Autor/in: Cordula

Wundbehandlung

  • Grundsatz aller Wundbehandlungen ist es, eine Wunde möglichst rasch zu verschließen, um einer Wundinfektion zuvorzukommen.
  • Ausschluss und Therapie von Begleitverletzungen
  • Sicherstellung eines ausreichenden Impfschutzes
  • Aus der Art der Entstehung einer Wunde kann man auf ihre vermutliche Besiedlung mit Bakterien schließen:
    • Schnitt- und Stichwunden sind meist keimarm,                                       Ausnahmen: Tierställe, Metzgereien, bakteriologische Institute o.ä.
    • Bisswunden sind immer als stark infiziert zu betrachten
    • Schusswunden können praktisch steril, aber auch massiv infiziert sein, wenn schmutzige Kleidungsstücke oder andere Fremdkörper in den Schusskanal mitgerissen werden

Regeln für die Wundbehandlung

  • Frische Schnittwunden und glattrandige Risswunden in gut durchblutetem Gewebe (Gesicht, Hände) dürfen innerhalb von 6 Std. ohne Wundexzision durch Naht oder Klebestreifen verschlossen werden.
  • sorgfältige Überwachung
  • primäre Wundversorgung:
    • die Wunde darf nicht mit Keimen besiedelt sein
    • die Wunde darf nicht älter als 6 – 8 Std. sein
    • die Wunde darf nicht mit Eiter in Berührung gekommen sein
  • keine Wundausschneidung im Gesicht und an den Händen (oder nur minimal)
    • aus kosmetischen Gründen und um keinen Funktionsverlust zu riskieren
  • Alle anderen frischen Schnitt-, Platz- und Risswunden sind innerhalb einer Grenze von 12 Stunden im Gesunden auszuschneiden, d.h. dass die Wundränder und auch alles gequetschte Gewebe in der Tiefe mit Skalpell und Schere zu entfernen sind. (Wundausschneidung nach Friedrichsen)

Stichwunden

  • Im Bereich der Gliedmaßen genügt die Ausschneidung der Haut- und Faszienwunde
  • Durchblutung und Innervation (Versorgung mit Nerven, Nervenfasern oder Nervenreizen) sind sorgfältig zu kontrollieren (Gefäß- oder Nervenverletzung)
  • Bei Brust- und Bauchwand jede Stichverletzung bis zur Pleura bzw. bis zum Peritoneum verfolgen, Gefahr der Stichverletzung von Herz, Lunge, großen Gefäßen, Eingeweide- trakt.

Schusswunden

  • Steck- und Durchschussverletzungen in den Extremitäten werden konservativ behandelt (lt. Literatur)
  • Im Rumpf wird der Schusskanal eröffnet, erweitert und die Kugel entfernt.

Bisswunden

  • sind großzügig auszuschneiden und dürfen nicht genäht werden
  • Ausnahmen: Gesicht und Hand (Gewebsverluste ziehen Funktionsstörungen nach sich)
  • alle Tier- und Menschenbisse erfordern die offene Wundbehandlung (Ausnahmen s.o.)

Ablederungswunde

  • Reinigung und Redon – Saugdrainage der Wundtaschen
  • Abtragen devitalisierter (zerstörter) Lappenanteile und nur lockere Situationsnähte (Gasbrandgefahr)

Abtrennungswunde

  • wenn nicht replantierbar, werden devitalisierte Partien abgetragen
  • die primäre Defektdeckung geschieht mit Epidermis oder gestielt mit Vollhautverschiebe- lappen

Quetschwunden

  • Niemals Erhaltungsversuche nekrosegefährdeter Zonen!
  • Großzügige primäre Abtragung von Quetschbereichen bis in gut durchblutete Gewebsbereiche
  • Adaption der Wundränder mit locker angezogenen Einzelnähten

Crush – Syndrom

  • tiefgreifende irreversible Muskelzerquetschung und Nekrose
  • führt zu schwersten Kreislauf – und Nierenstörungen
  • sie ist die Folge von Quetschung und Zertrümmerung
  • ihr Charakteristikum ist das akute tubuläre Nierenversagen
  • der ausgedehnte Muskelzerfall führt zum Volumenmangelschock und zur Myoglobinämie
    • Einschwemmung gelösten Myoglobins aus geschädigter quergestreifter Muskulatur in die Blutbahn; führt zu Myoglobinurie
    • Myoglobinurie = Myoglobinausscheidung im Harn bei Myoglobinämie
    • es kommt zur metabolischen Azidose
  • Therapie:
    • Als erstes Behandlung des akuten Nierenversagens!
    • Schockbekämpfung
    • Faszienspaltung (Fasziotomie)

Wundverschluss

Mindestfristen für die Entfernung von Hautnähten:

  • Gesicht und Hals:                                               5 Tage
  • Thorax und Oberbauch:                                    10 Tage
  • Unterbauch:                                               6 –    8 Tage
  • Hand und Arm:                                         12 – 14 Tage
  • Fuß und Bein:                                           12 – 14 Tage

Tetanusprophylaxe

  • aktiver Impfstoff      Pfeil  Tetanol (Schutz tritt nach ca. 4 Wochen ein)
  • passiver Impfstoff     Pfeil   Tetagam (direkter Schutz)

Grundimmunisierung

  • 3 Gaben Tetanol i.m.
  • zwischen 1. und 2. Impfung soll ein Abstand von 4 – 8 Wochen liegen (mindestens 2 Wochen)
  • 3. Impfung nach 6 – 12 Monaten
  • Auffrischung alle 10 Jahre
  • bei Verletzung schon nach 5 Jahren

Bei unvollständiger oder fehlender Grundimmunisierung gibt man eine Simultan – Impfung (aktiv und passiv)

Fehlt der Impfausweis gilt der Patient juristisch als nicht geimpft!

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