Autor/in: Desiree Stuberg

Ausarbeitung des Lernfeldprojektes

1.3. Einen Menschen personen- und situationsbezogen pflegen

 

Inhaltsverzeichnis:

  • Anatomische Grundlagen des Herzens
  • Blutgefäße
  • Blutkreislauf
  • Herzerkrankungen :
  • Hypertonie
  • Hypotonie
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz
  • Angina pectoris
  • Arteriosklerose
  • Koronare Herzerkrankung
  • Herzinfarkt
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen
  • Quellenangaben

Anatomische Grundlagen des Herzens

Herz (Cor)

Das Herz (Cor) ist der Motor im Körper.

Es ist die zentrale Pumpe im Herzkreislaufsystem (besteht aus Herz u. Blutgefäße), das unseren ganzen Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und Stoffwechselprodukte abtransportiert.
Es ist etwa Faustgroß und ca. 300 g schwer. Es liegt schräg im mittleren Brustraum zwischen beiden Lungenflügeln. Ein drittel in der rechten Brustkorbhälfte, zwei Drittel in der Linken.
Das Herz arbeitet ununterbrochen, ein Stillstand von wenigen Minuten führt unmittelbar zu einem Gehirnschaden.

Aufbau des Herzens:

Herzwand
Sie besteht aus drei Schichten.

1. Herzinnenhaut (= Endokard)

    Die Innenhaut kleidet das Herz von innen komplett aus und überzieht die

Herzklappen.

2. Herzmuskelschicht (=Myokard)

    Die Muskelschicht ist die arbeitende Schicht des Herzens. Sie ist dünn in den Vorhöfen und am dicksten in der linken Kammer.

3. Herzoberfläche

  • Herzaußenhaut (= Epikard)
  • Außen ist das Herz von einer Bindegewebsschicht bedeckt um Unebenheiten der Herzform auszugleichen.

Herzbeutel (=Perikard)

  • Das Herz wird vom Herzbeutel umschlossen. Er schützt das Herz vor Reibungen an den umgebenen Organen.

Herzhöhlen

Das Herz wird durch die Herzscheidewand in eine rechte und eine linke Herzhälfte geteilt.

Durch die Segelklappen wird jede Herzhälfte nochmals in einen Herzvorhof und eine Herzkammer unterteilt.

rechter Herzvorhof

  • sammelt das Blut aus dem großen Kreislauf
  • eintretende Blutgefäße: obere Hohlvene und untere Hohlvene

(sauerstoffarmes Blut)

rechte Herzkammer

  • pumpt das Blut in den Lungenkreislauf
  • austretende Blutgefäße: Hauptstamm der Lungenarterie

(sauerstoffarmes Blut)

linker Herzvorhof

  • sammelt das Blut aus den Lungen
  • eintretende Blutgefäße: je zwei Lungenvenen aus dem rechten und linken Lungenflügel

(sauerstoffreiches Blut)

linke Herzkammer

  • pumpt das Blut in den großen Blutkreislauf
  • austretende Blutgefäße: Körperschlagader (=Aorta)

(sauerstoffreiches Blut)

Herzklappen

Herzklappen sind Ventile, die dem Blut eine bestimmte Fließrichtung aufzwingen.

Tricuspidalklappe (dreizipflige Segelklappe):

  • Vorhof-Kammer-Klappe
  • liegt zwischen dem rechten Herzvorhof und der rechten Herzkammer
  • verhindert den Rückfluss des Blutes aus der rechten Herzkammer in den rechten Herzvorhof

Mitralklappe (zweizipflige Segelklappe):

  • Vorhof-Kammer-Klappe
  • liegt zwischen dem linken Herzvorhof und der linken Herzkammer
  • verhindert den Rückfluss des Blutes aus der linken Herzkammer in den linken Herzvorhof

Pulmonalklappe

  • Taschenklappe
  • liegt zwischen der rechten Herzkammer und dem Stamm der Lungenarterie
  • Verhindert den Rückfluss des Blutes aus der Lungenarterie in die rechte Herzkammer

Aortenklappe

  • Taschenklappe
  • liegt zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader (=Aorta)

Reizbildungs- und Reizleitungssystem

Die Quergestreifte Muskelzelle des Herzens besitzt ein eigenständiges Reizbildungs- und Reizleitungssystem, welches die elektrischen Impulse zur Erregung des Herzens eigenständig bildet und weiterleitet.

Das Reizleitungssystem kann jedoch durch vegetative Herznerven beeinflusst werden. So bewirkt z.B. eine Reizung des Vagus (= parasympathischer Herznerv) eine Verlangsamung der Herzschlagfolge (= Bradykardie) und eine Reizung des Sympathikus (= Gegenspieler des Vagus) eine Beschleunigung der Herzschlagfolge

(= Tachykardie)

  1. Sinusknoten

  • Schrittmacher des Herzens
  • Liegt in der rechten Vorhofmuskulatur
  • Eigenrhythmus von 60-80 Impulsen pro Minute
  • Reize werden unmittelbar auf die Arbeitsmuskulatur der Vorhöfe übertragen und zum AV-Knoten weitergeleitet
  1. AV-Knoten

  • liegt in der Wandung zwischen Vorhöfen und Kammern
  • überträgt die Sinusimpulse mit Verzögerung auf das His-Bündel
  • bei Ausfall des Sinusknotens übernimmt der AV-Knoten die Impulsbildung mit einer Frequenz von 30-50 /min.
  1. His-Bündel

  • leitet die Reize des AV-Knotens weiter zum rechten und linken Tawaraschenkel
  1. linker und rechter Tawaraschenkel

  • leiten die Reize weiter zu den Purkinje-Fasern
  1. Purkinje-Fasern

  • enden in der Herzmuskelschicht der Kammern und lösen die Kontraktion (=Systole) der Herzkammer aus

Der Herzzyklus

Der regelmäßige Blutfluss im Herzen wird durch die Kontraktion (= Systole) und Erschlaffung   (= Diastole) der Herzmuskulatur gewährleistet.

Systole der Herzkammermuskulatur

 

Anspannungszeit

  • 1. Phase der Systole
  • Zeitraum der Kontraktion der Kammermuskulatur bis zur Öffnung der Taschenklappen

Austreibungszeit

  • 2. Phase der Systole
  • Zusammenziehung der Kammermuskulatur bis zum Verschluss der Taschenklappen

Diastole der Herzkammermuskulatur

Entspannungszeit

  • 1. Phase der Diastole
  • Zeitraum vom Schluss der Taschenklappen bis zur Öffnung der Vorhofkammerklappen

Füllungszeit

  • 2. Phase der Diastole
  • Zeitraum, in der die Vorhofkammerklappen geöffnet sind

Gesteuert durch das Reizbildungs- und Reizleitungssystem des Herzens, kontrahieren jeweils im Wechsel die beiden Kammern und die beiden Vorhöfe.

Bei jedem Herzschlag werden bei einem Erwachsenen ca. 80 ml. Blut in den Körper gepumpt (= Herzschlagvolumen).

Blutgefäße

Wir bezeichnen die Blutgefässe, die das Blut vom Herzen in das Gewebe transportieren als Schlagadern (Arterien). Die Arterien werden in kleinere Arterien (Arteriolen) aufgeästelt. Die Arteriolen laufen in feine Haargefäße (Kapillaren) aus. Durch das wieder Zusammenfließen der Kapillaren entstehen kleine Venen (Venolen). Die Venolen vereinigen sich zu größeren Blutadern (Venen). Die Venen bringen das Blut aus der Peripherie des Körpers zu den großen herznahen Venen (Hohlvenen).

Arterien:

    bringen das Blut vom Herzen in den Körper (sauerstoffreich) bringen das Blut vom Herzen in die Lunge (sauerstoffarm)

Kapillaren:

    ermöglichen durch ihre halbdurchlässige Gefäßwand den Stoff- und Gasaustausch zwischen Blut und Zellen

Venen:

    bringen das Blut vom Körper zum Herzen (sauerstoffarm) bringen das Blut von der Lunge zum Herzen (sauerstoffreich)

Blutkreislauf

Lungenkreislauf (kleiner Kreislauf)

= rechte Herzkammer bis linker Herzvorhof

Körperkreislauf (großer Kreislauf)

= linke Herzkammer bis rechter Herzvorhof

Untere und obere Hohlvene ® rechter Vorhof ® Tricuspidalklappe ® Rechte Kammer ® Pulmonalklappe ® Lungenarterie rechts und links® Lungenarteriolen ® Lungenkapillare ® Lungenvenolen ® Lungenvenen (4) ® linker Vorhof ® Mitralklappe ® linke Kammer ® Aortenklappe ® Aufsteigende Aorta ® Aortenbogen

Kollateralkreislauf

Im Körper, mit Ausnahme von Herz, Lunge und Nieren, gibt es neben den normalen Gefäßverbindungen (Arterie ® Arteriole ® Kapillargefäß ® Venole ® Vene) so genannte Kollaterale (Nebenwege, Querverbindungen), über die das Blut bei Verlegung der Hauptwege die Blutversorgung gewährleisten kann.

In den Organen, in denen es keine Umwegmöglichkeiten gibt, sprechen wir von Endarterien.

Pfortadersystem

Normalerweise transportieren die Venen das Blut von den Kapillargefäßen auf direktem Wege über die untere oder obere Hohlvene zum Herzen.

Die von den nicht paarig angelegten Bauchorganen (Milz, Bauchspeicheldrüse, Magen, Dünndarm und Dickdarm) wegziehenden Venen vereinigen sich zu einer großen Vene (Pfortader). Diese transportiert das nährstoffreiche Blut (Glukose, Aminosäuren) nicht zum Herzen, sondern zur Leber (zur weiteren Verstoffwechselung der Nährstoffe). In der Leber vermischt sich das Pfortaderblut mit dem Blut der Leberarterie und gelangt dann über die Lebervene zur unteren Hohlvene und weiter zum Herzen.

Herzerkrankungen

Hypertonie (Bluthochdruck):

Von einer Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck dauerhaft einen systolischen Wert von 160 mmHg oder diastolisch von 90 mmHg und darüber erreicht.

Ursache:

Es gibt zwei verschiedene Formen von Bluthochdruck:

1. die primäre (oder essentielle) Hypertonie

2. die sekundäre Hypertonie

Bei der primären oder essentiellen Hypertonie, die bei ca. 90% der Patienten vorliegt, findet man keine Ursache für die Erkrankung.

Man nimmt deshalb an, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:

  • genetische Faktoren (bei 70% der Betroffenen gibt es bereits Hochdruckkranke in der Familie)
  • Umweltbedingungen
  • Alkohol
  • Übergewicht
  • Stress
  • Rauchen
  • Mangelnde körperliche Bewegung

Bei der sekundären Hypertonie, die bei 10 – 15% der Patienten vorliegt, handelt es sich um ein Symptom einer anderen zugrunde liegenden Krankheit.

z.B. eine Nierenerkrankung, eine hormonelle Störung (Schilddrüsenüberfunktion), Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Antibabypille, Kortison, Schilddrüsenhormone oder Psychopharmaka) und in der Schwangerschaft.

Symptome:

Die Symptome lassen sich vor allem auf die Auswirkungen der Hypertonie auf das Gehirn und das Herz zurückführen:

  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Schlafstörungen
  • Frühmorgendliche auftretende Kopfschmerzen
  • Herzklopfen
  • Nervosität
  • Nasenbluten
  • Benommenheit
  • Gedächtnisstörungen
  • Sehstörungen

Ärztliche Behandlung:

Die Behandlung beginnt mit der Normalisierung des Körpergewichtes und kochsalzarmer Diät. Zeigt sich nach diesen Maßnahmen kein Erfolg, wird der Blutdruck medikamentös gesenkt, um Herz- und Gefäßschäden zu verringern. Die Blutdrucksenkung sollte möglichst schonend und schrittweise erfolgen. Zum Einsatz kommen Diuretika, Kalziumantagonisten, ACE- Hemmer und ß- Blocker.

Tipp:

Bei beginn der Therapie und zu schneller Blutdrucksenkung kann sich der Patient vorübergehend unwohl fühlen.

Pflegerische Maßnahmen:

Ziel: Der Blutdruck des Patienten befindet sich im Normbereich

Maßnahmen:

  • Dem Patient die Notwendigkeit der Therapie erklären, da häufig

keine Beschwerden vorliegen

  • An Medikamenteneinnahme erinnern und evtl. kontrollieren
  • Diuretikagabe erspart dem Patient oft eine strikte salzarme Diät
  • Salzarme Gerichte mit Kräutern und Gewürzen zubereiten, um den Geschmack zu verbessern
  • Alkohol wirkt durchblutungssteigernd, deshalb weitgehend meiden
  • Normales Körpergewicht anstreben
  • Regelmäßige Blutdruckkontrollen durchführen
  • Aufregung und Überlastung meiden oder helfen besser zu verarbeiten

Komplikationen:

Als Folge des erhöhten Blutdrucks entsteht eine Arteriosklerose, die sich an allen Organen auswirkt. Folgen sind z.B. eine koronare Herzerkrankung mit Herzinfarkt, zerebrale Durchblutungsstörungen mit Schlaganfall und Nierendurchblutungsstörungen mit Niereninsuffizienz. Mitunter steigt der Blutdruck plötzlich auf Spitzenwerte bis 200/120 mmHg an. Häufig bildet sich an der Aortenwand eine Aussackung (Aneurysma), aus dem es im Falle einer Zerreisung lebensgefährlich blutet.

Hypotonie (niedriger Blutdruck):

Von einer Hypotonie spricht man, wenn der Blutdruck dauerhaft einen systolischen Wert (beim Erwachsenen) zwischen 95 und 110 mmGh hat.

Der diastolische Blutdruck liegt bei Personen mit Hypotonie unter 65-60 mmHg.

Ursache:

Es gibt zwei verschiedene Formen von Hypotonie

1. die primäre (oder essentielle) Hypotonie

2. die sekundäre Hypotonie

Die primäre Hypotonie (die wesentlich häufigere Form) stellt im allgemeinen eine chronische Veränderung dar, die meist allerdings keinen Krankheitswert hat. Im Gegensatz zur primären Hypertonie, also Bluthochdruck, treten infolge niedriger Blutdruckwerte keine dauerhaften Schäden an den Blutgefäßen auf. Eine Hypotonie kann aber auch durch einen plötzlichen Blutdruckabfall entstehen. Man spricht dann von einem Kollaps.

Bei der sekundären Hypotonie, handelt es sich um ein Symptom einer anderen zugrunde liegenden Krankheit.

z.B.

  • einer Herzkreislauferkrankung,
  • einer endokrinen Störung,
  • einer Nervenerkrankung.

Sie kann aber auch infolge einer Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. mit gefäßerweiternder Wirkung, oder bei starken Flüssigkeitsverlusten, z.B. durch Blutungen oder mangelhafte Flüssigkeitszufuhr bedingt sein.

Die sekundären Formen der Hypotonie verursachen im Gegensatz zur primären Form häufig Beschwerden.

Symptome:

  • Leistungsschwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Nächtliche Schlafstörungen, Unruhe, Verwirrtheit
  • Schwindel, Schwarzwerden vor Augen, Bewusstseinsstörungen bis zum Kreislaufkollaps („Ohnmacht“)
  • Blasse Gesichtfarbe
  • Kalte Gliedmaßen, Frösteln
  • Depressive Verstimmung
  • Psychomotorische Unruhe

Ärztliche Behandlung:

Eine Hypotonie wird nur behandelt, wenn Beschwerden auftreten. Es wird versucht die Ursache der Hypertonie zu beheben. Ist dies nicht möglich, gibt man Herz- und Kreislaufmedikamente. Kreislaufanregende Aktivitäten wie Gymnastik und Physiotherapie mit Anwendung von Bädern und Bürstenmassagen wirken sich positiv aus. Bei einem Kollaps werden die Beine des Patienten hochgelegt, um den Blutrückstrom zum Gehirn zu fördern.

Pflegerische Maßnahmen:

Ziel: Der Blutdruck des Patienten befindet sich im Normbereich.

Maßnahmen:

  • Wiederholt am Tag Getränke anbieten evtl. Bilanzierung
  • Anleitung zu Bewegungsübungen, z.B. vor dem Aufstehen:

· Beine anziehen, ausstrecken

· Füße kreisen

· Langsam aufsetzen, zuerst an der Bettkante

· Füße, Beine bewegen, dann langsam aufstehen

  • Zu regelmäßiger körperlicher Betätigung, z.B. Spaziergängen an der frischen Luft anhalten
  • Durchblutungsfördernde Bäder, Wechselduschen
  • In Ruhe Beine hochlagern
  • Kompressionsverband an den Beinen anlegen oder Kompressionsstrümpfe, um Blutrückfluss zu steigern (nicht bei arteriellen Durchblutungsstörungen)
  • Ab und zu salzige Suppe und Fleischbrühe anbieten (nicht bei Herzinsuffizienz)
  • Vitalzeichen regelmäßig kontrollieren

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