Gesundheits und Krankheitslehre
Ein Gesamt Überblick
Appendizitis
= Entzündung des Wurmfortsatzes
Symptome:
- Schmerzen im rechten Unterbauch
- Übelkeit und Erbrechen
- rektal deutlich höhere Temperatur als axillar
Komplikationen:
- Perforation und Peritonitis
Therapie:
- operative Entfernung des Wurmfortsatzes
Chronisch-entz ündliche Darmerkrankungen
(Colitis ulcerosa und Morbus Crohn)
Ursache:
- chronische Autoimmunerkrankung im Darm
Colitis ulcerosa
- betrifft die Colonschleimhaut
Symptome:
- bis zu 20 blutige Durchfälle am Tag
Komplikationen: (Bsp.)
- Exsikkose, Anämie, Volumenmangelschock, Gewichtsabnahme (keine Nährstoffaufnahme
durch zu schnelle Entleerung)
- erhöhtes Darmkrebsrisiko
- Darmperforation
Morbus Crohn
- betrifft den gesamten Magen-Darm-Trakt von Speiseröhre bis Anus (meist abwechselnd
gesunde und betroffene Abschnitte)
Symptome:
- ca. 10 blutige Durchfälle am Tag
Komplikationen:
- Perforation von Darmschlinge zu Darmschlinge
―› Fistelbildung (= krankhafte Verbindungsgänge)
- Fistelbildung auch vom Darm zum Uterus möglich
―› Stuhl „fließt“ aus der Scheide
- Darmperforation, Anämie, Gewichtsabnahme, Sepsis, Volumenmangelschock
Therapie: (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn)
- ballaststoffarme Diät (werden im oberen Darm resorbiert)
- Cortison und andere entzündungshemmende Medikamente
- evtl. Immunsuppressiva
- bei Komplikationen operative Teilresektion des Darms
Divertikulose
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, besonders im Sigmabereich.
Ursache:
- genetisch bedingte Darmwandschwäche
Risikofaktoren:
- evtl. Obstipation (Pressen beim Stuhlgang)
Symptome:
- in der Regel symptomlos
Komplikationen:
- Entzündung der Divertikel (= Divertikulitis)
- Perforation
Therapie:
- wenn symptomlos keine Therapie
Divertikulitis
Symptome:
- Schmerzen im entzündeten Bereich (im linken Unterbauch bei Sigmabefall)
- Fieber
- Übelkeit und Erbrechen
- aufgeblähter Bauch (Stuhlprodukte gären)
Komplikationen:
- Perforation und Peritonitis
Therapie:
- Nahrungskarenz (nur parenterale Ernährung)
- Bettruhe
- Antibiotika
- Analgetika, z.B. Buscopan®
- bei Komplikationen Operation
Hämorrhoiden
= knotige Erweiterung des Adergeflechts im Analkanal
Risikofaktoren:
- Bindegewebsschwäche
- Obstipation
- Schwangerschaft (Blut aus dem Analkanal kann nicht so gut abfließen, da das Kind darauf „drückt“)
- viel Sitzen
Symptome:
- Juckreiz und Brennen (nach jedem Stuhlgang duschen, da zwischen den Hämorrhoiden Stuhlgang ist)
- Schmerzen v.a. beim Stuhlgang
- evtl. sichtbare Knoten
Komplikationen:
- Blutungen
- perianale Entzündung (um Anus herum)
- Thrombosierung (schmerzhaft) und Einklemmung
Therapie:
- symptomatisch Salben:
- Pflegesalben (z.B. mit Ringelblume)
- anästhesierende Salben
- cortisonhaltige Salben
- antibiotische Salben
- Änderung der Stuhlgewohnheiten
- Entfernung der Hämorrhoiden:
- Verödung = Sklerosierung (in Hämorrhoiden gespritztes Verödungsmittel)
- Gummibandligatur (Abklemmen der Hämorrhoiden mit Gummibändern ―› Absterben der Hämorrhoiden)
- Operativ
Prophylaxe:
- Obstipationsprophylaxe
Hernie (= Bauchwandbrüche)
An Schwachstellen der Bauchmuskulatur (= Bruchpforte) kommt es zu Ausstülpungen des Bauchfells
(= Bruchsack). In diese Ausstülpung verlagern sich Baucheingeweide, besonders Darmschlingen
(= Bruchinhalt).
(Buch S. 594 Abb. 5.329)
Häufige Bruchpforten:
- Leiste (Verlauf des Samenstrangs)
- Schenkel (unterhalb des Leistenbandes entlang der großen Blutgefäße zum Bein)
- Nabel
- Operationsnarben
- Zwerchfell (= Hiatushernie)
(Buch S. 594 Abb. 5.3309
Ursachen:
- angeborene Bauchwandschwäche
- schweres Heben
- Übergewicht
- Operationsnarben
Symptome:
- Vorwölbung der Bauchwand, anfangs nur beim Husten und Pressen
- evtl. Druckschmerz im Hernienbereich
Komplikationen:
- Einklemmung in der Bruchpforte mit Gefahr von Nekrosen, Peritonitis und Ileus
Therapie:
- operative Rückverlagerung des Bruchinhalts
- Bruchband bei Inoperabilität
Darmkrebs
- v.a. Colon- und Rektumcarcinom
Risikofaktoren:
- ballaststoffarme Ernährung
- gutartige Darmtumore, z.B. Polypen (= gestielter Schleimhauttumor)
Symptome:
- anfangs symptomlos
- Durchfälle und Verstopfung im Wechsel
- bei Rektum-Ca. häufiger bleistiftartiger Stuhlgang
- evtl. Blut im Stuhl
- Anämie
- reduzierter Allgemeinzustand, z.B. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
Komplikationen:
- später Metastasen
- Ileus
Therapie:
- operative Entfernung des befallenen Darmabschnitts, evtl. Anlage eines Anus praeter (= Stoma)
- Chemotherapie und Bestrahlungen (helfen aber kaum)
Ileus(= Darmverschluss)
= lebensbedrohliches Krankheitsbild mit Unterbrechung der Darmpassage
Formen:
a) mechanischer Ileus durch Verengung des Darmlumens
b) paralytischer Ileus durch Darmlähmung (keine Peristaltik vorhanden ―› Darm „steht“ offen)
Ursachen:
a)mechanischer Ileus:
- eingeklemmte Hernie
- Darmkrebs
- Kotsteine
- Narben
b) paralytischer Ileus:
- Entzündungen (z.B. Peritonitis, Pankreatitis)
- Operationen
- Verletzungen
- Mesenterialinfarkt (= Darmarterieninfarkt)
- schwere gallen- und Nierenkoliken
Symptome:
- reduzierter Allgemeinzustand (Fieber)
- Übelkeit und Koterbrechen
- aufgeblähter, prall-harter Bauch
- Stuhl- und Windverhalt
- Volumenmangel bis Schock durch Erbrechen und fehlende Resorption von Verdauungssäften
- bei mechanischem Ileus:
- krampfartige Bauchschmerzen
- heftige Darmgeräusche
- bei paralytischem Ileus:
- Druckgefühl
- keine Darmgeräusche
Therapie:
- Nahrungskarenz
- Legen einer Magen- und/oder Duodenal-Sonde und Absaugen des gestauten Sekrets
- Infusionen zum Flüssigkeitsausgleich
- Einlieferung ins Krankenhaus
- bei mechanischem Ileus Operation
- bei paralytischem Ileus Operation nur bei Verdacht auf Darmarterienverschluss oder Durchbruch; sonst konservative Therapie (parenterale Ernährung, Analgetika, evtl. hohe Einläufe,…)
TROTZ THERAPIE STERBEN VIELE PATIENTEN!
Peritonitis
= lebensbedrohliche Komplikation anderer Krankheiten
Ursachen:
- Hernien
- Divertikel
- Magenulcus
- Pankreatitis
- Adnexitis
- Appendizitis
Symptome:
- Bauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieber
Komplikationen:
- Schock
- Ileus
- Abszesse
- Sepsis
Therapie:
- Ursache behandeln
Lebererkrankungen
Wodurch wird die Leber geschädigt?
- Alkohol, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Medikamente
―› Fettleber ―› Fettleberhepatitis ―› Leberzirrhose ―› Leberzellcarcinom
- Virushepatitis (durch Hepatitis-Viren), Stauungsleber (bei Rechtsherzinsuffizienz), Autoimmunhepatitis
―› Leberzirrhose ―› Leberzellcarcinom
1. Fettleber
= Verfettung von Leberzellen
Ursachen:
- Alkohol
- Fettstoffwechselstörungen – Übergewicht
- Diabetes mellitus
Symptome:
- meist symptomlos
- Leber vergrößert tastbar
- Leberenzyme im Blut (Gamma-GT)
Therapie:
- Ursache behandeln
2. Virushepatitis
= Leberentzündung mit Nekrosen durch Hepatitisviren A, B, C, D, E, F, G
Ansteckung:
- bei A+B: fäkal-oral
- bei B+C+D: parenteral, sexuell, perinteral
Inkubationszeit:
- Wochen bis Monate
Betroffene sind infektiös vor Erkrankungsbeginn!
Typische Symptome:
(kann symptomlos verlaufen)
- grippeähnlicher Allgemeinzustand (Fieber, Gliederschmerzen)
- Magen-Darm-Symptomatik (Übelkeit, Appetitlosigkeit)
- Ikterus ―› Gallenfarbstoff wird in die Haut und nicht mehr ins Blut abgegeben; es kommt nicht im Darm an ―› heller Stuhl, bierbrauner Urin
- Milz- und Lebervergrößerung
Verlauf:
evtl. fulminant oder chronisch oder mit Übergang in die Leberzirrhose
Therapie:
- symptomatisch (Bettruhe, kein Alkohol, gesunde Ernährung)
- Medikamente, die die Virusvermehrung stoppen (Hepatitis B, C)
3.Leberzirrhose
= Absterben von Leberzellen und deren Ersatz durch hartes Bindegewebe, dadurch Verlust der
Leberfunktionen und Stau des Pfortaderblutes
Ursachen:
- (50%) Alkohol
- (25%) Virushepatitis B, C, D
- Stauungsleber bei Rechtsherzinsuffizienz
- Autoimmunhepatitis
Symptome:
1. allgemeine Symptome:
- reduzierter Allgemeinzustand, Müdigkeit
2. Leber ist etwas hart und etwas vergrößert
3. Zeichen der gestörten Leberfunktion:
- gestörte Fettverdauung (―› Völlegefühl) durch die fehlende Gallensaftbildung
- Gerinnungsstörungen und Blutungsneigung durch Mangel an Gerinnungseiweißen
- Ödeme durch Albuminmangel
- Ikterus durch verminderte Bilirubinausscheidung
- Hirnleistungsstörungen durch fehlende Ammoniakentgiftung, z.B. Zittern, verwaschene Sprache, Denkstörung (Verwirrtheit), Bewusstseinsstörung bis zu Koma und Tod
- hormonelle Störungen durch gestörten Abbau der Geschlechtshormone
4. Zeichen des Pfortaderstaus:
- Milzvergrößerung
- Aszites
- Ösophagusvarizen mit Blutungsgefahr:
Das gestaute Pfortaderblut fließt über eine Verbindung zwischen Magen- und Speiseröhrenvenen zur oberen Hohlvene ab.
5. Leberhautzeichen:
- rote Handflächen (= Palmarerythem)
- Spider naevi (= Gefäßspinnen)
- rote, glatte Zunge (= Lackzunge)
- gelbe Haut
Komplikationen:
1. schwere Blutung aus Ösophagusvarizen
2. Leberkoma
3. Leberzellcarcinom
Therapie:
- kausal: Lebertransplantation
- symptomatisch:
- leberschädigende Stoffe vermeiden
- kohlenhydratreiche Kost, eiweißarm, fettarm, flüssige Nahrung
- Diuretika, evtl. Albumin und Gerinnungseiweiße als Infusion
- zur Reduktion der Ammoniakbildung und –aufnahme im Darm Gabe von Lactulose und im Darm wirkenden Antibiotika
- Veröden der Ösophagusvarizen
- Shunt zwischen Pfortader und unterer Hohlvene
Aszites
= Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle
Ursachen:
- Leberzirrhose
- Rechtsherzinsuffizienz
- Blutabflussstörung in der Pfortader oder in der unteren Hohlvene
- Albuminmangel, z.B. bei Unterernährung, Leberzirrhose
- Bauchfellmetastasen: v.a. bei Magen-Darm-, Pankreas-, Leber- und Ovarialcarcinom
Erkrankungen der Gallenwege
1. Gallensteinleiden (= Cholelithiasis)
Gallensteine entstehen durch ungelöstes Cholesterin, Bilirubin oder Kalzium im Gallensaft.
Risikofaktoren:
- Frauen, Schwangerschaft
- Übergewicht
- Fettstoffwechselstörungen
Symptome:
- 75% „stumme“ Steine
- 25% rezidivierende Oberbauchschmerzen, v.a. bei fettem Essen
Komplikationen:
1. Gallenkolik:
- heftige, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, evtl. Ausstrahlung in Rücken oder in rechte Schulter durch Einklemmung eines Steins in den Gallenwegen
- starke Schmerzen, Schweißausbruch, Erbrechen, Kreislaufkollaps
2. Verschlussikterus:
- Gelbsucht durch Verstopfung des Gallenabflusses
- gleichzeitig heller Stuhl, brauner Urin und Juckreiz durch gestaute Gallensalze und –säure
3. Gallenblasenentzündung (= Cholezystitis)
4. Perforation (= Durchbruch) der Gallenblase:
- in die Bauchhöhle ―› Peritonitis
- ins Duodenum ―› Gefahr eines Ileus
5. Pankreatitis durch gestauten Pankreassaft
6. Gallenblasen-Carcinom durch chronische Cholezystitis
Therapie:
- keine Maßnahmen bei stummen Steinen
- Kolikbehandlung mit krampflösenden und schmerzstillenden Medikamenten
- bei Cholezystitis Antibiotika
- Entfernung der Steine:
- endoskopisch
- Steinzertrümmerung mit Stoßwellen
- medikamentöse Steinauflösung
- operative Entfernung der Gallenblase (= Cholezystektomie)
- Rezidive verhüten durch Gewichtsabnahme und Cholesterinsenkung (z.B. mit Sortis®)
2. Cholezystitis und Cholangitis
= Entzündung der Gallenblase und -wege
Ursache:
- vom Darm aufsteigende Bakterien bei Gallenabflussstörungen z.B. durch Gallensteine
Symptome:
- Schmerzen im rechten Oberbauch
- Übelkeit, Erbrechen
- Fieber
- oft Ikterus und Juckreiz
Komplikationen:
- Gallenblasenempyem (= Eiteransammlung in der Gallenblase)
- chronische Entzündung ―› Carcinom
Therapie:
- Fieber senken
- Null-Diät
- Infusionen
- Analgetika, Antibiotika
- Bettruhe
- nach Abklingen der akuten Symptome Ursache behandeln, z.B. Stein entfernen
Ikterus
= Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten durch den Anstieg des Bilirubins im Blut („Gelbsucht“)
Ursachen:
1. Hämolyse (= starker Abbau von Erythrozyten)
2. schwere Leberkrankheiten
3. Verschluss der Gallenwege
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
1. Akute Pankreatitis
= plötzlich einsetzende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Selbstandauung, d.h. die Enzyme des
Bauchspeichels greifen die Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstören diese
Ursachen:
- Alkohol
- Gallenwegserkrankungen
(häufig unklar)
Symptome:
- plötzlich einsetzender, schwerer, gürtelförmiger Dauerschmerz im Oberbauch
- Übelkeit, Erbrechen
- Meteorismus
- Fieber
Komplikationen:
- Peritonitis
- Aszitis
- Ileus (paralytischer)
- Abszesse (Eiteransammlung im entzündeten Bereich)
- Sepsis
- Kreislaufschock durch Volumenmangel und Gefäßerweiterung.
Der Verlauf ist oft lebensbedrohlich.
Therapie:
- parenterale Ernährung
- Intensivpflege
- Analgetika, Antibiotika
- Schockbekämpfung
- evtl. OP ―› Nekrosenentfernung
2.Chronische Pankreatitis
= langsam fortschreitende Bauchspeicheldrüsenentzündung mit zunehmendem Verlust der exokrinen und endokrinen Pankreasfunktion
Ursache:
- Alkohol
Symptome:
- immer wieder Schmerzen im Oberbauch
- Fettstühle
- Gewichtsabnahme
- später Diabetes mellitus
- evtl. Schübe von akuter Pankreatitis
Therapie:
- kein Alkohol
- Gabe von Pankreasenzymen, z.B. Kreon®
―› Lipase, Amylase und Elastase sind Enzyme, die beim Blutbild erhöht sind.
3. Pankreascarcinom
Ursache:
- noch unklar
Symptome:
- unklare Oberbauchschmerzen
- Gewichtsverlust
- später Ikterus mit Juckreiz
Therapie:
- ausgedehnte Operation
- evtl. Ableitung des Gallensaftes
Akutes Abdomen
= plötzlich einsetzende, schwere Bauchschmerzen, die ein sofortiges Eingreifen erfordern
Ursachen:
- akute Entzündungen im Bauchraum
- Blutungen und Perforation im Bauchraum
- Ileus
- Mesenterialinfarkt
- verschiedene gynäkologische Erkrankungen, z.B. Eileiterdurchbruch
- Harnverhalt
- Hodenstieldrehung
- Nierensteineinklemmung ―› Nierenkolik
- Gallenkolik
- Herzinfarkt
- Platzen eines Aortenaneurysmas
- Bandscheibenvorfall
|