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Mitglied im Pflegenetz
Autor: Hendrik Kohnert
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Intregrative Validation

nach Nicole Richard ®


Die 4 Stufen der IVA


I ) Gefühle und Antriebe des Gegenüber wahrnehmen

Mögliche Antriebe bzw. Gefühle die situativ empfunden werden können:

Antriebe

Gefühle

Fürsorge

Pflichtbewußtsein

Tierliebe

Ordnungsinn

Humor

Strenge

Genauigkeit

Großzügigkeit

Blumenliebe

Verläßlichkeit

Ratlosigkeit

Religiosität

Gerechtigkeitssinn

Fleiß

 

Eile

Not

Kummer

Zorn

Aufregung

Sorge

Gefühle

Angst

Unruhe

Sehnsucht

Mißtrauen

Liebe

Wut

Zufriedenheit

Hilflosigkeit

Trauer

Verzweiflung

Freude

Ärger

Leid

Empörung


P )Individuelles validieren

Gefühle und Antriebe benennen und in kurzen klaren Sätzen wiedergeben.

Der Patient fühlt sich von uns verstanden und akzeptiert in seinem handeln (denken). Eine Brücke wird geschlagen und es entsteht vertrauen, was dazu führt das die Gefühle wie durch ein offenes Ventil abfließen können. Wichtig ist das wir dem Patienten nonverbal so gegenübertreten wir er uns anspricht, schreit er schreien wir, ist er traurig reden wir leise und mit ruhiger Stimme.

Sie platzen ja vor Wut Sie kennen Ihre Pflichten Auf Sie ist verlaß Nichts als Ärger den ganzen Tag

Sie müssen ihre Pflicht tun Sie haben Wut im Bauch

Sie haben große Sorge Sie finden keine Ruhe


Sie sind völlig außer sich Sie sitzen wie auf heißen Kohlen

Da kann man verzweifeln Da kann man den Kopf in den Sand stecken

Sie freuen sich Da möchte man am liebsten platzen

Sie sind fleißig Sie sind in Eile

Von Gott und der Welt verlassen Sie sind in Not

Das bereitet Ihnen Kummer

I I I )Allgemeines validieren

  • Gefühle und Antriebe werden verallgemeinert (Volksmund, Folklore)
  • Der Patient fühlt sich allgemein verstanden, denn der Volksmund hat immer recht.
  • Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen
  • Mutter bleibt man ein Leben lang
  • Trau, schau, wem
  • Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
  • Was Recht ist, muß Recht bleiben
  • Zuhause ist es auch am schönsten
  • Daheim ist daheim
  • Mutter ist die Beste
  • Ordnung ist das halbe Leben
  • Überall muß man die Augen drauf haben
  • Wenn die Pflicht ruft
  • Mit dem eisernen Besen kehren
  • Vertauen ist gut, Kontrolle ist besser
  • Das bringt das Fass zum überlaufen
  • Ärger bis zum schwarz werden
  • Das ist auch zum Haare raufen
  • Ein schweres Päckchen tragen müssen
  • Etwas aus dem "ff" beherrschen
  • Das geht auf keine Kuhhaut
  • Immer der Nase nach
  • Ein Herz und eine Seele
  • Das schlägt dem Fass den Boden aus
  • Da ist Hopfen und Malz verloren
  • Dagegen ist kein Kraut gewachsen
  • Sich regen bringt Segen
  • In der Zwickmühle stecken
  • Es ist zum die Wände hochgehen

I V)Biographisch validieren

Was hat der Patient in seinem Leben erlebt? Bezüge zwischen „damals“ und der heutigen Situation finden.

BSP: Gefühle „Verzweiflung, Not, Kummer“ – Sie mußten immer stark sein, alleine im Krieg die Kinder durchgebracht, etc..

Beispiele:

Frau Meier möchte nach Hause und Ihre (bereits verstorbene) Schwester besuchen, da diese heute Geburtstag hat.

Ohne Validation würde die Situation wohl folgend aussehen:

Dialog zwischen Pflegekraft und Frau Meier:

Meier: Ich will jetzt nach Hause, meine Schwester hat heute Geburtstag und ich will Sie nicht länger warten lassen.

Pflegekraft: Frau Meier das geht leider nicht, es ist niemand da der Sie nach Hause bringen kann.

Meier: Das macht nichts ich laufe gerne, ich kenne mich hier aus.

Pflegekraft: Aber Sie werden doch nachher nach Hause gefahren Frau Meier, Sie sind doch hier in der Tagespflege und der Zivi bringt Sie später nach Hause.

Frau Meier versteht nicht was eine Tagespflege oder geschweige ein Zivi ist. Ihre Emotionen steigen an, denn Sie fühlt sich eingesperrt und nicht verstanden.

Meier: Nun hören Sie mir mal zu, ich will jetzt nach Hause zu meiner Schwester, sie können mich hier doch nicht einsperren.

Pflegekraft; Frau Meiner beruhigen Sie sich doch erstmal, es gibt gleich Kaffee- kommen Sie wir schauen mal ob er schon durchgelaufen ist.

Die Pflegekraft harkt Frau Meier ein, diese möchte dies aber nicht und schlägt um sich. Sie fühlt sich nun noch mehr eingeengt. Dies Beispiel könnte man noch weiter spielen, Aussagen wie „Ihre Schwester ist schon lange tot“ oder „Sie sind hier in einem Heim und haben kein Zuhause mehr“ sind auch noch gute Möglichkeiten, die Verwirrten mehr zu verwirren.

In der Dokumentation wird natürlich gleich eintragen – Frau Meier ist heute aggressiv und schlägt um sich. Wenn dies öfter Auftritt wird der Arzt verständigt und schnell mal etwas zur Beruhigung verschrieben.

Diese oder ähnliche Situationen werden täglich sicherlich 1000 Fach in Deutschen Heimen passieren. Mit Wertschätzung und geschweige denn mit Fachlichen Umgang (Wissen) hat dies nichts zu tun. Obwohl wir alle wissen, das dementiell Erkrankte in Ihrer Welt leben, mißachten wir dies meist, da wir oft nur eine „alte verblödete“ sehen und nicht einen Menschen der sich halt nicht so verhält wie wir es am liebsten hätten (Idealbild des alten und ruhigen Mütterchens) - Eigentlich recht paradox wenn man bedenkt das Allewelt von Aktivierung, Bezugspflege und Empathie spricht. Unser Ziel muß es also sein, nicht die dementiell Erkrankten in unsere Welt zu schleifen (wie dies noch oft geschieht), wobei dies ja auch nicht möglich ist und nur Probleme erzwingt, sondern wir müssen in Ihre ver-rückte Welt eintauchen. Eine Welt die für uns zwar oft nicht nachvollziehbar ist, aber trotzdem für die Erkrankten Realität bedeutet. Wenn wir dies schaffen, können wir von Wertschätzung reden. Dies beinhaltet natürlich auch, das wir Frau Meier nicht ihr Glas wegnehmen nur weil sie den Kaffee und Apfelsaft gemischt hat. Wir müssen uns immer vor Augen halten wer das Problem damit hat! Dazu eine Frage - Wird Frau Meier daran ein körperlichen Schaden nehmen? Antwort – Nein. Also hat Frau Meier kein Problem sondern wir, denn für uns ist dies Verhalten nicht „normal“ und deshalb müssen wir es beseitigen (Glas auskippen und noch schimpfen was das wieder soll).

Validation hilft zwar dabei ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, allerdings hilft es niemanden der in der dementiell Erkrankten eine alte verblödete sieht. Bevor man sich mit Validation beschäftigt, muß die Grundeinstellung überdacht und geändert werden (auch wenn dies Anfangs schwer fällt). Nur so können wir eine zeitgerechte, menschenwürdige und fachliche Dementenpflege hervorbringen.

Gleiche Situation mit Validation:

Meier: Ich will jetzt nach Hause, meine Schwester hat heute Geburtstag und ich will Sie nicht länger warten lassen.

Pflegekraft: Sie sind in Eile

Sie sind völlig außer sich

Meier: Ja ich kann Ihnen sagen. Sie wartet bestimmt schon.

Pflegekraft: Sie finden keine Ruhe

Auf Sie kann man sich verlassen

Meier: Ja

Pflegekraft: Zuhause ist es auch am schönsten

Sie waren schon immer ein pflichtbewußte Frau. Sie kannten Ihre Pflichten, besonders im Beruf.......

Das Beispiel zeigt, dass die Gefühle und Antriebe von Frau Meier ernst genommen wurden und dadurch eine Konfliktsituation wie bei dem obigen Beispiel gar nicht aufgetreten ist. Der geneigte Leser mag jetzt Fragen, schön nun hab ich validiert und Frau Meier will nicht mehr nach Hause, aber in 30 Minuten fängt das ganze wieder an. Dazu kann ich nur eines sagen, durchhalten. Man benötigt ein gutes Team, denn alleine den ganzen Tag dies durchzuhalten ist sehr schwierig. Außerdem kann durch Validation das Bedürfnis nach Hause zu gehen langfristig gelöst werden.

Es werden natürlich nicht nur negative Gefühle validiert. Sondern auch einfache Dinge, wie wenn Frau Meier sich freut weil ......, oder wenn sie fleissig ist und die Handtücher faltet, ect....

Abschließend möchte ich sagen, dass die Integrative Validation mich auf einen neuen Weg der Pflege gebracht hat und ich diesen Weg in der Zukunft weiter ausbauen werde. Ich hoffe das ich jeden Interessierten einen kleinen Einblick in die IVA verschaffen konnte und wünsche allen viel Spass mit dem neuen Wissen.

Fragen oder Anregungen?

Schreibt einfach eine Email an: Henni666@gmx.de

Gruss Hendrik Kohnert

Autor: Hendrik Kohnert
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