Autor/in: Daniela C.

Das Lied der Pflege (oder: Das Pausenbrot)

Ist so krumm der Rücken,
muss mich immer bücken,
mir tut alles weh
vom Haarspitz – bis zur Zeh.

Arbeite in der Pflege,
wo ich alles gebe.
Hör mir jedes Leid an
bis ich nicht mehr kann.

Hab es an den Ohren
Klingeln an allen Toren.
Rotes Lämpchen leuchtet,
Schwester im Rennen keuchet.

Hätt` laut Plan heut Frei
Doch wir sind nur drei
Sollten Fünfe sein
Muss zum Dienst jetzt rein.

Waschen, kämmen, Zähne putzen,
all das soll dem Wohle nutzen,
den uns anvertrauten Alten,
wenig Zeit bleibt mir zum walten.

Ich die 10-te Creme rieb,
etwas an mir hängen blieb.
Doch es schüttelt mich: „Oh Graus!“
Das eine sieht, wie Sch…. aus.

Muss nun rennen, weiter trappen,
will ich neue Schürze haben.
Auch das Beinkleid das ist voll,
find das alles nicht mehr toll.

Renne in den Keller schnell,
ich ja auch adrett sein will.
Meine Zeit ist viel zu knapp,
mache auf der Treppe schlapp.

Husten, langsam schnupfend pusten,
ich trete kürzer auf den Stufen.
Fühl mich elend und gehetzt.
Ich brauch noch das Badenetz.

Sollt ich heut den Loisel  baden,
steh  im Wasser bis zu den Waden.
Oh, der Abfluss ist verstopft,
Wasser von der Hose tropft.

Auf dem Gang läuft auf und ab,
nesselt an der Brille zum.
Läuft mit Eile auf mich zu.
Ach ich habe niemals Ruh.

Wollt doch grad zur Pause gehen,
jetzt muss mich der Hausarzt sehn.
Er mit ganz gewicht´ger Mine,
erzählt mir: „Ich habe noch Termine.“

Denk` bei mir ganz sacht und fein,
etwas Essen könnt`s schon sein.
Habe keine Zeit dazu-
Magen jetzt gib endlich Ruh.

Steh vorm Arzt ganz blass und bleich,
der ruft mich: „Jetzt kommen`s gleich!“
„Muss noch Vieles heute tun – Sie können auch noch später ruhn!“

Ich mit letzter Kraft,
im Gesicht ein Lächeln schaff.
Ach, Herr Doktor sie schon da,
das ist ja ganz wunderbar.

Geht Herrn Meier heut sehr schlecht.
Woll`n wir nachsehen? Ist das recht?
Doch der Arzt sagt nur ganz knapp:
„Hab nicht Zeit den ganzen Tag.“

„Der Herr Meier ist exxikkiert,
ob das niemand intressiert?!“
Mir steigt schon die Galle hoch,
hatte nicht mal Pausenbrot.

Doch leise und beflissen,
will vom Arzt nur wissen,
was beim Meier wir soll`n tun.
Ich will endlich auch ausruh`n.

Als die Infusion nun hängt
Und der Arzt zum Ausgang drängt.
Ich den Kopf zu Boden senke.
Meinen Schritt zur Pause lenke.

Ich noch nicht mal richtig sitz,
ja, das ist jetzt echt kein Witz.
Draußen tut`s ´nen riesen Knall
Und Frau Leo kommt zu Fall.

Lauthals schreiend und auch wimmernd,
Frau Leo schreit: „ Ihr müsst Euch kümmern!“ Wir im Takte, eins – zwei – drei, holen schnell den Notarzt bei.

Der nun endlich einmal da,
kommt das nächste Tralala,
„Ja, Herr Doktor tut nicht weh,
blau ist nur der kleine Zeh.“

Will sie nicht ins Krankenhaus,
wehrt es ab mit Fuß und Händen,
lässt sich weder drehn noch wenden.
Ich soll helfen! – Das beenden!

Dann sie endlich weggebracht,
mei,  das wird  ein langer Tag.
Habe Hunger und auch Durst,
langsam wird mir alles Wurst.

Ach, wie wär es schön
Könnt` ich pünktlich geh`n.
Doch die Akten liegen,
werde Überstunden kriegen.

Mein Elan ist aufgebraucht,
nun der Chef vor mir auftaucht.
„Schwester haben Sie`s gesehn? –
Das Bett der Müller ist nicht schön!“

„Ja , ich eile, komme schon.“
Bin gereizt im Unterton.
Habe Hunger habe Durst,
doch das ist dem Chef jetzt Wurst.

„Dieses Bett muss sauber sein!
Also machen Sie es rein!
Jetzt sofort und ohne Reden –
Sie sonst zum Gespräch antreten!“

`Du kannst mich mal!` –
ist mir im Sinn.
Sag`s aus Versehen leise hin.
Dem Chef der Atem stockt, worauf ich im Gespräche hock.

„… `ne Unverschämtheit sei`s gewesen.“
Hätt ich die Dienstanweisung denn nicht gelesen?
Wir sollten immer freundlich sein
und auch die Zimmer immer rein.

Ich langsam auf die Seite kippe –
Während der Chef am Kaffee nippe.
Das war das letzte, was ich noch sah,
dann sah ich rot – oh tralala!

Mir ist ganz schlecht, mir ist zum kotzen. – Ich fang den Chef an, an zu motzen.
Bewusst das Letzte mir im Sinn –
Ich schlug wohl auf den Cheftisch hin.

Ich spuckte Galle und auch Gift. –
Halt in der Hand krampfhaft den Stift.
Der Chef entsetzt ob meiner Wut. –
Ob`s das Gespräch wohl jetzt noch tut.

Ich hab die Nase gründlich voll!
Ich find den Job nun nicht mehr toll.
Die Bezahlung, die ist schlecht
und Ihnen macht man gar nichts recht!

So spring ich auf und nehm`
im Dauerlauf
schwungvoll die Tür.
Nur weg von hier!

Jetzt endlich bin ich hier zu Haus,
hab` gegessen, trink meinen Kaffee aus.
Klingelt doch das Telefon und ich ahne schon.
Wird der Chef wohl sein, den ich da ließ allein.

Im sanften Ton er mich nun fragt,
wie es mir wohl jetzt gehen mag.
Er wisse nun auch, genau wie ich,
wie stressig war die letzte Schicht.

Er wolle wissen, wie`s mir geht,
er fast am Telefone fleht,
ob ich denn wieder komme morgen.
Er mache sich jetzt ernsthaft Sorgen.

Denn gutes Personal sei knapp,
Ach bitte machen Sie nicht schlapp!
Wir wissen alle in jedem Falle,
dass mein Geschimpfe nicht verhalle!

Er  werde sich gar redlich mühen,
wir würden es schon alle seh`n.
Die Pausen werden eingehalten.
Wir könnten in die Pause geh`n.

Ich glaube ihm kein einz`ges Wort.
Wir hör`n dasselbe immerfort.
Ich wollt heut weg von diesem Ort.
Ich wollt nicht mehr auf Arbeit geh`n!
Wie wäre Urlaub denn jetzt schön!

So sicher ich ihm zu,
auch um der lieben Ruh.
Werd` ich dann morgen wieder kommen,
es bleibt mir jedoch unbenommen,
mir anders Arbeit dann zu suchen,
wo`s Pausen gibt und auch mal Kuchen.

Am nächsten Tag geh` ich mit schwer Gewissen, überprüfe jedes Zimmer, jedes Kissen.
Ich bin `ne gute Pflegekraft,
die kommt und jedes Chaos schafft.

Wie lang soll`s noch so weitergeh`n.
Wir alle werden`s wohl noch seh`n.
Ich sag`s Euch heut mit rein Gewissen!
Das ganze System ist voll besch……. .

Die Alten jammern Tag für Tag,
dass keiner sie mehr haben mag.
Die Pflege jammert so wie so,
während des Dienstes kommt man noch nicht einmal auf`s Klo.

Die Chefs am Rade drehn.
Wenn sie die Überstunden seh`n.
Wir sind in einem großen Kreis.
Da  ganz allein zählt schierer Fleiß.

Wo jeder auf die Kosten zeigt.
Das Geld sich mehr dem Ende neigt.
Die Versicherungen gerne kneifen,
um jedes Hilfsmittel sie  keifen.

Die Pflege ist einfach zu teuer,
der Politik ist auch das nicht  ganz geheuer.
So müssen dann Reformen her
Und uns wird alles doppelt schwer.

Wir alle denken voller Angst an Morgen.
Wer wird denn uns einmal versorgen?

Doch ich noch nicht verzage,
und sag`s Euch alle Tage.
Werde auch mal Rentner sein –
Und dann ist Freizeit mein.

Bis dahin ich schufte,
eigentlich ist`s dufte.
Jeden Tag auf Arbeit sein,
bin da nie allein.

Wenn mir dann die Rente reiche,
tue ich das Gleiche,
was die andren machen
und über das Vergangene lachen.

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