Baden
1.1 Pflegeziele:
Reinigung und Pflege der Haut sowie die Erhaltung ihrer Schutzfunktionen.
- Krankenbeobachtung u. Früherkennung (Hautzustand, Schwitzen, Druckstellen,
Füße, Nägel etc..) Förderung von Gesundheit oder Heilung,
Vorbeugung von Schäden.
- Möglichkeit zu Bewegungsübungen (Kontrakturnenprophylaxe) Stimulation
und Anregung
- eventuell nach Verordnung - Ziele therapeutischer Zwecke erreichen
- Förderung der Selbstständigkeit des BW persönliche Zuwendung,
Körperkontakt, zur größtmöglichen Kooperation auffordern
- Erfrischung, Entspannung, Erholung, Beruhigung des gesamten Organismus
- Körperpflege vermittelt das Gefühl des sich Wohlbefindens und
ist ein Ausdruck von nonverbaler Kommunikation.
- Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen fördern. Wer sich reinlich
fühlt geht meist offener auf Mitmenschen zu.
-
Vertrauensverhältnis schaffen oder ausbauen, Kommunikation, mit
Berührung von Hände vertraut machen. Hemmungen abbauen.
2.1 Bewohner - Vorbereitung:
über das Wohlbefinden erkundigen Bei Bedarf Überprüfung des
Kreislaufs
- über Massnahme informieren und Zeitpunkt absprechen ( ACHTUNG: Nach
dem Essen ca. 1-2 Std. warten)
- über Ziele und Zwecke informieren
- Handlungsbedarf (wie und was wird ausgeführt) erklären und
vereinbaren
- persönlichen Wünschen erfragen
- BW wird empfohlen vor dem Bad Darm und Blase zu entleeren (Zum Toilettengang
Hilfestellung geben)
- mit Geräte und Lift vertraut machen und eventuelle Ängste abbauen
- vor der Massnahme Getränk anbieten
- Schmuck Brille, Hörgerät, Prothesen, Perücke und Armbanduhr
ablegen und sichern
- 2.2 Persönliche - Vorbereitung
• Vor Dienstantritt Schmuck u. Uhr ablegen, Fingernägel kurz halten
und ablackieren, lange Haare hochstecken, Hygiene einhalten
• saubere frische Arbeitskleidung (mind. 60°C waschbar) tragen
• in Dokumentation einlesen und prüfen ob ein Vollbad erlaubt ist
oder eventuell ein medizinisches Bad verordnet ist, bzw. BW
Gewohnheiten herausfinden
Badmöglichkeiten:
- Therapeutisches Bad: „Art u. Konzentration nach Anordnung“
- warmes Vollbad: bei Unruhe, Muskelverspannung, spastische Lähmung,
Kontrakthuren
- aufsteigendes Vollbad: „Art u. Konzentration nach Anordnung“ heißes
Wasser dazugeben bis 40°C erreicht sind.
- absteigendes Vollbad: „Art u. Konzentration nach Anordnung“ kaltes
Wasser dazugeben bis ca. 30°C erreicht sind.
- Halbbad: kurze Badezeit eignet sich besonders für Herzkranke oder
BW die an Atemnot, Herzklopfen, Kreislaufbeschwerdenleiden.
- Sitzbäder: „Art u. Konzentration nach Anordnung“ z.B.
zur Behandlung von Hämorrhoiden.
- Vereinbarten Zeitpunkt einhalten
- Schürze (Karsak) drüberziehen
- Hände desinfizieren und waschen
- Kolleginnen oder Kollegen über die Massnahme informieren
2.3 Raum - Vorbereitung:
- Raum auf angenehme Temperatur aufwärmen
- dafür sorgen, dass es keine Zugluft gibt
- Wäsche u. Abfallabwurf bereitstellen Bei Bedarf Abwurf für
gebrauchte Inkontinenzartikel
- Pflegemittel (wie beschrieben) griffbereit herrichten
- vor der Badewanne frische rutschsichere Fußmatte legen
- Duschstuhl in direkter Nähe der Handgriffe stellen, sichern
- Stuhl zum Ankleiden bereitstellen
- Ablage für Toilettenartikel, Wäsche und Handtücher
- Badewanne ausspülen
- rutschsichere Badematte in Wanne legen
- Anwesenheitslicht einschalten
- BESETZ Schild anhängen
- für Sichtschutz sorgen
- Klingel in leicht erreichbarer Nähe befestigen
2.4 Material - Vorbereitung:
- Badetücher od. Badehandtücher (vorwärmen)
- 2 Waschlappen (mit Haarwäsche 3 Waschlappen)
- Waschlotion, Schaumbad oder Badezusatz (nach Wünschen des Bewohners
bzw. nach Anordnung vom Arzt.)
- Pflegemittel für Haut und Prophylaxen
- Nagelschere oder Nagelzwicke für Hände Nagelzange für
Füße
- rutschsichere Bade- u. Fußmatte (liegt bereits im Raum u. Wanne)
- Shampoo (wenn Haarwäsche gewünscht)
- Fön, Kamm, Bürste
(Fön und keine elektr. Gegenständen im Bad verwenden solange
ein Mensch sich in der Wanne befindet)
- Rasierschaum, Rasierer (wenn Rasur erforderlich)
- frische Wäsche / Unterwäsche /Bademantel (eventuell auch Inkontinenzeinlagen)
- BW-eigene Pflegekosmetika
- Handschuhe
- bei Bedarf Verbandsmaterial
3.0 Durchführung:
- je nach Mobilität BW ins Bad begleiten oder fahren
- Wasser, ca. 35-38°C, mit Badezusatz, n. Wunsch d. BW, einlaufen lassen
- beim Ausziehen behilflich sein und Schmutzwäsche ordnungsgemäß in
Wäscheabwurf ablegen
- VOR AUSRUTSCHEN UND ABKÜHLEN SCHÜTZEN
- Bewohner in die Badewanne helfen
verschiedene Möglichkeiten siehe 8.0
- mit Waschen beginnen
Soweit der BW noch dazu in der Lage ist, sollte er / sie die Körperpflege
selbst übernehmen. Wir bieten lediglich Hilfestellung an und / oder
versuchen, vorhandene Bewegungsmuster aufzufrischen ( z. B. durch das Überstreifen
eines Waschlappens und führen der Hand zum Gesicht gelingt es häufig,
dass ein dementer Bewohner die Bewegung fortführt und sich das Gesicht
/ Oberkörper alleine wäscht)
Wenn wir die Waschung (sorgfältig) übernehmen gehen wir wie
folgt vor: a.) Gesicht (Augen von innen nach außen)
b.) Arme, Achseln, Hände
c.) Brust- und Bauchbereich
d.) Beine, Füße und Zehenzwischenräume
e.) Intimbereich (Intimwaschlappen n. Benutzung ablegen um Keimverschleppung
zu vermeiden.
Zum waschen in Intimbereich tragen wir Schutzhandschuhe.
Wenn die Haare gewaschen werden, wird zum Schutz der Augen ein frischer
Waschlappen gereicht.
Die Badezeit nicht länger als 10 bis 15 min.
Kreislauf, Haut, Befinden u. Puls überwachen. Bei Kreislaufkollaps:
Wasserablauf öffnen, Kopf überm Wasser halten, Alarm, 1.Hilfe
• vor dem verlassen der Wanne wird der ganze Körper nochmals abgeduscht,
um die gelösten Haut- u. Schmutzteile sowie Badezusätze von der Haut
zu spülen.
Eventuell Wechselduschen anbieten. Kalt und Warm wirken Durchblutungsfördernd.
Beginnen mit warmem Wasser, Enden mit kaltem Wasser.
- Zum Aussteigen Hilfestellung leisten bzw. wie beim Einsteigen
- Haare mit Handtuch bedecken
- Auf bereitgestelltem Stuhl vorgewärmtes Badetuch auf Sitzfläche
legen und BW auf Stuhl setzen und abfrottieren, besonders gut Hautfalten und
Finger und Zehenzwischenräume abtupfen.
- Je nach Wunsch oder Bedarf(trockene Haut) rückfetten mit Hautpflegemitteln
(Lotion, Creme)
- beim Mann: eventuell Rasur durchführen. Bademantel anziehen
- Ggf. Anlegen von frischem Inkontinenzmaterial
- Ggf. Fußnägel schneiden (sind nach dem Bad eingeweicht)
- BW ankleiden bez. Hilfestellung leisten
- Nach Haarwäsche: Haare föhnen und frisieren
- Ggf. Fingernagelmaniküre
- Wiederanlegen von Hilfsmitteln (siehe BW-Vorbereitung), Schmuck
- Begleitung / Transfer ins Zimmer, Aufenthaltsraum oder je nach Wunsch
-Ausruhen im Bett / Sessel ermöglichen-
- Wohlbefinden erfragen und Getränk anbieten
4.0 Nachbearbeitung:
- Reinigung und Desinfektion der zum Baden beanspruchten Fläche
Reinigung und Desinfektion des Duschstuhles
- Entsorgung der gebrauchten u. verschmutzten Wäsche, der Rutschmatten
- Abfall entsorgen
- Zurückstellen gebrauchter Toilettenartikel in die jeweiligen Regale
- Badezimmer aufräumen und lüften
- Anwesenheitslicht ausschalten
- BESETZT Schild entfernen
- eigene Schürze ausziehen und für Wäscherei ablegen
- eigene Hände desinfizieren und waschen
- Maßnahme dokumentieren
5.0 Beachte und Merke:
- BW zur Wahrung der Intimsphäre vor Zuschauern schützen
- es sollte jedoch auch auf die Belastung der Haut bedacht werden und deshalb
nicht zu lange oder zu häufig gebadet werden.
- zu hohe Wassertemperatur vermeiden, führt zu Kreislaufbelastung
und können Herzkranke gefährden.
- Für Herzkranke und Kreislaufschwache empfiehlt sich ein Halbbad
von kurzer Dauer
- Baden erst 1-2 Stunden nach der Nahrungsaufnahme
- keine elektrischen Geräte verwenden wenn der BW in der Wanne sitz. „VORSCHRIFTEN
EINHALTEN“
- immer auf den Gesundheitszustand achten.
- Wenn BW alleine baden kann, muss für ihn die Klingel für Alarm
leicht erreichbar sein. Das Pflegepersonal muss bei Alarm sofort reagieren.
- Nicht baden bei: offenen Wunden Schädelhirnverletzungen Infektionen
nach Operationen Herz- u. Kreislauferkrankung (außer Halbbad) wenn Arzt
vom Bad abrät
6.0 Tips:
- dem BW immer das Gefühl von Sicherheit vermitteln
- genügend Zeit einplanen
- nicht zuviel Lotion verwenden
- dem Wohl des BW bedacht sein
- gerade beim Baden – Duschen – Waschen ist Zugluft unbedingt
zu vermeiden
7.0 Durchführung
- 1 exam. Mitarbeiterin
oder 1 Schüler, Hilfskraft unter Aufsicht.
Die Körperpflege sollte nur von einer Pflegeperson durchgeführt
werden!
8.0 Zusatz Transfer in die Badewanne:
a.) Der BW sitzt im gesicherten Rollstuhl oder auf dem Toilettenstuhl
neben der Badewanne.
Der BW beugt sich weit nach vorne um das Becken leichter anheben zu können.
Die Füße stehen versetzt an denen der Pflegerperson.
BW hebt dann das Becken etwas an, in dem er die Knie streckt und dreht
sich zur Wanne. Die Pflegeperson unterstützt dabei.
Die Pflegeperson hilft bei der Drehung, so dass der BW auf dem Wannenrand
sitzt.
Ein Bein nach dem anderen über den Wannenrand gehoben gleitet dann
der BW über die Schräge ins Wasser, wobei die Pflegeperson
ein Abrutschen verhindert.
b.) Aus Sicherheitsgründen ist bei Demenz der Einstieg mit Sitz-
od. Liegelift von Wichtigkeit. Über jeden einzelnen Schritt informieren,
auch darüber, dass es eventuell beim schließen der öffnen
der Bremsen rütteln kann.
Langsam ins Wasser gleiten lassen, nachfragen ob Wassertemperatur angenehm
ist und auf Gestik u. Mimik achten.
Bevor der Lift hochgefahren wird können die Haare mit einem Handtuch,
der zum Turban gewickelt wird, abgedeckt werden. Auf jeden Fall vor Kälte
schützen und die Intimsphäre waren. Dies kann man mit einem
Badetuch das überlegt wird erreichen.
Baden
Die Pfleger/Innen trägen bezüglich der „Personenwürde
der Bewohnern“ gerade beim Baden - Duschen - Waschen eine große
Verantwortung.
Akzeptiert die Bewohnerin, von einer männlichen Pflegekraft gewaschen
zu werden?
Akzeptiert der Bewohner, von einer weiblichen Pflegekraft gewaschen zu
werden?
Haben die Bewohner individuelle Wünsche bei der täglichen Körperpflege?
Es gilt vor allem, Vertrauen zu den Bewohnern aufzubauen, ihre Ängste
und Hemmungen ernst zu nehmen.
Ein Kriterium für Vertrauen könnte sein, die ohnehin schon
eingeschränkte Intimsphäre ( z. B. in einem Doppelzimmer )
zu wahren und damit die Individualität der Person zu achten.
Dies bedeutet, z.B. beim Waschen entblößte Körperstellen
entsprechend mit einem Handtuch zu bedecken.
Auch ist darauf zu achten, die Nacktheit der Person nicht unnötig
zur Schau zu stellen ( z. B. Tür schließen oder Sichtschutz).
Diskretion bei der Pflege ( nach Möglichkeit keine Zuschauer )
sowie das Fragen nach Einverständnis bzw. das Informieren bei intimen
Pflegehandlungen sind Aspekte, die diesen sehr sensiblen Bereich für
die Bewohner erträglich und menschlich gestalten können.
Diese Maßnahmen zum Schutz der individuellen Persönlichkeit
sollten ebenso uneingeschränkt für verwirrte Menschen Geltung
besitzen. Auch diesem Personenkreis gebührt Respekt.
Hilfreich kann es sein für uns sich in die konkrete Situation eines "pflegeabhängigen " Bewohner
zu versetzen.
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