Autor/in: Fibula

Spiele spielen

Thema: Spiele spielen

Inhalt:

1. Vorbereitungen

1.1 Benötigtes Material

1.2 Raum/Raumgestaltung

2. Biographien der HB

2.1 Frau S.

2.2 Herr S.

2.3 Frau W.

2.4 Gruppenanalyse

3. Erläuterung von Technik, Spiel, Spielregeln

4. Inhalt und Ziele

5. Geplanter Verlauf

5.1 Einleitung

5.2 Hauptteil

5.3 Schluß

1. Vorbereitungen

1.1 benötigtes Material

1 selbstgebasteltes Spiel (ähnlich wie Spitz paß auf)

1 Kegelspiel mit 9 Kegeln und 2 Kugeln

1 selbstentworfenes Spiel namens „2 Bilder = 1 Doppelwort“

1.2 Raum/Raumgestaltung

Die Aktivierung findet im Seminarraum im Keller statt. Er bietet ausreichend Platz, er bietet Ruhe und auch wir können durch unser Tun und Handeln niemanden stören. Außerdem hat der Raum ein großes Fenster zum unteren Eingangsbereich des Heimes und ist daher sehr hell und hat durchaus eine freundliche Atmosphäre. Eine Toilette befindet sich in der Nähe des Raumes.

2. Biographien/Gruppenanalyse

2.1 Frau S.

Frau S. wurde im Juli 1911 in Hamburg geboren. Sie hat 1 Bruder. Ihre Mutter war Hausfrau und ihr Vater Beamter bei der Luftpost. Als Kind hatte Frau S. daher öfters die Möglichkeit zu fliegen. Sie wohnte nicht weit vom Flugplatz und ihr Vater rief sie manchmal an und sagte, sie solle schnell mit dem Fahrrad kommen und könnte dann mitfliegen (innerhalb Deutschlands). Frau S. besuchte die Volksschule und baute danach ihre Bildung auf, sie machte die mittlere Reife.

Nach ihrem Schulabschluß begann sie eine Lehre als Rechtsanwaltsgehilfin. Nach der Lehre arbeitete sie weitere 11 Jahre beim Rechtsanwalt. Mit 27 heiratete sie und ging dann nicht mehr arbeiten, das war damals eben so. Ihr Mann war Leiter einer kirchlichen Turngruppe, in der Frau S. auch turnte, dort lernten sich die beiden kennen. Vom Beruf her war ihr Mann allerdings Lehrer an einer Volksschule. 1940 bekamen die beiden einen Sohn.

Mit ihrem Mann ist Frau S. viel gereist, sie waren z.B. in Schlesien und auch in Österreich zum Wandern. Frau S. war überhaupt sehr sportlich, turnen, Wandern, Skilaufen.

Außerdem singt sie gerne (auch heute noch), und spielte Klavier. Und sie hat auch gerne im Garten gearbeitet.

Ihr Sohn arbeitete jahrelang für den Beltz-Verlag in Weinheim, und sie kam dann oft nach Weinheim um seine Familie zu besuchen, bzw. um auf die 2 Enkel aufzupassen, wenn ihr Sohn mit seiner Frau verreiste. Nachdem ihr Mann starb und es ihr so gut in Weinheim gefiel zog sie einfach zu ihrem Sohn und dessen Familie. Dort paßte sie auf die Kinder auf und half ihrem Sohn etwas im Geschäft, da er nun einen eigenen Verlag gekauft hatte (Juventa oder so ähnlich). Doch auch Frau S. wurde älter und ihr Sohn hatte Angst sie alleine im Haus zu lassen wenn er verreist, so brachte er sie kurzfristig in unser Heim. Als er zurückkam sagte Frau S. zu ihm, daß er sie ruhig hier lassen kann, denn es gefalle ihr gut. Und seitdem lebt Frau S. bei uns, obgleich sie noch sehr rüstig ist.

Frau S. ist sehr selbstständig und Bedarf nur Hilfe bei der Grundpflege.

Sie ist Marcumar-Patientin, hat eine Herzinsuffizienz, außerdem trägt sie einen Katheter, weil sie wegen der Herzinsuffizienz Lasix bekommt und viel ausscheidet und den Harn nichtmehr halten kann. Sie trägt ihn aber als Beinbeutel, so daß man den Katheter nicht sieht. Frau S. nimmt gerne an den im Heim angebotenen Beschäftigungen und Aktivitäten teil. Sie sucht nach Unterhaltung und Beschäftigung und sitzt nicht rum wie andre Bewohner und bläßt trübsal. Und deswegen hat sie auch eine gute Auffassung vom Heimleben, sie fühlt sich wohl im Bodelschwingh-Heim.

Ich habe sie ausgesucht, weil sie gerne mitmacht und Freude an solchen Angeborten hat, wenn sie nicht ausreichend geboten bekommt, wird sie sicher irgendwann Hospitalismus bekommen.

2.2 Herr S.

Herr S. wurde im Juli 1907 in Weinheim geboren. Er hatte einen Bruder. Er besuchte die Volksschule in Weinheim, besuchte den evangelischen Jugendbund der Peterskirche Weinheim und turnte bei der TSG.

Nach der Schule lernte er Schlosser bei der Badenia, wo auch sein Vater arbeitete, der allerdings Holzarbeiter war. Später arbeitete Herr S. in einer Bürstenfabrik.

Außerdem war er 60 Jahre lang Mitglied in der Stadtkapelle, wo er Geige, Trompete und Waldhorn spielte. 1932 heiratete Herr S.

Herr S. besaß ein Bergstück an dem er Johannisbeeren, Kirschen und dergleichen anbaute. Herr S. wurde auch in den Krieg eingezogen, er war beim „Volkssturm“ so wie er sagt. Eine seiner Aufgaben bestand darin nachts an der Post zu stehen und Autos zu kontrollieren.

Und wenn Fliegeralarm war mußte er immer nach Mannheim fahren, leider kann er mir nicht genau erklären warum und wozu, er sagt nur, daß er sich die Schuhe mit Phosphor verbrannt hat damals und dann neue bekam.

Herr S. ist mit seiner Frau auch verreist, nach Rom z.B.

Sie bekamen 2 Kinder, 1 Tochter (die ihnen 6 Enkelkinder schenkte) und 1 Sohn.

Herr S. war immer lustig und auf Festen immer dabei, auch wenn er nicht tanzen kann, so wie er sagt, denn Musiker könnten alle nicht tanzen. Aber dafür konnte er singen!

Nachdem seine Frau gestorben war, zog Herr S. zu seiner Tochter nach Hemsbach, die ebenfalls verwitwet ist.

Nach einiger Zeit kam Herr S. ins Bodelschwingh-Heim, um seiner Tochter nichtmehr zur Last zu fallen. Herr S. ist auch im Heim meist fröhlich und macht Scherze mit den Schwestern, die er alle frägt ob sie ihn heiraten wollen. Nur mit seinen Zimmermitbewohnern ist er meistens nicht so zufrieden (es ist nur 1 Mitbewohner, aber Herr S. hat schon so manchen überlebt!) Seine Kinder kommen ihn oft besuchen, auch seine Tochter, sie bringt immer ein Urenkelchen mit. Herr S. ist leider etwas verwirrt, er hat das Hirnorganische Psychosyndrom und kam zu uns mit einem Verdacht auf Alkoholabusus.

Außerdem ist Herr S schwerhörig und benötigt einen Gehstock, nachdem er einen Apoplex hatte. Herr S. benötigt Hilfestellung bei der Grundpflege insbesondere beim Ankleiden.Herr S. freut sich über jedes Beschäftigungsangebot, er sagt zwar oftmals, daß das alles Kinderkram ist aber eigentlich mag er es trotzdem.

Ich habe Herrn S. ausgesucht, weil er zwar kontaktfreudig ist aber dennoch solche Angebote braucht, er ist einfach ein Mensch der Unterhaltung und Gesseligkeit braucht um sich wohl zu fühlen, und oftmals ist er genervt von den anderen Heimbewohnern, die nur „dahängen und vor sich rumbrabbeln“.

2.3 Frau W.

Frau W. wurde im Dezember 1913 geboren. Sie hatte eine Schwester und 4 Brüder. Die Brüder sind im Krieg gefallen.

Frau W. Mutter war Hausfrau, was Frau W. Vater machte, weiß sie nichtmehr. Frau W. besuchte die Volksschule und half im Haushalt und im Garten. Frau W. hatte eine Katze, machte Handarbeiten, las Märchenbücher. Manchmal ging sie ins Kino. Frau W. ist debil. Sie lebte von der Fürsorge, was auch heute noch der Fall ist.

Frau W. war nie in irgendeinem Verein oder dergleichen.

Frau W. hat keine Kinder, sie ist ledig, hat keine Verwandten mehr bis auf ihren Neffen der sie ab und zu besuchen kommt.

Frau W. kam vor 5 Jahren ins Bodelschwingh-Heim und war bettlägerig und hatte einen großen Dekubitus am Gesäß. Ihr zustand besserte sich und sie war wieder recht rüstig. Sie benötigt dennoch einen Rollator und Hilfe bei der morgen und Abendtoilette. Sie braucht weniger körperliche Mithilfe, eher Beistand, wie ein kleines Kind. Sie könnte zwar so manches selber machen, wartet aber immer bis eine Schwester kommt und ihr hilft, von alleine macht sie nichts. Frau W. zustand hat sich aber in letzter Zeit wieder stark verschlechtert, sie hat abgenommen, ist häufig müde (bekommt auch Haloperidol) und ist ruhiger als früher. Außerdem hat Frau W. Osteoporose und Hypertonie.

Letzte Woche ist sie gestürzt und ist ziemlich lädiert im Gesicht.

Ich habe Frau W. ausgesucht, weil sie viel Zuwendung und Nähe braucht.

2.4 Gruppenanalyse

3 HB 89Jahre + weibl., 93Jahre + männl.,87Jahre + weibl.

Die Heimbewohner kenn sich untereinander etwas und verstehen sich soweit ganz gut. Sie benötigen alle 3 Ansprache, Herr S. und Frau S. weil sie ihr ganzes Leben gesselig waren und jetzt auch noch kontakte brauchen um sich wohl zu fühlen und nicht zu vereinsamen. Und besonders Frau W. sie sucht Kontakt, sie hat nicht viel aufregendes erlebt, und braucht auch aufgrund ihrer Krankheit immer jemand um sich herum.

3. Erläuterung der Technik, Spiel, Spielregeln

Spitz paß auf

Inhalt: 4 Korkfiguren mit Seil, 1 rundes Brett, 1 Sieb, 1 Würfel

Anleitung: Die Spieler stellen ihre Figur auf das Holzbrett und halten es am Seilende (Schlinge) fest. Der Schläger würfelt. Wenn er eine 6 gewürfelt hat, so schlägt er schnell mit dem Sieb auf das Brett. Wer seine Figur nicht rechtzeitig am Seil weggezogen hat und nun unter dem Sieb gefangen ist muß als nächstes Würfeln und zuschlagen.

Beim Aufräumen werden die Seile um die Figur gewickelt und die Korkfiguren sowie der Würfel werden im Sieb gesammelt.

Kegeln

Inhalt: 9 Kegel und 2 Kugeln

Anleitung: 9 Kegel werden aufgestellt auf dem Boden mit den Kugeln wird versucht alle Kegel umzuschmeißen

2 Bilder = 1 Doppelwort

Inhalt: 28 bunte Bilderkarten

Anleitung: Der Pfleger legt aus den 28 Karten Doppelwörter zusammen, welche der Heimbewohner erraten muß. Bsp: Apfel und Baum = Apfelbaum oder Haus und Frau = Hausfrau

Es empfiehlt sich die Bilder vorher mit den HB durchzusprechen um Verständnisprobleme zu vermeiden.

Bewegungslieder siehe Beilage!

4. Inhalt und Ziele der Übung

Motorisch — sensomotorischer Bereich

Reaktivierung von körperlichen Abläufen

Kräftigung der Muskulatur, Mobilität, Gangsicherheit, Kontrakturenprophylaxe

Förderung der Grobmotorik, verbesserte Körperhaltung (Kegeln, Bewegungslieder)

Reaktionsvermögen (Spitz paß auf)

Training des Sehens und Hörens (Bilder / Gesang)

Kognitiv — kreativer Bereich

Förderung von Kurzzeit und Langzeitgedächtnis und der Orientierung, Vorstellungskraft, Phantasie

Förderung des Abstraktions- und Kombinationsvermögens (2Bilder=1Wort)

Förderung der Konzentration (Spitz paß auf)

Kommunikativ — sozialer Bereich

Stärkung des Selbstbewußtseins

Vermeidung von Isolation

Schaffung, Förderung + Vertiefung sozialer Kontakte

Lernen von Geduld und Ausdauer

Rücksichtsnahme auf Andere

Gefühlsmäßig — emotionaler Bereich

Erhöhung der Lebensfreude

Erleben von Stolz

Bewältigung von Alltagsproblemen

An positive Gedanken und Gefühle heranführen

Verbesserung der Lebensqualität

Der Schwerpunkt dieser Aktivierung liegt im gefühlsmäßig — emotionalen Bereich. Spaß und Lebensfreude sollen hauptsächlich wichtig sein. Das auch Ziele im motorisch — sensomotorischen und im kreativ — kognitiven Bereich u.s.w. angesprochen werden ist hierbei eher ein angenehmer Nebeneffekt, aber eher nebensächlich. Ein Lachen im Gesicht eines hochbetagten Menschen der im Heim seinen letzten Gang geht ist was besonderes und erfreut auch das Pflegepersonal.

5. geplanter Verlauf

5.1 Einleitung

Ca. 5 min

  • Begrüßung
  • Vorstellen
  • Bewegungslied „Ein kleiner Matrose“

5.2 Hauptteil

Ca. 20 min

  • Spitz paß auf
  • Kegeln
  • 2 Bilder = 1 Doppelwort

5.3 Schluß

Ca. 5 min

  • Bewegungslied „Mein Hut der hat 3 Ecken“
  • Gemeinsames aufräumen
  • Verabschiedung

Diesen Beitrag teilen auf...

Twitter Facebook Google+