AUSSCHEIDUNG
Teil 1 / Teil 2
Blasenentleerungstechniken :
Credéscher Handgriff :
Durch pressen mit der flachen Hand auf dem Unterbauch, oberhalb des Schambeins
wird eine restharnfreie Entleerung der Blase ermöglicht.
Triggern :
Stimulation durch rhythmisches klopfen mit den Fingerspitzen auf der supropubischen Region. Innenseite der Oberschenkel ( bei Selbstanwendung ), führt zu einer reflexartigen Entleerung der Blase.
Inkontinenzversorgung :
Anforderung an eine gute Inkontinenzversorgung :
- komplette Aufnahme der Ausscheidungen und Gerüche, diese auch halten
- Geräuscharm
- Bequem zu tragen und optisch unauffällig
- Hautfreundlich, Luftdurchlässig
- Leicht zu verwenden und selbstständig zu handhaben
- Lässt sich leicht entsorgen oder reinigen
- Ist erschwinglich im Preis und leicht erhältlich
aufsaugende Materialien :
Aufbau :
- Wasserabweisender Vlies
- Saugkörper aus Zellstoff oder Superabsorber ( = Polymere oder Gelbildner )
- Wasserundurchlässige Folie
Vorlagesysteme, evtl. mit Netzhosen :
- von der Größe einer Damenbinde bis zu anatomisch geformten großen Vorlagen
- am besten mit Netzhose fixieren ( Unterhose darüber nicht vergessen ! )
- gibt es in verschiedenen Saugstärken : Neuere Produkte haben großes Saugvermögen bei geringer Größe
z. B. Daisy von Braun, Convee Saugstarke Einlagen, Moliform oder Molimed von Hartmann
- Inkontinenzslip :
- gibt es in verschiedenen Saugstärken und Größen
- sind geeignet bei kombinierte Urin – und Stuhlinkontinenz, oder bei unruhigen Bew. oder als Nachtversorgung
- Klebestreifen sollen ein zweites mal geschlossen werden können
z. B. Molicare von Hartmann
- Inkontinenzhosen :
werden nicht zugeklebt, sondern sind wie Unterhosen und können auch so runter und hochgezogen werden, erhöht die Selbstständigkeit
z. B. Molicare mobile von Hartmann
waschbare Inkontinenzhosen : bei leichter bis mittlerer Inkontinenz von Frauen, das Höschen selbst ist aus Baumwolle und von normaler Unterwäsche nicht zu unterscheiden
z. B. Kylie Lady
- Tropfenfänger :
- für den Tröpfchenweisen Harndrang beim Mann, besonders unauffällig
- umschließt den Penis oder bei retardiertem Penis umschließt es auch den Hodensack
z. B. Conveen Tropfenfänger, Licodrop von Braun
- Bettschutz :
- wasserundurchlässige Unterlage
- a) waschbar → sind mehrfach verwendbar, aber alte werden spröde und üben Druck
aus = Dekubitusgeschwür
- b) Einmalunterlagen werden nach Gebrauch verworfen
Pflege und Umgang :
Regelmäßige, rechtzeitige Kontrolle der Inkontinenzhilfen und deren Wechsel, sobald sie nass sind ( max. 3x tgl. )
Ausscheidungen sind aggressiv
Eine nasse Inkontinenzhilfe ist für den Bew. unangenehm und begünstigt Hautschäden ( Intertrigo, Pilze, … )
- Wegen Verdunstungskälte sollte die Inkontinenzhilfe eng am Körper anliegen ( Gefahr aufsteigender Blaseninfektion )
- Neue Einlagen und Höschen von vorne einlegen und beschmutzte von hinten wegziehen. Dadurch Vermeidung von Infektionen durch Kolibakterien, die sich im Darm befinden
- Beim Wechsel Haut mit klarem Wasser waschen und normal eincremen. Nicht mit fetten Cremes oder Pasten eine isolierende Schicht cremen : Gefahr der Mazeration und somit Hautschädigung. Ansonsten auf gute Hautpflege achten
- Bei Durchfall kann eine fette Creme als Hautschutz eingesetzt werden, muss mit Öl entfernt werden
- Inkontinente Bew. neigen dazu weniger zu trinken um das Problem zu “ vermeiden “, es droht eine Dehydratation, sowie durch konzentrierten Urin zu Hauptproblemen im Genitalbereich und Harnwegsinfekten, daher auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten
ableitende Inkontinenzsysteme :
= nichtinvasive Ableitungssysteme mit Schlauchverbindung zu einem Auffangsystem
Kondomurinal und Urinbeutelsysteme für Männer :
- Latex – oder Gummikondom, der über dem Penis ( auch mit Anziehhilfe erhältlich ) an dem Urinableitsysteme befestigt werden, wie Beinbeutel für den Tag oder auch größere Bettbeutel für die Nacht
- Die Kondome sind selbstklebend oder werden mit Haftstreifen an der Peniswurzel fixiert ( spiralförmig → Erektion )
- Die Kondomspitze ist verstärkt oder hat eine Zieharmonikastruktur, evtl. auch mit Antirefluxschutz
Anbringen eines Kondoms :
- bei retardierten Penis nicht möglich
- Schambehaarung evtl. kürzen oder täglich abrasieren ( evtl. aus Papier eine Krause schneiden und über den Penis ziehen, dann das Kondom befestigen und Krause zerreißen )
- Kondom überziehen und dabei zwischen Penisspitze und Kondom 1 – 2 cm Platz lassen → bei schwierigem Urinablassen wird die Menge von der Leitung nicht sofort aufgenommen
- Kondom alle 24 Stunden wechseln
- Bei Hautkomplikationen Hautschutzplatte anwenden :
Hydrokoloidplatte klein schneiden, auf den Penis kleben und darüber das Kondom abrollen
instrumentelle Harnableitung mittels Katheter :
→ Katheterisieren der Blase
Indikation für die instrumentelle Harnableitung : streng ärztliche Indikation
- Postoperative z. B. an Harnröhre / Blase um Restharn zu entfernen
- Zur Flüssigkeitsbilanzierung / Überwachung, z. B. Bewusstlosigkeit
- Akutes Harnverhalten unterschiedlicher Genese
- Harngewinnung zu diagnostischen Untersuchungen
- Schwerer Harninkontinenz → Restharnbildung bei Blasenentleerungsstörungen
- Bei ausgeprägten Dekubitalgeschwür
Ableitungsmöglichkeiten :
→ supravestikate Ableitung
= Oberhalb der Blase = Nierenfistel
→ durch den Arzt
→ suprapubische Ableitung
= Os pubis = Oberhalb des Schambeins ( direkt in die Blase )
→ durch den Arzt
→ transurethrale Ableitung
= durch die Harnröhre in die Blase ( als Einmalkatheterismus, intermittierender
Einmalkatheterismus, Verweil - / Dauerkatheter )
→ durch den Arzt, Patienten selbst oder ex. Pflegepersonal
Technik des transurethralen Blasenkatheterismus :
Richtlinien :
- nur nach ärztl. Anordnung
- klare Indikation
- Intimsphäre wahren ! Sichtschutz, intime Atmosphäre, ungestört
- Aufklärung des Bew. / Pat
- Sachkunde / praktische Erfahrung
- Asepsis → aseptische Technik und sterile Arbeitsmaterialien
- Standart Technik und Standarisierte Arbeitsmittel ( Set )
- Auswahl der richtigen Kathetergröße
Frauen : 12 – 14 / 16 Ch
Männer : 14 – 18 Ch
- Vor und nach Blasenkatheterismus → spezielle Intimpflege mit desinfizierender Waschlösung ( z. B. Betaisodonaseife )
- Periodische Fortbildung der Ärzte und Pflegenden
- Dokumentation
Katheterisierungsset :
- 1 Einschlagtuch als sterile Arbeitsunterlage
- 1 Schlitztuch zur Abdeckung des Genitalbereichs
- 1 geteilte Außenschale zum Abwurf
- 1 Urinauffangschale
- 6 Kugeltupfer
- 30 ml Schleimhautdesinfektionsmittel ( Betaisodona ®, Braunol ® )
- 1 Spritze mit anästhesierendem Gel ( Instillagel® )
- 1 Blockerspritze mit Aqua destilata
- 1 – 2 anatomische Pinzetten
Kathetermaterialien :
zur kurzfristigen Anwendung :
- Latex, Weichgummi
- raue Oberflächenstruktur begünstigt das Einnisten von Bakterien
- Neigung von Inkrustationen
- max. 5 Tage
- Allergiegefahr
- polyvenylchlorid ( PVC )
- Auslaugen der Weichmacher und Verhärtung des Katheters
- hohe Inkrustationsneigung
- nur zum Einmalkatherismus anwendbar
bei längerer Liegedauer :
- Silikon oder Polyurethan
- hohe Gewebsverträglichkeit, glatte Oberflächenstruktur
- Wechsel nach 4 – 6 Wochen
- Hydrogel und Silberbeschichtung
- wirkt hemmend auf die Bakterienadhärenz ( = anhaften, kleben )
Komplikationen beim Legen eines Dauerkatheter und beim liegendem Dauerkatheter
- Harnröhrenreizung allergische Reaktion
- Blutungen
- Harnröhrenruptur ( einreißen / zerreißen der Harnröhre )
- Zystitis ( Blasenentzündung )
- Harnröhrenstriktur ( Verengung der Harnröhre )
- Pyelonephritis ( Nieren – und Nierenbeckenentzündung )
- Prostatitis ( Prostataentzündung )
- Epidiolyemitis ( Nebenhodenentzündung )
- Schrumpfung der Harnblase
- Drucknekrose
10 Prinzipien im Umgang mit Katheter
- regelmäßige, sorgfältige Intimpflege
- maximal mögliche Flüssigkeitszufuhr → Minimierung von Keimen
- geschlossenes Ableit – und Auffangsystem benutzen → Vermeidung von aufsteigenden Infektionen
- keine unnötige Diskonnektion ( öffnen / trennen ) des Ableit – und Auffangsystems
- Urinbeutel regelmäßig entleeren → Vermeidung von Keimvermehrung, Vermeidung des Rückflusses von Urin in die Blase, Nieren
- Katheterbeutel nie über Blasenniveau halten → Rückfluss des Urins vermeiden, aufsteigende Infektionen ( Urinbeutel für Transfer, Umlagern, … abklemmen )
- Zug am Katheter vermeiden → Verletzungsgefahr
- lokale Kältereize vermeiden → Gefahr einer Blasenentzündung ( Unterhose anziehen )
- gute Krankenbeobachtung → frühzeitiges erkennen von Krankheiten ( z. B. Zystitis ), Reizungen, Entzündungen, Anzeichen von beginnenden Komplikationen, genügend Flüssigkeitszufuhr / Urinausscheidung, …
- Verwendung ausschließlich steriler Materialien und aseptischer Arbeitstechnik ( Set )
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