Schlaganfall
Schlaganfallpatienten sind zu 50 % jünger als 65 Jahre, 20
% sind jünger als 50!
Erkrankungen der Hirngefäße sind nach Herzerkrankungen und
Krebs die dritthäufigste Todesursache.
Weltweit sterben jährlich 4.6 Millionen Menschen am Schlaganfall,
350 000 erkranken
jährlich in der Bundesrepublik.
» Entstehung
- Zerebrale Mikroangiopathie
oder kleine Verengungen der Hirngefäße durch
z.B. Arteriosklerose, also Gefäßveränderungen wie Kalkablagerungen,
Cholesterinablagerungen, die zu einem Verlust der Elastizität der
Gehirngefäße führen und die Gefäße verengen.Kommt
hierzu noch ein erhöhter Blutdruck der zuleitendenden Gefäße,
so ist die Gefahr einer Thrombose- also der Loslösung eines Blutgerinnsels
sehr groß. Wenn sich das Blutgerinnsel irgendwo festsetzt, ist
die Blutzufuhr an dieser Stelle unterbrochen. Im Gehirn können sich
so kleine abgestorbene Herde von Gehirnzellen bilden- bis zu 10 mm Durchmesser.
-Zerebrale Makroangiopathie
ebenfalls Verengungen der hirnversorgenden Gefäße durch
die genannten Ursachen, hier ist die Größe der Verengungen
bzw. der verengten Gefäße ausschlaggebend. In der sogenannten
Duplexsonografie werden die Arterien zum Hirn hin untersucht; bei
einer Angiografie können mit Hilfe von Kontrastmitteln Engstellen
aufgespürt werden.
Es kann einen akuten Verschluß durch eine Embolie aus den hirnzuleitenden
Arterien geben- dies wäre der Hirninfarkt durch Embolie, vergleichbar
einem Herzinfarkt.
Die zweite Möglichkeit ist der hämodynamische Infarkt- hinter
der Engstelle im Gehirn herrscht niedrigerer Blutdruck als davor. Wenn
nun der Blutdruck durch die Tagesschwankung, z. B. in den frühen
Morgenstunden oder nachts, von selbst niedriger wird als zu Spitzenzeiten,
wird hinter der Engstelle nicht mehr durchblutet- es kommt zu sogenannten
Endstrom- oder Grenzzoneninfarkten.
Nach 12 Sekunden unterbrochener Blutzufuhr tritt Bewußtlosigkeit
auf: nach 3-4 Minuten nicht mehr behebbares Absterben der Nervenzellen.
Zerebrale Mikro- und Makroangiopathien machen ca. 85 % der Schlaganfälle
aus.
Zentrale Massenblutung
Einreißen von angeborenen Gefäßaneurysmen- Gefäßmißbildungen
wie Erweiterungen oder Wandschäden der Blutgefäße.
Meist reißen diese Gefäße durch Blutdruckspitzen oder
ständig hohen Blutdruck und bluten in das Hirngewebe. Die Schädigung
entsteht durch den Druck des austretenden Blutes- das umliegende Hirngewebe
kann nicht mehr ausreichend durchblutet werden und stirbt durch den Dauerdruck
ab.Subarachnoidblutung- angeborene
Aussackung eines Gefäßes platzt- sehr heftige Kopfschmerzen
sind hier das Zeichen.
» Risokofaktoren
Diabetes mellitus
Hypertonie über 160 mmHg
durch eine Senkung des systolischen Drucks um 11 mm/Hg kann das Risiko
um 36 % herabgesetzt werden
frühere Thromboembolien
Herzvergrößerungen im Röntgen-Thorax
Gefäßveränderungen durch Arteriosklerose, Cholesterinablagerungen,
Rauchen
Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, Linksherzinsuffizienz
hoher Alkoholkonsum,
lt. französischer Studie an Migräne-Patientinnen unter 45 Jahren
14 faches Risiko
1/3 aller TIA transitorisch ischämische Attacken Patienten erleiden
innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Apoplex
» Warnzeichen eines Schlaganfalles
plötzliche Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl,
plötzliche Artikulationsschwierigkeiten wie z. B. Wortfindungstörungen,
Sehstörungen wie z. B. Doppelbilder, schlagartig einsetzende,
rasende Kopfschmerzen, plötzliches Schwindelgefühl, vor
allem Drehschwindel, Gehschwierigkeiten, Schluckstörungen, Gesichtslähmungen-
Mundwinkel hängt herab, Augenlid schließt nicht richtig,
gestörte Feinmotorik auf einer Seite- man greift daneben etc.
eventl. Erbrechen
Beim akuten Schlaganfall können je nach Größe des
abgestorbenen Hirngewebes wenige bis alle genannten Symptome auftreten.
Der Zeitfaktor der einsetzenden Erstbehandlung im Krankenhaus entscheidet über
die Zukunftsprognose!
Durch CT, Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße- Dopplersonographie,
Duplexsonographie- wird Ursache abgeklärt, EKG, ob Herzrhythmusstörungen
vorliegen,evntl. Ultraschalluntersuchung des Herzens- Echokardiographie-
mögliche Blutgerinnsel im Herzen, die Ausgangspunkt für
Hirnembolien sind
Die einsetzende Behandlung im Krankenhaus richtet sich ganz nach der
Ursache des Apoplexes- ob Durchblutungsstörung, Hirninfarkt oder
Blutung.
Thrombolyse bei Blutpfropf. Den Blutdruck wird man in der Akutphase nicht
rapid senken. der Blutzuckerspiegel ist durch den Apoplex ebenfalls betroffen,
auch bei Nichtdiabetikern, die Körpertemperatur darf nicht zu hoch
liegen und Begleitinfekte müssen vermieden werden.
In der BRD gibt es ca. 40 Schlaganfallsofortzentren, sogenannte
Stroke Units- z. B. in München-Harlaching
Medikamentöse Vorbeugung: Acetylsalizylsäure- Ausnahme Magen-Darm,
Asthma, Ticlopidin- Clopidogrel, alles Thrombozytenaggregationshemmer
Marcumar- Therapie bei kardioembolischen Hirninfarkten
Bei höhergradigen Gefäßstenosen mehr als 70 %, sollte
operativ behandelt werden
» Schädigungen durch Schlaganfall
Allgemeine Symptome der Halbseitenlähmung
Je nach Ort des Geschehens und der Größe der abgestorbenen
Hirnsubstanz wechseln auch Art und Ausmaß der Schädigung,
da alle Sinne durch das Gehirn koordiniert und gelenkt werden.
•
Lähmung von willkürlichen Bewegungen und
Verlust der Sitzhaltung
Gefühlsbeeinträchtigungen sowohl der Oberfläche wie
auch die Tiefe
Das Gefühl für die betroffene Seite vermindert sich oder kommt
sogar ganz abhanden. Wenn diese Patienten auf der betroffenen Seite liegen,
haben sie das Gefühl, in ein großes Loch zu fallen.
Auftreten abnormer Reflexe
Reflexe, die nur beim Neugeborenen normal sind, treten nach Schlaganfall
u. U. wieder auf, so der asymmetrisch-tonische Nackenreflex oder der
Greifreflex.
• Verlust normaler Stütz- und Gleichgewichtsreaktionen
Beim Halbseitengelähmten fehlen die Stütz- und Gleichgewichtsreaktionen,
die ein gesunder Mensch hat.
• Gesichtsfeldausfälle
Durch eine Unterbrechung der Sehbahnen kommt es zu gleichseitigen Gesichtsfeldausfällen.
• Lähmung des Gesichtsnervs
Störungen der Mimik auf der betr. Seite, fehlender Lippenschluß,
dadurch Speichelfluß, erschwertes Kauen. Unterlid des Auges kann
ebenfalls herunterhängen-Gefahr der Hornhausaustrocknung
• Lähmung des Augenbewegungsnerves
Augenwendung zur nicht betroffenen Seite, Sehvermögen kann durch
Doppelbilder beeinträchtigt sein.
• Lähmung des Nervs, der den Schluck- und Kaureflex
bewirkt
Erhöhte Aspirationsgefahr
• Sprach- und Sprechstörungen
Man unterscheidet zwischen zwei Sprachzentren, das vordere motorische
Sprachzentrum, -Broca Zentrum-dessen Beeinträchtigung zu Störungen
der Sprachproduktion führt, das hintere sensorische Sprachzentrum-Wernicke
Zentrum-, bei dessen Ausfall es zu Störungen des Sprachverständnisses
kommt.
• Bewußtseinsstörungen
Die Ursache für Bewußtseinsstörungen- meist im Akutstadium-
ist ein Hirnödem.
• Urin- und Stuhlinkontinenz
Urin- oder Stuhlinkontinenz sind keine zwangsläufigen Folgen des
Schlaganfalls, da die Muskulatur im Beckenbodenbereich kaum betroffen
ist. Meist handelt es sich um eine vorübergehende Symptomatik.
• Störungen koordinierter Handlungen und Bewegungen
Apraxie- Sie wird nicht durch motorische Ursachen oder intellektuelle
Beeinträchtigung verursacht, sondern die sinnvolle Aneinanderreihung
von Bewegungs- und Handlungselementen ist gestört.
• Störungen des Erkennens
Die einzelnen Merkmale eines Gegenstandes werden zwar normal gesehen,
aber nicht zu einem sinnvollen Bild zusammengefügt- Gegenstände
auch verwechselt- Kamm mit Zahnbürste z. B. - Störungen,
vertraute Gesichter zu erkennen.
• Räumliche Orientierungsstörungen
Fehleinschätzungen von Entfernungen, Größenverhältnissen,
der eigene Körper wird nicht mehr symmetrisch empfunden, sondern
die Körperachse verschiebt sich zur betroffenen Seite hin, Gliedmaßen
werden nicht gefunden.
• Neglectphänomen
Die betroffene Seite wird nicht mehr wahrgenommen, selbst Schmerzreize
nicht beachtet.Auch Dinge oder Geräusche, die von der betroffenen
Seite herkommen oder dort stehen, werden nicht wahrgenommen, obwohl
die Sinnesorgane O. K. sind.Die eigene Krankheit oder die eigenen Fähigkeiten
werden nicht realistisch gesehen, Patienten verleugnen die Tatsache,
gelähmt zu sein, gelähmte Gliedmaßen werden als Prothesen
bezeichnet
• Psychische Veränderungen
Depressionen, Reizbarkeit, Verstimmungen, Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit,
Stimmungsschwankungen, Verlangsamung etc. können die Folge sein.
» Entstehung der Spastik
Hypotonus |
normaler Tonusbereich |
Hypertonus |
Schlaffe Lähmung |
Spielwelt Standwelt |
Spastik |
|
niedrig genug für
Bewegung
|
hoch genug für
Haltung
|
Wenn die steuernde, koordinierende Aktivität der motorischen
Rindenfelder unterbrochen ist, kann die Muskelspannung vom Gehirn
nicht mehr reguliert werden, und es kommt zur Spastik. Spastik ist
eine unwillkürliche und unkontrollierte Muskelaktivität.
Bei der Spastik entstehen oft Bewegungsmuster oder Reflexe, die im
Säuglingsalter vorkamen, beim erwachsenen Menschen aber völlig
fehlen.
Die schon genannten Stroke- Units setzen auf eine sofortige Behandlung
nach der Akutphase, in der durch ein multiprofessionelles Pflegeteam
aus Logopäden, Krankengymnasten, rehabiltitaionsgeschultem Pflegepersonal,
Ergotherapeuten eine möglichst schnelle Wiederherstellung der
Beweglichkeit und der Ausfallserscheinungen in Bezug auf Sprache
etc. angestrebt wird.
» Das Bobath-Konzept
Von der Krankengymnastin Berta Bobath und ihrem Ehemann, dem Arzt
Dr. Karl Bobath wurde dieses Therapiekonzept entwickelt und wird
weltweit angewandt.
Der Grundgedanke des Konzeptes ist der, daß ein Gehirn lebenslang
lernfähig bleibt und durch geeignete und richtige Reize Nervenzellen
aktiviert, die normalerweise nicht mit einer Funktion belegt sind.
So können neue Stromkreise gebildet werden, um die Stelle zu überbrücken,
die durch das Absterben von Nervenzellen durch den Insult nicht mehr
funktionsfähig ist.
Grundlagen: -
Jede Bewegung, auch eine einseitige Bewegung, wird in beiden Hirnhälften
geplant,
-Jede Stellung und Bewegung des Körpers oder der Gliedmaßen
wird über Sinneswahrnehmung an das Gehirn rückgemeldet.
-Das Gehirn kann auch falsche Dinge lernen.
der Mensch lernt und behält ungefähr
20% durch Hören
30% durch Sehen
50% durch Hören und Sehen
70% worüber er selber spricht
90% was er selbst ausführt
» Wichtigste Regel für Angehörige:
Fördern und Fordern
keine Überversorgung durch zuviel Hilfsbereitschaft
1. Bett so stellen, daß der Patient über die betroffene
Seite zur Tür, zum Besucher, zum Nachtkästchen schauen
muß
2. Kein Galgen
3. Kein Stock für die gute Seite
4. Immer beidseitig bewegen lassen, Hand immer mitnehmen
5. Raus aus dem Bett und im normalen Stuhl sitzen lassen,
6. Kein Rollstuhl
7. Bett ganz flach
8. Nicht unter den Achseln fassen und hochziehen- Schultersyndrom
9. Unbedingt Schmerzgrenze beachten
10.Keine Handrolle geben Greifreflex-Spastik
11.Keine Fußstütze- Streckspastik
12.Krankengymnastik ist bereits am zweiten Tag- wenn es der Kreislauf
erlaubt-möglich
» Nach ihrer Wertigkeit sind die Lagerungen:
1. Sitzen im Stuhl am Tisch
2. Lagerung auf der gelähmten Seite
3. Lagerung auf der "guten" Seite
4. Sitzen im Bett
5. Rückenlage
Diese Lagerungen sollte man sich unbedingt mehrmals von einer Fachkraft
zeigen lassen und unter Anleitung selbst ausführen, bis man
sie sicher beherrscht
Bilaterale Armführung:
Ziele sind: Schutz des betroffenen Armes vor Belastungen und Verletzungen
Führung des Armes außerhalb des spastischen Beugemusters
Verbesserung der Körpersymmetrie
Weitere Hilfen für den Schlaganfallgeschädigten:
Bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken, Anziehen usw.
Gegenstände in die betroffenen Hand geben und die Hand führen-
so wird durch den taktil-kinästhetischen
Sinn ein richtiger Anreiz für das Gehirn gegeben. Unbedingt ermutigen,
die betroffene Seite, den Arm, das Bein auch einzusetzen
Quellen:
Geriatrie-Praxis 3/99
Die Pflege des Hemiplegiepatienten nach dem Bobath-Konzept Thieme Verlag
Herz-Kreislauf-Erkrankungen Dreisam Verlag
Krankenpflege-Journal 8/97
Copyright: Christel Satter, Temporaire- Sozialmanagement GmbH
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