Basale Stimulation am bettlägerigen
Heimbewohner
INHALT:
1. Vorbereitungen
1.1 Benötigtes Material
1.2 Raum/Raumgestaltung
2. Biographie des HB
3. Erläuterung der Aktivierung
4. Ziele
5. Geplanter Verlauf des Aktivierungsangebots
5.1 Einleitung
5.2 Hauptteil
5.3 Schluß
6. Reflexion (folgt)
1. Vorbereitungen
1.1 Benötigtes Material
- Räucherkerze
- Zucker + Zimt
- Waschlappen
- Watte
- Körperlotion
- Parfüm
- Kompresse
- Banane
- Musikkassette (Klassik)
1.2 Raum/Raumgestaltung
Die Aktivierung findet im Bewohnerzimmer statt, denn HB ist
bettlägerig.
Der Raum sollte gut geheizt sein, denn HB wird zur Aktivierung
aufgedeckt. Auch sollte er gut beleuchtet sein.
2. Biographie
Leider kann ich nur eine sehr grobe Biographie vorweisen, denn
die Bewohnerin ist nicht in der Lage mir Informationen zu geben.
Sämtliche Informationen stammen von ihrem Ehemann, der mir
auf die Bitte nach einer Biographie versprach selbst eine zu
schreiben (Ich sagte ihm welche Informationen ich benötige),
alles was ich dann bekommen habe, war ein Zettel mit folgendem
kurzen tabellarischen Lebenslauf:
Name: Anna Elisabeth B. geborene R.
Geburtsdatum: 03.02.1926
Religion: katholisch
Familienstand: verheiratet seit 1947
Kinder: 2 Kinder (Junge und Mädchen)
Geschwister: 6 Geschwister Frau B. war die Älteste und hat
ihre Geschwister fast selbst erzogen
Beruf: Hausfrau
Morbus Alzheimer: seit 1985
Ist-Zustand
Diagnosen:
- Morbus Alzheimer
- Diabetes mellitus Typ 2
- Lat. Arterielle Hypertonie
- Chronische Herzinsuffizienz
- Coxarthrose rechts + links
- Zustand nach TEP links
Frau B. ist seit Jahren bettlägerig.
Sie ist voll Hilfsbedürftig.
Sie muß gewaschen werden, das Essen muß angereicht
werden. Sie ist inkontinent, besonders beim Drehen auf die Seite
verliert sie viel Harn. Frau B. ist örtlich, zeitlich, persönlich
und situativ desorientiert.
Sie kann nicht mehr sprechen, sie gibt nur Laute von sich, die
der Babysprache ähneln.
Sie hat Kontrakturen in den oberen Extremitäten, manchmal
stranguliert sie sich beinahe selbst mit ihren Armen. Der restliche
Körper ist steif.
Frau B. hat starke Schluckbeschwerden, sie ist außerdem
stark verschleimt und muß bei Bedarf abgesaugt werden.
Es ist schwierig ihr zu Essen oder zu Trinken anzureichen, da
sie gleich zyanotisch wird. Ihr Mann und Betreuer lehnt aber
eine PEG-Sonde strikt ab.
Um eine Exsikkose zu vermeiden, bekommt sie täglich 1.000
ml Ringerlösung subcutan.
Frau B. erhält regelmäßigen Besuch von ihrem
Mann (jeweils Dienstags, Donnerstags sowie Samstags und an Sonntagen
kommt er immer in Begleitung seiner neuen Lebensgefährtin).
Bis vor kurzem wurde Frau B. dann auch immer in den Rollstuhl
gesetzt, wenn ihr Mann kam, und sie fuhren im Haus spazieren,
aber der gesundheitliche Zustand von Frau B. hat sich in den
letzten Wochen derart verschlechtert, daß es besser ist,
sie im Bett zu lassen.
Begründung des Aktivierungsangebots
Frau B. kann aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr aktiv an ihrer
Umwelt teilhaben. Da sie bettlägerig ist und desorientiert
bekommt sie nur noch wenige Reize und Stimulationen von außen
und kann diese auch nur erschwert wahrnehmen. Basale Stimulation
ist meines Erachtens der einzige Weg, mit der HB in Kontakt zu
treten, denn die verbale Kommunikation ist nicht möglich
(nur einseitig, da HB nicht spricht).
3. Erläuterung der Aktivierung
Als Einleitung wird ein weihnachtliches Musikstück gehört
und eine Räucherkerze angezündet. Dann erfährt
HB beruhigende
Streichungen am Körper mit unterschiedlichen
Materialien (Waschhandschuh, Watte, Körperlotion)
Anschließend wird der Geschmacksinn durch weihnachtliche
Gewürze (Zucker + Zimt) angeregt.
Abschließend wird etwas Wandschmuck angebracht.
4. Ziele des Angebots
4.1 Motorisch – sensomotorischer Bereich
Geruchs- und Geschmackssinn anregen (Räucherkerze, Gewürze)
Tastsinn wird angeregt, durch Streichungen mit verschiedenen
Materialien
Training des Hörens (durch Musik)
4.2 Kognitiv – kreativer Bereich
??? Morbus Alzheimer
4.3 Kommunikativ – sozialer Bereich
Resozialisierung
Vermeidung von Isolation
Schaffung, Förderung und Vertiefung sozialer Kontakte
4.4 Gefühlsmäßiger – emotionaler
Bereich
Wiederbelebung positiver Gedanken und Gefühle
Durch die basalen Erlebnisangebote an angenehme Gedanken und
Gefühle heranführen – Verbesserung der Lebensqualität
Schwerpunkt:
Der Schwerpunkt dieser Aktivierung liegt darin, daß die
HB mit der Außenwelt in Kontakt tritt, daß sie angenehme
Erfahrungen und Empfindungen dabei hat, daß sie sich wohlfühlt.
5. Geplanter Verlauf der Übung
5.1 Einleitung
Ca. 5 min
- Begrüßung der HB / Vorstellen der Lehrkraft verbal
und nonverbal durch Berührung an der Schulter
- Anzünden einer Räucherkerze
- Ein weihnachtliches Musikstück hören
5.2 Hauptteil
Ca. 10 min
- HB erklären was passiert
- HB aufdecken
- Beruhigende Streichungen (in Haarwuchsrichtung) durchführen,
erst mit dem Waschhandschuh, dann mit Watte, dann mit Körperlotion
(die Reihenfolge der Streichungen, sowie die Körperstellen
werde ich hier nicht genau angeben können, da ich vor Ort
versuche zu entscheiden wie und wo ich Streiche – kommt
auf die Verfassung der HB an)
- HB Gewürze schmecken lassen (Gewürze in eine feuchte
Kompresse hüllen, da ich die Gewürze der HB nicht einfach
in den Mund tun kann [zu staubig, außerdem Schluckbeschwerden],
so kann sie durch die Kompresse den Geschmack lutschen / sollte
es mit den Gewürzen nicht klappen, so werde ich es mit einem
Stück Banane versuchen, ebenfalls in eine Kompresse gewickelt)
5.3 Schluß
Ca. 5 min
- Etwas von dem persönlichen Parfüm der HB auf das Kopfkissen
oder ein Taschentuch sprühen
- Adventsschmuck an der Wand anbringen
- Musikstück zum Ausklang hören
- Verabschiedung verbal und nonverbal durch Berührung an der
Schulter
6. Reflexion
Die Aktivierung ist nach ganz Plan verlaufen. Es konnte alles
so durchgeführt werden, wie ich es mir vorstellte.
Die Ziele wurden vermutlich erreicht. Man muß vermutlich
sagen, denn man kann es aufgrund der Alzheimerschen Erkrankung
nicht wissentlich behaupten, was nun wirklich in der Heimbewohnerin
vorging. Auf jeden Fall aber, reagierte sie auf mein Angebot,
denn sie erschien letztlich wacher und aufmerksamer als zuvor
und blickte rege um sich. Inwieweit sie die Gerüche von
Räucherkerzen und Parfüm wahrgenommen hat läßt
sich nur erahnen. Die Weihnachtsmusik schien ihr aber zu gefallen,
ich hatte jedenfalls das Gefühl, als ob sie das wahrnehmen
würde. Vielleicht kam ihr die Musik bekannt vor, es handelte
sich schließlich um allgemein biographiebezogene Weihnachtsmusik.
Die Streichungen hat sie sicherlich wahrgenommen, denn die Hautsensibilität
ist eines der Sinne, die bis zuletzt vorhanden sind. Außerdem
wirkte sie bei den Streichungen weniger verkrampft, öffnete
auch mal die Arme.
Die orale Stimulation durch Zimt+Zucker sowie Banane verlief
gut, ich würde aber sagen, daß die Banane wohl angenehmer
empfunden wurde, denn sie lutschte recht rege daran.
Ich denke auch, daß der optische Reiz gelungen ist, was
mein Weihnachtswandschmuck betrifft, denn sie beobachtete anschließend
die Wand, sicherlich hat sie die Veränderung bemerkt, denn
vorher war die Wand ja ganz kahl.
Die Ziele im motorisch – sensomotorischen Bereich betrachte
ich deshalb als erreicht. Inwieweit läßt sich wie
gesagt nur erahnen.
Ich denke nicht, daß ich im kognitiv – kreativen
Bereich Ziele erfüllt habe. Ich hatte mir, hinsichtlich
der Demenz, in diesem Bereich auch keine Ziele gesteckt.
Im kommunikativ – sozialen Bereich wurde die Vermeidung
von Isolation in Angriff genommen, dieses Ziel ist allerdings
ein Ziel, welches nur erreicht werden kann, wenn man dieses Angebot
regelmäßig fortführt. Dies würde auch die
Schaffung, Förderung und Vertiefung sozialer Kontakte (zumindest
zum Personal) erfolgreich sein lassen. Natürlich auf einem
anderen Niveau als wir normale Kontakte gewohnt sind. Es ist
eben ein eher mentaler Dialog.
Die Ziele im gefühlsmäßig – emotionalen
Bereich betrachte ich als erreicht, denn Frau B. hat mein Angebot
sicherlich als angenehm empfunden (wäre dies nicht der Fall,
so hätte sie sich mehr verschlossen/verkrampft). Die weihnachtliche
Atmosphäre, die ich zu schaffen versuchte, führte die
Heimbewohnerin sicher an positive Gedanken und Gefühle heran
und war in diesem Moment ein Stück Lebensqualität.
Wie gesagt, um die Lebensqualität zu erhalten, muß dieses
Angebot regelmäßig fortgeführt werden.
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