Fixation - pflegerische Möglichkeiten
und Grenzen
Inhalte:
Erleben von Fixierung
Rechtliche Aspekte
Gruppenausarbeitungen
Deeskalisationsstrategie
"Fixierung muss das letzte zur Verfügung stehende Mittel
sein"
» Erleben von Fixierung:
einerseits....
- "Vergewaltigung", der Wille wird gebrochen
- Demütigung
- Entwürdigung
- Bewegungslos
- "Machtlos und Ausgeliefert" sein
- Angst und Bedrohung
aber andererseits auch....
- Entlastung
- Zuwendung
- "nicht allein sein"
- "Erlösung"
» Rechtliche Aspekte:
» widerrechtliche Fixierung
stellt eine Freiheitsberaubung gemäß § 239
STGB dar,
eine handelnde Pflegekraft kann deshalb zu Schadensersatzleistungen herangezogen
werden
» ohne Einwilligung des Pat. kann eine
Fixierung angeordnet werden bei:
» Notwehr (§32StGB): liegt dann vor,
wenn ein Pat. einen Mitpat., PP. oder Besucher angreift
» Notstand (§34StGB): schwere Fremd-
oder Autoaggressivität, deutliche Zeichen unmittelbar drohender
und erheblicher Gefahren für sich und andere sind zu erkennen,
aufgrund einer Bewegungsunruhe, die sich oder andere mit hoher wahrscheinlichkeit
einen Schaden zufügen
» Pat. die gemäß Psych-KG gerichtlich
untergebracht sind (§261 Psych-KG)
» Die Fixierung ist grundsätzlich
nur nach ärztlicher Anordnung möglich.
Ausnahme: bei Eskalation, die ärztliche Anordnung muss dann unverzüglich
nachgeholt werden
Gruppenausarbeitungen:
Entwicklung eines Durchführungsstandards für eine Fixierung
Die Fixierung soll das letzte Mittel der Wahl sein.
Im Vorfeld sollen folgende deeskaliesierende Maßnahmen greifen.
Dazu gehört, brisante Situationen bereits im Vorfeld zu erkennen.
Ablenkung
- Spaziergang, Joggen
- essen, trinken, rauchen
- Boxsack
- Entspannung
Medikation
- besprechen, anbieten und verabreichen
"Gesprächspartner"
- Chef- / Oberarzt
- Mann / Frau
- jung / alt
- Zivi / Fachpflegepersonal
"Grenzen setzen"
- Realitätsüberprüfung
- Stationsordnung
- Agierfeld vermeiden
- Sachebene herstellen
» Im direkten Vorfeld vor der Fixierung:
» die Entscheidung muss getroffen sein /
Anordnung
» "Übermacht" herstellen
und Info im Dienstzimmer
- Pat. und Situation schildern
- klären, wer das Gespräch führt, wer das Zeichen
zur Fixierung gibt
- Fixbett nutzen oder Material bereitstellen
- Info über Sicherheitsvorkehrungen (Brille, Uhr, Schmuck)
- Pat. auf's Zimmer bitten / Angehörige und Mitpat. wegschicken
- das unumgängliche der Fixierung dem Pat. mitteilen,
- zur Kooperation auffordern um unnötige Gewalt zu vermeiden
- den Pat. auf's Bett bringen
- jetzt eine Extremität nach der anderen fixieren, Gerangel
vermeiden
- Fixierung überprüfen (so sicher wie nötig, so
locker wie möglich)
- gefährliche Gegenstände entfernen (Feuerzeug, Glas
etc.)
- alle verlassen das Zimmer (nur Sichtkontakt)
- Nachbesprechung
- neue, neutrale Kontaktaufnahme
- Pat. über Fixierung und weiteres Vorgehen informieren (Grund,
Zeit...)
- Pat. Auswahlmöglichkeiten anbieten (Wasser / Saft ?)
- (Fenster auf / zu ?)
- (darf ich sitzen / stehen ?)
- nach Wünschen und Bedürfnissen fragen
- kleinere Ziele formulieren
Parallel:
Dokumentation
um Mitpat. und Angehörige kümmern
Kontroll-, Überwachungs- und Dokumentationskriterien eines
Pat. in der Fixierung
» auf die Bedürfnisse des
Pat. achten und eingehen
» Überwachungsprotokoll
» ärztliche Anordnung
- Zeitpunkt
- Einzelbetreuung / ...stdl. Kontrolle
- Vitalzeichenkontrolle
- Befindlichkeit des Pat. dokumentieren
- Art der Fixierung
Dokumentation der Fixierung (z.B. anliegen
der Gurte)
Eigengefährdung ausschließen
» Kommunikation
Aufklärung über die Fixierung warum
über Gefühle und Stimmung
welche Veränderung des Verhaltens die
Fixierung beenden könnte
» Ethische Aspekte der Fixierung und der
Begleitung fixierter Pat.
(Ethikkommission)
Ethische Aspekte:
- die würde des Menschen beachten
- Fixierung als letztes zur Verfügung stehendes Mittel
- den Menschen respektieren und mit Empathie begegnen
- "eigenes Menschenbild"
- Lebensqualität ? Sicherheit
» Begleitung:
- nicht grundlos fixieren
- Überlegungen treffen, welche Fixierung erforderlich ist
- erklären, warum und wie
- nicht abwertend den Pat. gegenübertreten
- Intimsphäre achten (z.B. Ruheraum, Einzelzimmer)
- Pat. nicht alleine lassen, (Ansprechpartner, Sitzwache)
falls man den Pat. doch alleine lässt, Hilfsmittel zur Verfügung
stellen (Klingel)
- auf individuelle Wünsche seitens des Pat. eingehen
- Fixierung nicht als Strafandrohung
- Angehörige informieren wenn sie auf die Station kommen
- nach Beendigung der akuten Phase, Fixierung beenden
- wenn möglich die Situation anschließend reflektieren
Kurze Zusammenfassung über Deeskalisationsstrategien
(Text)
Ursachen für gewalttätiges Handeln
Mögliche Ursachen für ein gewalttätiges handeln bei psychisch
Kranken unter zwei Aspekten:
in der Person des Patienten
- als Folge / Ausdruck psychotischen oder neurotischen erleben
- als Folge einer hirnorganischen Wesensveränderung
situative Momente
- Wunschversagung
- Einengung der Freiheit
- Behinderung der individuellen Lebensgestaltung
- zwangsweise Behandlungsmaßnahmen
- Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen Patient und Pflegepersonal
- niedriges Qualitätsniveau des therapeutischen Personals
Häufig treten Aggressionen von Patienten nicht plötzlich
auf, (ohne vorhandene Notfallsituation) sie haben meist einen längeren
Vorlauf.
Oftmals sind Mitarbeiter verschiedener Meinung darüber, warum der
Patient aggressiv ist.
Führungsphilosophie, die auf Gewaltarmut ausgerichtet ist
Eine gewaltarme Führungsphilosophie ist Grundvoraussetzung für
die Vorgehensweisen.
» Entscheidender Faktor:
Zusammenarbeit der Personen innerhalb verschiedener Leitungsebenen.
Sie dienen als Vorbildfunktion.
- ärztliche Abteilungsleitung
- pflegerische Abteilungsleitung
- Stationsleitung
Der Umgang miteinander sollte von Akzeptanz, Respekt und gegenseitigen
Wohlwollen geprägt sein.
Das gewaltarme verhalten der Stationsleitung dient als Orientierung
für die Mitarbeiter im Umgang mit dem Pat.
Herstellen eines gewaltarmen sozialen Millieu innerhalb der Station
Alle Mitarbeiter sind für die Herstellung einer gewaltarmen Athmosphäre
verantwortlich.
Hierbei gilt das Prinzip "Lernen am Modell" und gilt zunächst
für die Form der Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team.
Wenn die Zusammenarbeit von hierarchischen Strukturen(Macht / Funktionen)
bestimmt ist, kommt es bei den Mitarbeitern zu Frustrationen die
an unterer Stelle stehen.
- die Unzufriedenheit des einzelnen Ma. Überträgt sich
auf den Pat.
- die Umgangsformen der MA werden von den Pat. wahrgenommen und
als Vorbild für Auseinandersetzungen untereinander verwendet
» Das Team sollte einen gewaltarmen Stil
Vorleben in der Kommunikation und im Austragen von Konflikten
Dazu gehört:
- Offenheit
- Akzeptanz
- gegenseitiger Respekt
» Einschränkende Maßnahmen begründen
und verständlich machen
- aggressive / gewalttätige Vorfälle dem Pat. erläutern
und verständlich machen
- aggressive / gewalttätige Vorfälle stationsöffentlich
besprechen
» Umgang im multiprofessionellen Team
Einrichtung eines Behandlungssystems um die Beziehung zwischen Bezugspersonen
verschiedener Berufsgruppen und dem Pat. zu nutzen
Koordinierung und Austausch zwischen den verschiedenen Bezugspersonen
aller Berufsgruppen und dem Pat.,
um eine Spaltung zwischen "gut" und "böse" zu
vermeiden
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