Autor/in: Judith M.

Funktionsstörungen der Schilddrüse

Anatomie/Physiologie

1) Anatomie: Glandula thyreoidea

  • Liegt ventral im unteren Halsbereich – medial vor dem Kehlkopf – direkt unter der Haut der Halswurzel – vor und beidseits der oberen Trachea. Beide Seitenlappen sind durch eine Gewebebrücke (Isthmus) miteinander verbunden, wodurch sich das Bild eines Schmetterlings ergibt. Sie wiegt ca. 20-30g. Die Größe kann variieren, ohne dass ein Krankheitsbefund vorliegt.
  • Die Schilddrüse besteht aus kleinen Läppchen, die aus Follikeln aufgebaut sind. Hier werden aus Aminosäuren und Jod die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin) produziert.
  • Die Hormone werden in die Follikelhohlräume ausgeschüttet und als Schilddrüsenkolloid gespeichert.
  • Im interfollikulären Bindegewebe befinden sich C-Zellen, die das Calcitonin bilden. Calcitonin ist der Antagonist des Parathormons.

2) Physiologie

  • Für die Synthese von T3 und T4 ist die Schilddrüse auf einen normalen Jodstoffwechsel angewiesen.
  • Jod wird mit Wasser und der Nahrung aufgenommen und im Magen-Darmtrakt resorbiert.
  • Jod wird aktiv aus dem Blut in die Schilddrüse transportiert (Jodination)und zu elementarem Jod oxidiert und angelagert (Jodisation).

3) Hormoneller Regelkreis der Schilddrüse

  • Als Hormondrüse ist die Schilddrüse in den hormonellen Regelkreis eingebunden.
  • Bildung, Speicherung und Abgabe der Schilddrüsenhormone werden über einen Rückkopplungsmechanismus in übergeordneten Zentren im Gehirn gesteuert (Hypothalamus, Hypophyse).
  • Die Schilddrüse wird von dem im Hypothalamus gebildeten Hormon TRH (Thyroliberin) gesteuert, das auf die Synthese und Freisetzung des Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wirkt. TSH wird im Hypophysenvorderlappen gebildet.
  • Im Regelkreis Hypothalamus-Hypophyse-Schilddrüse wirken T3 und T4 negativ rückkoppelnd, d.h.:
  • Bei erhöhten Plasmakonzentrationen der beiden Hormone wird Ausschüttung von TSH gedrosselt,
  • Bei erniedrigten Konzentrationen wird die Ausschüttung gesteigert.
  • Schilddrüsenhormone fördern:
    • Glukoseresorption,
    • Kohlenhydratumsatz,
    • Sauerstoffverbrauch,
    • Wärmeproduktion,
    • Cholesterinabbau,
    • Entwicklung von Intelligenz, ZVS, Genitalorganen, Skelettreifung, Muskelkontraktilität, Herzfrequenz, Schlag- Minutenvolumen, Blutdruckamplitude.
  • Schilddrüsenhormone hemmen:
    • Bildung energiereicher Phosphate,
    • Glykogensynthese,
    • Kohlenhydrattoleranz,
    • Proteinsynthese,
    • Energieausnutzung.

4) Erkrankungen der Schilddrüse und Erläuterungen

  • Euthyreote Struma (Kropf durch Jodmangel),
  • Hyper- und Hypothyreose,
  • Thyreoiditis (durch Autoimmunprozesse, Viren, Bakterien)und Struma maligna (Karzinom der Schilddrüse).
  • Struma bedeutet Vergrößerung der Schilddrüse, unabhängig von der Ursache. Durch eine Struma kann die Trachea eingeengt oder flachgedrückt werden.
  • Bei einer euthyreoten Struma ist der Hormonhaushalt und der Stoffwechsel ausgeglichen, was aber nur durch die Vergrößerung der Schilddrüse möglich ist, die so aus wenig Jod genügend Hormone bilden kann. Sie kommt vor allem in Jodmangelgebieten vor.
  • Mit Ausnahme der Küstengebiete ist die gesamte BRD ein Jodmangelgebiet, besonders in Gebirgsgegenden. Hier enthält das Trinkwasser sehr wenig Jod.
  • Ein Erwachsener benötigt 200µg Jod/Tag.
  • Eine Ernährung mit jodhaltigem Speisesalz und z.B. Seefischen beugt der euthyreoten Struma vor.

II. Hyperthyreose

1) Definition

  • Eine Schilddrüsenüberfunktion beruht auf einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen. Meistens aufgrund einer Schilddrüsenautonomie ohne Kontrolle durch die übergeordneten Zentren. Ursache der Hyperthyreose kann auch eine vermehrte exogene Zufuhr von Schilddrüsenhormonen sein.
  • Prävalenz: 0,1-2%.Frauen sind 5-mal häufiger betroffen als Männer.

2) Ätiologie

  • Autonome Schilddrüse: Abgegrenzte Knoten – meist benigne Adenome oder diffus über das gesamte Gewebe verteilte autonome Zellen – produzieren ungehemmt Schilddrüsenhormone, ohne auf übergeordnete Zentren zu reagieren.
  • M. Basedow: Chronische Autoimmunerkrankung. Die Autoantikörper besetzen die TSH-Rezeptoren und lösen eine ständige Stimulation der hormonbildenden Zellen aus.
  • Selten tritt eine Hyperthyreose durch eine Thyreoiditis, Schilddrüsenkarzinom oder Überdosierung von Schilddrüsenhormonen auf.

3) Klinik

  • Die Symptome betreffen den gesamten Organismus:
  • Nervosität, Gewichtsabnahme, Schwitzen, Tachykardie, evtl. Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche und Fingertremor, schnelle Ermüdung nach Belastung, erhöhte Stuhlfrequenz, Haarausfall, feuchtwarme Haut, evtl. Belastungsdyspnoe.
  • Bei älteren Menschen kann die Erkrankung symptomarm verlaufen und sich lediglich durch Gewichtsverlust, Schwäche und Herzrhythmusstörungen zeigen.
  • Beim M. Basedow ist das Vortreten der Augäpfel, Rückzug des Oberlides, seltener Lidschlag sowie das prätibiale Myxödem charakteristisch. Im Gegensatz zu Ödemen bei Herzkranken bleibt nach Druck keine Delle zurück.
  • Komplikation: Lebensbedrohliche thyreotoxische Krise, die bis zum Koma führen kann. Tritt spontan oder nach Gabe jodhaltiger Kontrastmittel bei unerkannter Hyperthyreose auf. Letalität beträgt 30-50%. Symptome sind hochgradige Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, Muskelschwäche und Erregung, die später von Somnolenz und Koma abgelöst wird. Sofortige intensivmedizinische Behandlung notwendig.

4) Diagnose

  • Labordiagnostik (Messung des TSH-Spiegels,…),Sonographie, Szintigraphie.

5) Therapie

  • Thyreostatika zur Hemmung der Hormonsynthese (Carbimazol und Thiamazol),
  • Radiojodtherapie: orale oder intravenöse Gabe von radioaktivem Jod 131, das die überproduzierenden Anteile Zerstört.
  • Operation: Reduzieren von Schilddrüsengewebe, vor allem bei toxischem Adenom, Druck auf die Trachea, großen thyreotischen Knotenstruma und bei Karzinomen.

III. Hypothyreose

1) Definition

  • Als Hypothyreose wird eine Unterfunktion der Schilddrüse mit daraus resultierendem Mangel an Schilddrüsenhormonen bezeichnet.
  • Man unterscheidet die primäre Hypothyreose, bei der die Ursache in der Schilddrüse liegt und die sekundäre Hypothyreose, bei der ursächlich eine Störung der Hypophyse vorliegt.

2) Ätiologie

  • Eine Hypothyreose ist oft Folge einer:
  • Thyreoiditis mit Zerstörung von Schilddrüsengewebe,
  • Hypophysenvorderlappeninsuffizienz mit Mangel an TSH,
  • Schilddrüsenoperation mit zu weitgehender Resektion von Gewebe,
  • Zu starke Jod 131-Wirkung unter Radiojodtherapie,
  • Überdosierung von Thyreostatika.
3) Klinik
  • Der Beginn ist schleichend mit Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Verlangsamung und Desinteresse. Sie wird darum oft als Depression oder senile Demenz verkannt.
  • Es zeigen sich folgende Symptome:
  • Kühle, blasse, trockene und rauhe Haut,
  • Generalisiertes Myxödem (teigige Schwellung der Haut),
  • Trockene, struppige Haare, Haarausfall,
  • Tiefe, heisere Stimme,
  • Kälteintoleranz,
  • Obstipation,
  • Gewichtszunahme,
  • Bradykardie, evtl. Herzinsuffizienz,
  • Reflexe verlangsamt
  • Komplikation: Myxödem-Koma: Verstärkte Symptome, Bewusstseinstrübung, Krampfanfälle, Atemstörung, Hypothermie, Elektrolytentgleisung. Therapie erfolgt intensivmedizinisch mit Schilddrüsenhormon- und Glukokortikoidgabe.
4) Therapie
  • Dauersubstitution mit Schilddrüsenhormonen, z. B. Euthyrox.
  • Zur Vermeidung von Herzbeschwerden werden die Medikamente einschleichend dosiert.
  • Je älter der Erkrankte ist, desto vorsichtiger erfolgt die Dosierung.

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