Autor/in: Angie

Bedeutung von ruhe und schlafen für den Menschen

1. Auswirkung auf den Schlaf des Menschen in ungewohnter Umgebung

Das Ausmaß und die Qualität von Erholung und Schlaf beeinflussen zahlreiche Fähigkeiten und Aktivitäten eines Menschen. Ein ausgeruhter Mensch ist eher leistungsfähiger, aufmerksam und in guter Stimmung als ein unausgeschlafener. Ein andauernder Erholungs- oder Schlafmangel kann z.B.. zu Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit und depressiven Verstimmungen führen. Ebenso wird die Lebensaktivität, z.B.. *Ruhen und schlafen* von anderen LA’s beeinträchtigt, z.B. nächtliches Wasserlassen, Schmerzen oder Sorgen im Schlaf.

Die äußeren Bedingungen in einem Altenheim können den Bewohner in seinen Ruhe- und Schlafgewohnheiten einschränken. So werden die Weck- und Bettgehzeiten zumindest für pflegebedürftige Personen durch den Arbeitsrhythmus des Personals fremdbestimmt.

Jeder Mensch hat bestimmte Schlaf- und Ruhegewohnheiten. Das Pflegepersonal sollte diese erkunden und sie nach Möglichkeit auch im Altenheim berücksichtigen.

Solche Gewohnheiten sind z.B.

  • Der Mittagsschlaf und/oder kurze Nickerchen;
  • Feste Einschlaf und Aufwachzeiten;
  • Spätes Zubettgehen und spätes Aufstehen;
  • Frühes Zubettgehen und frühes Aufstehen
  • Einschlafrituale z.B. Lesen, Musikhören, warme Milch trinken, Wärmflasche ins Bett legen;
  • Die Durchführung der Abendtoilette in bestimmten Ausmaß;
  • Das Beibehalten / Ablegen von Prothesen;
  • Bekleidung während der Nachtruhe, z.B. Schlafanzug, Nachthemd, Strickjacke;
  • Schlafgewohnheiten z.B. eine bevorzugte Schlafhaltung wie das Schlafen mit: erhöhtem Oberkörper, mit kleinem oder großem oder ohne Kopfkissen
  • Schlafen bei offenem/ geschlossenem Fenster;
  • Schlafen mit gedämpften Licht;
  • Schlafen in beheizten / nicht beheiztem Raum;
  • Aufwachgewohnheiten: lässt sich von Musik wecken; liegt nach dem Wecken noch eine Weile im Bett; trinkt vor dem Aufstehen einen Kaffee.

Die Aufrechterhaltung dieser und ähnlicher Gewohnheiten im Altenheim fördert das erholsame Ruhen und Schlafen sowie das allgemeine Wohlbefinden

2. Bedeutung der Nachtwache in Altenpflegeeinrichtungen und die Auswirkung des

    Nachdienst auf   das Pflegepersonal

Die Durchführung einer selbständigen Nachtwache in einem Altenheim erfordert ein hohes Maß an

Verantwortungsbewusstsein, Fachkompetenz und Belastbarkeit. Sie sollte deshalb examiniertem Altenpflegepersonal obliegen. Die Pflegenden die im Nachtdienst tätig sind, müssen sowohl körperlich als auch seelisch belastbar sein, um diesen Anforderungen standhalten zu können. Das Leben entgegen dem biologischen Rhythmus und gesellschaftlich üblichen Zeitstruktur stellt eine deutliche Belastung dar. Nicht selten sind eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit, Schlaf und Erholungsdefizite sowie Schlafstörungen und Verdauungsprobleme die Folge.

Vorraussetzungen für den Nachtdienst:

  • Körperlich und geistig ausgeruht und voll konzentriert
  • Diszipliniert und vertrauenswürdig
  • Angstfrei gut informiert
  • Verhalten im Brandfall geübt
  • Wissen über das Verhalten im Notfall
  • Beherrschen des Sauerstoff- und Absauggerätes
  • Kenntnis über Notrufnummern (Ärzte, Rettungsdienst, Hintergrundbereitschaft)
  • Kenntnis der Heimordnung und Sicherheitsvorschriften
  • Kenntnis über Lagerort und Umgang mit Pflege- und Lagerungsmitteln

Bei Nacht laufen alle Körpervorgänge langsamer ab. Die geistige Reaktionszeit und Kondition des Körpers lässt vor allem nach Mitternacht erheblich nach. Sie erreicht ihren Tiefpunkt zwischen 3.00 Uhr und 4.00 Uhr.

Bereits ab 22.00 Uhr nimmt die Leistungsfähigkeit ab und das Gefühl der Müdigkeit zu. In dieser Zeit besteht eine erhöhte Gefahr von Fehlhandlungen. Nachtarbeit erfordert gegenüber der Arbeit am Tag somit eine wesentlich größere körperliche Anstrengung und Konzentration. So verbraucht das Heben in der Nacht beispielsweise doppelt so viele Kilokalorien wie am Tag. Damit ist der Kräfteverschleiß und die Nervenanspannung einer Nachtwache größer als die der Tagdienstkraft. Wie Untersuchungen ferner belegen, hat der Schlaf der Nachtwache am Tag auch nicht dieselbe regenerierende Wirkung wie der Nachtschlaf.

3. Aufgaben einer Nachtwache

Schaffen einer schlaffördernden Atmosphäre

  • persönliches Vorstellen bei allen zu betreuenden Bewohnern
  • Zusicherung, während der Nacht jederzeit erreichbar zu sein;
  • Erkundigung nach individuellen Wünschen; Sorge für eine Klingel in der Reichweite eines jeden Bewohners;
  • Lüften des Zimmers, Regulieren der Raumtemperatur auf ca. 14 – 18°C;
  • Unterbinden störender Geräusche, z.B.. vom Fernsehgerät aus dem Nachbarzimmer;
  • Ausschalten der Deckenbeleuchtung, wenn die Bewohner schlafen möchten;
  • Einschalten der Nachtbeleuchtung; bei späteren Kontrollgängen Einsetzten einer
  • Taschenlampe;
  • . Korrektur ungünstiger Schlafpositionen; Ermöglichen von Einschlafritualen

Gezielte Beobachtung

  • Beobachten des allgemeinen Befindens, des Schlafverhaltens und der individuellen Probleme;
  • Dokumentation von Veränderungen und Auffälligkeiten (z.B.. Schmerzen, Atemnot, Schlaflosigkeit);
  • Beobachten von kranken und sterbenden Bewohnern in den erforderlichen Zeitabständen;
  • ansonsten Kontrollgang in ca. 2 – 3 stdl.. Rhythmus (je nach Dienstanweisung).

Durchführung pflegerischer Maßnahmen

  • kontinuierliche Weiterführung z.B.. prophylaktischer bzw… therapeutischer Lagerungen oder des Toilettentrainings;
  • Hilfeleistung beim Zubettgehen von Bewohnern, die länger aufbleiben;
  • bei Schlafstörungen: Zuhören, Gesprächsbereitschaft und Verständnis zeigen; evtl.. für
  • Ablenkung /Beschäftigung sorgen; Angebot schlaffördernder Maßnahmen wie ein Fußbad
  • oder eine atemstimulierende Einreibung;
  • Verabreichen von Spätmahlzeiten;
  • Hilfeleistung bei der Befriedigung aktueller Bedürfnisse;
  • intensive Betreuung und Pflege von kranken und von sterbenden Bewohnern;
  • prompte Reaktion auf Klingelrufe der Bewohner.

Dokumentation und mündliche Weitergabe

  • Der durchgeführten Tätigkeiten sowie der nächtlichen Beobachtungen und Vorkommnisse an den Frühdienst

4. Der normale Schlaf

Der Schlaf ist ein lebensnotwendiger, im Biorhythmus mit dem Wachsein wechselnder Erholungszustand mit veränderter Bewusstseinslage und verminderter Aktivität. Er ist die Folge einer veränderten Hirntätigkeit. Schlaf fördert das Wohlbefinden und erhält die Leistungsfähigkeit. Der Schlaf stellt den physiologischen Ausgleich zum Wachsein dar, er ermöglicht die Regeneration von Kräften sowie physiologischen Erneuerungsprozesse.

Der Schlafablauf eines gesunden Erwachsenen ist gekennzeichnet durch einen 90-minütigen Wechsel der verschiedenen Schlafphasen. Nach einer Einschlaflatenz, die unter 10 Minuten liegen sollte, tritt die erste Tiefschlafphase auf, nach 70 – 80 Minuten beobachtet man die erste REM-Phase.

Die Dauer der Tiefschlafphasen wird im Verlauf der Nacht kürzer, die Dauer der REM-Schlafepisoden im Verlauf der Nacht länger. Es werden etwa 4 – 5 REM-Episoden im Verlauf einer Nacht durchlaufen.

5 Schlaf und Wachrhytmen

Hauptverantwortlich ist die so genannte „innere Uhr“ des Menschen. Sie programmiert die Wach und Schlafzeiten ursprünglich auf eine 25-Stunden-Periodik; die Erdumdrehung als äußere Zeitgeber bestimmt letztendlich den 24-Stunden-Rhytmus mit seinen Schlaf- und Wachphasen. Sowohl der Wach- als auch der Schlafzustand werden über das Schlaf- wach- Zentrum (Weckzentrum), das in der Formatio reticularis (den Hirnstamm durchziehende netzförmige Struktur, die aus einer Ansammlung von Nervenzellen besteht) liegt reguliert.

6. Schlafzyklus

Beim Schlaf spielen sich komplexe physische und psychische Vorgänge ab.

Er verläuft zyklisch in folgenden fünf Phasen:

•  Phase 1 „Einschlafphase“: Dämmerzustand zwischen Wachsein und leichtem Schlaf. Kennzeichnend sind langsame, rollende Augenbewegungen. Im EEG beobachtet man eine gezackte Linie mit niedrigen Ausschlägen

•  Phase 2 „Leichter Schlaf“: Das Bewusstsein ist nun „ausgeschaltet“, die Augen bewegen sich nicht mehr, und die Hirnströme zeigen die für den Schlaf typischen Veränderungen. Der Muskeltonus ist gegenüber der Phase 1 deutlich herabgesetzt

•  Phase 3 „Beginnender Tiefschlaf“: Etwa eine halbe Stunde nach dem Einschlafen wird der Schlaf tiefer. Diese Schlafphase wird auch Delta-Schlafbezeichnet, weil die Aufzeichnung der Hirnströme Delta-Wellen zeigen. Die Augen stehen immer noch still

•  Phase 4 „Tiefschlaff“: Der Schlaf hat seine tiefste Phase erreicht. Der Mensch schläft „wie ein Stein“. Die Hirnströme werden noch langsamer (langsame und hohe Delta-Wellen).

•  Phase 5 „REM-Schlaf‘: Am Ende eines jeden Schlafzyklus liegen Perioden des REM-Schlafes (paradoxer Schlaf). Dieser ähnelt dem Leichtschlaf, ist aber durch schnelle Augenbewegungen (REM = rapid eye movements) unter den geschlossenen Lidern gekennzeichnet. In dieser Phase träumt der Schläfer häufig und ist schwer weckbar. Der Muskeltonus ist stark erniedrigt .

7. Bewusstsein

Mit dem Begriff Bewusstsein sind die Gesamtheit aller gegenwärtigen – also empfundenen – psychischen Vorgänge gemeint. Er bezieht sich auf die Gesamtheit des Seelenlebens. In wachem Zustand verfügt der Mensch über ein volles, klares Bewusstsein. Der Schlaf ist durch eine veränderte Bewusstseinslage gegenzeichnet; der schlafende Mensch reagiert nicht direkt auf Reize aus seiner Umwelt, kann jedoch jederzeit durch diese geweckt werden. Bei ungenügender Stimulation lässt die Aufmerksamkeit eines Menschen nach und er gibt sich möglicherweise Phantasien, Halluzinationen und Tagträumen hin. Bei einer Reizüberflutung, die z.B.. durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst wurde, entwickelt der Mensch häufig einen Abwehrmechanismus: er verliert das Bewusstsein bzw.. er wird ohnmächtig.

Fähigkeiten des Bewusstseins sind:

•  Merk- und Reaktionsfähigkeit                           . Reproduktions- und Handlungsfähigkeit

•  Denkfähigkeit und Vorstellungskraft                   . Orientierungs- und Durchhaltevermögen

8. Ursachen für   Schlafstörungen

Bei gestörtem Schlaf:

  • vermindert sich in erster Linie der Tiefschlaf-Anteil (Schlafstadium 3 und 4),
  • vermindert sich auch der REM-Schlaf-, also Traumschlaf-Anteil,
  • nimmt die Anzahl der Weckreaktionen deutlich zu (über 15 pro Stunde).

Die Ursachen für schlechten oder gestörten Schlaf können unterschiedlichster Natur sein.

Schlafstörungen treten häufig vorübergehend auf und sind damit noch nicht als eigentliche Störung anzusehen. Anders ist es, wenn sie sich über Wochen oder Monate hinweg erstrecken und zu Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsminderung oder anderen körperlichen Beschwerden führen. Dies ist häufig der Beginn eines großen Leidensdrucks.

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Schlafstörungen. Die meisten lassen sich aber in zwei Kategorien einteilen:

•  Einschlafstörungen liegen vor, wenn mehr als eine halbe Stunde bis zum Einschlafen vergeht.

•  Durchschlafstörungen liegen vor, wenn nach einem nächtlichen Aufwachen mehr als eine halbe Stunde vergeht, bis der Betroffene wieder einschlafen kann.

Die einzelnen Ursachen der Schlafstörungen sind sehr unterschiedlich. Zum einen können familiäre oder berufliche Probleme den Schlaf beeinträchtigen. Aber auch körperliche Schmerzen verhindern einen ruhigen gesunden Schlaf. Insgesamt werden Schlafstörungen in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt:

•  physikalische , z.B.. Schlafapnoe, ruheloses-Bein-Syndrom, Lärm, helles Licht

•  physiologische , z.B.. Schichtarbeit

•  psychologische , z.B.. Ärger, Stress

•  psychiatrische , z.B.. Depression, Manie

•  pharmakologische , z.B. Konsum von Kaffee, Alkohol, Nebenwirkung von Medikamenten (z.B.   Appetitzügler).

organische (Epilepsien, Schmerzen, Herzkrankheiten, Restless Legs)

Quellenangaben: Die Pflege des Menschen im Alter ( die Seel );
Pflege Heute; Pflegetheorie und Praxis (Urban & Fischer)

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