Autor/in: Hilde Kalchgruber

Der Weg zur Nervenheilanstalt

Der Morgen hat schon schlecht begonnen
dem Unglück des Vortags nur knapp entronnen
war meine erste Handlung, dass ich den Wecker ausschalte
bis ich merkte, dass ich die Hand in die Kerzen halte
die ich am Abend zuvor aufgestellt
weil bei uns manchmal der Strom ausfällt

mein Pyjama hat schon leicht gebrannt
und im Schlafzimmer roch es nach verbrannter Hand
ich bin vor Schreck aus dem Bett gefallen
um mit dem ganzen Gewicht auf den Nachttopf zu knallen
der Nachttopf rinnt aus, denn er war nicht ganz leer
doch wenigstens brennt mein Pyjama nicht mehr
in der Hand jedoch verspüre ich größere Schmerzen
und so trete ich mit dem Fuß voller Wucht gegen die Kerzen

die Kerze hab ich verfehlt, den Nachttisch jedoch nicht
der hält den Tritt aus, mein Zeh aber nicht
voller Schmerzen wollte ich in das Badezimmer rasen
doch weil ich im Dunkeln den Ausgang nicht fand
bin ich mit voller Wucht gegen den Kasten gerannt
der leider aus deutscher Eiche besteht
weshalb meine Brille in die Brüche geht
Halb blind, verletzt und schreckensbleich
bin ich, als ich das Bad erreich

dort habe ich, von Schmerzen und Blindheit beraucht
die Brandblasensalbe mit dem Klebstoff vertauscht
das hat mich, anstatt das es Schmerzen lindert
statt dessen am öffnen der Hände gehindert
ich will mich schnell waschen
doch merk ich, dass das nicht geht
denn sie haben mir heute morgen das Wasser abgedreht
jetzt läutet’s auch noch an der Eingangstür
das wird der Postbote sein, vielleicht hilft er mir

doch während ich im Freudentaumel durch das Treppenhaus lauf
pass ich leider nicht ganz auf den Fußboden auf
den die Nachbarin hat heute die Fliesen gebohnert
worauf mein Kopf, denn ich stolpere, auf den Fußboden donnert
abstützen konnte ich mich dummerweise nicht
da mir mit verklebten Händen an Beweglichkeit gebricht
beim Aufstehen habe ich das Gleichgewicht verlor’n
und kippe mit Schwung Richtung Treppe nach vorn
dort lande ich der Schwerkraft gemäß
auf der obersten Stufe auf dem Gesäß
doch erst ganz unten endet der Fall
wo ich mit der Schulter gegen die Eingangstür knall
dort bleibe ich liegen, bleich vor Schreck
der Postbote ist inzwischen sowieso wieder weg

nach zwei Stunden hat mich noch niemand geseh’n
und so versuch ich vorsichtig aufzusteh’n
doch während ich mich langsam zur Seite rollen lasse
geht die Eingangstüre auf und kaputt ist die Nase
die Hausmeisterin wars, sieht mich am Boden liegen
um gleich darauf einen Schreikrampf zu kriegen

sie denkt ich bin besoffen und holt die Polizei
die eilen sofort mit Blaulicht herbei
und schleppen mich aufs Kommissariat
nach drei Stunden Verhör gesteh ich die Tat
und so geht es weiter ins Krankenhaus
dort pumpt man mir dreimal den Magen aus
das war zuviel für meine Nerven
ich wollt mich aus dem Fenster werfen
doch leider war ich im Erdgeschoss
so war der Schaden nicht so groß

jetzt sitz’ ich in der Nervenheilanstalt
und wissen sie, was ich davon halt ?
ich find es herrlich, einfach prima
draussen war es viel, viel schlimmer
hier gibt es keine Kanten, keine Ecken
kein Feuer sich in Brand zu stecken
die Wände sind gepolstert, fast weich zu nennen
keine Verletzung beim dagegen rennen
kein Kasten der die Brille bricht
alles ist rund, so verletzt man sich nicht
und nach all den schlimmen Jahren
schreibe ich endlich meine Memoiren

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