Autor/in: Cordula

Wirbelsäulenfehlbildungen

Kyphose:

Dorsal konvexe Form der Wirbelsäule. (Bis zu einem Ausmaß von ca. 40° ist eine Kyphose im bereich der Brustwirbelsäule physiologisch)

Die Aufrichtung der Wirbelsäule wird durch bestimmte Muskelgruppen erzielt (Stützmotorik). Die Haltung ist somit eine aktive Leistung der Muskulatur.

Kraftminderungen der Muskulatur (z.B. generalisierte Hypotonie, infantile Zerebralparese) beeinflussen zunächst die Wirbelsäulenhaltung , auf Dauer aber auch die Wirbelsäulenform .

Andere Ursachen sind z.B. ein geschädigtes WS-Wachstum (z.B. Morbus Scheuermann) oder pathologische Geschehnisse wie Tumore oder Entzündungen.

Diagnose:

» Haltungstest nach Matthias unterscheidet zwischen:

  • Haltungsgesundheit
  • Haltungsschwäche
  • Haltungsverfall

Skoliose : Viele Menschen haben leichte Skoliose

Wachstumsdeformität der Wirbelsäule mit fixierter Seitausbiegung und Torsion der Wirbel und Rotation des Achsorgans

  • 85% sind idiopathische Skoliosen (ohne erkennbare Ursache)
  • Mädchen sind vierfach häufiger betroffen als Jungen
  • Die meisten Skoliosen werden im Alter von 10-12 Jahren zufällig entdeckt

Verletzungen der HWS

Verletzungen der Halswirbelsäule entstehen meist durch Auffahrunfälle, bei denen die Halswirbelsäule plötzlich stark gebeugt (Hyperflexion) und anschließend stark überstreckt (Hyperextension) wird. Weitere häufige Unfallursache ist ein Kopfsprung in flache Gewässer.

HWS-Distorsion

Als HWS-Distorsion (HWS-Schleudertrauma, Peitschenschlagverletzung, Whiplash-injury) wird eine durch oben dargestellte Hyperflexion und Hyperextension bedingte Weichteil-, Gelenkkapsel- und Bänderschädigung im HWS-Bereich bezeichnet. Je nach Schweregrad der Distorsion klagt der Patient – oft nach einem symptomlosen Intervall – über Kopf- und Nackenschmerzen, muskulären Hartspann (zu hoher dauertonus eines quergestreiften Muskels), Bewegungsschmerzen und Bewegungseinschränkung der HWS bis hin zum Gefühl der Haltlosigkeit des Kopfes. Schluckbeschwerden können Zeichen eines retropharyngealen Hämatoms sein.

Die Behandlung ist konservativ und besteht in der Anlage einer Schanz-Krawatte oder einer Zervikalstütze wie Cervimed® und körperlicher Schonung (bei Nichteinhaltung können langwierige Kopfschmerzen die Folge sein). Ergänzend können muskelentspannende Medikamente und nichtsteroidale Antirheumatika gegeben werden. Später sind Krankengymnastik und Massagen empfehlenswert.

Frakturen und Luxationen der HWS

Bei Frakturen und Luxationen der HWS besteht ein hohes Risiko der Mitverletzung des Halsmarkes mit inkompletter oder kompletter Querschnittssymptomatik bis hin zum sofortigen Tod des Patienten.

HWS Frakturen (Atlas-, Axis- und Densfrakturen und Frakturen der Wirbelkörper C3 – Th1) zeigen sich in der Regel durch Schmerzen und Instabilitätsgefühl im Nackenbereich sowie durch neurologische Ausfälle vor allem im Nacken-Arm-Bereich. Stabile Frakturen sind gelegentlich völlig symptomlos.

Bei stabilen Frakturen erhält der Patient eine Zervikalstütze oder einen kleinen Kopf-Brust-Gips. Bei Luxationen und dislozierten Frakturen erfolgt zunächst die Reposition und Retention mit einer Crutchfield-Extension , bei der eine Metallklammer über zwei Stifte rechts und links in die Schädelkalotte verankert und über diese Zug ausgeübt wird. Anschließend ist eine weitere Ruhigstellung z. B. durch Halo-Fixatuer (Metallring um den Schädel mit Abstützung auf den Schultern) oder Minerva-Gips erforderlich. Operiert wird bei zunehmenden neurologischen Ausfällen, bei instabilen oder irreposiblen Luxationsfrakturen und bei Pseudoarthrosen.

Pflege bei stabiler Halswirbelfraktur:

  • Vitalzeichen (insbesondere Atmung) sowie Motorik und Sensibilität von Armen und Beinen engmaschig kontrollieren, außerdem auf Blasen- und Darmfunktionen sowie Allgemeinzustand und Schmerzen achten
  • Patienten bei isolierter Halswirbelfraktur flach im Bett mit harter Matratze und ohne Kopfkissen lagern. Handelt es sich um einen Halswirbelfraktur in Kombination mit anderen Erkrankungen, z. B. einem Schädelhirntrauma, kann auch eine andere Lagerung möglich sein, z. B. mit erhöhtem Oberkörper (Arztanordnung beachten).
  • Kopf des Patienten nicht beugen oder drehen
  • trägt der Patient eine Schanz-Krawatte, ihn auf Allergien durch den Werkstoff und Druckstellen an den Kanten beobachten und Stütze mindestens zweimal täglich auf korrekten Sitz überprüfen
  • bei Drehung des Patienten eine gedachte Linie von der Nase zum Bauchnabel nicht verändern. Die gilt auch für das Drehen eines Patienten mit Minerva-Verband z. B. bei der Gazkörperwäsche. Dazu wird in der Regel (Arztanordnung beachten) erst die ventrale Schale entfernt, Gesicht, Hals, Brust und Bauch des Patienten gewaschen und gut abgetrocknet, die Schale wieder aufgelegt und der Patient mit Hilfe einer zweiten Pflegekraft unter Verbleib der ventralen Schale gedreht. Dann wird die dorsale Schale entfernt, der Hals und der Rücken des Patienten gewaschen und getrocknet, die dorsale Schale wieder aufgelegt und der Patient unter Verbleib der dorsalen Schale wieder auf den Rücken gedreht.
  • Patienten nach Arztanordnung mobilisieren, dabei Kopf anfangs durch behutsames Anheben unterstützen.

Frakturen der BWS und LWS

Frakturen der BWS und LWS sind meist durch indirektes Trauma wie Sturz aus großer Höhe auf gestreckte Beine oder Gesäß oder starke Überbiegung der Wirbelsäule bei Verkehrsunfällen bedingt. Häufig sind auch pathologische Frakturen bei schwerer Osteoporose oder Knochenmetastasen.

In ca. 90 Prozent der Wirbelfrakturen handelt es sich um stabile Frakturen, d. h. der hintere Bandapparat, die Deckplatte und die Bandscheibe sind intakt und die hintere Wirbelkörperkante ist nicht wesentlich höhengemindert, und es besteht ein Achsenknick über 15°. Hier ist das Rückenmark hochgradig gefährdet.

Hauptsymptome stabiler Wirbelfrakturen sind Druck, Klopf- und Belastungsschmerz. Bei instabilen Wirbelfrakturen bestehen ein Spontanschmerz, Belastungsunfähigkeit und oft neurologische Ausfälle bis zur Querschnittsymptomatik.

Die Therapie bei stabilen Wirbelfrakturen besteht in einer Flachlagerung über ca. ein bis zwei Wochen mit nachfolgender Schmerzabhängiger Remobilisation. Krankengymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur ist unabdingbar. Instabile Frakturen erfordern bei konservativer Behandlung eine mindestens sechswöchige Bettruhe. Eine absolute OP-Indikation besteht bei Frakturen und Luxaktionen mit Zunahme der neurologischen Ausfallerscheinungen.

Pflege bei stabilen Frakturen

für die Lagerung des Patienten gelten folgende Regeln:

  • Wegen Dekubitusgefahr ggf. Benutzung eines Spezialbetts
  • flache Lagerung in Rückenlage (Bettbügel entfernen) eventuell Lordosekissen in den LWS Bereich einbringen. Zum Essen das gesamte Bett schrägstellen (Beintieflagerung)
  • gerade Lagerung des Rumpfes
  • unterlegen eines kleinen Kissens unter den Kopf
  • Drehen auf die Seite mit Hilfe von mindestens zwei Pflegekräften, um Verdrehung der Wirbelsäule zu vermeiden

Die Mobilisation des Patienten erfolgt nach Arztanordnung:

  • isometrische Spannungsübungen
  • aktive Bewegungsübungen in Rückenlage
  • aktive Bewegungsübungen in Bauchlage
  • aufstehen (mit der Wirbelsäule!)
  • Gehen (mit Gehwagen zur Unterstützung)

Pflege bei instabilen Frakturen

Präoperativ

  • Minimalpflege
  • vermeiden von jeglicher Manipulation, Bewegung oder Drehung der Wirbelsäule
  • Beobachtung neurologischer Symptomatik
  • Beobachtung der Vitalzeichen, Atmung, Urinausscheidung und Verdauung

Postoperativ

  • nach der Operation besteht sofortige Belastungsstabilität
  • Pflege wie bei der stabilen Wirbelsäulenfraktur
  • sonst nach Anordnung des Arztes

Stabile Frakturen

Differenz: 90%

hinterer Bandapparat, Deckplatten und Bandscheiben sind intakt sind
Symptome: Druck-, Klopf-, Belastungsschmerz

lokaler Muskelsverspannung (Röntgen erforderlich)
Therapie: Konservative Behandlung

Flachlagerung über ca. ein bis zwei Wochen/Bettruhe bis zu vier Wochen

Schmerzabhängige Mobilisation

keine immobilisierenden Stützmieder » Muskelatrophie, Dreipunktstützkorsett

Physiotherapie

Instabile
Frakturen

Differenz: 10%

hinterer Bandapparat ist zerrissen

Knochenfragmente sind disloziert und deformieren den Spinalkanal

hochgradige Gefährdung der Nervenwurzeln und des Rückenmarks
Symptome: Spontanschmerz

Belastungsunfähigkeit

neurologische Ausfälle bis hin zur Querschnittsymptomatik

Ileussymptomatik (Darmlähmung)
Therapie: Operative Behandlung (absolute OP-Indikationen sind offene Faktoren sowie bei zunehmenden neurologischen Ausfallerscheinungen), OP-Verfahren: Fixateur interne Plattenosteosynthese (keine Metallentfernung)

in Einzelfällen konservative Behandlung: mindestens sechs Wochen strenge Bettruhe

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