Autor/in: Cordula

Prostatahypertrophie

Symptome:

  • Miktionsstörungen
  • Verzögerter Miktionsbeginn
  • Verminderter Harnstrahl
  • Längere Zeit des Wasserlassens
  • Nachträufeln
  • Ständig vermehrter Harndrang (auch nachts)
  • Restharnbildung => Infektionsgefahr
  • Evtl. akuter Harnverhalt (in jedem Stadium möglich)

Verlauf:

Vermehrte Beanspruchung der Blasenmuskulatur

  • Verdickung der Blasenmuskulatur
  • Dadurch wird die Blase nicht mehr vollständig geleert => Restharnbildung
  • Durch die Restharnbildung entsteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion
  • Gefahr der Niereninfektion, -stau oder -versagen

Vorsorgeuntersuchung:

  • Ab dem 45. Lebensjahr

Therapie:

Je nach Stadium: TUR-P mit Einlage eines Katheters in die Prostataloge und ein Katheterballon in die Blase

Ballonkatheter in der Prostataloge:

  • Nach der Prostataentfernung entsteht eine innere Wundhöhle (Prostataloge), die in der Regel mit dem Blockungsballon eines so genannten Tamponadenkatheters komprimiert wird
  • Da es trotz dieser Komprimierung aus der Wundhöhle nachbluten kann, wird die Blase kontinuierlich gespült
  • Somit wird mögliches Blut sofort verdünnt, dass es nicht gerinnen kann und es zu keiner Koagelbildung kommt
  • Der Spülkatheter bzw. die gesamte Blase können durch Blutkoagel verstopfen (Blasentamponade)
  • Dadurch wird die Blase überdehnt => der Pat. spürt einen fast unerträglichen Blasenfüllungsdruck => das Wundgebiet wird weiter aufgedehnt, es kommt zu weiteren Nachblutungen und zu einem schmerzhaften Rückstau in die Nieren
  • Die Spülflüssigkeit kann auch über einen SPK angeschlossen werden
  • Tropfgeschwindigkeit so einstellen, dass der Urin rosa- oder fleischwasserfarben ist
  • Körperwarme Lösungen verwenden, um ein Auskühlen des Pat. zu verhindern
  • Bei Zunahme der Blutung Arzt- Info (Blockungsvolumen d. Katheters erhöhen
  • Der Katheter kann zusätzlich mit einem Gewicht von ca. 200 – 500 g unter Zug (mit Hilfe einer Extensionsvorrichtung am Katheterende) gesetzt werden, wenn die Blutung trotz max. Spülung und Katheterblockung nicht zum Stehen kommt. Dadurch wird der Kompressionsdruck im Wundgebiet verstärkt.
  • Pat. hat Bettruhe (nach AO)
  • Koagel, die nicht durch den Tamponadenkatheter passen, müssen manuell vom Arzt ausgespült werden (sterile Blasenspülung vorbereiten mit 50- 100ml Spüllösung, zügige Instillation um die Koagel zunächst aus d. Katheter in die Blase zurückzutransportieren und anschließend zügige Aspiration um sie aus Blase und Katheter zu entfernen)

Nierenfunktion

  • Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion
  • Die Blutungsgefahr, Kreislaufverhältnisse und Laufgeschwindigkeit der Spüllösung bestimmen das Zeitintervall der Kontrolle der Flüssigkeit (=Urin und Spüllösung), die aus der Blase wieder herausläuft
  • Ein- und Ausfuhr Kontrollen

Katheterballon in der Blase

  • Der transurethrale Blasenkatheter dient nicht nur der Urinableitung, sondern auch zur Schienung der Wundnaht zwischen Urethra und Blasenhals
  • Zur Entlastung der Anastomose kann er zusätzlich unter Zug gesetzt werden
  • Da die Zugkräfte auf den Blasenboden wirken, unterstützen sie die notwendigen Heilungsvorgänge um die ehemalige Prostataloge herum
  • Weitere Unterstützung kann erreicht werden, indem der Pat. die Beine leicht anwinkelt

Katheterentfernung

  • wenn die Nachblutung steht
  • wenn das Blockungsvolumen bis auf ca. 10ml reduziert werden konnte
  • nach dem Entblocken verbleiben Wulstbildungen und Falten an der zuvor max. gedehnten Ballonmembran, sie reiben an der Harnröhrenschleimhaut => durch eine Restfüllung von ca. 1ml Blockflüssigkeit sind die Falten nicht mehr so unelastisch, die Entfernung atraumatischer, reibungsärmer und schmerzfreier

Unterstützung bei den ATL´s

Mann sein:

  • Unsicherheiten in Bezug auf Intimität und Geschlechtsverkehr
  • Auseinandersetzung mit der retrograden Ejakulation
  • Durch die mögliche Einnahme von Hormonpräparaten kann es zur Gynäkomastie und zum Libidoverlust kommen

Maßnahmen:

  • Gesprächsbereitschaft zeigen
  • Gespräche mit dem Arzt anbieten
  • Pat. versichern, dass die Richtungsumkehr des Samenflusses bei der Ejakulation keine Beeinträchtigung seiner Potenz oder des Orgasmus nach sich zieht => es unterbleibt lediglich der Samenerguss, der fließt in die Harnblase
  • Selbsthilfegruppen

Für Sicherheit sorgen:

  • Nachblutungen machen dem Pat. und den Angehörigen Angst
  • Pat. hat in Bezug auf den Geschlechtsverkehr mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen, er wird evtl. Masturbationsversuche mit noch liegendem Tamponadenkatheter unternehmen

Maßnahmen:

  • Pat. und Angehörige über die Färbekraft des Blutes informieren, um ihnen die Angst zu nehmen
  • Pat. während seines Masturbationsversuches nicht beobachten (steht im Buch- hätte ich aber eh nicht vor)
  • Bei 100%iger Sicherheit (Spermaflecken in der Bettwäsche, leichte Harnröhrenmündungsblutungen) Pat.- Info, dass die Manipulation die Wundheilung beeinträchtigt und es zur Nachblutung aus dem Wundgebiet und größeren Harnröhrenverletzungen kommen kann

Vor der Entlassung

  • Durch mögliche Blasenschließmuskelverletzungen als Komplikation kann es zur Inkontinenz kommen
  • Vor der Entlassung wird nochmals ein Uroflow mit anschließender Restharnbestimmung durchgeführt (Werte sollten 100 ml nicht überschreiten)
  • Wird der Wert überschritten muss erneut Prostatagewebe entnommen werden
  • Pat.- Info über die Untersuchung
  • Auf Ängste des Pat. eingehen
  • Über Ablauf der Untersuchung informieren
  • Pat. sollte während der Untersuchung entspannte Sitzposition einnehmen, gefüllte Blase haben ohne unangenehmen Harndrang zu haben, geleertes Rektum
  • Weitere Betreuungsangaben an die Ausprägung der einzelnen körperlichen Funktionsstörungen und an die Bedürfnisse des Pat. anpassen
  • Schmerzen, Atmung, Körperpflege, Mobilisation, Zu- und Ableitungen (Wunddrainagen, Venenkatheter) erhöhte Aufmerksamkeit schenken

Beratung zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit zu Hause

  • Wundheilungsvorgänge erst nach 6- 8 Wochen abgeschlossen
  • Pat.- Info über die Ziele der Ruhigstellung des inneren Wundgebietes
  • Körperliche Belastungen können Nachblutungen auslösen:
  • Starke Erschütterungen z.B. durch Reiten, Dauerlauf, Arbeiten mit dem Presslufthammer, Trecker fahren
  • Temperaturschwankungen: Sauna, Wechselbäder
  • Muskelanspannungen: (hier insbesondere Blasenhals und Harnröhre) durch eine Erektion bzw. Ejakulation
  • Abdomineller Pressdruck zur Darmentleerung
  • Pat.- Info, dass bis zur vollständigen Wundheilung dysurische Beschwerden normal sein können
  • Pat.- Ratgeber mitgeben und auf Selbsthilfegruppen verweisen
  • Verlaufskontrollen empfehlen
  • Bei Kinderwunsch des Pat. kann eine Samenaufbereitung hingewiesen werden

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