Autor/in: Judith

Akutes Abdomen

(akuter Bauch)

  • Definition
  • Ursachen
  • Symptome
  • Diagnostik
  • Behandlung
  • Prognose
  • Pflegemaßnahmen

Akutes Abdomen

Definition:

Meint alle akuten Bauchschmerzen, die eine unverzügliche Diagnose erfordern.

Oft liegt eine lebensbedrohliche Erkrankung zugrunde.

Mögliche Ursachen:

  • Akute Entzündungen wie Appendizitis, Divertikulitis, Cholezystitis, Peritonitis, Pankreatitis.
  • Gallenkolik, Nierenkolik, Verschluss eines Hohlorgans z. B. durch eingeklemmte Hernie, Verwachsungen durch frühere Operationen.
  • Perforation durch Magenulkus, Divertikulitis.
  • Blutung bei Magenulkus, Milzruptur, Muskeleinblutung unter Marcumartherapie.
  • Durchblutungsstörung, z. B. Mesenterialinfarkt.

Extraabdominell:

  • Myokardinfarkt, Perikarditis, Aneurysma dissecans der Aorta.
  • Pneumonie, Pleuritis, Pneumothorax.
  • Bandscheibenvorfall, Wirbelkörperfraktur.
  • Akuter Harnverhalt,
  • Hyperglykämie (Ketoazidose), Urämie, Leukämie.

Alle Ursachen können im Schock enden. Durch die individuelle alters- und konstitutionsbedingte Reaktion des Organismus und die Vielzahl der möglichen Ursachen ist die Diagnose der Grunderkrankung schwierig.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer genauen Anamnese, um bei akut auftretenden abdominellen Schmerzen bestimmte Krankheiten ausschließen zu können.

Symptome:

Man unterscheidet Haupt- und Sekundärsymptome. Hauptsymptome geben entscheidende Hinweise für die Diagnose. Hierzu gehören:

  • akut auftretende, heftige oder andauernde kolikartige abdominelle Schmerzen,
  • muskuläre Abwehrspannung,
  • aufgetriebener Bauch,
  • Schock- und Kollapsneigung.

Sekundärsymptome sind Kreislauf- und Reflexsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Tachykardie, die für die Diagnosestellung eine untergeordnete Rolle spielen, da sie unspezifisch sind.

Der Schmerz ist das richtungweisende Symptom.

Er ist in Zeitpunkt, Art und Lokalisation besonders aussagekräftig für den Befund.

Bei Schmerzen, die vom Abdomen oder seinen Organen ausgehen, unterscheidet man zwei Qualitäten.

  • viszeraler Anfangsschmerz,
  • somatischer Folgeschmerz.

Geht der viszerale Schmerz in den somatischen Schmerz über, kann von einem Fortschreiten der Krankheit ausgegangen werden.

Diagnostik:

Da bei vielen abdominellen Erkrankungen der Schmerz das einzige Frühsymptom ist, ist eine ausgiebige Diagnostik notwendig.

Sie basiert auf:

  • der ausgiebigen Anamnese,
  • der klinischen Untersuchung,
  • der standardisierten klinischen Labor- und Röntgen-Befunderhebung.

Folgende Faktoren werden erfragt:

  • Art und Zeitpunkt des Schmerzbeginns,
  • Natur und Charakter des Schmerzes,
  • Lokalisation,
  • Ausstrahlung,
  • Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen,
  • frühere Operationen oder Erkrankungen,
  • letzte Mahlzeit,
  • Ess- und Stuhlgewohnheiten.

Behandlung:

Kann die Erkrankung vor Ort nicht eindeutig diagnostiziert oder behandelt werden (z.B. Darmperforation), ist eine stationäre Behandlung erforderlich.

!Wichtiger Hinweis für die Pflege!

Bewohnern mit starken abdominellen Schmerzen niemals vor Eintreffen des Arztes Schmerzmittel verabreichen. Schmerzmittel verzögern durch ihre Wirkung die Diagnostik, was für den Erkrankten unter Umständen lebensbedrohlich sein kann.

Prognose:

Ob die Prognose positiv oder negativ ausfällt, hängt wesentlich vom Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Wie aus den vorangegangenen Punkten ersichtlich wird, ist die Arbeit der Pflegenden von großer Bedeutung, vor allem, wenn der Betroffene sich   verbal nicht oder unzureichend artikulieren kann.

Pflegemaßnahmen:

  • intensive und vorsichtige Pflege,
  • zur Entlastung des Bauches ein Unterlagen (Kissen) unter die Knie legen,
  • Eisapplikation nimmt den Schmerz und kann Entzündungsreaktion hinauszögern,
  • eine die Bauchorgane entlastende Ernährung anbieten,
  • bei unklaren Symptomen den Arzt verständigen,
  • Beobachtungen und Dokumentationen dem Arzt mitteilen.

Beobachtung:

  • Allgemeinzustand des Betroffenen
  • Vitalzeichen
  • Stuhlgang, Miktion
  • Erbrechen

Schmerzcharakter und Verlauf

Bei Bewohnern, die über akute, heftige Bauchschmerzen klagen, muss sofort die Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz sowie Bettruhe eingeleitet und überwacht werden. Muss der Erkrankte über einen längeren Zeitraum Bettruhe halten, ist die Durchführung aller Prophylaxen und Hilfestellungen notwendig.

Quelle: ALTENPFLEGE KONKRET, GESUNDHEITS- UND KRANKHEITSLEHRE

1. Auflage, 1999

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