweichmatratze lagern. Diese Art von Bettung ist bei über 90% der Risikopatienten wirksam. Für manche Patienten bringt die Lagerung auf 2 nebeneinander liegenden Kissen aus superweichem Material eine bessere Dekubitusprävention, als die Lagerung auf der 3- teiligen Matratze (schwebende Lagerung). Diese Lagerungsart eignet sich deshalb für alle Patienten mit Kachexie, extremer Wirbelsäulenkrümmung und bei Kontrakturen. So groß die Vorteile der superweichlagerung auch sind, ist doch nicht zu vergessen, daß es dabei auch Risiken gibt. Wenn der Patient über länger Zeit auf einem Superweichbett gelagert bleibt, verliert er mit der Zeit jegliches Körpergefühl, weil er keine Rückmeldung von seiner Unterlage bekommt. Er kann sich nur schwer bewegen und ist deshalb auch nur mühsam zu bewegen; im fehlt die auf Aktivität ausgerichtete Stimulation. Dadurch wird auch die Orientierungslosigkeit verstärkt. Die folgenden Alternativen sollen bedacht und wenn nötig bzw. zweckmäßig eingesetzt werden:

- Die Notwendigkeit der Superweichlagerung in regelmäßigen Abständen hinterfragen.

  • Abwechslungsweise kleine Polster (zusammengefaltete Frotteetücher) für 15-20 Minuten unter die Schulter oder unter die Beckenschaufel legen, um die Körpergrenzen wieder bewußtzumachen.
  • Entlastungslagerungen einsetzen
  • Verschiedene Systeme wechselweise einsetzen und wo möglich Patienten mobilisieren.

Versinkt der Patient oder hängt er stark durch, werden eventuell noch mögliche Spontanbewegungen verhindert, Atmung und Kreislaufgeschehen beeinträchtigt und Gelenkversteifungen begünstigt. Ebenso sind Behandlungs- und Pflegearbeiten schwer auszuführen. Abgesehen von technisch aufwendigen Systemen, die zumeist nur bei extremen Risikopatienten zur Anwendung kommen, hat sich als Material für effektive und einfach zu handhabende Lagerungs - matratzen und - kissen Schaumstoff in den unterschiedlichsten Ausführungen bewährt. Kein noch so wirksames System entbindet den Pflegenden jedoch von der Notwendigkeit, den Patienten regelmäßig mind. Alle 2 Stunden umzulagern. Unter Berücksichtigung der Freilagerung (schwebende Lagerung) der Wunden ist ein absolutes Muß bei der Dekubitusprophylaxe.

2.2.5.2. Umlagerung

Da der Weichheitsgrad einer Matratze nicht beliebig gesteigert werden kann, muß die Druckverweilzeit gekürzt werden. Die Druckverweilzeit sollte nicht 2 Stunden überschreiten.

Während es die Aufgabe des Arztes ist, durch eine adäquate medizinische Behandlung für eine Verbesserung der Sauerstoffzufuhr zu den Hautzellen zu versorgen, obliegt es dem können des Pflegepersonals, die Druckeinwirkung und die Druckverweilzeit beim individuellen Patienten zu vermindern. Die regelmäßige Umlagerung ist nicht nur als Dekubitusprophylaxe nützlich, sondern hat auch Bedeutung für den Patienten als Abwechslung, Kreislaufaktivierung sowie Prophylaxe von Thrombosen und Pneumonien. Auch erleichtert das abwechselnden Lagern z. B. bei der 30° Lagerung in einem 2 Stunden Rhythmus in Rücken- Seiten und eventuell Bauchlage die Kontrakturenprophylaxe.

Bei Patienten mit hohem Dekubitusgefährdungsrisiko braucht es zusätzlich zur superweichlagerung unbedingt die Umlagerung. Es sind dies Patienten, die hochgradig untergewichtig (kachektisch) sind, Patienten mit Diabetes mellitus, Karzinomen, Fieber usw. . solche Patienten sind ohne Umbettung hochgefährdet, weshalb zur Verminderung des Auflagedruckes ein 2stündliches Umbetten der Druckverweildauer dazukommen muß. Üblicherweise wird die 30° Schräglage gewählt. Zu beachten bei der 30° Lagerung ist: Das die Körperachsen, d.h. Schultergürtel und Becken, parallel liegen. Es ist also darauf zu achten, daß die Hüfte nicht stärker gedreht wird als die Schulter. Bei der Seitenlagerung ist unbedingt ein Polster (Kissen, Moltisanplatte) zwischen die Beine, Knie zu legen um Scherkräften entgegen zu wirken.

Zur Ausführung der verschiedenen Lagerungstechniken sind Hilfsmittel wie z.B. Lagerungskissen erforderlich, die unter bestimmten Kriterien auszuwählen sind. Die Elastizität von Lagerungshilfen muß so beschaffen sein, das sie auch unter Dauerbelastung erhalten bleibt. Klumpen die Materialien zusammen, wie dies z.B. bei Federkissen der Fall ist, entstehen neue Druckstellen. Durch die folgende Lagerungshilfe muß eine flächige Druckverteilung sichergestellt sein. Es hat keinen Sinn, einzelne Körperstellen frei zu lagern und dafür andere mit Druck zu belasten. Luftringe aus Gummi, wie sie häufig noch zur Freilagerung der Gesäßregion eingesetzt werden, sollten aus diesem Grund nicht mehr angewandt werden. Die Partien um die freigelagerte Körperstelle werden mit zu starkem Auflagedruck belastet. Außerdem führt das Gummimaterial zu starkem schwitzen, wodurch die Haut mazeriert und die Widerstandskraft herabgesetzt wird. Desweiteren muß der Patient auf den Lagerungshilfen sicher und rutschfest liegen. Bei nicht sachgerechter Lagerung treten durch die ungünstige Gewichtsverteilung Scherkräfte auf. 

Eine Erinnerungshilfe zum regelmäßigen Lagerungswechsel bringt der folgende Zeitplan:

Bild

2.2.5.4. Dokumentation des Lagewechsels

  • Lagewechselplan mit Positionsvorgabe (wie Rücken, Rechts, Links, Rücken, Rechts) für gefährdeten Bewohner anlegen.
  • Lagewechsel mit Uhrzeit und Namenszeichnung dokumentieren
  • Lagewechsel erfolgt bedürfnißorientiert

2.2.5.5. Lagerung mittels schiefer Ebene

Nach Bienstein ist die Lagerung mittels schiefer Ebene eine der erfolgreichsten und am wenigsten arbeitsintensiven Lagerungsmöglichkeiten. Es wird dabei unter die Matratze ein Hilfsmittel eingebracht, das ca. 20 cm hoch ist und hierdurch eine Kippung der Matratze um 15 bis 20° bewirkt. Der Patient braucht dabei nicht umgelagert zu werden, sondern sein Gewicht verlagert sich innerhalb seines Körpers mehr auf den tiefer liegenden Körperteil ( z.B. die gesamte linke oder rechte Körperhälfte).Zum unterschieben unter die Matratze kann man alle Hilfsmittel verwenden, die sich nicht leicht zusammendrücken lassen (z.B. gerollte Bettdecke, Schaumstoffkissen, Schaumstoffkteile ,Hirsekissen ).Wichtig ist nur, die Matratze in der gesamten Längsseite zu unterstützen.

2.2.5.6. Andere Lagerungen

Rückenlagerung mit Kissen. Anstelle einer Superweichmatratze können auch Kissen verwendet werden. Zur 5-Kissen-Methode braucht man ein Rückenkissen, ein Ober- und Unterschenkelkissen sowie ein Fußkissen; es eignen sich dafür z.B. Rhombofill-Kissen. Die 5-Kissen-Lagerung auf dem Rücken wird so durchgeführt, daß die gefährdeten Stellen frei liegen.

Es gibt nicht die allein richtige Lagerungsplanung. Erfahrungen sind eine große Hilfe, aber wir müssen immer davon ausgehen, daß jeder Patient uns mit einer individuellen Situation konfrontiert, die trotz Standards individuell gelöst werden muß. Ein Lagerungsdokmatismus oder ein stures Anwenden von Behandlungsprinzipien führt nur zu Diskussionen und hilft dem Patienten wenig. In Absprache z.B. mit der Physiotherapeutin wird entschieden werden müssen, ob bei einem Hemiplegiepatienten die 90° Lage nach Bobath unter allen Umständen richtig ist oder ob sie durch die 30° Lage ergänzt werden soll. Die beste Lagerung ist immer die bestmögliche Entlastungslage in der jeweils individuellen Situation. Es gibt keine Pflegemaßnahme, welche die konsequente Lagerung und Umlagerung ersetzen könnte; doch es gibt ergänzende Maßnahmen die zusätzlich eine Hilfe sein können. Die Zirkulation wird am besten mit der Mobilisation, d.h. durch das Bewegen und bewegen lassen angeregt (dadurch kann immer auch eine Verbesserung der Durchblutung der Haut bewirkt werden). Patienten mobilisieren, in den Sessel setzen (zur Veränderung der Lage) und alle 30 bis 40 min kurz anheben bzw. auf die Füße stellen. Auch kreislaufanregende Bäder können eingesetzt werden. Sorgfältiges Vorgehen bei Mobilisation / Lagerung. Nicht zerren, reißen; auf Sitzposition achten. Scherkräfte vermeiden!

3. Was kostet ein Dekubitus?

Ein Dekubitalulkus kann im ungünstigsten Fall innerhalb von Stunden entstehen. Die Behandlung dauert Wochen bis Monate.

Die Kosten für die Behandlung eines bestehenden Dekubitus im Krankenhaus liegen bei ca. DM 150,- täglich, davon DM 65,- für Verbandmaterial und ca. 85,- für die Arbeitszeit.

Dem gegenüber liegen die Kosten für eine effektive Dekubitusprophylaxe bei DM 50,- täglich.

Die Heilung eines ca. 17 cm2 großen Dekubitalulkus dauert bei normaler Pflege ca. 120 Tage, bei intensiver Pflege jedoch nur etwa 45 Tage. Bei normaler Pflege kostet es ca. DM 25.000,-, ein Dekubitalulkus zur Abheilung zu bringen. Somit stellen Dekubiti doch eine erhebliche finanzielle Belastung für das gesamte Gesundheitssystem dar.

Die genannten Zahlen nach Häufigkeit und Kosten von Dekubiti müssen nachdenklich stimmen und sollten Ansporn sein, in der Alten- und Krankenpflege alles erdenklich Prophylaktische zu tun, um den individuellen Pflegefall möglichst frei von Dekubiti zu halten.

( Zitat aus: Die Pflege der Haut, ein alltägliches Problem, Die Schwester/Der Pfleger, 31. Jahrgang 7/92 )

Autor: Fibula
Diese Seite Ausdrucken