Dekubitus
1.Einleitung:
Der heutige medizinische Fortschritt führt zu einer im allgemeinen
höheren Lebenserwartung der Menschheit. Somit steigt der prozentuale
Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung an. In der
Regel befindet sich darunter auch ein großer Teil bettlägeriger
Patienten, die ihren Lebensabend oftmals in Altenpflegeheimen oder
Krankenhäusern verbringen.
Das dortige Pflegepersonal versorgt die typischen, altersbedingten
Probleme ihrer Patienten, unter anderen auch den Dekubitus.
Um ihr Unternehmen wirtschaftlich zu gestalten, müssen Altenpflegeheime
und Krankenhäuser einen optimalen Weg zwischen der Berücksichtigung
der Bedürfnisse ihrer Patienten und der Senkung anfallender
Kosten finden.
2. Dekubitus
Als Dekubitus bezeichnet man einen Gewebedefekt ( Druckgeschwür
), der durch Liegen und Druck von außen an besonders belastenden
und deshalb besonders gefährdeten Körperstellen entsteht.
Der Hauptauslöser dafür ist ein über längere
Zeit anhaltender Druck auf die Blutgefäße des betroffenen
Gewebes mit der Folge einer Ischämie (Mangeldurchblutung)
und Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, wobei
Druck von außen stärker sein muss als der Blutdruck
innerhalb der Gefäße. Dies führt zur Nekrose (Absterben)
des betroffenen Gewebes. Besonders gefährdet sind vor allem
Körperpartien, die ohne, oder nur mit geringer Muskelpolsterung
einem Knochen anliegen.
2.1 Risikogruppen:
Besonders gefährdet sind:
- alte Menschen mit sehr dünner, trockener und unelastischer
Haut
- Bettlägerige Patienten
- Personen mit Durchblutungsstörungen, Herz- und Kreislauferkrankungen
- Inkontinente, stark schwitzende und hochfiebernde Kranke
- kachektische, wie auch adipösen Kranke
- Patienten mit erhöhtem Gewebedruck bei Ödemen und Eiweißmangel
- Diabetiker, Patienten mit Anämie, multipler Sklerose und
onkologischen Erkrankungen
3. Dekubitusprophylaxe
Ziel einer Dekubitusprophylaxe ist das Vermeiden aller möglichen
Entstehungsursachen:
An erster Stelle steht die möglichst großflächige
Druckentlastung und die tägliche Kontrolle der Haut besonders
an den gefährdeten Körperstellen z.B. Steißbein,
Ferse.
Alle Maßnahmen müssen individuell mit dem Kranken (soweit
möglich) und mit dem Pflegeteam gemeinsam geplant werden.
Es sollte eine Norton / Skala verwendet werden.
3.1 Maßnahmen
Druckentlastung beim Liegen
- Umlagerung ca. alle 2 Stunden im Wechsel in eine 30-Grad / Schräglage,
- weiche Lagerungsmaterialien benutzen, wie z.B. Federkissen, Lagerungskissen
u.s.w.
- Hohl- oder Weichlagerung mit entsprechenden Dekubitusmatratzen
Druckentlastung beim Sitzen
- Schaumstoffringe, Gellkissen verwenden
- auf Scherkräfte achten
Förderung der Durchblutung
- Massage der Haut
- Bäder (evtl. mit Zusätzen)
- Stabilisierung des Kreislaufs durch aktive/passive Bewegungsübungen
- Vermeiden von durchblutungshemmenden Faktoren wie z.B. enge Kleidung/Verbände
Schutz der Haut
- Hautpflege mit pH.- neutralen Reinigungsmitteln und W/O- Pflegepräparaten
- sorgfältige Hautpflege bei Inkontinenz
- saubere, faltenfreie Wäsche und saugfähige Unterlagen
- kein Hautkontakt mit Gummi oder Plastik
Sinnvolle Ernährung
- aufbauende Kost bei Mangelzuständen
- Reduktionskost bei Übergeweicht
- reichlich Flüssigkeitszufuhr
4. Behandlung von Dekubituswunden
Spezielle Wundversorgung unter Berücksichtigung des Schweregrades:
Dekubitusbehandlung Grad 1- 4
Grad 1:
- absolute Druckentlastung bis zum Verschwinden der Rötung
- keine lokale Wärme, keine Massagen wegen zu starker Reizung
der Haut
- Beobachtung
Grad 2:
- absolute Druckentlastung
- Hautblase geschlossen halten und steril mit Kompresse abdecken,
aufgrund der Infektionsgefahr
- bei Infektion wird die Blase steril geöffnet; aseptischer
Wundverband
- bei oberflächlicher Hautschädigung: aseptischer Wundverband
Grad 3 und 4:
- absolute Druckentlastung
- bei Infektion immer Wundabstrich
- die feuchte Wundtherapie richtet sich nach der Wundheilungsphase
und der Sekretmenge; bei ausgedehnter Nekrosenbildung chirurgische
Therapie
- bei großen Defekten evtl. Hauttransplantation nach Granulationsphase
erforderlich
5. Pflegedokumentation
In der modernen Kranken - / Altenpflege ist die Pflegedokumentation
unabdingbarer Bestandteil des Alltags. Dennoch wird sie nicht
in allen Einrichtungen praktiziert. Bei Unterlassung kann es
zu „Unfällen“ und falscher Versorgung kommen
, weil das Pflegepersonal nicht über aktuelle Entwicklung
im Krankheitsverlauf oder über neue Medikation unterrichtet
ist.
Auch bei der Wundversorgung ist eine Dokumentation aller Maßnahmen
elementarer Bestandteil der Pflege.
Eine standardisierte Wunddokumentation des gesamten Heilungsverlaufes
bietet jederzeit die Möglichkeit einer aktuellen Analyse.
Die Therapie kann entsprechend des Heilungsverlaufs angepasst werden.
Die Pflegedokumentation dient auch als Beweismittel. Außerdem
wird durch die schriftliche Form eine Menge Zeit eingespart. Wiederholte
mündliche Überlieferung könnte zu Ungenauigkeiten
führen und würde außerdem einen zusätzlichen
Zeitaufwand bedeuten.
6. Aspekte einer Kosten- Analyse
Bei der Wundversorgung müssen zusätzliche Aspekte für
einen Kostenvergleich herangezogen werden.
Der Verbandswechsel erfordert nicht nur Wundauflagen, sondern auch
Einmalhandschuhe, Unterlagen, Spritzen und ähnliches. Dies
verursacht zusätzliche Kosten, die ebenfalls berücksichtigt
werden müssen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Personalkosten.
Eine adäquate Ausführung des Verbandwechsels kann meist
nur durch entsprechendes Fachpersonal vorgenommen werden. Personalkosten
müssen also ebenfalls bei der Kostenberechnung mit einbezogen
werden.
Bei einer Wundversorgung sollte eventuell ein Wechsel von der traditionellen
zur modernen Wundversorgung in Betracht gezogen werden, die Einsparungen
in Bezug auf Zeit und Kosten einbringt.
Die traditionelle Wundversorgung beinhaltet einen mehrmals täglichen
Verbandwechsel, da herkömmliche Verbände schnell durchgeblutet
und fibrinverklebt sind.
Längere Wechselintervalle sind schon aus hygienischen Gründen
nicht akzeptabel. Außerdem würde dann jeder Wundheilungserfolg
durch die immer wieder auftretende Zerstörung des Granulationsgewebes
zunichte gemacht werden.
6.1 Aufstellung Materialkosten pro Verbandwechsel

Dieser erste Schritt des Kostenvergleiches zeigt, dass die Kosten
pro Verbandwechsel bei der modernen Wundversorgung höher sind.
Aber schon in zweiten Schritt, bei der Berechnung der Verbandkosten
pro Wochen sinken die Kosten der modernen Wundversorgung deutlich
unter den Wert der traditionellen Wundversorgung ab.
6.2 Durchschnittliche Materialkosten pro Woche
Man kann eine deutliche Kostensenkung beider Wundversorgungen beobachten.
Grund dafür ist ein deutlich häufigerer Verbandwechsel,
der bei der traditionellen Wundversorgung zweimal täglich anfällt.
6.3 Durchschnittliche Personalkosten pro Woche

Da bei der traditionellen Wundversorgung aus den oben genannten
Gründen der Verbandwechsel erheblich öfter durchgeführt
werden müssen, würde eine Einsparung der Personalkosten
bei der modernen Wundversorgung in der Regel schneller erreicht werden.
6.4 Durchschnittliche Gesamtkosten pro Woche

Jede Woche kostet die traditionelle Wundversorgung durchschnittlich
39,4 Prozent mehr. Das bedeutet, bei einer modernen Wundversorgung
würden Einsparungen von 75 Prozent gegenüber der traditionellen
Wundversorgung erreicht. Berücksichtigt man bei der Berechnung
noch die Schmerzmittel und Antibiotika, so würden daher die
Gegenüberstellung und Kosten noch extremer ausfallen. Aus ökonomischer
Sicht spricht daher alles für einen Wechsel zur modernen Wundversorgung.
Aufgrund der schnelleren Heilung, der besseren Beweglichkeit, der
geringeren Schmerzen beim Verbandwechsel und der verbesserten Lebensqualität
bei der modernen Wundtherapie ist der Nutzen für den Patienten
ebenso offensichtlich.
Außerdem führen kürzere Heilungszeiten zu einem deutlichen
Rückgang bei der Zahlung von Lohnersatzleistungen. Gleichzeitig
sinken auch die Kosten der Krankenversicherungen.
7. Resümee
Aus der vorangegangenen Ausführung ist deutlich hervorgegangen,
dass ein optimales Zusammenspiel zwischen dem Wunsch des Unternehmens
auf Kostensenkung und dem Wunsch des Mediziners auf völlige
Genesung seines Patienten von Nöten ist, um ein optimales Ergebnis
zu erreichen.
Wie heißt es doch so schön:
Nur gemeinsam sind wir stark!
Quelle: Altenpflege in Ausbildung und Praxis – Georg Thieme
Verlag Seite 319 - 322
www.medizininfo.de/wundmanagement/wirtergebnisse.htm
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