Autor/in: Martin Naumann

Einzel- und Gruppenarbeit

Einzelarbeit

Pro:

  • Fördert selbstständiges & selbstgesteuertes Lernen (Zielgerichtete Planung)
  • Schritt in Vorbereitung auf Gruppenarbeit
  • Probleme und Ressourcen sind besser ermittelbar
  • bessere Motivationsmöglichkeiten
  • Ermutigung alte Hobbys aufzugreifen
  • manche Beschäftigungsarten sind hier besser
  • Bsp.: Gedächtnistraining, Malen / Zeichnen, Rätsellösen, Collagen, Biographiearbeit, Fotos ansehen

Contra:

  • große Aufgaben evt. nur schwer lösbar
  • geringer Austausch von Gedanken und Ideen
  • fehlende Integration in die Gemeinschaft

Gruppenarbeit

Pro:

  • Geborgenheit & Sicherheit durch Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in der Gruppe
  • Knüpfung neuer Kontakte
  • Ersatz verlorener Beziehungen
  • Vermeidung von Einsamkeit
  • Austauschmöglichkeiten von Ansichten und Problemen
  • Anerkennung und Selbstvertrauen durch Reaktion anderer
  • Lebensfreude neu erfinden, Erkennen „anderen geht es wie mir“ (verbindet)

Contra:

  • verringerte individuelle Betreuung
  • vergrößerte Konfliktbereitschaft
  • Unterdrückungsgefahr von zurückhaltenden Personen
  • große Unter-/Überforderung durch ungünstige Aufgabenstellung und Personenwahl

Das menschliche Zusammenleben führt zur Gruppenbildung, denn jeder Mensch ist auf das Leben in Gruppen angewiesen. Basis dafür sind Kooperation & Kommunikation.

Arten der Gruppenarbeit

arbeitsgleiche Gruppenarbeit

  • die gesamte oder mehrere Kleingruppen arbeiten am selben Thema

arbeitsteilige Gruppenarbeit

  • gesamte Gruppe wird in mehrere Kleingruppen aufgeteilt und jede Kleingruppe arbeitet an einem Teilaspekt des Themas

gemischtarbeitsteilige Gruppenarbeit

  • einige Kleingruppen arbeiten am selben Thema und andere an Teilaspekten

Gruppenbildung

Themenorientiert

  • Interesse
  • Vorerfahrung
  • Fähig- & Fertigkeiten, gute Kenntnisse

Personenorientiert

  • Sympathie
  • Geschlecht
  • Alter
  • Kompetenz

Zufallsorientiert

  • Lose

Gruppenformen

  • hängt von der Zielgruppe, dem Thema und der geplanten Arbeitsweise ab

offene Gruppe

  • Gesprächskreis in einer Tagesstätte
  • kleiner, fester Kern, ca. 08-16
  • Teilnehmer wechseln nach Zeit und Interesse

Geschlossene Gruppe

  • Theatergruppen in Pflegeeinrichtungen
  • Teilnehmer beginnen und beende die Arbeit gleichzeitig
  • starkes Zusammengehörigkeitsgefühl
  • maximal 10 Teilnehmer

Halboffene Gruppe

  • Interessengruppe
  • Gruppenarbeit beginnt mit begrenzter Teilnehmerzahl
  • bei dauerhaftem Wegfall einzelner, Ersatz möglich
  • maximal 10 Teilnehmer

Aufgaben der Gruppenleitung

  • Fantasie, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität
  • Fachwissen (geragogisch)
  • Leitungserfahrung
  • Kenntnisse zu Führungsstilen
  • autoritär
  • demokratisch / partnerschaftlich
  • Laissez – Faire
  • Kenntnisse zu Krankheitsbildern
  • Eingehen auf Beiträge der Teilnehmer
  • nichts abblocken
  • augenblickliche Stimmung und Atmosphäre nutzen und genießen

(keine Rekonstruktion möglich!)

Regeln der Gruppenleitung

  • nicht für jemanden etwas gestalten, sondern mit ihm (Planen, Entscheiden und Durchführen)
  • nur aktive Gruppenleiter können aktivieren
  • der Gruppenleiter muss Phasen der Ruhe und Entspannung in der Gruppe erkennen
  • kein falscher Ehrgeiz (nicht zu hoch ansetzen, komplizierte Techniken meiden und kein Perfektionismus)
  • kleine Schritte der Teilnehmer als große Leistung anerkennen
  • „nichts ist selbstverständlich“

Phasen der Gruppenarbeit

  1. Phase – Bestandsaufnahme

  • gibt Auskunft über Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe und sachliche Rahmenbedingungen
  • folgende Fragen müssen in dieser Phase beantwortet werden
  • welche Gruppenaktivitäten gibt es schon
  • besteht ein Bedarf an Gruppenarbeit
  • Zusammensetzung der Zielgruppe (Hochbetagte, Verwirrte, Bewegungsfreudige, Menschen mit Körperbehinderungen)
  • Anzahl der Betreuungspersonen und der Mitarbeiter
  • Wie viele interessierte Mitarbeiter, wie viel geeignete Ehrenamtliche, Angehörige stehen für die Planung zur Verfügung)
  • Fachkompetenz des Personals
  • Vorhandensein sachlicher Ressourcen
  • Teeküche
  • Beschäftigungsraum
  • Turnsaal
  • Materialien (Spendentopf für Materialien ?)
  1. Phase – Planung

  • Mitarbeiter müssen für neue Informationen, Wünsche, Vorschläge, Ideen von anderen Mitarbeitern, Angehörigen und Kollegen offen sein
  • Vorsicht: Ideenkiller
  • „Damit kommen wir hier nie durch“
  • „Ob wir da jemanden begeistern können“
  • „Für so was haben wir weder Geld noch Personal“
  • „Seien Sie erst mal ein paar Jahre hier“
  • bei der Planung der Gruppenarbeit sind folgende Fragen / Aspekte zu klären
  • Ziele der Gruppenarbeit
  • Art der Tätigkeiten
  • Welche Beschäftigungsart soll im Mittelpunkt der Gruppenarbeit stehen
  • Gesprächsführung (Themen.)
  • Gäste (Referenten) einladen
  • Wer übernimmt die Gruppenleitung (evt. mehrere Personen)
  • Sitzordnung der Teilnehmer
  • Beschäftigung mit der selben Thematik durch alle Teilnehmer, oder gibt es vorbereitete Alternativen
  • Information und Motivation der Teilnehmer
  • geeignete Informationen auswählen (z.B. öffentlicher Aushang oder persönliche Einladungen -> Titel, Termin, Ort, Teilnehmer, Leitung, Unterstützung -> Ermöglicht Teilnehmermotivation)
  • Mobiliar
  • Medien (Diaprojektor, CD-Player, Plattenspieler)
  • Problemberücksichtigung bei einzelnen Teilnehmern
  • Vorbereitung von Alternativangeboten -> kurzfristige Änderungen
  • Sicherheit der Teilnehmer berücksichtigen

Häufig wird die Planungsphase vernachlässigt und Angebote werden zu kurzfristig Organisier, dies kann zu Absagen führen.

  1. Phase – Durchführung

  • Sicherheit beachten
  • Personalsituation prüfen
  • Hin- & Rücktransporte organisieren
  • Beginn:
  • gemeinsames Kaffeetrinken, zur besseren Kontaktaufnahme
  • Programm vorstellen und durchführen
  • Zeit für Gespräche lassen
  1. Phase – Auswertung

  • Ergebnisse zeigen
  • behutsam loben
  • Zufriedenheit ablesbar am Verhalten der Teilnehmer
  • Was hat (nicht) gefallen
  • Wünsche und Vorschläge

Methodische Gestaltung von Angeboten

Ziele

  • Ablenken vom Heimalltag
  • Kommunikationsförderung
  • Motorikschulung

Fachliche Qualifikation (fachliche Verantwortung)

  • Berufsethik
  • Lebensraum- und Lebenszeitgestaltung
  • Methodik des Altenpflegeprozesses
  • Anleiten, Beraten und Gespräche führen
  • Arbeit mit dem Klienten und seinem Umfeld (Angehörigen- und Biographiearbeit)

Empathie (menschliche Verantwortung)

  • den Klienten dort abholen wo er gerade steht
  • Validation
  • Schaffung einer geborgenen Atmosphäre
  • Verständnis, Vertrauen, Wärme, Zuneigung
  • zwischen den Zeilen lesen können
  • Verantwortung der Mitarbeiter für Kommunikation innerhalb der Gruppe
  • Förderung jedes Teilnehmers
  • Wahrnehmung fördern, nicht überfordern
  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
  • Konfliktbereitschaft
  • Akzeptanz
  • Kunst der Anleitung

Mitarbeiter sollen sich nicht nur als Lehrende sondern immer auch als Lernende einbringen

Vorraussetzungen für die Teilnehmer

  • können nach Kriterien ausgewählt werden
  • Themenorientiert
  • Personenorientiert
  • Zufallsorientiert
  • Ermittlung individueller (Geschlecht, Alter, Familienstand und Interessen) und soziokultureller (Angehörige, Wohnsituation, ehemaliger Wohnort, Beruf) Voraussetzungen

Biographische Hintergründe

  • Bildungsniveau
  • Lebensgeschichtliche Erfahrungen (Beruf, Heirat, Kinder)

Geragogische Angebote motivieren nur, wenn der Klient dort abgeholt wird, wo er gerade steht

Rahmenbedingungen

  • räumliche Bedingungen
  • gute Erreichbarkeit des Raumes
  • deutliche Markierung der Zugänge
  • ausreichende Raumgröße
  • wenn möglich für Kleingruppen abgetrennter Raum
  • pflegeleichter Boden
  • Pausenraum für Raucher
  • Möglichkeiten um Getränke bereitstellen zu können
  • Gemütliche Atmosphäre (Farben)
  • Gardinen, Möbel, Pflanzen
  • Nicht den Raum überladen
  • Akzente setzen
  • Orientierungspunkte schaffen, die Verbindungen zur Vergangenheit ermöglichen
  • Materialien
  • Projektoren
  • Kassettenspieler, Plattenspieler, Grammophon
  • Spiele und / oder Sportgeräte
  • Geräte vorher probieren und testen
  • Störfaktoren vermeiden
  • für Sicherheit sorgen

Zeitrahmen (sorgt für Struktur)

äußerer Zeitrahmen 1)

  • legt Gesamtdauer fest
  • Dauer einzelner Zusammenkünfte
  • Wochenplanung, Monatsplanung

innerer Zeitrahmen

  • Aufteilen des geragogischen Angebotes in Aktionsphasen
  • Feste Reihenfolgen geben Sicherheit und Orientierung
  • Begrüßung und Einstimmung auf das Thema
  • Aufwärmübungen
  • Anschauungsmaterial
  • passende Gedichte oder Lieder etc.
  • Entspannungsübungen / Getränke

Die Angebote müssen mit dem Tagesablauf und anderen statt findenden Veranstaltungen abgestimmt sein. Günstige Zeiten für Angebote sind: 10.00 – 12.00 Uhr, 15.00 – 17.00 Uhr, 19.00 – 22.00 Uhr.

  • wird von 3 Faktoren bestimmt

Kraft – vermeiden von physischer und psychischer Überforderung

Motivation – Angebot muss ansprechend sein > durch regelmäßige Angebote

Zeit – ausreichend Zeit zwischen einzelnen Aktivitäten (innerhalb eines Angebotes)

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