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Sondenernährung
C&P 1999 by Marko Heinrich und Fibula
Inhalt:
0.
Vorbemerkung
1.
Sondenarten und Allgemeines
2.
Applikationsmöglichkeiten für Ernährungssonden
2.1. Zugänge für Ernährungssonden
2.2. Sondenlage
3.
Vorbereitungen zum Legen von transnasalen Sonden
3.1. Verantwortlichkeit
3.2. Vorbereitung und Bereitstellung der Materialien
3.3. Vorbereitung und Lagerung des Heimbewohners
3.4. Vorbereitung des Pflegepersonals
4.
Gefahren und Komplikationen beim Legen von Magensonden
5.
Sondennahrung
5.1. Anforderungen
5.2. Applikationsformen
6.
Der Umgang mit gelegten Sonden
6.1. Verabreichung der Sondenkost
6.2. Verabreichung von Medikamenten per Sonde
6.3. Pflege, Kontrolle und mögliche Komplikationen
6.4. Dokumentation
7.
Entfernung von Magensonden
Quellenangabe
0. Vorbemerkung
Ist ein Mensch aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in
der Lage oder nicht Willens, seine benötigte Nahrung über
den Mund aufzunehmen - zum Beispiel bei massiver Störung des
Schluckreflexes, Stenosen, Verwirrtheitszustände, Bewußtseinsstörungen...
- ist eine künstliche Ernährung angezeigt. Daß heißt,
es müssen neue Zufuhrwege für die Nährstoffe in den
Organismus geschaffen werden.
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
Die erste ist der parenterale Zugang, also die Nährstoffzufuhr
mittels einer Infusion über einen Venenkatheter.
Diese Lösung ist aber eher für kürzere Zeiträume
der künstlichen Ernährung geeignet, da sie stark von der
normalen Ernährung abweicht.
Daher gibt es eine zweite Möglichkeit, den enteralen Zugang.
Darunter versteht man das Zuführen von Nährstofflösungen über
eine Nasen-, eine Magen-, oder eine Dünndarmsonde. Im allgemeinen
faßt man diese Methoden unter dem Begriff Sondenernährung
zusammen.
Darüber soll es im folgenden gehen.
Sonden unterscheidet man nach Material, Stärke, Länge
und Einführungstechnik.
Je nach Einführungstechnik unterscheidet man unter transnasalen
und perkutanen Sonden.
Transnasale Sonden werden bevorzugt eingesetzt, wenn die Ernährung
nur über einen relativ kurzen Zeitraum durchgeführt werden
muß oder wenn die Dauer der künstlichen Ernährung
noch unklar ist, oder wenn eine Entscheidung darüber noch aussteht.
Je nach Lage erfolgt noch mal eine Einteilung in Magensonden, Duodenal-
und Jejunalsonden.
Perkutane Sonden haben in der Regel eine längere Verweildauer.
Sie sind dann nützlich, wenn der Patient länger als 6 Wochen
bis zu mehreren Jahren künstlich ernährt werden muß.
Außerdem ist hier eine Mobilisierung des Patienten einfacher,
da die Sonde verdeckt ist.
Der Lage nach gibt es hier gastrale, gastral - duodenale und jejunale
Sonden.
Weiterhin werden Sonden nach dem Material unterschieden, aus dem
sie bestehen.
Sie sind in drei verschiedenen Kunstoffausführungen erhältlich.
Die Materialien sind: PVC(Polyvinylchlorid), Polyurethan und Silikonkautschuk.
Alle drei Varianten haben spezifische Vor- und Nachteile.
PVC - Sonden sollten möglichst nicht mehr eingesetzt werden,
da sie chemische Weichmacher enthalten, die sich rasch aus dem Plastik
verflüchtigen und somit die Sonde hart und spröde machen.
Schmerzhafte Gewebsverletzungen und Drucknekrosen können die
Folgen sein. Solch eine zusätzliche Belastung sollte man dem
Patienten ersparen.
Sonden aus Polyurethan haben eine hohe Knickstabilität. Das
ermöglicht eine geringe Außenwandstärke der Sonde
bei genügend großem Innendurchmesser. Außerdem besitzt
das Material eine sehr glatte Oberfläche und dadurch kann die
Nahrung besser fließen.
Sonden aus Silikonkautschuk sind weich und recht instabil. Für
ein leichteres Legen ist daher ein Mandrin in der Sonde vormontiert.
Die entscheidenden Maße bei Sonden sind die Länge in
Millimeter und der Durchmesser (Lumen), der in Charriëre (Abkürzung
= 1 Ch. = 0,33mm) gemessen wird. Je nach Hersteller werden Außen-
und Innenlumen angegeben.
2.1. Zugänge für Ernährungssonden
Für Ernährungssonden kommen im wesentlichen drei Zugänge
in Frage, für deren Wahl der Arzt Grund und Dauer der künstlichen
Ernährung berücksichtigen muß.
Die Möglichkeiten sind folgende:
(a) Nasogastraler Zugang (Transnasale Sonde) - die Sonde wird durch
die Nase eingeführt
(b) Perkutane endoskopisch kontrollierte Gastrostomie (PEG) - die
Sonde (auch als Katheter bezeichnet)
wird während einer Magenspiegelung in den Magen oder Dünndarm
gelegt
(c) Feinnadeljejunostomie (FKJ) - mittels eines kleinen abdominalen
Eingriffs wird die Sonde in den
Dünndarm eingeführt
2.2. Sondenlage
Die Sondenlage gibt an, welcher Stelle des Verdaungstraktes die
Sonde endet und die Nahrungslösung eintrifft.
Die am meisten genutzte ist die gastrale Sondenlage, also die Magensonde.
Diese gewährleistet die physiologischste Zufuhr und Verdauung
des Ernährungssubstrates. Ein weiterer Vorteil ist, daß die
Zufuhr per Schwerkraftsystem möglich ist.
Wenn nun aber die Magenentleerung gestört ist (z.B. durch eine
Stenose am Magenausgang, neurologische Gründe oder medikamentös
bedingt) oder eine erhöhte Aspirationsgefahr ( z.B. bei Bewußtlosen)
besteht, wird eine Sonde in den Dünndarm vorgeschoben.
Die duodenale Sondenlage ist auch zweckmäßig nach abdominalchirurgischen
Eingriffen, da dann der Dünndarm eher seine Verdauungstätigkeit
aufnimmt, als der Magen.
Die Zufuhr muß kontinuierlich geregelt, also über eine
Pumpe erfolgen.
Die Ernährung in einen tieferen Dünndarmabschnitt erfolgt
mittels der jejunalen Sondenlage.
Sie wird häufig postoperativ verwendet oder wenn Resektionen
und Stenosen im oberen Verdauungstrakt vorliegen. Auch hier erfolgt
die Zufuhr der Nährlösung nur pumpengesteuert als Dauertropf.
3.1. Verantwortlichkeit
Für das Einführen einer transnasalen Sonde ist der Arzt
zuständig. Übernimmt der Pflegende dennoch diese Aufgabe,
braucht er die ausdrückliche Anweisung des Arztes und muß die
gesetzlichen Voraussetzungen beachten, die für die Übernahme ärztlicher
Tätigkeiten gefordert werden. Die PEG gehört in den Aufgabenbereich
des Arztes und darf nicht von Pflegepersonen gelegt werden.
3.2. Vorbereitung der Materialien
Folgende Materialien werden bereitgelegt:
- abschwellende Nasentropfen
- Handschuhe
- Stethoskop (Auskultation der Luft bei Lagekontrolle)
- 20 ml Einmalspritze (Luftinsufflation)
- dünnlumige Sonde ca. 12 Ch. (möglichst aus Silikonkautschuk)
- (vorheriges lagern im Kühlschrank erleichtert das Einführen
der Sonde)
- Gleitmittel
- Alkoholgetränkte Tupfer zum Entfetten der Haut an der Fixierungsstelle
- Pflaster zum Fixieren der Sonde und Schere
- lokalanästhesierendes Gel oder Spray
- Maßband, Stift
- Spritze zum Aspirieren von Magensaft
- Indikator- / pH - Papier
- Klemme (zum Abklemmen der Sonde
- Holzspatel und Taschenlampe (zur Inspektion der Mundhöhle)
- Zellstoff und Nierenschale.
- Eventuell etwas Wasser oder Tee (zur Erleichterung des Schluckens)
Für die benötigte Sondenlänge wird der Abstand von
der Nase zum Ohrläppchen und dann bis zur Magengrube gemessen.
Diese Länge markiert man an der Sonde.
Weiterhin wird die Sonde am ersten Drittel mit Gleitmittel eingerieben.
3.3. Vorbereitung und Lagerung des Heimbewohners
Ist der Heimbewohner kognitiv aufnahmefähig, wird als erstes
ein aufklärendes Gespräch mit ihm geführt und um seine
Mithilfe gebeten.
Die Einwilligung des Heimbewohners Voraussetzung für das Legen
der Sonde. Auch Verwandte sollte man in Kenntnis setzen. Wurde die
Sorge für die Gesundheit des Heimbewohners an einen Betreuer übertragen,
ist natürlich mit diesem zu sprechen und sein Einverständnis
zu erfragen.
Grundsätzlich sollte wegen der Aspirationsgefahr eine Ernährungssonde
frühestens 6 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme gelegt
werden.
Der Heimbewohner wird über das Vorgehen und das Verhalten bei
eventuellen Schwierigkeiten informiert.
Natürlich sollten keine Zuschauer Gelegenheit zur Störung
bekommen.
Wenn möglich sollte der Heimbewohner noch einmal seine Nase
putzen. Eine eventuell vorhandene Zahnprothese muß entfernt
werden und die Mundhöhle muß gereinigt werden. Um herauszufinden,
welches Nasenloch am besten geeignet ist, läßt man den
Bewohner abwechselnd durch ein Nasenloch atmen, gleichzeitig wird
das andere zugehalten. In die durchgängigere Seite erfolgt später
das Legen und der Naseneingang wird mit einem lokalanästhesierenden
Gel oder Spray betäubt. Die zweckmäßige Lagerung
ist sitzend oder halbsitzend, so daß der Oberkörper in
etwa einer Position von 45° liegt. Bewußtlose werden in
die Seitenlage gebracht (um eine Aspiration zu verhindern). Rachenanästhesie
wird mittels des Sprays durchgeführt. In das vorhergesehene
Nasenloch wird ein anästhesierendes Gel appliziert.
Eine gute Kooperation des Heimbewohners ist eine wichtige Voraussetzung
für das Legen und deshalb ist eine ständige emotionale
Unterstützung unentbehrlich.
3.4. Vorbereitung des Pflegepersonals
Zweckmäßigerweise bekleidet man sich mit einer Schürze.
Händedesinfektion und das Benutzen von Handschuhen sollte ebenfalls
selbstverständlich sein.
Da eine ärztliche Anordnung vorliegen muß, empfiehlt
es sich in die Dokumentation einzusehen. Die Pflegeperson sollte
selbstverständlich die für die Sondenlegung erforderlichen
Kenntnisse verfügen und diese auch in die Praxis umsetzen können.
Nach dem Einführen der Sonde in die Nase können schon
nach kurzem Weg (5-10 cm) Blockierungen auftreten.
Dann muß auf der anderen Nasenseite ein erneuter Versuch unternommen
werden.
Ist der Kopf des Kranken nach hinten gebeugt, kann dadurch eine
Blockade am Zungengrund entstehen.
Daher sollte der Kopf gestützt und nach vorn gebeugt werden.
Auch Vorerkrankungen können die Passagewege verengen. Grundsätzlich
darf niemals Gewalt angewendet werden.
Wenn die Sonde in den Rachenraum vorgeschoben wird, kann es zu einem
starken Würgereiz beim Heimbewohner kommen. Durch 2-3 minütiges,
leichtes Beklopfen der Schläfengegend verschwindet der Brechreiz.
Beginnt der Heimbewohner stark zu Husten und / oder tritt eine Blauverfärbung
des Gesichtes ein, ist die Sonde wahrscheinlich in die Luftröhre
geraten. Auch auffallende Atemgeräusche zeigen dies an. Jetzt
muß die Sonde schnell zurückgezogen werden.
Besonders beachten muß man, daß Bewußtlose keinen
Hustenreflex haben und hier eine Deplatzierung der Sonde in den oberen
Luftwegen erfolgen kann. Daher muß der Kranke besonders gut
beobachtet werden.
Bei Sonden mit Mandrin als Führungshilfe und Öffnungen
("Augen") oberhalb der Olive muß die Prüfung
auf korrekte Lage vor dem Herausziehen des Mandrins erfolgen. Wird
der Mandrin nur ein kleines Stück herausgezogen, darf er nachher
nicht wieder hineingeschoben werden. Er könnte sonst an einer
seitlichen Öffnung der Olive austreten und die Magenwand verletzen.
Am häufigsten ist die falsche Plazierung der Sonde eine Komplikation.
Daher sollte eigentlich das Legen immer einem Arzt überlassen
werden.
Auf jeden Fall muß bei Unklarheiten oder Schwierigkeiten schnell
Hilfe durch einen Arzt zur Verfügung stehen.
5.1. Anforderungen
Sondennahrung muß eine ganze Reihe von Forderungen erfüllen.
Die Zusammensetzung muß einer vollwertigen und gesunden Ernährung
entsprechen und den Krankheitszustand berücksichtigen.
Die Sondennahrung muß gut verträglich sein. Eine zu hohe
Konzentration kann zu Unverträglichkeiten wie Durchfall führen.
Das entscheidende Maß dafür ist die Osmolarität.
Sie beschreibt die Menge der gelösten Teilchen in einem Liter
und wird in mosmol/l angegeben. Gut verträglich sind Substrate
mit etwa 300 - 400 mosmol/l.
Sondennahrung muß gut bilanzierbar sein um eine ausgewogene
Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten.
Individuelle Verträglichkeiten der Kranken müssen bei
der Auswahl der Sondennahrung berücksichtigt werden - es muß also
z.B. laktulosefreie, ballaststoffarme, bzw. ballaststofffreie oder
ballaststoffreiche Kost zur Auswahl stehen.
Man unterscheidet zudem hoch - von niedermolekularen Substraten.
In der hochmolekularen Form liegen die Nährstoffe in weitgehend
natürlicher Form vor. Die Moleküle sind also noch langreihig
und noch nicht oder nur begrenzt aufgespalten. Sie wird dann verabreicht,
wenn der Kranke noch über genügend Resorptionsfläche
verfügt und die Sekretion von Enzymen noch ausreichend ist.
In der niedermolekularen Form sind die Nährstoffe praktisch
vorverdaut, also die Moleküle bereits aufgespalten. Diese Kost
wird vorwiegend bei jejunal liegenden Sonden verwendet und wenn die
Resorptionsleistung des Verdauungstraktes stark eingeschränkt
ist. Außerdem müssen Verunreinigungen eventuell auch durch
Krankheitserreger nahezu ausgeschlossen sein. Das Fließverhalten
darf nicht durch eventuelle Klümpchenbildund und somit Verstopfung
der Sonde beeinträchtigt werden.
Sondennahrung sollte unter hygienischen Bedingungen zubereitet werden.
Angebrochene Flaschen dürfen bis zu 24 Std. im Kühlschrank
aufbewahrt werden.
5.2. Applikationsformen
Eine mögliche Anwendungsform ist zum Beispiel die portionsweise
Gabe oder auch Bolusgabe genannt. Hierbei wird eine wird eine größere
Anzahl von kleineren Portionen über den Tag verteilt; in kürzeren
Zeitabschnitten verabreicht. Vorher jedoch muß ein langsamer
Kostaufbau - die sogenannte Aufbauphase - erfolgen, da es sonst zu
Unverträglchkeiten und Durchfall kommen kann.
Eine weitere Form ist die halbkontinuierliche Gabe. Etwa 4 Portionen über
den Tag verteilt a´ 500 ml werden in etwa 2-3 Stunden verabreicht.
Das bringt Vorteile, weil die Verträglichkeit höher ist.
Außerdem ist es zeitsparender, hygienischer und einfacher.
Die dritte Form der Anwendung ist die kontinuierliche Gabe. Eine
bestimmte Menge an Kost läuft hier langsam über den ganzen
Tag verteilt ein. Angewendet wird diese Methode immer bei einer Sondenlage
im Dünndarm und niedermolekularem Substrat und ist auch vorteilhaft
bei Diabetikern.
Bei zu schneller Gabe besteht die Gefahr der Aspiration, besonders
auch bei Bewußtlosen. Ernährungspumpen sorgen hier für
eine genaue Dosierung.
Nebenbei erwähnt ist Sondenkost auch als Trink - und Zusatznahrung
für Heimbewohner ohne Ernährungssonde einsetzbar.
Alle Anwendungsformen sind aber Bestandteil der ärztlichen
Verordnung.
6.1. Verabreichung der Sondenkost
Selbstgemachte Kost kann nur selten die Ansprüche an Hygiene
und Vollbilanzierung erreichen und ist heute nicht mehr zeitgemäß.
Daher werden meist industriell gefertigte Substrate verwendet. Man
unterscheidet hier in Pulvernahrung und bereits gebrauchsfertig in
Flaschen oder Beutel abgepackte Sondennahrung.
Bei der Pulvernahrung ist die Vorbereitung etwas länger. Sie
wird nach Vorschrift und unter strengen hygienischen Gesichtspunkten
immer unmittelbar vor dem Verabreichen frisch zubereitet, da Substrate
ein besonders guter Nährboden für Krankheitskeime sind.
Das Wasser, in welches das Pulver mit einem Schneebesen klumpenfrei
eingerührt wird, muß vorher abgekocht werden und darf
nur handwarm verwendet werden. Vor der Zubereitung desinfiziert man
sich natürlich die Hände und eigenmächtige Zusätze
und Anreicherungen sind tabu. Nach diesen Schritten gibt man die
fertige Nährlösung in einen speziellen Ernährungsbeutel.
Die meisten industriell gefertigten Nährsubstrate werden in
Flaschen geliefert.
Wann immer es möglich wird der Kranke, bzw. Heimbewohner mit
dem vertraut gemacht, was gerade mit ihm geschieht - so auch mit
dem Verabreichungsvorgang.
Ein - für das jeweilige Herstellersystem passendes - steriles
Schlauchsystem wird an die Flasche oder den Ernährungsbeutel
angeschlossen und mit Nährlösung gefüllt. Im Schlauch
sollten sich keine Luftreste mehr befinden. Nun kann das Schlauchsystem
an die Sonde angeschlossen werden - natürlich ohne Kontamination
und unter Ausschluß von Luft.
Jetzt wird bei Schwerkraftsystemen die Einlaufgeschwindigkeit laut
Verordnung einreguliert und während des Einlaufens des öfteren
kontrolliert.
Auch ist darauf zu achten, daß sich keine festen Nahrungsbestandteile
aus der Lösung absetzen und so das System verstopfen können.
Bei der Gabe mittels Ernährungspumpe wird ggf. die Menge eingestellt.
Und das Gerät auf einwandfreie Funktion geprüft. Auch ist
hier das richtige Einlegen des Schlauchsystems in die Pumpe wichtig.
Bei älteren Pumpen ohne Alarmfunktion kann am Ende des Durchlaufes
Luft in den Verdauungstrakt gepumpt werden, was natürlich die
Gefahr der Aspiration heraufsetzt. Eine unbemerkte Lageveränderung
der Sonde kann beim kontinuierlichen Weiterpumpen ebenfalls zur Aspiration
führen. Eine Überwachung ist also dringend notwendig und
muß engmaschig und detailliert durchgeführt werden.
Das Bedienen der Pumpen darf überhaupt nur den Pflegenden obliegen,
die auch in die Handhabung eingewiesen wurden.
Bei Magensonden kann Nährlösung unter Umständen auch
mit einem Spritzenzylinder (bis 100 ml) als Trichter verabreicht
werden. Dazu wird die Sonde abgeklemmt, da keine Luft in den Magen
gelangen sollte. Der Spritzenzylinder wird aufgesetzt und mit Nährlösung
gefüllt, die Klemme an der Sonde wird entfernt und die Nahrung
läßt man nun ohne Druck einlaufen. Der Zylinder muß nachgefüllt
werden, bevor er leergelaufen ist. Auch beim abschließenden
Durchspülen mit Tee darf keine Luft in den Magen gelangen -
die Sonde wird abgeklemmt, bevor der ganze Tee abgelaufen ist. Bei
zu schnellem Einlaufen kann es zu Unverträglichkeiten und Aspiration
kommen. Auch die Gefahr der Kontamination z.B. durch die Spritze
ist hoch. Bei zu hohem Druck kann es sogar zu einer Darmläsion
kommen.
6.2. Verabreichung von Medikamenten per Sonde
Ernährungssonden werden häufig auch zur Verabreichung
von Medikamenten verwendet. Trotz dieser häufigen Praxis gibt
es eigentlich keine Studien zu den möglichen Wechselwirkungen
zwischen Nährstoffen und Medikamenten. Solche Wechselwirkungen
sind schwer vorher zu beurteilen, da grundsätzlich eine fast
unbegrenzte Anzahl von denkbaren Kombinationsmöglichkeiten zwischen
verschiedenen enteralen Substanzen und Arzneimitteln besteht.
Um Beeinträchtigungen der Wirkung zu vermeiden, sollte die
Lage der Sonde und der Wirkungs- bzw. der Resorptionsort des Medikaments
bekannt sein. So ist z.B. die duodenale Applikation von Medikamenten
nicht sinnvoll, wenn diese durch die Magensäure erst verfügbar
werden oder sogar direkt im Magen wirken sollen.
Viele Medikamente bewirken außerdem eine Ausflockung (ähnlich
wie geronnene Milch) der Sondennahrung, was eine Verstopfung der
Sonde verursachen kann.
Deshalb sollte darauf geachtet werden, daß es zwischen Sondennahrung
und Medikamenten wenig "Berührungspunkte" innerhalb der
Sonde gibt. Die gleichzeitige Applikation von Arznei und Nahrung
sollte
vermieden werden. Wichtig ist auch bei getrennter Applikation, daß die
Sonde vor und nach der Medikamentengabe gut durchgespült wir,
um Nahrungs- bzw. Medikamentenreste nicht zu vermischen.
Viele Medikamente gibt es außer in Tabletten auch in flüssiger
Form oder in Zubereitungen für i.v. - Applikation. Nach ärztlicher
und/oder pharmazeutischer Anweisung ist hier ein Wechsel von festen
auf flüssige Darreichungsformen möglich. Unter Umständen
muß in diesem Fall die Dosierung überprüft werden.
Ist jedoch keine andere Darreichungsform erhältlich oder anwendbar,
so müssen die Medikamente in fester Form (Tabletten, Kapseln,
etc.) vor der Applikation sehr gut zerkleinert werden ( Mörser!!!)
und mit Wasser gründlich aufgeschwemmt werden. Auch bei dieser
Methode sollte zuerst der Rat eines Pharmazeuten eingeholt werden,
inwieweit das Zerkleinern Einfluß auf die Freisetzung und Wirkung
des Medikamentes nimmt. Das Zermörsern von Retardtabletten oder
Tabletten mit spezieller Glasur, welche die Wirkstoffe erst an einem
bestimmten Ort freigeben soll, ist natürlich absoluter Blödsinn.
6.3. Pflege, Kontrolle und mögliche Komplikationen
Bei transnasalen Sonden wichtig ist die Kontrolle auf richtige Lage.
Bei einer Magensonde sollte die Sondenspitze in der Magengrube liegen.
Kontrolliert wird nach dem Legen und vor jeder Verabreichung von
Nahrungslösung. Folgende Möglichkeiten gibt es:
- Aspiration / pH - Kontrolle
Mit einer Spritze wird etwas Magensaft aspiriert und mit Indikatorpapier
kontrolliert. Ein saurer pH - Wert (<4) bestätigt die Sondenlage
im Magen, ein alkalischer Wert (>7) zeigt eine duodenale Plazierung
an.
- Auskultation / Luftinsufflation
Mit einer Spritze werden ca. 10 ml Luft unter Druck eingeblasen,
ein Stethoskop wird unter der Sternumspitze angelegt. Nun müßte
ein Einströmgeräusch hörbar sein.
Mund und Rachen werden besichtigt, ob sich die Sonde nicht aufgerollt
hat; Spatel und Taschenlampe werden eventuell benötigt.
Die meisten Sondenmaterialien sind röntgenpositiv oder haben
einen röntgendichten Streifen. Somit läßt sich ihre
Lage gut erkennen.
Außerdem wichtig bei transnasalen Sonden ist die Pflege der
Austrittsstelle. Die Nasenlöcher sind täglich zu reinigen
um den Kranken das Atmen zu erleichtern. Mit Glycerin - und Bepanthensalben
kann man die Nasenschleimhäute feucht halten. Das Fixieren der
Sonde sollte nicht immer an der gleichen Stelle erfolgen, da sich
sonst eine Heftpflasterallergie oder eine Hautschädigung ausbilden
kann.
Wichtig bei transkutanen Sonden ist die Pflege der Austrittsstelle.
Das umfaßt die zu Beginn tägliche Inspektion und einen
sterilen Verbandswechsel. Ist die Wunde abgeheilt, genügt ein
Verbandswechsel aller 2 - 3 Tage.
Grundsätzlich bei allen Sonden müssen die Kranken über
Mißempfinden oder Übelkeit befragt werden. Um Verhärtungen
und Blähungen zu erkennen, wird der Abdomen abgetastet. Die
Darmentleerung muß ständig überwacht werden und zur Überprüfung
des funktionierenden Abflusses in den Dünndarm wird Mageninhalt
aspiriert und kontrolliert.
Die Sonde wird regelmäßig mit Kamillen-, Pfefferminz
- oder Fencheltee oder mit stillem Wasser gespült.Und zwar erfolgt
dies vor und nach jeder Nahrungszufuhr, vor und nach jeder Medikamentengabe,
wenn Mageninhalt in die Sonde aspiriert ist. Außerdem täglich,
wenn die Sondennahrung für mehrere Tage unterbrochen wurde.
Fruchtsäfte oder Früchtetees sollte keine Verwendung finden,
weil sie durch Gerinnen der Nahrung zum Verstopfen der Sonde führen
können.
Das Überleitsystem muß täglich gewechselt werden
und alle Arbeitsschritte am Ernährungssystem müssen unter
hygienisch einwandfreien Gesichtspunkten erfolgen. Dazu gehört
auch eine hygienische Händedesinfektion.
Die Mundpflege hat großen Stellenwert, da die Kautätigkeit
und der Speichelfluß während der Zeit der Sondenernährung
stark eingeschränkt sind. Infektionen wie Soor und Parotitis
können sich im Mund schnell ausbreiten.
Wenn irgend möglich sollte der Schluckreflex geübt bzw.
erhalten und der Speichelfluß angeregt werden. Dazu können
kleinere Mengen Flüssigkeit (Fruchtsäfte u.ä.) oral
verabreicht werden. Möglich sind vielleicht auch Joghurt und
Pudding oder das Kauen von Fruchtgummis, Dörrobst und trockener
Brotrinde (nicht bei Schluckstörungen!).
Auf jeden Fall muß die Mundpflege täglich mehrmals und
gewissenhaft ausgeführt werden.
Sondenernährung kann auch vielfältige Komplikationen haben.
Hierzu zählen :
Regurgitation und Aspiration durch
- Zurücklaufen der Sondenkost in flacher Rückenlage
- Überlastung des Magens durch zu große Mengen oder
zu schneller Verabreichung
- Verrutschen der Sonde
Verstopfung der Sonde durch
- Mangelhaftes Spülen
- Verabreichungen fruchtsäurehaltiger Flüssigkeit
Stoffwechselstörungen durch
- Dem Stoffwechsel unangepaßte Kost
Obstipation durch
- Ballaststofffreie Kost
- Flüssigkeitsmangel
Diarrhöen durch
- Zu schnellen Kostaufbau bei reduzierter Verdauungsleistung
- Verabreichung von zu kalter Kost
- Zu schnelle Verabreichung
- Kontamination der Nahrung oder der Sonde
- Unverträglichkeiten der Nahrung / Intoleranz gegen bestimmte
Bestandteile
- Geringe Osmolarität
Infektionen / Reizungen im Bereich der Durchtrittsstelle (PEG) durch
- Kontamination
- Halteplatte
Hautreizungen und Druckstellen der Nase (transnasale Sonden) durch
- Falsche Sondenwahl
- Schlechte / ungünstige Fixation
- Seltener Wechsel der Fixationsstelle
- Nicht ausreichende Nasenpflege
Pneumonie infolge von
- Zu flacher Atmung (nasogastrale Sonde)
- Aspiration
Affektionen im Mund durch
- Fehlende orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
- Verringerter Speichelsekretion
Bei transnasalen Sonden kann ein Mißempfinden im Nasen - Rachenraum
entstehen - meist durch Austrocknung der Schleimhäute. Ein Kaugummi
kann hier (wenn möglich) Abhilfe schaffen.
6.4. Dokumentation
Eine sorgfältige Handhabung und regelmäßige Überwachung
ist die effektivste Maßnahme, um Komplikationen zu vermeiden.
Die Dokumentation aller Ernährungsdaten und Beobachtungen während
der Ernährung ist deshalb sinnvoller Bestandteil in der Pflege
dieser Patienten.
Zunächst sollten alle Daten dokumentiert werden, die die täglich
zugeführten Nährstoffe und Medikamente betreffen. Dazu
gehört Art und Menge (ml bzw. kcal/kj) der betreffenden Sondennahrung,
Zufuhrgeschwindigkeit, Flüssigkeitsmenge, evtl. zusätzlich
aufgenommene Speisen sowie Applikationsformen und Dosierung von Medikamenten.
Klinische Beobachtungen sind ebenfalls zu protokollieren. Hier finden
sich oft wichtige Hinweise auf Komplikationen. So ist der Bewußtseinszustand
ausschlaggebend für eine eventuell erhöhte Aufmerksamkeit
bezüglich Aspiration.
Gemeinsam mit den Ernährungsdaten ermöglichen die Beobachtungen
aber auch eine Einschätzung über den Erfolg der Ernährungstherapie
(z.B. Gewichtsverlauf). Alle Beobachtungen können Auswirkungen
auf die gesamte Pflege und Therapie haben.
Die Flüssigkeitsausscheidung und die tägl. Gewichtszunahme
(max. 250g/Tag!) können Anhaltspunkte für eventuell auftretende Ödeme
geben, die ebenfalls sofort dokumentiert werden müssen.
Haut (an der PEG-Austrittsstelle) und Schleimhäute (Nasen-Rachenraum
bei transnasalen Sonden) werden auf Reizungen und Entzündungen
beobachtet.
Der Stuhl (Obstipation/Diarrhoe) kann hinsichtlich einer mangelnden
Ballaststoff- oder Wasserzufuhr verändert sein und sollte daher
auch dokumentiert werden.
Eine Gewichtskontrolle sollte 2 x wöchentlich erfolgen. Laborparameter
wären wünschenswert.
Das Entfernen einer Sonde geschieht nur nach ärztlicher Anordnung
und geschieht folgendermaßen:
- Patienten informieren
- Handschuhe anziehen
- Fixierung lösen (evt. Mit Benzin)
- Sonde mit etwas Wasser spülen und abklemmen (Dadurch verliert
die Sonde keinen Magensaft beim herausziehen)
- Bewohner tief atmen lassen und die Sonde zügig aber vorsichtig
unter leichter Drehbewegung herausziehen und um die Hand wickeln
- Handschuh über die aufgewickelte Sonde stülpen und
sachgemäß entsorgen
- Nase und Mund gründlich reinigen und pflegen
- Bei Sondenwechsel anderes Nasenloch verwenden
- Pflege" Juchli
- Pflegeleitfaden Altenpflege" Sittler/Kruft
- Die Pflege des alten Menschen" M. Seel
- Altenpflege in Ausbildung + Praxis" Köther/Gnamm
- Praxis der enteralen Ernährung" Fa. Fresenius
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