Anatomie/Physiologie und Erkrankungen des Dünndarmes
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Labor:
- bestehender Mangel an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien kann nachgewiesen werden
- Fe, Ca, Hb, Quick » Werte erniedrigt
- Folsäure und Vit. B 12 im RIA sind erniedrigt
- Elyte, Elektrophorese, Nierenchemie
• Ursachenklärung und Lokalisation der Störung wird meist möglich durch Stuhl-untersuchungen » Gewicht, Fette, Chymotrypsin
• Endoskopie mit Darmschleimhautbiopsie
- Bei Erkrankungen, die den ganzen Dünndarm erfassen (z.B. Sprue)
- Beweisend ist die Biopsie erst jenseits der Flexura duodenojejunalis, da eine Zottenatrophie im Duodenum auch Ausdruck entzündlicher Prozesse im Magen oder Duodenum sein kann
- Methode: WATSON- Sonde (Saugbiopsie) unter Durchleuchtung oder Endoskopie
• Funktionstests (Absorptionstest) wie D-Xylose- und Laktose-Toleranz-Test, Schilling-Test und H 2 -Atemtest und Eisenbelastung (lt. Gerards)
• Röntgendoppelkontrast » gute Beurteilung der Schleimhaut
CT
Behandlungsstrategie
- kausale Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache
- Symptomatisch werden der Wasser- und Elektrolythaushalt reguliert und der bestehende Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ausgeglichen
- evtl. ist eine parenterale Ernährung erforderlich
Einheimische Sprue/Zöliakie
Einheimische Sprue (gluteninduzierte Enteropathie des Erwachsenen): Durch Glutenunverträglichkeit bedingte Schädigung der Dünndarmzotten mit Resorptionsstörungen und Malabsorptionssyndrom. Familiär gehäuftes Auftreten. Manifestation oft bereits im Kindesalter, dann als Zöliakie bezeichnet.
Pathologische Anatomie
- Die Überempfindlichkeit gegen Gluten führt zu einem (hyperregeneratorischen) Umbau der Schleimhaut und zum Zottenschwund im oberen Dünndarm.
- Die Folge ist die Malabsorption.
Symptome
- Sind die direkte Folge der gestörten Absorption wichtiger Nahrungsbestandteile
- chronisch-rezidivierende Durchfälle und Fettstühle => voluminös, breiig und übelriechend, ca. 20 Stühle pro Tag (Leitsymptom)
- die Pat. sind abgemagert und geschwächt
- alle Symptome eines Malabsorptionssyndroms
- Osteoporose beim Erwachsenen, Rachitis beim Kind
- Intestinale Osteopathie
- typisch ist ein aufgeblähter Bauch mit "schwappendem" Darminhalt (Pseudoaszites).
Diagnostik
- tiefe Duodenalbiopsie (Zottenatrophie) jenseits des Treitz- Bandes
- Nachweis von Antikörpern gegen Glutenbestandteile gesichert (Antigliadin-AK)
- Röntgenologisch findet man erweiterte Dünndarmschlingen. (KM kann an den mit Flüssigkeit gefüllten Darmschlingen schlecht haften » es entsteht ein flockiges KM- Bild » "Schneegestöber"
Behandlungsstrategie
- lebenslange glutenfreien Diät
- hierunter bildet sich die Zottenatrophie im Dünndarm bei über 90 % der Kranken zurück, und die meisten Patienten werden völlig beschwerdefrei
- Kortikosteroide bei komplizierter Sprue » Zeichen der Zottenregeneration sind Gewichtszunahme, Normalisierung der Stuhlfrequenz, Kompensation von Mangelerscheinungen
- Parenterale Ernährung bei Kachexie, z.B. kollagener Sprue ( » submucöse Kollagenschicht, die bei kontinuirlicher Ausbreitung den Abtransport der Nahrungsbestandteile vereitelt » der Pat. würde verhungern)
- zusätzlich werden in den Anfangsmonaten fehlende Vitamine, Elektrolyte und Eisen parenteral verabreicht
- jährliche Sondenbiopsie als Kontrollmaßnahme
Pflege
- Aufklärung des Patienten durch eine Diätassistentin über erlaubte und nicht geeignete Lebensmittel:
- Weizen, Roggen, Hafer und Gerste enthalten Gluten
- daher sind praktisch alle "normalen" Brot- und Backwaren, Nudeln, Bier und Malzgetränke für die Patienten tabu
- da Gluten auch "versteckt" in vielen anderen Produkten vorhanden ist, empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft, die Listen glutenfreier Nahrungsmittel herausgibt
- erlaubt sind Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Kartoffeln und Soja sowie daraus hergestellte Produkte. Vielerorts sind glutenfreie Mehle und Brote im Handel erhältlich.
- Anfangs sollte die Glutenfreie Kost zusätzlich eiweißfrei zubereitet werden, weil wegen des Zottenschwundes auch das Enzym Laktase fehlt
Tropische Sprue
- Äthiologie ungeklärt
- Wahrscheinlich ist der Dünndarm der Pat. chronisch mit path. Keimen kontaminiert
- Symptome gleichen denen der einheimischen Sprue
- Therapeutisch gibt man Antibiotika
Morbus Whipple
- Seltene Erkrankung
- Symptome der Malabsorption und Gelenkschmerzen
- Erkrankung wird durch Aktinobakterien hervorgerufen, die in der Dünndarmschleimhaut nachzuweisen sind
- Therapeutisch gibt man Antibiotika
Enteritiden
- infektiöse Gastroenteritis
- Brechdurchfall
- Durch Absorption des Erregers bzw. von Toxinen kann eine MD- Infektion generalisiert auftreten
Allg. Symptome: Fieber, Schwäche, Leukocytose, Leukopenie (Typhus!)
Zentralnervöse Symptome: Benommenheit (Typhus, Paratyphus)
Doppelbilder (Botulismus)
Erreger allgemein
- Salmonellen (Shigellen) und Yersinia
- Virale Erreger (Rota- Viren)
- Pathogene E. coli
- Toxine (Endo- Exotoxine), Staphylokokken)
- Helicobacter intestini
- Lamblien
Infektiöse Gastroenteritis
- Darmentzündung
- entstehen meistens durch Viren, aber auch durch Bakterien und Protozoen
- über Tröpfcheninfektion und Nahrung übertragbar
Erreger:
- Salmonellen (durch Huhn, Eier)
Symptome:
- Bauchschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen
- 20 - 30 grün- wässrige Durchfälle » Exsikkose, Kaliummangel, Gefahr des Nierenversagens, Gefahr der Salmonellensepsis und der Salmonellenmeningitis, Hypokaliämie=> VES, Kammerflimmern
- Fieber
Diagnostik:
Therapie:
- Flüssigkeits- und Elytezufuhr
- Nach ca. 3 - 4 Tagen wird der Stuhl von alleine fest
- Bei Salmonellenmeningitis » Ampicillin, Ciprobay, Tavanic
- Schonkost mit geriebenen Äpfeln, Tee und Zwieback
Pathogene E. coli bei Säuglingen
- Sind sehr aggressiv
- Es besteht Lebensgefahr für den Säugling
- Therapie: Flüssigkeitszufuhr i.v.
Gastro- enteritische Symptome durch Toxine:
- Bei Endo- Toxinen » hohe Temperaturen
- Können tödlich sein
- z.B. Botulismus Toxin
Yersinia enterocolitika und pseudotuberculosis
- kann zur infektiösen Ileitis führen
- Therapie: Tetracyclin (z.B. Doxy)
Lamblien
- 4 - 5 Stühle pro Tag über Monate
- übelriechend
- bakt. Untersuchung der Stuhlprobe
- Clont- Therapie
Parasitärer Befall
- MA durch Bandwurmbefall
- Vit.- B12- Mangelanämie, weil der Wurm dem Wirt das Vitamin wegfrißt
Amöbenruhr
- durch infiziertes Trinkwasser (meist im Ausland)
- Amöben können sich verkapseln und zur Sepsis führen
- Stuhlprobe nach Stein (frischer warmer Stuhl!)
- Clont- Therapie
Oxyuris vermicularis
- Durch kontaminierten Salat
- 1 cm lange Würmer
- treten nachts aus dem Anus » das juckt, Pat. kratzt sich und hat Partikel unter den Nägeln
- Therapie: Wurmmittel
Echinococcus cysticus (Hundebandwurm)
- Kontaminierter Kot wandert über die V. porta in die Leber als cystische Raumforderung
- Sehr gefährlich
- Cyste kann rupturieren » Schock
- Cyste muss chirurgisch ausgeschält werden
- Sehr selten
Echinococcus alveolaris (Fuchsbandwurm)
- Gefährlich
- Geht über Portalvenensystem in Leber und Lunge und breitet sich aus
Z.n. Bauch- OP mit Resektion
Kurzdarmsyndrom
- entsteht durch OP´s » M. Crohn
» Mesenterialinfarkt
- Darm ist nur noch ca. 60 - 70 cm lang, das führt zu Mangelerscheinungen
Symptome:
- Diarrhoe
- Elytemangel (Ca erniedrigt)
- Kaliummangel
- Gewichtsverlust
- Kohlenhydratmangel
- Osteomalazie
Therapie:
- Ernährung über Port
- Pat. sollte tagsüber selber essen
- Nachts hochkalorisch Ernährung über Port
- Mittelkettige Triglyceride geben » werden besser resorbiert
- Trotz des Überangebotes an K, Ca und Vitaminen muss die Resorption erzwungen werden
Mesenterialinfarkt
- Verschluss wesentlicher Darmarterien mit Folge der Darmgangrän
Synonym: akuter Mesenterialarterienverschluss
Ursache:
- Arteriosklerose:
- Hypertonie
- Diab.mell.
- Rauchen
- Adipositas
- Erhöhter Fettstoffwechsel
- Stress
- Harnsäure erhöht
- Durch Embolie oder Thrombose kann ein akuter Verschluss der oberen Darmarterie (A. mesenterica sup.) auftreten
- Folge ist die Darmischämie
- Die Gangrän umfasst im schwersten Fall den gesamten Dünndarm, bei noch vorhandener Restdurchblutung nur ein umschriebenes Darmsegment
Symptome:
- Vorankündigung des Engerwerdens im Bauchraum:
- Angina abdominalis » ½ Stunde nach dem Essen treten Bauchschmerzen auf
- Plötzlich starke Bauchschmerzen (akutes Abdomen mit blutigen Stühlen und freier Flüssigkeit)
- Nach einigen Stunden verringern sich die Schmerzen (freies Intervall)
- Nach ca. 12 Stunden bei nun ausgeprägter Darmnekrose nehmen die Schmerzen an Intensität wieder zu ( » 3- Phasen- Verlauf des Mesenterialinfarktes)
- In der 3. Phase entspricht die Symptomatik einem paralytischen Ileus mit hoher Leukozytose » Durchwanderungsperitonitis, die von nekrotischen Darmabschnitten ausgeht
- Führt innerhalb von 24 h zum Tod
Diagnostik:
- Farb- Dupplex
- DAS (KM- Füllung der Arterien mittels Katheter)
- Laktatbestimmung im Serum
- Ggf. Angiographie
Therapie:
- Frühoperation:
- Mesenterica- Embolektomie : Bei embolischen Verschluss der A. mesenterica wird die Darmarterie embolektomiert
- Ischämische Darmabschnitte werden reseziert (wenn noch nicht zuviel Darm zerstört ist
Prognose:
- Ohne Behandlung führt der Mesenterialinfarkt zum Tod im septisch-toxischen Schock aufgrund der bakteriellen Peritonitis
- Von den operierten Pat. überleben 50%
Angiodysplasie
- arterio- venöse Fehlbildungen, die im gesamten GI- Trakt vorkommen können
- Gefäßerweiterungen in der Dickdarmschleimhaut (lt. Bob und Chirurgiebuch)
Ursache:
- meist im Alter durch Gefäßdegeneration erworben
- als angeborene Angiodysplasie
Symptome:
- untere GI- Blutung (durch Arrosion oder Ruptur der Schleimhautgefäße im, Dickdarm)
Differenzialdiagnose der unteren GI- Blutung:
- Angiodysplasie
- Tumore (Adenom, Carcinom)
- Entzündungen (Divertikulitis, M. Crohn, Colitis ulcerosa)
Diagnostik:
- Koloskopie
- Endoskopische oder ggf. angiographischer Nachweis der Blutungsquelle
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