Anaerobe Infektionen
In diese Gruppe gehören die beiden gefährlichsten bakteriellen chirurgischen Infektionen, der Gasbrand und der Tetanus.
Gasbrand (Gasödem)
Erreger: Clostridium perfringens ( anaerobier) bildet unter Luftabschluss hochtoxische Stoffe
Charakteristika der Erkrankung
- lokale Ödementwicklung
- Gasbildung
- massiver Weichteilzerfall
- explosionsartig einsetzende Toxinämie mit kardiovaskulärer Insuffizienz
- Hämolyse und Nierenversagen
Voraussetzung:
- anaerobe Wundverhältnisse
- immer bei großen Verletzungen oder ausgedehnten Weichteilverletzungen
- große Quetschwunden
Inkubationszeit: wenige Stunden bis max. 3 Tage
Klinik:
- heftigste plötzliche Schmerzen im Wundbereich
- Schwellung im Bereich der Wundumgebung
- Verfärbung der Haut (grau – blau- violett – schwarz)
- Entleerung von Fleischwasserfarbenem bis hämorrhagisch, dünnflüssig, süßlich – faulig riechendem Exsudat, Gasperlen sind beigemischt
- typische Entzündungszeichen (Rötung, Überwärmung, Eiter) fehlen
- schreitet ganz schnell fort
- Befall der Muskulatur wird nekrotisch, nimmt die Farbe von gekochten Schinken an
- Schwellung
- Ischämie
- beim Betasten des befallenden Gebietes hört man das Gasknistern
- beim Röntgen sieht man eine Muskelfiederung
- durch Gasentwicklung wird der Muskel auseinandergedrückt
- ist eine Abgrenzung zu putriden oder pyogenen Infektionen (gegenüber einer Phlegmone)
- AZ – Verschlechterung
- RR sinkt, Tachykardie
- grau, verfallenes Aussehen
- fortgeschrittenes Stadium:
- Ikterus, Anämie in Folge einer massiven Hämolyse
- Akutes Nierenversagen durch die Hämolyse
- unbehandelt führt Gasbrand durch toxisches Herz – Kreislaufversagen zum Tode
- Letalität: 25 – 50 %
Behandlung:
- 1. breite Eröffnung der infizierten Wunde
- radikales Entfernen nekrotischen Gewebes
- Offenhalten der Wunde
- wenn erforderlich frühzeitige Amputation
- hochdosiert Antibiotika (Penicilline, Tetrazykline)
- 2. Überdruckbeatmung mit reinem Sauerstoff
Tetanus
Wundstarrkrampf beinhaltet alle wesentlichen Merkmale der Erkrankung.
Erreger: Clostridium tetani
- Anaerobier , der Sporen bildet
- ist sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse
- bildet ein neurotoxisch wirksames Ektotoxin
- ist thermolabil
- führt zu Lähmungen und Krämpfen der Muskulatur
Pathogenese:
- mit Straßenstaub, Erde oder Fremdkörper (Bsp.: Holzsplitter) gelangen die Erreger in die Wunde
- der Erreger muss anaerobe Bedingungen vorfinden, um eine Infektion auslösen zu können
- gefährdet sind verschmutzte Wunden und geschädigtes Gewebe
- es reichen auch kleine Eintrittspforten, z.B. durch Splitterverletzungen, die sich rasch wieder verschließen
- 40 – 50 % der Tetanusinfektionen entstehen durch Bagatellverletzungen
- Verbreitung des Erregers über Blut- und Lymphkapillaren
- das Neurotoxin bindet sich fest an Nervensubstanz an, wenn es einmal angedockt hat, kann man es mit einer Impfung nicht mehr neutralisieren
Inkubationszeit:
- zwischen 3 und 60 Tagen
- je kürzer die Inkubationszeit, je höher die Letalität
Stadien:
- Prodomal Stadium :
- uncharakteristisch
- Kopfschmerz, Müdigkeit, Schwindel
- Schweißausbrüche
- Muskelschmerzen
- Trismus : Starre der Kaumuskulatur = Kieferklemme
- tonischen Muskelstarre (Rigor):
- erst im Gesicht (Kieferklemme)
- Nacken
- Rücken
- Extremitäten
- Intercostal Muskulatur
- Kehlkopf
- Zwerchfell (führt zur Erstickung)
- Risus sardonicus = typisches maskenhaftes Grinsen, durch Verzerrung der Gesichtsmuskulatur
- Opisthotonus
- lange Rückenstrecker überwiegen in ihrer Aktivität
- es kommt zur Hyperlordosierung (Rücken wird überstreckt)
Klinik
Stadium der klonischen Krämpfe:
- extrem schmerzhafte Krampfanfälle (können sich minutenschnell wiederholen)
- Krampfanfälle werden durch Reize ausgelöst (akustisch, optisch)
- es kann zu Verletzungen kommen (WK – Fraktur usw.)
- Krampfanfälle können zur Hyperthermie führen (bis 42°)
- Erstickungstod im Krampfanfall
- trotz Behandlung liegt die Letalität bei 25 – 30 %!
Prognose
- abhängig von der Inkubationszeit
- je kürzer die Inkubationszeit, je schwerer der Verlauf
- bei Zeiten über sieben Tagen verläuft die Infektion tödlich
Behandlung
- direkte kausale Therapie bei manifestem Tetanus gibt es nicht
- weil sich das Toxin schon im Nervengewebe verankert hat
- Lokalisation der Wunde
- Wundexzision (um den Toxinnachschub zu verhindern)
- offene Wundbehandlung
- Antibiotika- Penicillintherapie
- Toxine die noch frei zirkulieren kann man durch eine Simultan- Impfung therapieren:
- passive Impfung 1000 er Dosierung
- aktive Impfung Tetanol
- gegen die Krampfanfälle: med. Reizabschirmung mit Sedativa, Hypnotika, Psychopharmaka
- je nach Ausprägung = Intubation, Beatmung, Muskelrelaxantien
- Therapie der Hyperthermie (=verbraucht enorm viel Energie):
- enterale oder parenterale Ernährung
- mindestens 5000 – 7000 kcal/Tag
Prophylaxe : rechtzeitige Impfung
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