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Mitglied im Pflegenetz
Autor: Andi
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Allgemeine Arzneimittellehre

Definition Arzneimittel (Lt. § 2 des Arzneimittelgesetzes, 1986)

Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen pflanzlicher , mineralischer , tierischer oder chemischer Herkunft, die dazu dienen, Krankheiten zu verhüten, zu erkennen, zu lindern oder zu heilen .

Herkunft der Arzneimittel

·   Pflanzlicher Herkunft        »   Pflanzenbestandteile, z.B. Baldrianwurzel,

                                                     Kamillenblüten, Melissenblätter.

·   Mineralischer Herkunft    »   Salze, wie z.B. Calzium, Magnesium, Kalium.

·   Tierischer Herkunft           »   Lebertran, Insulin vom Rind oder Schwein.

·   Chemischer Herkunft        »   Aus dem Labor, z.B. Aciclovir gegen Herpes.

Einteilung der Arzneimittel

  • Frei verkäufliche Arzneimittel.
  • Apothekenpflichtige Arzneimittel.
  • Rezeptpflichtige Arzneimittel (verschreibungspflichtig).
  • Betäubungsmittel (nur nach Vorlage eines Betäubungsmittelrezeptes, BTMG).

Aufgabe von Arzneimitteln

¨   Krankheiten verhüten      »   Prophylaxe, z.B. Vitamin C, aktive Impfung, Heparin.

¨   Krankheiten erkennen     »   Röntgenkontrastmittel

¨   Krankheiten lindern         »   Symptome lindern, z.B. mit Schmerzmitteln.

¨   Krankheiten heilen           »   Ursachen beseitigen, z.B. Antibiotika gegen Bakterien.

Wahl der Arzneiform

Sie ist abhängig:

1. Wirkort       »   lokale Wirkung   ®   Wirkt an Ort und Stelle.

  • systemische Wirkung   ®   Wirkt auf den ganzen Körper, Arzneimittel

  wird in den Blutkreislauf aufgenommen.

2. Verträglichkeit

3. Zeitpunkt des Wirkungseintritts   »   Z.B. Tropfen wirken schneller als Tabletten.

4. Praktische Gründe   »   z.B. bei Schluckbeschwerden Tropfen und keine Kapseln.

Arzneiformen

a)   fest

b)   flüssig

c)   fest/flüssig

d)   gasförmig

zu a)   feste Arzneiform

1. Pulver

2. Puder

3. Granulat

4. Tablette

5.   Dragee (Lacktablette

6.   Kapseln

7.   Zäpfchen (= Suppositorium = Supp.)

8.   TTS-Pflaster

9.   Tee

zu 1. Pulver                             »   zum Schlucken

                                                     Nachteil : feuchtigkeitsempfindlich

zu 2. Puder                              »   feiner, äußerliche Anwendung

zu 3. Granulat                         »   Grobe Körner, mit zuckerhaltiger Schicht umhüllt.

zu 4. Tablette                         »   In Form gepresstes Pulver.

                                                    Anwendung:

                                                    ·   Zum Schlucken , mit viel Flüssigkeit einnehmen, in

                                                        aufrechter Körperhaltung. Sonderform einer

                                                        Tablette = Filmtablette, mit glattem Überzug.      

                                                    ·   Zum Auflösen , Brausetablette in ausreichend Wasser

                                                        auflösen.

                                                        Vorteil: Schnellerer Wirkungseintritt als bei Tabletten.

                                                    ·   Zum Lutschen , Lutschpastillen oder Kautabletten.

                                                        Vorteil: Schnellerer Wirkungseintritt.

zu 5. Dragee (Lacktablette) »   Tablette mit zuckerhaltigen, farbigen Überzug.

zu 6. Kapseln                          »   a) Gelatine-Kapseln mit Flüssigkeit gefüllt, z.B. Lebertran.

                                                      b) Hartkapseln aus Boden- und Deckenteil.

                                                         Sie enthalten Pulver, Granulat oder kleine Tabletten.

                                                          Sonderform: Zerbeißkapseln (Resorption des Wirkstoffes

                                                         über die Mundschleimhaut ® schneller Wirkungseintritt).

zu 7. Zäpfchen                       »   Wirkstoff in Zäpfchengrundmasse schmilzt bei

(Suppositorium = Supp.)              Körpertemperatur.

                                                     Vorteil : Keine Magenbelastung.

                                                     Nachteil : Unsichere Wirkstoffaufnahme durch Stuhldrang.

zu 8. TTS-Pflaster                  »   Arzneistoff auf Pflaster.

    ( T ransdermale                          Anwendung : Auf fettfreier, unbehaarte, gut durchblutete

    t herapeutische S ysteme)         Körperstellen, z.B. Östrogenpflaster, Nikotinpflaster,

                                                     Morphinpflaster, Herzpflaster.

zu 9. Tee                                 »   Getrocknete Pflanzenteile, z.B. Blüten, Wurzel, Blätter,

                                                     Samen.

                                                     Anwendung : Mit heißem Wasser Teebeutel oder Trocken-

                                                     extrakt übergießen.

zu b) flüssige Arzneiformen

1. Lösung

2. Emulsion

3. Suspension

zu 1. Lösung = liqu = liquidum = flüssig

            ¨   zum Schlucken       »   ° Tropfen = gtt = guttae

                                                     ° Trinkampullen

                                                     °   Sirup = zuckerhaltiger Saft

            ¨   nasal                      »   Nasenspray

            ¨   konjunktival          »   Augentropfen (müssen steril = keimfrei und reizlos sein).

            ¨   aural                       »   Ohrentropfen

zu 2. Emulsion

Besteht aus Öl und Wasser, ist nicht mischbar, vor Gebrauch gut schütteln.

zu 3. Suspension

Besteht aus Flüssigkeit und Pulver, das sich nicht ganz auflöst. Aussehen trüb, vor

Gebrauch gut schütteln.

    Anwendung   »       °   kutan (Haut)

                                   °   parenteral, z.B. Insulin

                                   °   als Trockensaft + Wasser = Suspension

zu c) flüssig-feste Arzneiform

Salben = Unguentum (Ungt)

Salbenformen:

            °   Paste            »   Hoher Pulveranteil, zieht nicht ein, muss abgewaschen werden.

            °   Creme          »   Hoher Wasseranteil, zieht gut ein.

            °   Gel               »   Hoher Wasseranteil + Quellstoff, ist durchsichtig, zieht ein.

            °   Fettsalbe      »   Hoher Fettanteil, zieht nicht gut ein.

zu d) gasförmige Arzneiform

Gase   »          In Metallflaschen (z.B. Narkosegas oder Sauerstoff).

                        Anwendung : pulmonal

                        Wirkung : systemisch (= auf den ganzen Körper)

Dosier-Aerosole   »   Systeme mit Tröpfchen oder Pulver (fein verteilt) mit oder ohne

                                   Treibgas.

                                   Anwendung : pulmonal

                                   Wirkung : lokal

Weg eines oral verabreichten Arzneimittels im Körper

Mund   »   Speiseröhre   »   Magen   »   Dünndarm   »   Pfortader   »   Leber   »   untere Hohlvene   »   rechte Herzhälfte   »   Lunge   »   linke Herzhälfte    »   Körperkreislauf

Arzneimittelwirkung am Rezeptor

Mit dem Blutstrom werden die Arzneimittel im ganzen Körper verteilt. Ihre Wirkung entfalten sie in bzw. an den einzelnen Körperzellen. Auf der Oberfläche jeder einzelnen Körperzelle (Membran) befinden sich verschiedene Rezeptoren (Empfängerstationen), die mit griechischen Buchstaben unterschieden werden. Man unterschiedet z.B. Alpha- und Beta-Rezeptoren.

Hier können sich an bestimmten Aufnahmeeinrichtungen chemische Stoffe ankoppeln. Wie ein Schlüssel, der in ein passendes Schloss passt. Auf diese Art und Weise können Informationen übertragen werden, die die Zelle zu einer bestimmten Zelltätigkeit anregen können.

Wirkstoff   +   Rezeptor   »   Zelle   »   Effekt

Möglichkeiten der Rezeptorwirkung

¨   Agonisten sind Stoffe, die sich an den Rezeptor anheften und so auf die Zelle einwirken,

     dass die normale Zellaktivität verstärkt wird . Sie unterstützen damit die natürlichen

     Botenstoffe des Körpers (= Verstärker).

¨   Antagonisten sind Gegenspieler. Diese Stoffe heften sich ebenfalls an die Rezeptoren ; sie

     hemmen oder blockieren jedoch die normale Zellaktivität.

    

     Antagonistisch wirkendende Arzneimittel erkennt man sehr leicht an ihrem Namen. Sie

     heißen z.B. Beta-Rezeptoren-Blocker oder Calcium-Antagonisten .

Applikation (= Verabreichung)    »   Resorption (= Aufnahme)   »   Distribution (= Verteilung)   »   Elimination (= Ausscheidung)

Applikationsarten

¨   Äußerlich

            ·   Kutane oder dermale Applikation   =   auf der Haut.  

¨   Innerlich

            ·   Orale Applikation   =   Durch den Mund.

                Sonderformen :        »   sublingual = Unter der Zunge zergehen lassen.

                                               »   bukkal = In der Wangentasche zergehen lassen.

            ·   Nasale Applikation   =   Über die Nasenschleimhaut.

            ·   Konjunktivale Applikation   =   Über die Augenbindehaut.

            ·   Aurale oder otale Applikation   =   In den Gehörgang einbringen.

            ·   Pulmonale Applikation   =   Durch Inhalation in die Lunge.

            ·   Rektale Applikation   =   In den After einbringen (über die Enddarmschleimhaut).

            ·   Vaginale Applikaiton   =   In die Scheide einbringen.

            ·   Parenterale Applikation   =   Durch Injektion (durch die Haut mit Hilfe von

                                                             Instrumenten).

                                                             Dazu gehört:

                                                             °   intravenös   =   i.v.   =   In die Vene.

                                                             °   intramuskulär   =   i.m.   =   In den Muskel.

                                                             °   intraarteriell   =   i.a. =   In die Arterie.

                                                             °   subcutan   =   s.c.   =   Unter die Haut.

                                                             °   intracutan   =   i.c.   =   In die Haut.

Orale Applikation

¨   Tabletten, Kapseln, Dragees

     »   In aufrechter Körperhaltung mit reichlich Flüssigkeit schlucken.

     Warum?   »   Mundtrockenheit, Schluckstörungen bei älteren Menschen, Verletzung

     der Speiseröhre durch aggressive Arzneistoffe, bessere Ausscheidung des Wirkstoffes

     über die Niere.  

¨   Flüssige Arzneimittel

     »   Erst unmittelbar vor der Verteilung stellen.

     ·   Tropfen in Einnahmegläschen + Wasser oder Teelöffel + Wasser (keine Milch!)

     ·   Mixturen und Suspensionen vor Gebrauch schütteln.

     ·   Trockensäfte herstellen, mit Herstellungsdatum und Namen versehen, auf geringe

          Haltbarkeit und Kühlung achten.

  Rektale Applikation

»   Mittels Fingerling oder Applikator bis in den Schließmuskel einführen.

Konjunktivale Applikation

»   In den Bindehautsack.

     °   Auf Hygiene achten (Pipette nicht berühren).

     °   Augentropfen körperwarm einträufeln. Vorsicht mit Pipette am Auge!

     °   Augensalbe durch Lid- bzw. Augenbewegungen verteilen.

Applikation am Ohr

»   Ohrentropfen körperwarm in den Gehörgang, Verschluss mit Watte.

Kutane Applikation

»   Einreibung mit Handschuh vornehmen oder anschließendes Händewaschen.

Nasale Applikation

»   Tropfenpipette gedrückt aus der Nasenöffnung ziehen.

Pulmonale Applikation   =   Handhabung des Dosieraerosols  

•  Kappe entfernen.

•  Dosieraerosol schütteln.

•  Gründlich ausatmen.

•  Öffnung mit den Lippen umschließen.

•  Sprühknopf drücken.

•  Einige Sekunden die Luft anhalten (nicht durch die Nase ausatmen).

•  Gründliche Reinigung des Mundstücks mit Wasser.

•  Bei cortisonhaltigen Dosieraerosolen etwas nachtrinken oder Einnahme vor dem

            Essen (Verhinderung von Pilzinfektionen).

Parenterale Applikation

¨   Trockenampullen erst unmittelbar vor der Injektion mit Lösungsmittel vermischen,

     auf Vollständigkeit achten!

¨   Klare Injektionslösungen können überallhin gespritzt werden.

¨   Kristallsuspensionen dürfen nicht intravasal (nicht in ein Blutgefäß) gespritzt werden.

¨   Ölige Injektionslösungen dürfen nur intramuskulär gespritzt werden.

Beachtung des Beipackzettels!!!

Arzneimittel zur intravenösen Injektion dürfen nicht automatisch i.m. oder s.c. gespritzt werden   »   lokale Reizungen oder Gewebsschäden durch langsamen Abtransport des Arzneistoffes.

Wichtig: Die Verabreichung eines Medikaments muss in eine Dokumentenmappe eingetragen werden.

Resorption

Resorption ist die Aufnahme eines Stoffes über Haut oder Schleimhaut in den Blutkreislauf. Bei geringer Resorption (= Arzneistoff verbleibt an Ort und Stelle) habe ich eine lokale Wirkung . Bei einer guten Resorption (= Aufnahme ins Blut) habe ich eine systemische Wirkung (auf den ganzen Körper).

Resorption ist abhängig von folgenden Faktoren:

1. Arzneistoff

2. Verarbeitung des Arzneistoffs

3. Von der Arzneiform.

4. Vom Applikationsort.

5. Anwesenheit von Nahrung (bei oraler Applikation).

6. Durchfall

7. Anwesenheit anderer Medikamente.

8. Alter

¨   Arzneistoff

¨   Verarbeitung des Arzneistoffs

     »   Magensaftresistenter Überzug verhindert die Auflösung im Magen   ®   Resorption erst

im Dünndarm. Begründung : Magenschleimhautschädigender Arzneistoff löst Übelkeit

            aus   ®   Arzneistoff würde durch Magensaft zerstört werden   ®   Arzneistoff soll erst

            im Darm wirken (z.B. Abführmittel). Arzneiform darf nicht geteilt werden.

     »   Retardformen (verzögerte Wirkstofffreigabe)

            Vorteile : °   einmalige Einnahme/Tag

                            °   gleichmäßige Wirkstoffzufuhr

     »   Zusatz von Verzögerungsstoffen für Injektionslösungen, z.B. Depot-Insulin.

¨   von der Arzneiform           »   flüssig = schnelle Resorption

                                               »   Zusatz von Alkohol = bessere und schnellere Resorption

                                                                                         (durchblutungsfördernd)

¨   vom Applikationsort         »   s.c. oder i.v. Injektion

                                               »   TTS-Pflaster an gut durchbluteten Hautstellen.

¨   abhängig von der Anwesenheit von Nahrung (bei oraler Applikation)

     »   Mit Nahrung   =   langsame und unvollständige Resorption

¨   Durchfall   »   geringe Resorption (schneller Magen-/Darm-Durchgang)

¨   von Anwesenheit anderer Medikamente

     »   Gleichzeitige Einnahme von Kohletabletten oder Antacida (z.B. Rennie) verhindern

            die Resorption.

¨   vom Alter

     »   Verzögerte Resorption durch verlangsamte Organtätigkeit

Distribution (Verteilung) des Arzneistoffes

Bestimmte Mindestmenge muss eingenommen werden, um eine Wirkung zu erzielen   »   Minimale effektive Konzentration   = MEC

Initialdosis   »            Erste Dosis erhöht, um möglichst schnell MEC im Blut zu erreichen.

Erhaltungsdosis   »    Arzneistoff-Menge, die Arzneistoff-Konzentration aufrechterhält.

Höchstmenge des Arzneistoff   »   Darüber entstehen toxische Erscheinungen,

                                                         Vergiftungserscheinungen.

Therapeutische Breite   »   Abstand zwischen MEC und Höchstmenge.

Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite   »   "Gefährlichere" Medikamente

                                                                                          (z.B. Marcumar®)

Arzneimittel mit großer therapeutischer Breite   »   "Ungefährlichere Medikamente"

Elimination (= Ausscheidung eines Wirkstoffes)

•  Biliäre Ausscheidung (= mit dem Stuhl).

•  Renale Ausscheidung (= mit dem Urin).

•  Dermatogene oder cutane Ausscheidung (= über die Haut).

•  Pulmonale Ausscheidung (= mit der Ausatemluft).

Injektions- und Infusionslösungen

Bestehen aus

•  Lösung oder

•  Suspension oder

•  ölige Lösung

Anforderungen

•  steril = keimfrei

•  pyrogenfrei = frei von fiebererregenden Stoffen

•  frei von Schwebstoffen

•  isohydrisch = gleicher pH-Wert wie das Blut.

•  isotonisch = gleicher osmotischer Druck wie das Blut.

Applikationsort

·   Infusion   »            Zuführung größerer Flüssigkeitsmengen, meist i.v., selten s.c.

                                   Aufbewahrung : In Plastik- oder Glasflaschen zu 250 ml, 500 ml

                                   oder 1000 ml.

·   Injektion   »           Aufbewahrung : Brechampullen, Stechampullen (verschlossen mit

                                    einem Gummipfropfen), Trockenampulle (instabiler Arzneistoff).

Halbwertzeit (HWZ) (= Ist das Tempo, in dem ein Arzneistoff zur Hälfte unwirksam bzw. ausgeschieden wird.)

Medikamente mit kurzer HWZ müssen häufiger gegeben werden als Medikamente mit langer HWZ.

Kumulation (= Anhäufung eines Arzneistoffs im Körper)

•  Durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

•  Nieren- und Leberinsuffizienz.

•  Verlangsamter Stoffwechsel.

Einnahme richtig, aber Ausscheidung zu gering   »   Folge: toxische Wirkung

Überdosierung   (= Zufuhr des Arzneistoffes zu hoch)

•  Fehler des Pflegepersonals.

•  Mangelnde Compliance (= Mitarbeit des Patienten, z.B. Vergesslichkeit).

Umgang mit Arzneimitteln

Aufbrauchfristen

¨   Tabletten und Kapseln (trockene Lagerung)                             ca. 3 Jahre

¨   konservierte Nasentropfen                                                         ca. 3 Monate

¨   Ohrentropfen                                                                               ca. 6 Monate

¨   konservierte Augentropfen                                                         ca. 4 - 6 Wochen

¨   unkonservierte Augentropfen                                                     ca. 24 Stunden

¨   wasserhaltige Augensalben                                                        ca. 4 Wochen

¨   wasserfreie Augensalben                                                            ca. 6 Monate

¨   konservierte Cremes und Salben in Tuben                                ca. 1 Jahr

¨   Cremes und Salben in Kruken                                                    ca. 3 Monate

¨   konservierte Injektionslösungen                                                ca. 36 Stunden

¨   unkonservierte Injektionslösungen                                            ca. 24 Stunden

¨   Insulin                                                                                          ca. 4 Wochen

Lagerung von Arzneimitteln

Arzneimittel müssen für Unbefugte unzugänglich aufbewahrt werden (nach Arzneimittelgesetz = AmG).

Betäubungsmittel sind in einem gesonderten, verschlossenen Schrank (Fach) zu lagern (nach Betäubungsmittelgesetz = BtmG).

Warum?   »   Unbefugter Zugriff von Kindern, Verwirrten oder Depressiven.

Unverschlossen   »   Infusionslösungen und Tees

Zu- und Abgänge werden in einer Karteikarte vermerkt, die alle 6 Monate vom Gesundheitsamt überprüft werden.   

Ordnungsprinzipien in Arzneischränken

•  Jeder Bewohner hat sein eigenes Fach (größere Heime = alphabetisch).

•  Neue Packungen nach hinten, alte zuerst verbrauchen   »   first in - first out

•  Nach Stärke sortieren, links beginnend, z.B. 2 mg, 5 mg, 10 mg.

•  In Originalgefäßen bzw. Originalverpackungen aufbewahren.

•  Beipackzettel verwahren.

•  Verfalldatum abgelaufen   »   zurück an die Apotheke.

•  Rechtzeitige Neubestellung.

•  Evtl. Trennung innerlich - äußerlich.

Sauberkeit

•  Originalgefäße verschließen.

•  Regelmäßige Desinfektion der Schränke

•  Auf Veränderungen wie Verfärbungen, Ausflockungen, Geruch sowie Verfall oder Nichtgebrauch achten und aussortieren.    

Trennung

1. feuergefährliche Stoffe

»   Ether, Ethanol, Aceton, Benzin in verschlossenen Gefäßen, nicht in der Nähe von

      Heizquellen oder offenen Flammen.            

2. Kühlschrank (in die Tür oder Gemüsefach, 2 - 8°C)

•  angebrochenes Insulin

•  angebrochene Injektionslösungen

•  einige Zäpfchen

•  zubereitete Säfte

•  wasserhaltige Cremes  

3. unter 20°C

•  Zäpfchen

•  Ätherische Öle

•  Fette

•  Salben

•  Evtl. Aerosole

4. trocken

•  Pulver

•  Puder

•  Tabletten

•  Brausetabletten

5. lichtgeschützt

•  Tinkturen

•  Extrakte

6. Besonderheiten

¨   Insuline unter Umständen auch außerhalb des Kühlschranks (Pen außerhalb!).

¨   Fettemulsionen zu Injektionszwecken nicht in den Kühlschrank   »   Entmischung   =

     Gefahr einer Fettembolie.

Verteilung von Arzneimitteln

Verabreichung nur nach ärztlicher Verordnung!!!   Wichtig: Beachtung der 5 "R"-Regel.

1. Ist es die richtige Person ?

    Richtiges Medikamententablett, Übereinstimmung des Namens mit der Verordnung.

2. Ist es das richtige Medikament ?

    °   Präparatename = Verordnungsname (oft ähnlich Namen z.B. ASS oder ACC)

    °   Richtiges Medikament n passendem Umkarton?

    °   Verfallsdatum abgelaufen?

    °   Verfärbungen oder Ausflockungen, Geruchsveränderungen?

3. Ist es die richtige Konzentration ?

    °   Stärke   =   z.B. 2 mg, 5 mg oder 10 mg; 1 % oder 10 %; mit oder ohne Zucker

    °   Form   =   Einfach-, Depot- oder Retardform.

    °   Menge   =   wie viel, verschiedene Ampullengrößen

4. Richtige Applikationsart bzw. Applikationsort ?

    ° Tropfen oder Tabletten usw.

    °   rektal, parenteral, i.v. oder i.m. usw.

    unter Berücksichtigung von:

    °   Bewusstlosigkeit?   »   nichts schlucken

    °   Schluckbeschwerden?   »   Tropfen oder Zäpfchen

    °   schneller Wirkungseintritt nötig?   »   Tropfen, Zerbeißkapseln, Brausetabletten,

                                                                     Kautabletten, Injektion

    °   Magenbeschwerden?   »   Zäpfchen

5. Geschieht es zum richtigen Zeitpunkt ?

(laut Verordnung oder Beipackzettel)

Beispiele:

¨   Insulin, appetitanregendes Mittel                              »   Verabreichung vor dem Essen

¨   Eisenpräparat, Enzympräparat zur Verdauung          »   während des Essens

¨   Schmerz- oder Rheumamittel, Cortison                    »   nach dem Essen

¨   Antacida                                                                 »   1 - 2 Stunden nach dem Essen

¨   Schlafmittel                                                 »   30 - 60 Minuten vor dem Einschlafen

¨   langsam wirkendes Abführmittel                              »   abends

¨   salinisches Abführmittel                                           »   morgens

¨   keine Angabe?                                                        »   nach dem Essen

¨   Antibiotika, Antiparkinsonmittel, Morphin    »   zeitgenau einnehmen                                  

Entsorgung von Arzneimitteln

¨   Nicht benötigte Arzneimittel werden in die Apotheke zurückgeschickt, damit sie vor

     Ablauf des Verfalldatums auf einer anderen Station oder Abteilung weiterverwendet

     werden können.

¨   Kaputte oder verfallene Arzneimittel in Spezialbehälter aufgebwahren und an die

     Apotheke zurückgeben (nicht in den Normalmüll).

¨   Sonderregelung bei Zytostatika und radioaktiven Stoffen.

Auf rechtzeitige Neubestellung achten!!!

Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Berechnung des Nutzen-/Risiko-Verhältnisses

Nutzen   »   Wirksamkeit gegen eine Krankheit.

Risiko    »   Auftreten möglicher starker Nebenwirkungen.

Nutzen-/Risiko-Verhältnis ist abhängig von:

•  Dosis (z.B. bei Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite).

•  Alter des Patienten (z.B. bei Niereninsuffizienz).

•  Behandlungsdauer (z.B. bei Cortison).

•  Art der Erkrankung (z.B. bei Krebs).

•  Einnahme anderer Arzneimittel (Wechselwirkungen).

•  Individueller Empfindlichkeit des Patienten.

Beispiele für Nebenwirkungen:

1. Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit

Herabgesetztes Reaktions- und Konzentrationsvermögen, z.B. bei

•  Sedativa = Beruhigungsmittel

•  Hypnotika = Schlafmittel

•  Analgetika = Schmerzmittel

•  Antiallergische Arzneimittel

•  Manche Psychopharmaka

2. Arzneimittelkrankheit

Kann durch Arzneimittel entstehen und bleibt bestehen, z.B. Nierenversagen nach der langandauernden Einnahme von Schmerzmitteln.

3. Allergische Reaktionen

Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers. Auslöser in Medikamenten können sein:

•  Arzneistoff

•  Mit Arzneistoff verwandte Arzneimittel.

•  Hilfsstoffe

4. Toxische Nebenwirkungen

Sind abhängig von der Dosis (therapeutische Breite), z.B. Herzglykoside (Novodigal®, Digimerck®) oder blutgerinnungshemmende Arzneimittel (Marcumar®).

Kanzerogene Wirkung   =   krebserregende Stoffe

Teratogene Wirkung   = fruchtschädigende Stoffe, z.B. Contergan

5. Arzneimittelabhängigkeit

Sucht   =   Körperliche und seelische Abhängigkeit, oft bei starken Analgetika,

                Psychopharmaka, Schlafmittel, Beruhigungsmitteln.          

Autor: Andi
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