Spiele spielen
Helen — Keller — Schule
Weinheim
Berufsfachschule für Altenpflege
Am: 8. Mai 2000
Schülerin: Fibula
Klasse 3BFA3
Einsatzstelle: Bodelschwingh-Heim Weinheim
Aufgabe:
Thema: Spiele spielen
Inhalt:
1. Vorbereitungen
1.1 Benötigtes Material
1.2 Raum/Raumgestaltung
2. Biographien der HB
2.1 Frau S.
2.2 Herr S.
2.3 Frau W.
2.4 Gruppenanalyse
3. Erläuterung von Technik, Spiel,
Spielregeln
4. Inhalt und Ziele
5. Geplanter Verlauf
5.1 Einleitung
5.2 Hauptteil
5.3 Schluß
1. Vorbereitungen
1.1 benötigtes Material
1 selbstgebasteltes Spiel (ähnlich wie Spitz paß auf)
1 Kegelspiel mit 9 Kegeln und 2 Kugeln
1 selbstentworfenes Spiel namens „2 Bilder = 1 Doppelwort"
1.2 Raum/Raumgestaltung
Die Aktivierung findet im Seminarraum im Keller statt. Er bietet
ausreichend Platz, er bietet Ruhe und auch wir können durch
unser Tun und Handeln niemanden stören. Außerdem hat der
Raum ein großes Fenster zum unteren Eingangsbereich des Heimes
und ist daher sehr hell und hat durchaus eine freundliche Atmosphäre.
Eine Toilette befindet sich in der Nähe des Raumes.
2. Biographien/Gruppenanalyse
2.1 Frau S.
Frau S. wurde im Juli 1911 in Hamburg geboren. Sie hat 1 Bruder.
Ihre Mutter war Hausfrau und ihr Vater Beamter bei der Luftpost.
Als Kind hatte Frau S. daher öfters die Möglichkeit zu
fliegen. Sie wohnte nicht weit vom Flugplatz und ihr Vater rief sie
manchmal an und sagte, sie solle schnell mit dem Fahrrad kommen und
könnte dann mitfliegen (innerhalb Deutschlands). Frau S. besuchte
die Volksschule und baute danach ihre Bildung auf, sie machte die
mittlere Reife.
Nach ihrem Schulabschluß begann sie eine Lehre als Rechtsanwaltsgehilfin.
Nach der Lehre arbeitete sie weitere 11 Jahre beim Rechtsanwalt.
Mit 27 heiratete sie und ging dann nicht mehr arbeiten, das war damals
eben so. Ihr Mann war Leiter einer kirchlichen Turngruppe, in der
Frau S. auch turnte, dort lernten sich die beiden kennen. Vom Beruf
her war ihr Mann allerdings Lehrer an einer Volksschule. 1940 bekamen
die beiden einen Sohn.
Mit ihrem Mann ist Frau S. viel gereist, sie waren z.B. in Schlesien
und auch in Österreich zum Wandern. Frau S. war überhaupt
sehr sportlich, turnen, Wandern, Skilaufen.
Außerdem singt sie gerne (auch heute noch), und spielte Klavier.
Und sie hat auch gerne im Garten gearbeitet.
Ihr Sohn arbeitete jahrelang für den Beltz-Verlag in Weinheim,
und sie kam dann oft nach Weinheim um seine Familie zu besuchen,
bzw. um auf die 2 Enkel aufzupassen, wenn ihr Sohn mit seiner Frau
verreiste. Nachdem ihr Mann starb und es ihr so gut in Weinheim gefiel
zog sie einfach zu ihrem Sohn und dessen Familie. Dort paßte
sie auf die Kinder auf und half ihrem Sohn etwas im Geschäft,
da er nun einen eigenen Verlag gekauft hatte (Juventa oder so ähnlich).
Doch auch Frau S. wurde älter und ihr Sohn hatte Angst sie alleine
im Haus zu lassen wenn er verreist, so brachte er sie kurzfristig
in unser Heim. Als er zurückkam sagte Frau S. zu ihm, daß er
sie ruhig hier lassen kann, denn es gefalle ihr gut. Und seitdem
lebt Frau S. bei uns, obgleich sie noch sehr rüstig ist.
Frau S. ist sehr selbstständig und Bedarf nur Hilfe bei der
Grundpflege.
Sie ist Marcumar-Patientin, hat eine Herzinsuffizienz, außerdem
trägt sie einen Katheter, weil sie wegen der Herzinsuffizienz
Lasix bekommt und viel ausscheidet und den Harn nichtmehr halten
kann. Sie trägt ihn aber als Beinbeutel, so daß man den
Katheter nicht sieht. Frau S. nimmt gerne an den im Heim angebotenen
Beschäftigungen und Aktivitäten teil. Sie sucht nach Unterhaltung
und Beschäftigung und sitzt nicht rum wie andre Bewohner und
bläßt trübsal. Und deswegen hat sie auch eine gute
Auffassung vom Heimleben, sie fühlt sich wohl im Bodelschwingh-Heim.
Ich habe sie ausgesucht, weil sie gerne mitmacht und Freude an solchen
Angeborten hat, wenn sie nicht ausreichend geboten bekommt, wird
sie sicher irgendwann Hospitalismus bekommen.
2.2 Herr S.
Herr S. wurde im Juli 1907 in Weinheim geboren. Er hatte einen Bruder.
Er besuchte die Volksschule in Weinheim, besuchte den evangelischen
Jugendbund der Peterskirche Weinheim und turnte bei der TSG.
Nach der Schule lernte er Schlosser bei der Badenia, wo auch sein
Vater arbeitete, der allerdings Holzarbeiter war. Später arbeitete
Herr S. in einer Bürstenfabrik.
Außerdem war er 60 Jahre lang Mitglied in der Stadtkapelle,
wo er Geige, Trompete und Waldhorn spielte. 1932 heiratete Herr S.
Herr S. besaß ein Bergstück an dem er Johannisbeeren,
Kirschen und dergleichen anbaute. Herr S. wurde auch in den Krieg
eingezogen, er war beim "Volkssturm" so wie er sagt. Eine
seiner Aufgaben bestand darin nachts an der Post zu stehen und Autos
zu kontrollieren.
Und wenn Fliegeralarm war mußte er immer nach Mannheim fahren,
leider kann er mir nicht genau erklären warum und wozu, er sagt
nur, daß er sich die Schuhe mit Phosphor verbrannt hat damals
und dann neue bekam.
Herr S. ist mit seiner Frau auch verreist, nach Rom z.B.
Sie bekamen 2 Kinder, 1 Tochter (die ihnen 6 Enkelkinder schenkte)
und 1 Sohn.
Herr S. war immer lustig und auf Festen immer dabei, auch wenn er
nicht tanzen kann, so wie er sagt, denn Musiker könnten alle
nicht tanzen. Aber dafür konnte er singen!
Nachdem seine Frau gestorben war, zog Herr S. zu seiner Tochter
nach Hemsbach, die ebenfalls verwitwet ist.
Nach einiger Zeit kam Herr S. ins Bodelschwingh-Heim, um seiner
Tochter nichtmehr zur Last zu fallen. Herr S. ist auch im Heim meist
fröhlich und macht Scherze mit den Schwestern, die er alle frägt
ob sie ihn heiraten wollen. Nur mit seinen Zimmermitbewohnern ist
er meistens nicht so zufrieden (es ist nur 1 Mitbewohner, aber Herr
S. hat schon so manchen überlebt!) Seine Kinder kommen ihn oft
besuchen, auch seine Tochter, sie bringt immer ein Urenkelchen mit.
Herr S. ist leider etwas verwirrt, er hat das Hirnorganische Psychosyndrom
und kam zu uns mit einem Verdacht auf Alkoholabusus.
Außerdem ist Herr S schwerhörig und benötigt einen
Gehstock, nachdem er einen Apoplex hatte. Herr S. benötigt Hilfestellung
bei der Grundpflege insbesondere beim Ankleiden.Herr S. freut sich über
jedes Beschäftigungsangebot, er sagt zwar oftmals, daß das
alles Kinderkram ist aber eigentlich mag er es trotzdem.
Ich habe Herrn S. ausgesucht, weil er zwar kontaktfreudig ist aber
dennoch solche Angebote braucht, er ist einfach ein Mensch der Unterhaltung
und Gesseligkeit braucht um sich wohl zu fühlen, und oftmals
ist er genervt von den anderen Heimbewohnern, die nur „dahängen
und vor sich rumbrabbeln".
2.3 Frau W.
Frau W. wurde im
Dezember 1913 geboren. Sie hatte eine Schwester und 4 Brüder.
Die Brüder sind im Krieg gefallen.
Frau W. Mutter war Hausfrau, was Frau W. Vater machte, weiß sie
nichtmehr. Frau W. besuchte die Volksschule und half im Haushalt
und im Garten. Frau W. hatte eine Katze, machte Handarbeiten, las
Märchenbücher. Manchmal ging sie ins Kino. Frau W. ist
debil. Sie lebte von der Fürsorge, was auch heute noch der Fall
ist.
Frau W. war nie in irgendeinem Verein oder dergleichen.
Frau W. hat keine Kinder, sie ist ledig, hat keine Verwandten mehr
bis auf ihren Neffen der sie ab und zu besuchen kommt.
Frau W. kam vor 5 Jahren ins Bodelschwingh-Heim und war bettlägerig
und hatte einen großen Dekubitus am Gesäß. Ihr zustand
besserte sich und sie war wieder recht rüstig. Sie benötigt
dennoch einen Rollator und Hilfe bei der morgen und Abendtoilette.
Sie braucht weniger körperliche Mithilfe, eher Beistand, wie
ein kleines Kind. Sie könnte zwar so manches selber machen,
wartet aber immer bis eine Schwester kommt und ihr hilft, von alleine
macht sie nichts. Frau W. zustand hat sich aber in letzter Zeit wieder
stark verschlechtert, sie hat abgenommen, ist häufig müde
(bekommt auch Haloperidol) und ist ruhiger als früher. Außerdem
hat Frau W. Osteoporose und Hypertonie.
Letzte Woche ist sie gestürzt und ist ziemlich lädiert
im Gesicht.
Ich habe Frau W. ausgesucht, weil sie viel Zuwendung und Nähe
braucht.
2.4 Gruppenanalyse
3 HB 89Jahre + weibl., 93Jahre + männl.,87Jahre + weibl.
Die Heimbewohner kenn sich untereinander etwas und verstehen sich
soweit ganz gut. Sie benötigen alle 3 Ansprache, Herr S. und
Frau S. weil sie ihr ganzes Leben gesselig waren und jetzt auch noch
kontakte brauchen um sich wohl zu fühlen und nicht zu vereinsamen.
Und besonders Frau W. sie sucht Kontakt, sie hat nicht viel aufregendes
erlebt, und braucht auch aufgrund ihrer Krankheit immer jemand um
sich herum.
3. Erläuterung der Technik, Spiel, Spielregeln
Spitz paß auf
Inhalt: 4 Korkfiguren mit Seil, 1 rundes Brett, 1 Sieb, 1 Würfel
Anleitung: Die Spieler stellen ihre Figur auf das Holzbrett und
halten es am Seilende (Schlinge) fest. Der Schläger würfelt.
Wenn er eine 6 gewürfelt hat, so schlägt er schnell mit
dem Sieb auf das Brett. Wer seine Figur nicht rechtzeitig am Seil
weggezogen hat und nun unter dem Sieb gefangen ist muß als
nächstes Würfeln und zuschlagen.
Beim Aufräumen werden die Seile um die Figur gewickelt und
die Korkfiguren sowie der Würfel werden im Sieb gesammelt.
Kegeln
Inhalt: 9 Kegel und 2 Kugeln
Anleitung: 9 Kegel werden aufgestellt auf dem Boden mit den Kugeln
wird versucht alle Kegel umzuschmeißen
2 Bilder = 1 Doppelwort
Inhalt: 28 bunte Bilderkarten
Anleitung: Der Pfleger legt aus den 28 Karten Doppelwörter
zusammen, welche der Heimbewohner erraten muß. Bsp: Apfel und
Baum = Apfelbaum oder Haus und Frau = Hausfrau
Es empfiehlt sich die Bilder vorher mit den HB durchzusprechen um
Verständnisprobleme zu vermeiden.
Bewegungslieder siehe Beilage!
4. Inhalt und Ziele der Übung
Motorisch — sensomotorischer Bereich
Reaktivierung von körperlichen Abläufen
Kräftigung der Muskulatur, Mobilität, Gangsicherheit,
Kontrakturenprophylaxe
Förderung der Grobmotorik, verbesserte Körperhaltung (Kegeln,
Bewegungslieder)
Reaktionsvermögen (Spitz paß auf)
Training des Sehens und Hörens (Bilder / Gesang)
Kognitiv — kreativer Bereich
Förderung von Kurzzeit und Langzeitgedächtnis und der
Orientierung, Vorstellungskraft, Phantasie
Förderung des Abstraktions- und Kombinationsvermögens
(2Bilder=1Wort)
Förderung der Konzentration (Spitz paß auf)
Kommunikativ — sozialer Bereich
Stärkung des Selbstbewußtseins
Vermeidung von Isolation
Schaffung, Förderung + Vertiefung sozialer Kontakte
Lernen von Geduld und Ausdauer
Rücksichtsnahme auf Andere
Gefühlsmäßig — emotionaler Bereich
Erhöhung der Lebensfreude
Erleben von Stolz
Bewältigung von Alltagsproblemen
An positive Gedanken und Gefühle heranführen
Verbesserung der Lebensqualität
Der Schwerpunkt dieser Aktivierung liegt im gefühlsmäßig — emotionalen
Bereich. Spaß und Lebensfreude sollen hauptsächlich wichtig
sein. Das auch Ziele im motorisch — sensomotorischen und im
kreativ — kognitiven Bereich u.s.w. angesprochen werden ist
hierbei eher ein angenehmer Nebeneffekt, aber eher nebensächlich.
Ein Lachen im Gesicht eines hochbetagten Menschen der im Heim seinen
letzten Gang geht ist was besonderes und erfreut auch das Pflegepersonal.
5. geplanter Verlauf
5.1 Einleitung
Ca. 5 min
- Begrüßung
- Vorstellen
- Bewegungslied "Ein kleiner Matrose"
5.2 Hauptteil
Ca. 20 min
- Spitz paß auf
- Kegeln
- 2 Bilder = 1 Doppelwort
5.3 Schluß
Ca. 5 min
- Bewegungslied "Mein Hut der hat 3 Ecken"
- Gemeinsames aufräumen
- Verabschiedung
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