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Basale Stimulation in der Pflege
Die basale Stimulation in der Pflege als Pflegephilosophie soll
die Menschen die wir pflegen ernst nehmen, unabhängig von
ihrem körperlichen, seelischen oder geistigen Verfassung.
Sie ist eine körperliche und geistige Begegnung zweier Menschen.
Eine ganzheitliche Begegnung. Diese Begegnung kommt durch vieles
zusammen, durch Gespräche , Berührungen, geben und nehmen
von Nähe, Wärme, Gerüche und vieles mehr. Es geht
darum den Menschen gegenüber zu akzeptieren und sich selbst
auf den hilfsbedürftigen Menschen einzulassen.
Andreas Fröhlich erwähnt die Begegnung auf Grund einer jüdischen
Philosophie, wo die Identität eines Menschen eine große Rolle
spielt, um den gegenüber besser zu verstehen, um die Position des
anderen einzunehmen um voneinander zu lernen. Denn durch Auseinandersetzung
mit anderen und Begegnungen wird man selbst erfahrungsreicher. Diese
Philosophie ist der Grundstein für die basale Stimulation und für
Begegnungen. Somit gibt es auch 7 Wahrnehmungsbereiche für die basale
Stimulation, wie
1.Die somatische Wahrnehmung
S ie betrifft unser größtes Sinnesorgan, die Haut. Darüber
können wir Reize vermitteln, sowie erfahren. Sie ist wichtig für
unser körperliches und seelische Wohlbefinden. Man kann diesen Wahrnehmungsbereich
nutzen, für beruhigende oder anregende Ganzköperwäsche,
sowie durch gezielte Lagerung, dass der Bewohner Rückmeldung über
seine Körperformen erhält.
2.Vestibuläre Wahrnehmung
Ist für die motorische Steuerung des Körpers und das Gleichgewicht
zuständig. Sie gibt uns die Orientierung über unsere „ Lage
im Raum“.
Um diese Wahrnehmung zu verbessern ist es besser den Bewohner zu mobilisieren,
ihn sitzen lassen, um seine Orientierung zu fördern, auch die Lagerung
fördert die Orientierung (z.B. Seitenlage, Rückenlage) was „oben
und unten“ ist.
3.Vibratorische Wahrnehmung
Vibratorische Reize bekommen wir durch das Gehen sowie durch das Sprechen.
Diese Wahrnehmung ist die Grundlage für unser Körper- Ich.Als
Beispiel in der Pflege, legt die PK die Hand des Bewohners auf ihren
Brustkorb und spricht möglichst im Atemrhytmus des Bewohners.
4.Die orale- und olfaktorische Wahrnehmung
Unser Geschmackssinn und Riechsinn, die die volle Geschmacksempfindung
bildet und uns die Kontrolle gibt über das was wir essen. Um diesen
Wahrnehmungsbereich zu fördern kann man z.B parenteral ernährten
Bewohnern als Mundpflege evtl. Saft, Tee, als Geschmacksanregung etwas
Obst geben. Am besten Dinge, die der Bewohner auch mag. Sowie bei der
Körperpflege oder beim Baden evtl. Badeöle verwenden (Lavendelbad).
5.Auditive Wahrnehmung
Ist individuell geprägt, denn für jeden einzelnen Menschen,
werden Geräusche unterschiedlich wahrgenommen. Um diese Stimulation
sinnvoll zu nutzen, wäre es sinnvoll Biografiearbeit zu machen,
um es individuell gestalten zu können.
Somit kann man gezielte Musikstücke laufen lassen, evtl. auch Vogelgezwitscher.
Sowie auch jegliche Informationen an den Bewohner weitergeben. Wichtig
ist aber auch, keine Dauerberiselung vom Radio oder Fernseher.
6.Taktil-haptische Wahrnehmung
Beschreibt den Tastsinn mit dem vor allem unsere Hände ausgestattet
sind um unsere Umwelt zu „begreifen“. So erfahren wir
schon seit unserer Kindheit. So kann man diesen Wahrnehmungsbereich
in der Pflege nutzen; dass man den Bewohner das Wasser beim Waschen
fühlen lässt, oder für das Frinken den Becher in
die Hand gibt um Handlungen klarer werden zu lassen.
7.Visuelle Wahrnehmung
Ist das was wir sehen und erkennen an Formen, Bewegungen, Farben
etc. Für die basale Stimulation ist es wichtig als PK den
Bewohner im Blickfeld zu sein und auch so zu kommunizieren. Auch
schöne bekannte Bilder des Bewohners ist unerlässlich
um sich wohl zu fühlen.
Praxisbeispiel Fr.M.
Fr. M. ist am 11.12.1914 geboren. Sie lebte seit sie verheiratet
war in Heilbronn-Ost, in der Nußbaumstr. .Ihr Mann starb
im Alter von 68 Jahren an einem Herzinfarkt. Sie hatte keine Ausbildung,
sie war Hausfrau und Mutter und hatte eine Tochter, die in früheren
Jahren nach Amerika auswanderte um dort zu studieren. Sie gründete
auch dort ihre Familie.
Fr. M. ist 199 in unser Heim gekommen, denn wegen ihrer Altersschwäche
und Verschlechterung des Allgemeinzustandes, konnte sie sich nicht mehr
selbstständig zuhause versorgen. Sie benötigte wenig Hilfe
, war trotzdem noch recht selbständig.
Seit dem Frühjahr 2000 ist sie bettlägrig. Sie hatte einen
Schlaganfall. Es wurde versucht sie wieder zu mobilisieren; sie wurde
jeden 2. Tag herausgesetzt, doch durch das dass sie keinen Pflegerollstuhl
bekam konnte sie in einem normalen Rollstuhl nicht mehr sitzen. So wurde
sie in das Bett hineingepflegt. Äußern konnte sie sich seit
dem Schlaganfall überhaupt nicht mehr. Sie verweigerte auch das
Essen, so dass sie jetzt eine PEG hat. Sie liegt nun im Bett und hat
starke Kontrakturen am gelähmten Arm und Bein. Auch sehr starke
Muskelanspannungen am gesunden Arm und Bein sowie am Rücken. Ausscheiden
ist ohne Hilfe möglich. Doch reagiert sie stark auf Bewegung und
Kommunikation.
Planung
1. waschen und kleiden
Problem: kann sich nicht waschen und kleiden durch das Immobilitätssyndrom
und einer vorhandenen Hemiplegie mit Kontrakturen und erhöhtem Muskeltonus
am re. Arm und Bein.
Ressource: Kann sich bei beruhigender Ganzkörperwäsche entspannen
Ziel: erhöhten Muskeltonus reduzieren, sowie das fortschreiten der
Kontrakturen verhindern; körperliches Wohlbefinden
Maßnahme: beruhigende Ganzkörperwäsche, Durchbewegen
nach Kinästethik, sowie kleiden, Hautpflege
2. bewegen
Problem: kann sich nicht selbständig bewegen (siehe 1.), auch durch
Verlust des Körperbildes
Ressource: kann ihren rechten Arm und Bein eingeschränkt bewegen.
Ziel: Besserung des Körperbildes, Besserung der Bewegungsfreiheit
des rechten Arms und Beins.
Maßnahme: Lagerungen, die das Körperbild fördern, sowie
Durchbewegen.
Problem: Fr. M. ist Dekubitusgefährdet durch Immobilität
Ressource: intakte Haut
Ziel: Ressource bleibt erhalten, Dekubitusrisiko ist gemindert.
Maßnahme: Hautpflege, Lagerung alle 2-3 Stunden 90 Grad, sowie
Rückenlage 1 Stunde
Problem: Fr.M. ist Thrombose gefährdet
Ressource: kann passiv bewegt werden
Ziel: venöser Rückfluss ist gewährleistet
Maßnahmen: passive Bewegungsübungen; Beine ausstreichen.
Problem: Fr. M. ist Kontraktur gefährdet, hat bestehende
Kontrakturen
Ressource: Versteifungen können etwas gelockert werden
Ziel: Verschlechterung der Kontrakturen verhindern; Beweglichkeit bessern
Maßnahmen: Durchbewegen, Lockerungen an den Gelenken, sowie Lockerung
der
Muskeln
Problem: Fr. M. ist Pneumonie gefährdet durch Schluckstörungen
und Immobilität
Ressource: Kann schluckweise etwas trinken
Ziel: Pneumonierisiko ist gemindert, kleine Verbesserung des Schluckens,
durch das in die Hand geben des Bechers und Hand führen.
Maßnahmen: Trinkübungen, um Pneumonie vorzubeugen ASE, aufrechtes
sitzen, evtl.
Atemerleichternde Lagerung
Essen
Problem: Fr. M. verweigert das Essen
Ressource: wird parenteral ernährt
Ziel: Geschmacksinn fördern; Lust auf Essen machen durch Obst, Tee
oder Säfte
Maßnahmen: zur Mundpflege Tee, Säfte sowie Früchtejoghurt
anbieten
Soziale Kontakte/ Kommunikation
Problem: Fr. M. kann sich nicht äußern, antwortet sehr
selten mit „Ja“; hat keine Kontakte mehr außer
zu ihrer Mitbewohnerin und PK.
Ressource: Kann das Gefühl geben, dass sie zuhört, wenn man
langsam mit ihr spricht.
Ziel: Wahrnehmung zur Umgebung fördern ; Wachsamkeit fördern;
Zugang finden
Maßnahmen: Mit ihr reden, was sie weiß, Bilder ihrer Familie
zeigen, ihre Brille anbieten, evtl. Klassische Musik laufen lassen, die
sie mochte.
Gerne würde ich versuchen Fr. M. rauszusetzen, doch um ihren
Kreislauf zu schonen, möchte ich es erst in 1-2 Wochen versuchen,
schließlich muss sich ihr Kreislauf erst daran gewöhnen.
Durchführung der Maßnahmen
1. Vorbereitung Arbeitsmaterialien und Raum
2. Bewohner begrüßen, Information geben, was man machen möchte
3. Durchbewegen nach Kinästethik, Lockerungen der Kontrakturen und
Verspannungen der Muskeln
4. beruhigende Ganzkörperwäsche mit Hautpflege, in Haarwuchsrichtung
eincremen, sowie beim Waschen Wasser erfühlen lassen, Waschlappen
in die Hand geben und zum Gesicht führen. Handlung wird so klarer
für den Bewohner. Und immer informieren.
5. Bewohner in bequeme Seitenlage bringen für ASE, dabei ein klassisches
Musikstück laufen lassen zur Atemberuhigung und ganzheitlichen Atemrhythmus.
6. Bewohner aufrecht sitzen lassen, im Bett. Durch die Lockerung der
Arme einen Becher mit Saft in die Hand geben und den rechten Arm zum
Mund führen um den Reflex auszulösen der das Verschlucken verhindert.
So auch zur Mundpflege etwas Tee oder Saft.
7. Kommunikation mit dem Bewohner: Brille aufsetzen, Augenkontakt halten,
Fotos und Bilder zeigen. Auch in die Hand nehmen lassen zum Tasten.
8. Bewohner ca. 15-20 min aufrecht sitzen lassen und bei ihm bleiben,
nicht dass er kollabiert. Um auch den Kreislauf daran zu gewöhnen
und die Orientierung im Raum, und eigene Orientierung (die Füße
sehen) zu fördern.
9. Bewohner informieren zum Lagern; 90 Grad wegen der Hemiplegie. Natürlich
muss man nach einer halben Stunde nachsehen, ob sich eine Rötung
an den großen Gelenken gebildet hat; wenn ja dann sollte man die
Lage wechseln.
10. Bewohner verabschieden, fragen ob er gut liegt.
Die Planung für Fr. M. ist schon in Ordnung. Die Wahrnehmungsbereiche
werden gefördert, doch es kostet auch sehr viel Zeit. Doch
wenn man diese Maßnahmen die ersten Tage durchführt,
sieht man wenig Fortschritte, außer der Besserung der Beweglichkeit.
Doch die Umstellung auf diese Art und Weise zu pflegen im Gegensatz
zur 20 Minuten Wäsche ist für den Bewohner sehr anstrengend.
Durch längere Durchführung von 4-6 Wochen fast täglich,
sind jedoch meine Ziele schon zu erreichen.
Eine Besserung der Planung, wäre vielleicht für den Bewohner
zuliebe, am Anfang nur mit beruhigender Ganzkörperwäsche und
Durchbewegen beginnen und dann die Wahrnehmung fördern Tag für
Tag und Schrittweise um ihn ins Leben wieder „zurückzuholen“.
Auch intensivere Biografiearbeit wäre nötig, um auch eine persönlichere
und menschlichere Beziehung zu diesem Bewohner aufzubauen.
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