Autor/in: Stephanie Mende

Ulcus Cruris

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung/ Begriffsbestimmung
  • 2. Funktionsweise der Venen
  • 2.1. Was geschieht bei venösen Störungen?
  • 3. Typische Hautveränderungen beim Ulcus cruris
  • 4. Welche Ursachen hat ein Ulcus cruris
  • 5. Alles was die Durchblutung behindert ist schädlich!Risikofaktoren
  • 6. Situative Problematik von Menschen mit Ulcus cruris
  • 7. Komplikationen, die auftreten können
  • 8. Verschiedene Ulkusklassifikationen
  • 8.1. Ulkusklassifikation nach Widmer
  • 8.2. klassische Ulkusklassifikation
  • 9. Therapieziele
  • 10. Herkömmliche Methoden zur Abdeckung der Wunde und deren Folgen
  • 11. Pflege bei Ulcus cruris
  • 11.1. Förderung des venösen Rückflusses
  • 11.2. Die Wundphasen
  • 11.3. Die Wundversorgung
  • 11.4. Die Hautpflege
  • 11.5. Die Allgemeinmaßnahmen
  • 11.5.1. Übersicht aller Vitamine und Mineralstoffe
  • 11.6. Pflegemaßnahmen
  • 11.6.1. Übungen zum Gefäßtraining
  • 12. Patientenberatung
  • 13. Prognose
  • 14. Neue Entwicklungen in der Therapie
  • 15. Wunddokumentation
  • 15.1. Anschauungsmaterial
  • Anhang mit Begriffserklärungen
  • Quellenangaben

1. Einleitung/ Begriffsbestimmung

Zu den geradezu klassischen Erkrankungen der älteren Frauen gehören die berüchtigten „Offenen Beine“.

Immerhin 1% der Bevölkerung leidet an einem solchen Ulcus cruris, die Wahrscheinlichkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu. Frauen sind insgesamt etwas häufiger betroffen, wobei unterschiedliche Studien Daten bis 2:1 ermittelt haben. Auch sozialmedizinisch hat das Krankheitsbild eine erhebliche Bedeutung: pro Jahr wird in Deutschland ein dreistelliger Millionenbetrag zur Therapie venöser Ulzera ausgegeben.

Ulcus cruris = Hautdefekt am Unterschenkel, der mindestens bis in die Lederhaut reicht. Einzeln oder mehrfach auftretend, in 85% venös, seltener arteriell bedingt.

Es gibt 2 Arten: Venös bedingte Ulcus cruris (bei chron. venöser Insuffizienz) und arteriell bedingtes Ulcus (meist Endzustand einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, selten Folge einer Polyneuropathie, viele Diabetiker haben arteriell (mit-)bedingte Ulzera.

Pfeil venös bedingtes Ulcus bevorzugt am Innenknöchel und medialen Unterschenkel, kann bis auf die Fazie oder Knochen reichen, Geschwürgrund in der Regel schmierig- eitrig belegt (infolge bakterieller Folgeinfektion), Ulkusränder sind wulstig und verhärtet

Pfeil arteriell bedingtes Ulkus sitzt vor allem an den Zehen und an Ferse, fast immer sind Haut, Weichteile (Muskeln, Fazie, Sehnen) und auch der Knochen zerstört

2. Funktionsweise der Venen

Venen haben die Aufgabe, Blut zum Herzen zurückzutransportieren. In den Beinen werden die Venen durch die Anspannung der Wadenmuskulatur zusammengedrückt Pfeil dabei entsteht ein pumpartiger Effekt, der hilft, das Blut zum Herzen zu befördern = Muskelpumpe.

Damit das Blut nicht wieder in die Venen zurückfließt, wenn die Muskulatur sich entspannt, sind die Venen mit kleinen ventilartigen Klappen ausgerüstet. Diese Klappen öffnen sich nur zum Herzen, Bei Rückfluss werden die Klappenflügel gegeneinander gedrückt und versperren so den Weg.

2.1. Was geschieht bei venösen Störungen?

Am Anfang eines Ulcus cruris steht oft eine Venenschwäche, viele Menschen (ca. 10%) haben auch einen Defekt an den Venenklappen. Bei Schwangeren kommt es zum Beispiel durch die hormonelle Umstellung zu einer dauerhaften Erweitung der Venen, so kommt es zu einem Rückstau in den Beinvenen. Das kann zu Krampfadern, Venenentzündungen und Thrombose führen.

Bei einem Rückstau steht das gesamte System der Blutgefäße unter einem erhöhten Druck, dieser Druck zerstört langsam die Kapillaren (Verästelungen der Arterien, an denen der Austausch von Nährstoffen und Gasen erfolgt).

Werden Kapillaren zerstört, so kann das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden Pfeil Hautzellen und Gewebezellen sterben ab und es kommt zu einer dauerhaften Stoffwechselstörung Pfeil zeigt sich äußerlich durch eine bräunliche Verfärbung der Haut.

Ist die Veränderung erst einmal so weit fortgeschritten, kann schon eine kleine Verletzung zu einem Beingeschwür führen, da auch eine kleine Wunde nicht mehr zuheilen kann.

Häufig werden Ulzera in ihrer Entstehung erst spät bemerkt, weil auch das Schmerzempfinden deutlich herabgesetzt ist. Die Versorgung reicht schon nicht mehr aus, gesundes Gewebe zu erhalten, da eine Gewebeneubildung kaum noch möglich ist.

3. Typische Hautveränderungen beim Ulcus cruris

  • Glänzende, dünne und leicht verletzbare Haut durch Elastizitätsverlust
  • Braun- gelbe und/oder livide Hyperpigmentierung, besonders bei venösem Grundleiden
  • Verletzungsbedingte kleine Narben, infolge der schlechten Heilungstendenz
  • Entzündliche Veränderungen bei bakterieller oder mykotischer Folgeinfektion
  • Nagelveränderungen
  • Harte, rote, schmerzhafte „Platten“ kurz vor der Ulcusentwicklung

4. Welche Ursachen hat ein Ulcus cruris?

  • Chron. arterielle Verschlusskrankheit, venöse Insuffizienz
  • Diabetische Makroangiopathie
  • Diabetische Mikroangiopathie
  • Hypertonie
  • Aneurysmen
  • Entzündungen der Blutgefäße
  • Frostbeulen

5. Alles was die Durchblutung behindert ist schädlich! Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel durch überwiegend sitzende oder stehende berufliche Tätigkeit
  • Ungesunde Ernährung
  • Genetische Veranlagung
  • Frauen (bei Schwangeren verändert sich zum Beispiel Hormonhaushalt, der sich auf die Durchblutung auswirkt)

6. Situative Problematik von Menschen mit Ulcus cruris

Wundspezifische Symptome:

  • Schmerz, Geruch
  • Nässe, Schwellungen
  • Juckreiz, Sprunggelenkversteifung

Wundbedingte direkte und indirekte körperliche Aspekte sind:

  • Mobilitätseinschränkungen
  • Schlafstörungen
  • Einschränkungen bei der gewohnten Hygiene

Wundbedingte psychische Aspekte sind:

  • Einschränkungen bei der äußeren Erscheinung
  • Soziale Isolation
  • Negative Gefühle hinsichtlich der Wundheilung
  • Köperbildstörungen

Wundbedingte soziale Aspekte sind:

  • Arbeitsunfähigkeit
  • Evtl. finanzielle Probleme

Therapiebedingte Aspekte sind:

  • Unbequemlichkeit der Verbände
  • Schwierigkeiten bei der Durchführung der Therapie
  • Unsicherheiten durch Inkonsistenzen der Therapie
  • Mangelndes Verständnis der Wundursache und -therapie

7. Komplikationen, die auftreten können!

Im Wesentlichen gibt es vier Komplikationen:

  • die Superinfektion (wird im Rahmen der Lokaltherapie mitbehandelt)
  • das Ekzem (ist Ausdruck einer chronischen Hautreizung und –Veränderung, ist gefährlich, da es Eintrittspforte für Keime ist, mit Salbentherapie gut behandelbar)
  • die subkutane Knochenneubildung (kann sich nach langjährigem Verlauf entwickeln, im Unterhautgewebe bilden sich neue Knochenstückchen, die z. T. in das Ulcusgebiet hereinragen und die Heilung verzögern)
  • die Entwicklung einer Spitzfußstellung (führt oft dazu, da der Patient eine Schonhaltung einnimmt)

8. Verschiedene Ulkusklassifikationen

8.1. Klassifikation nach Widmer

Stadium

Klinik

1

Ödem, subfaziale Stauung, Corona phlebectatica

2

Pigmentierung, Ekzem, Induration

3

Ulkus, Ulkusnarbe

8.2. klassische Ulkusklassifikation

Grad

Ulkustiefe

1

Epidermis, Dermis

2

Subkutis

3

Fazien, Muskeln

4

Sehnen, Knochen, Gelenke

9. Therapieziele

  • Erkennen und Beseitigen der wundsetztenden Noxe
  • Minimierung der Risikofaktoren
  • Wundsäuberung (auch chirug.)
  • Granulierung, Epithelisierung
  • Wundverschluss

10. Herkömmliche Methoden zur Abdeckung der Wunde und deren Folgen

Bisher wurde das Ulcus cruris mit Kompressen oder Schnellverbänden, mit Tupfern, Vliesen oder Binden abgedeckt. Das hatte den Nachteil, dass wenn sich die Materialien vollgesaugt hatten, diese mit der Wunde verklebten, damit wurde beim Verbandwechsel das neue Granulationsgewebe zerstört und es kam zu Störungen und Verzögerungen bei der Wundheilung.

Diese Art von Verbänden musste häufig gewechselt werden und waren sehr kosten- und zeitintensiv für den Patienten und stellten eine zusätzliche Belastung für den Patienten dar, da sie die Heilung verzögerten und auch sehr schmerzhaft waren.

11. Die Pflege bei Ulcus cruris

11.1. Förderung des venösen Rückflusses

Ein Ulcus heilt nur ab, wenn die Ursache seiner Entstehung beseitigt wird, z.B. die Stauung bei venös bedingten Erkrankungen Pfeil deshalb muss dem erhöhten Innendruck in den Gefäßen ein erhöhter Außendruck entgegengesetzt werden, mittels Kompressionsverband.

Für den Kompressionsverband sollte man Kurzzugbinden verwenden, diese möglichst vor dem Aufstehen anlegen und in natürlicher Ablaufrichtung anziehen. Der Druckabfall erfolgt von distal nach proximal, maximaler Druck sollte bis zum Sprunggelenk gehen, danach etwas lockerer, der Vorfuß und die Ferse mit einbinden (Gefahr der Ödembildung).

Die Kompression wirkt am besten bei Bewegung, d.h. Aktivierung der Sprunggelenkspumpe und der Wadenmuskulatur.

Der Patient sollte deshalb mit dem Verband viel herumlaufen und häufig Fußgymnastik durchführen, damit das gestaute Blut abgepumpt wird.

11.2. Die Wundphasen

  • Exsudative Phase

    • Wundverband muss sehr saugfähig sein Gewebetrümmer, Bakterien, Blut und Exsudat müssen rasch aufgenommen werden
    • Oberfläche soll trotzdem feucht gehalten werden, deshalb Verbandwechsel nicht mehr als einmal pro Tag (allerdings gibt es auch Verbände, die 3-4 Tage auf der Wunde verbleiben)
  • Granulationsphase

    • Wunde darf nicht austrocknen, da diese schneller heilt und geringe Narbenbildung hat
    • Wundverband muss deshalb Sekret aufsaugen können und gleichzeitig Wunde feucht halten
  • Epithelisierungsphase/ Reparative Phase

    • Wundabdeckung hat Aufgabe, neugebildetes Gewebe zu schützen und gegen äußere Einflüsse abzuschirmen

11.3. Die Wundversorgung

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie soll ein optimaler Verband folgende Anforderungen erfüllen:

  • aufnahme von überflüssigem Wundsekret ohne Wundaustrocknung
  • steriles, nicht toxisches und nicht sensibilisierendes Material
  • Anpassungsfähigkeit an die in der Wunde herrschenden Heilungsphasen
  • Ermöglichen von Gasaustausch über den Verband
  • Schutz vor physikalischen, chemischen und mikrobiellen Belastungen
  • Reduktion von Schmerz und Juckreiz
  • Keine Ablösung von Verbandsbestandteilen in die Wunde
  • Eignung zur Selbstbehandlung durch den Patienten
  • Gutes Preis- Wirksamkeits- Verhältnis

Zur Wundreinigung eignet sich Ringerlösung, mit der das Ulcus cruris entweder gespült oder mittels getränkter Kugeltupfer gesäubert wird. (Nekrosen und fribrinöse Beläge werden chirurgisch entfernt oder mit enzymatischen Wundreinigungsmitteln oder Hydrogelen gelöst)

Nachdem der Verband angelegt wurde, wird das Bein gewickelt. Bei venös bedingtem Ulcus lässt sich der Druck durch Unterlegen eines Polsters aus Schaumstoff verstärken, was für viele Patienten als angenehm empfunden wird. (nicht bei arteriell bedingtem Ulcus cruris)

Nach Abheilung des Ulcus cruris können bei instabilen Narben Hautplastiken oder –Transplantationen vorgenommen werden.

Für den Wundverband stehen zahlreiche Wundauflagen zur Verfügung, sie sollen die Wunde vor dem Austrocknen schützen und werden entsprechend der Heilungsphase der Wunde gewählt:

  • Hydrokolloide

    • gut geeignet für Wunden mit starker Exsudation, jedoch nicht für infizierte Wunden
    • bestehen aus Wasserabweisenden Oberfläche, darunter befindet sich eine selbstklebende Schicht, die stark quellfähige Partikel (z.B. Pektine oder Gelatine) enthält, diese nehmen Wundsekret auf, welches dann zu Gel umgewandelt wird
    • von außen wird eine Blase sichtbar, wenn diese den Rand der Wundauflage fast erreicht hat , ist ein Wechsel nötig (haftet nicht mehr)
    • das sich gebildete Gel wird oft mit Eiter verwechselt, da es so aussieht und evtl. auch so riecht
    • es kann geduscht werden, ohne besondere Vorsicht, oder das hinterher ein Wechsel nötig wäre
  • Alginate

    • besonders für stark nässende und infizierte Wunden geeignet
    • werden als Kompressen oder Tamponagen angeboten (zum Austamponieren von tiefen, nässenden Wunden
    • bestehen aus Calcium- Alginat- Fasern (aus Braunalgen gewonnen)
    • sind extrem saugfähig, nehmen außer Wundflüssigkeit auch Keime auf und wandeln sich dabei in dickflüssiges Gel um
    • bei infizierten Wunden täglicher Wechsel, ansonsten wenn die Wundauflage vollgesogen ist
    • möglich ist auch eine Kombination von Alginaten und Hydrokolloidverbänden
  • Hydrogele

    • besonders geeignet zur Abdeckung von sauberen, trockenen oder wenig nässenden Wunden
    • Hydrogele aus Tuben, können Fibrinbeläge und Nekrosen aufweichen (muss jedoch mit einem zweiten Verband abgedeckt werden)
    • Ebenfalls angeboten werden Kombinationspräperate aus Hydrogel und Alginat
    • stark wasserhaltige, durchsichtige und kühlende Wundauflagen (Platten)
    • können zwar Wundsekret binden, aber nicht in Gel umwandeln (d.h. sobald Aufnahmekapazität erreicht ist, löst sich der Verband)

11.4. Die Hautpflege

Um den Wundrand sollte mit Öl gereinigt und mit Bebanten oder Linola- Fett gepflegt werden, bei einer enzymatischen Wundreinigung (z.B. durch Varidase, Fibrolan oder Iruxol) zum Schutz zusätzlich mit Zinkpaste.

11.5. Die Allgemeinmaßnahmen

Ein intaktes Immunsystem und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Heilung eines Ulcus cruris (ausreichend Trinken, reichlich Ballaststoffe, viel Bewegung, Verringerung der Risikofaktoren)

11.5.1. Übersicht aller Vitamine und Mineralstoffe

Übersicht aller Vitamine und Mineralstoffe

Übersicht aller Vitamine und Mineralstoffe

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