Facharbeit während des Anerkennungspraktikums zum Examen
Heilerziehungspflege
Verfasser: Marko Heinrich
Vorwort
In dem Zeitraum, in dem ich diese Facharbeit verfaßte, war ich
in einem Wohnbereich für schwer führbare Heimbewohner des Sächsischen
Fachkrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie Großschweidnitz
- Heimbereich - tätig. Die vorherrschenden Krankheitsbilder waren
die chronisch verlaufenden Schizophrenien, vor allem die paranoid - halluzinatorische
Form.
Die Eigenheiten der Heimbewohner und der nicht gerade leichte Umgang
mit ihnen haben mich dazu bewogen, mich mit diesem Thema näher auseinanderzusetzen.
Vor allem wollte ich die Ursachen verstehen, warum sich Menschen gerade
so verhalten. Zur Erläuterung verschiedener Phänomene des Krankheitsbildes
und zur Betreuung habe ich mich bemüht, selbst erlebte Fallbeispiele
zuzuordnen und eigene Beobachtungen in die Fakten mit eingeflochten.
Inhalt:
Vorwort
1. Übersicht und allgemeines zu den
Schizophrenien
1.1. Geschichte, Definition und
Abgrenzung des Begriffes Schizophrenie
1.2. Erkrankungsrisiko
1.3. Krankheitsentstehung
und Krankheitsverlauf
1.4. Verlaufsformen
und Prognose
1.5. Rückfallgefahr
bei Schizophrenien
1.6. Formen der
Schizophrenie
1.7. Störungen
bei schizophrenen Erkrankungen
1.8. Ursachen und
Entstehung von Schizophrenien
2. Das Krankheitsbild
und eigene Beobachtungen in der Praxis
2.1. Das äußere
Erscheinungsbild
2.2. Die Sprache
2.3. Wahrnehmungsstörungen
2.3.1. Halluzinationen
2.3.1.1. Akustische
Sinnestäuschungen
2.3.1.2. Optische
Sinnestäuschungen
2.3.1.3. Olfaktorische
und gustatorische Sinnestäuschungen
2.3.1.4. Leibliche
Halluzinationen
2.3.2. Wahrnehmungsveränderungen
2.3.2.1. Quantitative
Wahrnehmungsveränderungen
2.3.2.2. Qualitative
Wahrnehmungsveränderungen
2.4. Der Wahn
2.5. Ich - Störungen
2.6. Affektstörungen
2.6.1. Depressionen
2.6.2. Weitere
Gemütsstörungen
2.7. Autismus
2.8. Störungen
des Denkens
2.9. Nachtrag
3. Behandlung schizophrener
Psychosen
4. Betreuung, Möglichkeiten
der Rehabilitation und Umgang mit schizophrenen
Heimbewohnern
4.1. Der Hospitalismus
4.2. Problematik
im Wohnbereich
4.3. Der Umgang
mit Schizophrenen
4.4. Behinderung
und Förderansätze
5. Abschließende
Gedanken
6. Quellenangabe
1. Übersicht und Allgemeines zu den
Schizophrenien 
1.1. Geschichte, Definition und Abgrenzung
des Begriffes Schizophrenie 
Infirme Menschen, die ohne ( mit den Methoden ihrer Zeit ) erkennbare
Hirnkrankheit in Leid und Versagen geraten waren, die als Störungen
des Gemütes, des Geistes, Verstandes, der Freiheit, des Willens
galten, gibt es nicht erst seit der "modernen industrialisierten
Zivilisation", wie manche meinen. Die "gespaltene Seele" galt
schon früher als die Geisteskrankheit schlechthin. Eine der frühesten
Beschreibungen findet sich von 1400 v. Chr.
W. Shakespeare formulierte in seinem "Macbeth": `...mit einer
Methode im Wahnsinn nach und nach eine Welt von Bildern an die Stelle
der Wirklichkeit setzen...`
Im späten 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts findet
man eine Fülle von Schriften mit zahlreichen Beschreibungen klinischer
Zustandsbilder, in denen wir das wiederfinden, was wir heute dem Begriff
Schizophrenie zuordnen würden.
Heinroth und Ideler sprachen 1838 von einer "Krankheit der ganzen
Person", Feuchtersleben prägte 1845 den Begriff "Persönlichkeitskrankheiten",
von Kraepelin stammt die Bezeichnung "Dementia praecox" ab
1893. Das heißt soviel wie früh erworbener, geistiger Abbau
- was aber nicht stimmt, wie man heute weiß. Die Geschichte der
Medizin kennt noch viele Namen für die Schizophrenie: Spaltungsirresein,
Dummheit, Torheit oder Pubertätswahnsinn. Um die Fülle der
Bezeichnungen in den Griff zu bekommen, suchte man nach Kriterien der Ähnlichkeit
der Zustandsbilder (Syndrome) und nach den Gemeinsamkeiten des Verlaufes.
Eugen Bleuler gilt seit 1908 als der Taufpate des Begriffes "Gruppe
der Schizophrenien". Gemeint war damit eine Trennung oder Spaltung
des Geistes und Bewußtseins sowie psychischer Funktionen: ein Nebeneinander
von gesunden und kranken Verhaltensweisen.
Bleuler unterscheidet zwischen Grundsymptomen und Nebensymptomen.
» Die Grundsymptome beschreibt er wie
folgt:
- Störung des Assoziierens (Gedankenzusammenhänge erfassen)
- Störung der Affektivität (gemütliche Verblödung)
- Ambivalenz (Patient ist hin - und hergerissen, kann sich nicht entscheiden,
das Denken und das Handeln sind ziellos)
- Autismus (der kontakt mit der Umwelt wird abgebrochen, der Kranke zieht
sich in sich zurück)
- Störung des Willens und des Handelns
» Die Nebensymptome sind:
- Sinnestäuschungen (Halluzinationen meist akustischer Art, Wahnideen)
- Gedächtnisstörungen (Patient kann sich an verschiedene Dinge
nicht mehr erinnern)
- katatone Symptome (übermäßig produzierte Körperenergie
läßt Spannungszustände entstehen
- Störungen der Schrift und der Sprache (Sprachzerfall)
» Der Begriff Schizophrenie kommt aus
dem Griechischen:
schizein, also spalten und phren - das Zwerchfell, wo man in der Antike
Geist und Seele beheimatet sah.
» Nach ICD sind Schizophrenien:
- Eine Gruppe von Psychosen mit tiefgreifender Persönlichkeitsstörung
und charakteristischen Denkstörungen.
Die Erkrankung geht einher mit Wahnideen (Paranoia) und einer gestörten
abnormen Affekt und Autismus. Im allgemeinen bleiben ein klares Bewußtsein
und die intellektuellen Fähigkeiten erhalten.
Doch selbst bei der Definition gibt es verschiedene Lehrmeinungen - heute
genau so, wie damals.
K. Schneider meint: es gibt Merkmale, die man Schizophrenie nennt." Diese
Symptome heiße ich Schizophrenie." Die Merkmale unterteilt
Kurt Schneider Symptome I. und II. Ordnung.
Die Symptome I.Ordnung sind
seiner Ansicht nach:
- die Störung des Affektes und des Kontaktverhaltens (Affektverschiebung,
der Affekt ist losgelöst von der Situation)
- die Denkstörung (Zerfahrenheit, Gedanken laut werden, Gedankendrängen,
Gedankensperrungen)
- Hören von Stimmen mit präzisem Inhalt, also Rede und Gegenrede
- Stimmen, die Handlungen begleiten
- Gedankenentzug und andere Gedankenbeeinflussungen
- Fremdbeeinflussung (äußere Beeinflussung, Ich - Grenzstörung)
» Die Symptome II. Ordnung:
Hierunter zählt K. Schneider die Sinnestäuschungen, Wahneinfälle,
Ratlosigkeit und depressive Verstimmtheitszustände.
Eine weitere Definition besagt:
Der Schizophreniebegriff ist eine Konversion (Vereinbarung) über
eine Reihe von Kriterien.
1.2. Erkrankungsrisiko 
Das Erkrankungsrisiko ist überall auf der Welt gleich. Schizophrenie
ist eine Krankheit, die meist mit Armut, sozialer Isolierung, Perspektivlosigkeit
und Entwurzelung verbunden ist. Prinzipiell liegt die Anlage in jedem
Menschen. Etwa einer von hundert leidet darunter so stark, daß er
irgendwann in seinem Leben mit der Psychiatrie in Berührung kommt.
Damit ist diese Störung die häufigste Psychose überhaupt.Frauen
und Männer sind annähernd gleich betroffen. Der Ausbruch des
Leidens ist eigentlich in fast jedem Lebensalter möglich. Allerdings
scheint es bestimmte Schwerpunkte zu geben und zwar je nach Geschlecht.
Schon vor 100 Jahren viel auf, daß Frauen mehrere Jahr später
erkranken, als Männer. Beim männlichen Geschlecht liegt der
Zeitpunkt des Krankheitsausbruches meist zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr.
Rückblickend kann man aber bei nicht wenigen Patienten die ersten
Symptome schon um das 10. Lebensjahr herum registrieren. Bei den Frauen
findet sich ein erster flacher Anstieg des Erkrankungsrisikos zwischen
dem 20. und 29. Lebensjahr und ein zweiter zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr.
Hier hat das weibliche Geschlecht dann aber auch ein dreifach erhöhtes
Erkrankungsrisiko.
1.3. Krankheitsentstehung und Krankheitsverlauf 
Eine Schizophrenie ereilt einen Menschen nicht plötzlich, wie etwa
ein Schlaganfall. Vielmehr ist es ein längerer, ein schleichender
Prozeß, den der Kranke durchmacht. Genau genommen verläuft
die Krankheitsentstehung in fünf Phasen, die mehr oder weniger ineinander übergehen.
Einem Menschen ist plötzlich seine Umwelt nicht mehr vertraut, sie
kommt ihm verändert vor. Und genau hier beginnt die erste Krankheitsphase
- das Trema: Irgend etwas liegt in der Luft, der Patient kann depressiv
verstimmt sein. Er ist erfüllt von Unruhe, Angst und allgemeiner
Verunsicherung. Seine Angst und Unsicherheit kann der Patient nicht benennen,
er empfindet es vielmehr wie eine Vorahnung, daß etwas unbestimmtes
auf ihn zukommt. In dieser Krankheitsphase besteht erhöhte Suizidgefahr
- eben aufgrund der Angst und der Ungewißheit .
Nach und nach lockern sich die Gedankengänge auf - der Patient befindet
sich in der zweiten Phase, der sogenannten Apophänie. In Vorgänge,
Gespräche, Tätigkeiten u.s.w. werden völlig abnorme Bedeutungen
interpretiert. Plötzlich sieht er sich in einem Zentrum von Machenschaften
(Zentrismusgefühl). Alles dreht sich um "mich"... Der
Kranke wird sich selbst fremd, doch er weiß nicht, daß er
an einer Psychose erkrankt ist. Der Kontakt zur Umwelt wird zwar geändert,
aber der Intellekt bleibt bestehen. Viele Schizophrene sind kreative
Künstler, Maler etwa oder Dichter - ein berühmtes Beispiel
ist Friedrich Hörderlin. Die Wahngedanken und Wahnwahrnehmungen
nehmen zu und treten deutlicher in den Vordergrund. Man spricht von einer
Plussymptomatik, da hier ein "Mehr" an Denken und Fühlen
auftritt. Dabei tragen sicher viele Wahnvorstellungen einen Kern von
Wahrheit in sich. So mag beispielsweise die Vorstellung falsch sein,
vom Nachbarn verfolgt zu werden, aber daß der Nachbar mit kleinen
Bosheiten quält, kann durchaus Realität sein. Die Freunde werden
nicht mehr als Freunde erkannt, da ja auch sie in die Machenschaften
verstrickt sind, die gegen "mich" gerichtet sind. So beginnt
schon hier der Autismus, der Rückzug aus der sozialen Umwelt.
Doch die Krankheit steigert sich noch. Mit der Apokalyptischen Phase
erreicht sie ihren vorläufigen Höhepunkt: Dies ist das Stadium
des Sprachzerfalles, des Zerfalles des Denkens, der Zerfahrenheit. Zustände
schwerer Angst und rauschhaft gehobener Stimmung wechseln einander ab.
Auch können sich hier schwerste katatone Symptome zeigen. Dies ist
meist der akute Zustand, in welchem der Patient zur Aufnahme in ein Krankenhaus
kommt.
In der Phase der Konsolidierung läßt der schwere Sprachzerfall
meist wieder nach. Dem Patienten geht es wieder besser, er kommt wieder
zu der Überzeugung: "nicht ich stehe im Mittelpunkt".
Man bezeichnet dies auch als "kopernikanische Wende".
Die fünfte und letzte Phase der Erkrankung ist der Residualzustand.
Solche Menschen findet man dann meist als Heimbewohner in Pflegeheimen
wieder. Das energetische Potential geht verloren, der Kranke besitzt
eine ungenügende Willenskraft. Dadurch ist auch der Antrieb zu Verrichtungen
des alltäglichen Lebens stark herabgesetzt. Außerdem ist er
abgestumpft, er kann sich nur schwer und nicht längere Zeit konzentrieren
und ist schnell erschöpft. Man spricht hier auch von einer Minussymptomatik
- es steht also ein "Weniger" an Antrieb und Interesse im Vordergrund.
Er zieht sich zurück, vernachlässigt Aussehen, Kleidung, Beschäftigungen
und soziale Kontakte.
Hinzufügen möchte ich noch, daß nicht jeder Erkrankte
alle diese Phasen während des Krankheitsverlaufes durchlebt.
1.4. Verlaufsformen und Prognose der Schizophrenie 
nnen akut und dramatisch auftreten oder schleichend für Außenstehende
kaum feststellbar. Im wesentlichen unterscheidet man folgende Verlaufsformen:
- Die schizophrene Episode tritt einmal im Leben auf. Rückfälle
oder eventuelle Spätfolgen bestehen nicht. Nach Ausheilung der Erkrankung
lebt der Betreffende ganz normal weiter wie vor dem Krankheitsausbruch.
- Beim phasenhaften Verlauf tritt die Krankheit beliebig oft im Leben
des Betreffenden auf, heilt aber zwischendurch immer wieder aus, so daß derjenige
in "krankheitsfreien Abschnitten" ganz normal leben kann.
- Bei den Krankheitsschüben gibt es keine Ausheilung, der Patient
erreicht nie wieder den normalen Ausgang, ein normales Leben wie vor
der Krankheit. Die Intensität der Psychose schwankt hingegen - ähnlich
einer Wellenform. Die Suizidgefährdung solcher Menschen ist meist
erhöht - besonders am Anfang und am Ende eines Schubes.
- Die unheilbare Verlaufsform verläuft chronisch bleibt in ihrer
Intensität konstant erhalten oder verschlimmert sich in einigen
Fällen langsam.
Etwa ein Drittel der Betroffenen erfahren eine Heilung ohne spätere
Folgen, auch sind Spontanheilungen möglich. Ein weiteres Drittel
hat wiederholt Krankheitsepisoden mit leichten oder keinen Behinderungen
und beim letzten Drittel ist die Psychose chronifiziert, einhergehend
mit andauernden Behinderungen und Persönlichkeitszerfall.
1.5. Die Rückfallgefahr bei Schizophrenie 
Die Anlässe für einen Rückfall sind nicht so sehr krankheitsspezifisch,
sondern richten sich eher nach dem jeweiligen Individuum, seiner Persönlichkeitsstruktur,
seinen Nöten, zwischenmenschlichen Problemen, usw. Sie sind also
subjektiv und können deshalb nur schwer von außen beurteilt
und schon gar nicht verallgemeinert werden.
Häufig sind es Verlusterlebnisse im zwischenmenschlichen Bereich,
z.B. Tod, schwere Erkrankungen, Trennung, Scheidung, ferner Umzug, Verlassenwerden,
welche Anlässe für einen Rückfall darstellen.
Auch langwierige, zermürbende Auseinandersetzungen auf familiärem,
partnerschaftlichem, oder sonstigem Gebiet wären ein Anlaß.
Daneben belasten auch körperliche Auslösefaktoren wie Überforderung,
Erschöpfung, Operationen, Erkrankungen, besonders Schlafmangel,
Alkoholexzesse, Drogenkonsum und anderes.
Es können aber auch Belastungen sein, die jedermann und zu jeder
Stunde hinnehmen muß. Dazu gehören nicht nur ungewöhnliche,
unerwartete oder vielleicht oder vielleicht auch nur neue Anforderungen
in Familie, Beruf, Nachbarschaft. Es können auch zu große
Dichte oder Nähe zu anderen Menschen sein - also Trubel und Rummel.
Ferner optische oder akustische Stimulationen wie Plakat - oder Leuchtreklame
- Werbung.
Alles Dinge, die der Gesunde als gewohnt, höchstens aber als lästig
empfindet.
Doch wie kündigt sich ein schizophrener Rückfall an? Auf was
sollte man achten? Ein Rückfall kann zwar plötzlich auftreten
, aber meist hat man dann die Vorzeichen übersehen.
Die meisten dieser "Warnsymptome" sind eher unspezifisch und
keine psychotischen Krankheitszeichen. dazu gehören beispielsweise
Angespanntsein, Nervosität, Merk - und Konzentrationsstörungen,
innere Unruhe, Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen.
» Die bereits wieder psychotischen
Symptome im Rahmen eines drohenden Rückfalles sind nun:
- ängstliche Unruhe, Spannung, Nervosität
- Der Betroffene wird immer humorloser, legt jedes Wort auf die Goldwaage.
- eine wachsende Reizbarkeit, ja Aggressivität
- Der Kranke kann sich über Kleinigkeiten aufregen, das ganze wächst
zu einer Art reizbarer Schwäche und Hilflosigkeit.
- Gemütsstörungen können auftreten
- kognitive Beeinträchtigungen werden deutlicher (Konzentration,
Merkfähigkeit lassen spürbar nach)
- körperliche Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen bis
zur völligen Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Bewegungsstörungen
- auffälliges Verhalten wie rastloses Umherwandern oder die Verweigerung
von Nahrung
- Rückzug und Isolation
1.6. Die Formen der Schizophrenie 
Eugen Bleuler sprach von einer Gruppe der Schizophrenien. Damit ist schon
angedeutet, daß die Krankheit verschiedene Formen bietet. Unterschieden
werden diese nach der unterschiedlichen Ausprägung der Symptome.
Erwähnen möchte ich hier die vier bekanntesten Formen, wobei
auch hier wieder verschiedene Lehrmeinungen existieren, die manche Formen
teilweise zusammenfassen, oder anders bezeichnen.
Die wohl bekannteste Form ist die pranoid - halluzinatorische Schizophrenie.
Wie dem Namen zu entnehmen, ist sie vor allem durch ausgeprägte
Wahn - und Halluzinationssymptomatik geprägt.
Die hebephrene Form, auch meist als Hebephrenie bezeichnet, beginnt meist
im jugendlichen Alter. Ihre Kennzeichen sind besonders Veränderungen
im affektiven Bereich, wie z.B. eine läppische Gestimmtheit. Die
Prognose ist häufig ungünstig.
Bei der katatonen Form oder Katatonie stehen psychsomatische Störungen
im Vordergrund. Es liegen hier zwei Extreme vor: die hochgradige Erregung
und der Stupor, also die Erstarrung.
Die Schizophrenia simplex entwickelt sich langsam ohne deutliche Ausprägung
typischer Symptome wie Wahn oder Halluzinationen. Die Grundsymptome entwickeln
sich über viele Jahre hinweg und der Erkrankte verliert an Leistungsvermögen,
Initiative und Kontaktfreudigkeit.
1.7. Störungen bei schizophrenen Erkrankungen 
Unter welchen Funktionseinschränkungen und Störungen leiden
nun schizophrene Menschen?
Die Informationsverabeitung ist gestört, das heißt Prozesse
der Zuordnung, die Verknüpfung und Verwertung von Informationen
verlaufen abnormal.
Die Selektion wichtiger und unwichtiger Reize ist gestört. Es entsteht
eine Reizoffenheit und damit eine große Empfindlichkeit des Patienten
- er fühlt sich zum Beispiel oft angesprochen und ist sehr mißtrauisch.
Wichtige und unwichtige Sachen können nicht getrennt werden.
Die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache ist oft stark reduziert.
Die Reizerkennung ist gestört, ebenso wie die Reizzuordnung und
das Erkennen ihrer Bedeutung. Die Folge ist, daß der Patient schneller
ermüdet.
Die Denkvorgänge lassen sich nicht mehr leiten. Die Gewohnheitshierachie
geht verloren. Den Patienten verunsichern daher ungewohnte Abläufe
im realen Leben.
Außerdem kommt es zum Verlust des allgemeinen energetischen Potentials,
was zum sozialen Rückzug und zur Interessenlosigkeit führt.
All dies nennt man Basisstörungen, von denen wiederum andere Störungen
abhängen
1.8. Ursachen und Entstehung von Schizophrenien 
Die Frage nach den Ursachen der Schizophrenie ist noch nicht endgültig
beantwortet. Es ist aber heute gesichert, daß nicht eine Ursache
für die Erkrankung verantwortlich ist, sondern daß mehrere
Ursachen zusammenkommen - man spricht auch von einem Faktorenbündel,
welches auf den Patienten eingewirkt und somit die Krankheit ausgelöst
hat. Die Aufklärung der Zusammenhänge zwischen Genen und Schizophrenie
ist eine lange Geschichte.
Der amerikanische Psychiater K. Kendler versuchte mit vielen anderen
Forschern diesem Zusammenhang auf die Spur zu kommen.
Nach langen und aufwendigen Untersuchungen - so zum Beispiel DNA - Analysen
- fand man gewisse Unterschiede zwischen gesunden und erkrankten Menschen.
Bestimmte Strukturen auf dem Chromosom 6 sind bei Kranken gehäuft
und darüber hinaus fand man Auffälligkeiten bei weiteren Chromosomen.
Der Kieler Wissenschaftler Hans Moises meint: "Schizophrenie muß man
nun eher mit allgemeinen Merkmalen vergleichen, etwa der Körpergröße."
Die Zwillingsforschung soll gegenwärtig die beste Möglichkeit
darstellen, die Bedeutung der Erblichkeit zu untersuchen. Wäre Schizophrenie
eine reine Erbkrankheit, würden beide Zwillinge erkranken, wenn
sie eineiig sind. Dies ist aber nicht der Fall. Allerdings weist die
Tatsache, daß Zwillinge eine höhere Übereinstimmung bei
der Krankheit haben, gleichzeitig auf eine Bedeutung der Erbfaktoren
hin.
2. Das Krankheitsbild der Schizophrenien und eigene Beobachtungen
in der Praxis 
Wie bereits erwähnt, wird versucht, zwischen Symptomen I. und Symptomen
II. Ranges zu unterscheiden. Also solchen, die mehr und solchen, die
weniger ins Gewicht fallen.
Vielen Beobachtungen zufolge hat sich in den letzten Jahrzehnten ein
Wandel im Krankheitsbild der Schizophrenie abgezeichnet. Dabei sind die
Aufsehen erregenden Krankheitszeichen seltener geworden, die dezenten
Beeinträchtigungen aber häufiger. Beschreibungen von Erscheinungsbildern
bezüglich Gesichtsausdruck, Bewegung und Sprache die früher
gemacht wurden, sind heute meist nicht mehr zu beobachten. Klar ausgedrückt:
früher konnte man Patienten eher ansehen, daß sie an Schizophrenie
erkrankt waren. Sonderbare, eigenwillige Kleidung, mangelhafte Körperpflege,
wallendes Haupthaar, langer Bart, usw. konnten durchaus auf so manches
Wahnsystem hinweisen. Diese prägenden Äußerlichkeiten
sind heute weitgehend verschwunden. Das gilt auch für manche charakteristischen
Merkmale, wie Mimik, Gestik, sprachlichem Ausdruck und allgemeinem Auftreten
- vor allem während des Krankheitsschubes.
2.1. Das äußere Erscheinungsbild 
Ich konnte dennoch Gesichtsaudrücke beobachten, die jedes Minenspiel
normalerweise überschreiten oder die gar nicht zum jeweiligen Gefühlszustand
zu passen scheinen.
Vor allem sah ich gespannte, argwöhnische, mißtrauische unbegründet
- beglückte, unfreundlich ablehnende, starr und steife, oder gar
bedrohlich wirkende Gesichtsausdrücke in der Praxis.
Was fällt an einem schizophrenen Kranken besonders auf? Vor allem
ist es meiner Meinung nach der Blick - vor allem im Zustand akuter Erkrankung.
Diese Leute scheinen manchmal einfach durch einen hindurchzuschauen.
Aber auch ein stechender Blick war bei manchen zu beobachten.
Auf jeden Fall wirkt dies für den Außenstehenden beunruhigend,
oft auch recht bedrohlich.
2.2. Die Sprache 
Zugang zum Kranken findet man natürlich vorrangig über die
Sprache.
Aber besonders die Sprache mancher Schizophrener hebt sich vom Durchschnitt
ab und so wurde ich von vornherein mit deren Sprachstörungen konfrontiert,
die wissenschaftlich auch unter dem Namen Schizophasie bekannt sind.
Erlebt habe ich eine übertrieben freundliche Redeweise. Mit vielen "sehr
geehrter Herr Pfleger..." und in jedem Satz "bitte" oder "bitte,
bitte". Der genaue Gegensatz dazu - die äußerst aggressive
Redeweise konnte ich vor allem bei den paranoid - halluzinatorisch Schizophrenen
beobachten. Übelste Schimpfwörter bis hin zur verbalen Morddrohung
aus dem kleinsten, banalsten Anlaß.
Aufgefallen ist mir besonders auch folgendes Phänomen: Es gibt bekanntlich
Worte, die mehrere Bedeutungen haben und normalerweise finden die Kommunikationspartner
immer die richtige "Wellenlänge", so daß alle die
gleiche Bedeutung des Wortes oder Begriffes meinen. Nicht so bei manchen
schizophrenen Menschen.
» Fallbeispiel:
Ich führte ein Gespräch mit Frau W. in ihrem Zimmer. Auf dem
Nachttisch stand ein eingerahmtes Hochzeitsfoto. Ich wollte gerne wissen,
was aus ihrer Ehe nach Ausbruch ihrer Krankheit geworden ist. Daher fragte
ich Frau W.: "Wo ist Ihr Mann?" Als Antwort bekam ich aber
nicht den Aufenthaltsort genannt, sondern: " Mein Mann ist da auf
dem Hochzeitsfoto."
Frau W. war also hier nicht in der Lage, den sogenannten Kontext (die
Situation, in der ein Text geäußert und verstanden wird) zu
erfassen.
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