Autor/in: Thorsten

Pneumonie (Lungenentzündung)

Akute Entzündung des Lungengewebes (Alveolargewebe und/oder
Lungenbindegewebe). Bei einer Einteilung der Pneumonien muss man
verschiedene Einteilungsprinzipien berücksichtigen.

Anatomische Einteilung:

  • Lobärpneumonie: Befall eines ganzen Lungenlappens
  • Segmenatale oder Herdpneumonie: eine Teil eines Lungenlappens
    ist betroffen
  • Bronchopneumonie: die Alveolen und benachbarten Bronchien
    sind betroffen

Einteilung nach dem Typ des Erregers:

  • Bakterien
  • Viren
  • Pilze
  • Mykoplasmen
  • Protozoen

Im klinischen Gebrauch werden zusätzliche Kriterien zur Einteilung
herangezogen:

  • Primäre Pneumonien treten
    plötzlich, d.h. ohne Vorerkrankungen der Lunge auf
  • · Sekundäre Pneumonien propfen
    sich auf bereits bestehende Erkrankungen auf. Hierzu gehören
    strengenommen auch die sog. Hospitalinfektionen und die Lungeninfektionen,
    die unter einer Therapie mit abwehrschwächenden Medikamenten
    entstehen (Antiobiotika, Kortikoide, Zytostatika)

Zu den allgemein für Infektionen der Lunge prädisponierenden
Faktoren gehören Erkältungen, grippale oder andere Infekte,
körperliche Schwäche oder Kachexie, Alkoholismus, Koma,
Tumoren, Aspiration oder Fremdkörper im Respirationstrakt.

Bakterielle Pneumonien

Sie machen nur etwa 10% der Lungenentzündungen aus. Die häufigste
bakteriell ausgelöste Pneumonie ist die Pneumokokken — Pneumonie.

Pneumokokken — Pneumonie

Sie tritt zumeist als Lobärpneumonie auf, sehr häufig
in der kalten Jahreszeit. Die Erreger finden sich bei vielen Menschen
schon in der sog. Residenten d.h. ständig vorhandenen Bakterienflora
des oberen Respirationstraktes. Durch verschiedene Ursachen kann
es zu einer Besiedlung der Lunge kommen.

Ursachen:

  • Unterkühlung
  • Stress
  • Abwehrschwäche
  • Zustand nach Milzentfernung

Klassischer Verlauf:

1.Tag Anschoppung der Erreger

2.-3. Tag rote Hepatisation; Verdichtung des Lungengewebes, Auswurf
von rostbraunem Sputum

4.-8. Tag graue Hepatisation

7.-9. Tag Auflösung; es kommt durch Phagozytose zur Auflösung
der mit Krankheitserregern besiedelten Bezirke. Entfieberung mit
kritischer Kreislaufbelastung

Klinik:

  • Schlagartiger Beginn
  • Hohes Fieber mit Schüttelfrost
  • Schmerzen ohne Beteiligung der Pleura
  • Evtl. abdominelle Symptomatik v.a. bei Kindern
  • Husten mit rötlichen Auswurf ab 2. Krankheitstag
  • Atemnot
  • Labor: BSG-Beschleunigung, Leukozytose, Linksverschiebung,
    Nachweis der Erreger in Sputum und Kultur
  • Röntgen: dichte, abgrenzbare Verschattungen

Komplikationen:

  • Sepsis
  • Organbeteiligung
  • Meningitis mit oft letalem Ausgang (Hirnhautentzündung)
  • Herz-Kreislauf-Komplikationen (Schock!)
  • Pleuraergüsse
  • Lungenabzeß

Therapie:

  • Antibiotisch, bis 48h nach Entfieberung (Mittel der Wahl
    Penicillin G)
  • Allgemeine Maßnahmen zu Fiebersenkung und Flüssigkeit
  • Strenge Bettruhe
  • Sekretolytika
  • Atemgymnastik


Staphylokokken- und Streptokokken-Pneumonie

Heute ebenfalls sehr häufige Pneumonien, die oft einen
besonders schweren Verlauf nehmen.

Ursachen:

  • Aspiration
  • Vorangegangene Grippe oder Infekt

Die Symptome entsprechen weitgehend denen bei der Pneumokokken-Pneumonie
bereits erwähnten. Bei der Röntgenuntersuchung findet sich
meist keine dichte Infiltration, sondern viele verstreute Fleckschatten.

Therapie:

  • Antibiotika, als Mittel der Wahl Penicilline oder Cephalosporine.

Pneumonie durch Klebsiellen und gramnegative Darmbakterien

Die klinische Symptomatik entspricht im wesentlichen der der Pneumokokken-Pneumonie.

Unterschiede zur Pneumokokken-Pneumonie

  • Neigung zu Abzessen und Nekrosen
  • Eher schleichender Beginn
  • Meist Bronchopneumonie

Klebsiellen und andere gramnegative Darmbakterien zeigen hinsichtlich
ihrer Antibiotika-Empfindlickeit große Unterschiede. Man sollte
bis zur genauen Resistenzprüfung des Erregers die Therapie mit
einem Cephalosporin oder Tetrazyklin einleiten.

Atypische Pneumonien

Unter einer atypischen Pneumonie versteht man alle nicht durch Bakterien
oder Pilze hervorgerufenen Pneumonien, die sich im klinischen Verlauf
von dem der „klassischen“ Pneumonie unterscheiden. Sie
tritt — besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen, bis zu
10 mal häufiger auf als die bakterielle Lobärpneumonie,
in dieser Altersgruppe häufig epidemisch.

Erreger:

  • Mykoplasmen
  • Viren (besonder häufig Grippe-, Adeno- und RS-Viren)
  • Chlamydien
  • Rickettsien

Klinik:

  • Trockener, quälender Reizhusten mit fehlendem oder
    spärlichem Auswurf
  • Fieber, zumeist ohne Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Röntgen: vermehrte Streifen- und Fleckzeichnung der
    Lunge
  • Auskultation: unspezifisch, sehr oft Normalbefund
  • Merke: Bei atypischer Pneumonie häufig unspezifische
    Symptome und Missverhältnis zwischen körperlichen Untersuchungs- und Röntgenbefund.
  • Labor: toxische Granulationen der Leukozyten bei normaler
    oder erniedrigter Leukozytenzahl, Auftreten von Kälteagglutininen

Prognose:

Günstig bei unkompliziertem Verlauf.

Therapie:

  • Bettruhe
  • Sekretolytika
  • Inhalationen
  • Antibiotische Behandlung nach Antibiogramm

Pneumonien bei geschwächter Abwehr

Häufig bei:

  • Zytostatikatherapie
  • Strahlentherapie
  • AIDS (Erreger meist: Pneumocystis carinii)

Als Erreger kommen in Frage:

  • Pneumocystis carinii
  • Zytomegalie-Virus
  • Legionella (Erreger der Legionärskrankheit)

Diagnose:

In der Regel durch Lungenbiopsie

Die Therapie entspricht den allgemeinen Richtlinien der Pneumoniebehandlung,
wobei die antibiotische Therapie erst nach genauer Erregerbestimmung
einsetzen sollte.

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