Autor/in: Nicole Meyer

Anatomie und Erkrankungen des Verdauungssystem

Das Verdauungssystem beginnt im Mund, hier übernehmen die drei großen Speicheldrüsen ( Glandula mandibularis, Glandula sublinguales, Glandula parotis) die Speichelbildung. Speichel besteht zu etwa 99,5% aus Wasser und zu 0,5% aus Schleimstoffen, Amylase und Lysozym (wirkt antibakteriell) .
Die Aufgaben des Speichels sind v.a.:

  • Nahrung einspeicheln
  • Beginn der Kohlenhydratverdauung durch das Enzym Amylase
  • Reinigung des Mundraums (Lysozym)

Speichel auf der Haut kann zur Andauung, zum Wundsein und zu Rhagaden führen.
Infolge eines verminderten Speichelflusses z.B. durch reduzierte Nahrungsaufnahme  oder bei einem geschwächten Immunsystem kann es zur Entzündung der Glandula Parotis ( Ohrspeicheldrüse) kommen.

Der Mundrauman sich besteht aus :

  • weicher Gaumen
  • vorderer Gaumenbogen
  • Zäpfchen
  • Hinterer Gaumenbogen
  • Gaumenmandel
  • Rachen
  • Zunge
  • Zungenbändchen
  • Mundhöhlenvorhof

Der Rachen verbindet die Mundhöhle mit dem Ösophagus ( Speiseröhre, 25cm langer Muskelschlauch mit drei natürlichen Engstellen, transportiert Speisen vom Rachen in den Magen)
Engstellen:

  • Ringknorpelenge
  • Hauptschlagaderenge
  • Zwerchfellenge

Am Beginn und am Ende des Ösophagus befindet sich jeweils ein oberer und ein unterer Speiseröhrenschließmuskel.

Der Schluckakt setzt sich aus folgenden Funktionen zusammen:

  • zurückschiebendes Bolus (Essen)
  • Verschluss des oberen Rachenabschnitts
  • Verschluss des Kehlkopfeingangs
  • Transport der Nahrung durch den Ösophagusmund
  • Wiederherstellung des Ausgangszustandes

Bei krankhaften Veränderungen des unteren Schließmuskels (Spinghter) am Übertritt vom Ösophagus zum Magen ( Gasther ) oder aber einer übermäßigen Produktion von Magensäure kann es zu folgenden Komplikationen kommen
Reflux» Rückfluss von Mageninhalt in den Ösophagus
Refluxösophagitis» bei chr. Gastroösophagealen Reflux kann es zur Refluxösophagitis kommen, Magensäure reizt die Ösophagusschleimhaut» es kommt zu Entzündungen, bis hin zum Karzinom.
Symptome:

  • Sodbrennen
  • Saures Aufstoßen
  • Heiserkeit
  • später Schmerzen und Brennen hinter dem Sternum sowie beim Schlucken

Maßnahmen:

  • kl. Mahlzeiten
  • kein Alkohol, kein Nicotin
  • Süßes, Saures, fettiges, scharf angebratene Nahrung meiden
  • Im Liegen Oberkörper hochlagern
  • Übergewicht reduzieren
  • Körperl. Anstrengungen meiden ; statt Bücken in die Knie gehen
  • Keine einschnürende Kleidung

Medikamente:

  • Procinetika z.B.: MCP, Paspertin
  • Antazida z.B.: Maloxaan, Riopan
  • H2-blocker z.B.: Ranitidin
  • Protonenpumpenhemmer z.B.: Omeprazol

Bei allen Medikamenten muss auf Obstipation, Diarrhöe Übelkeit und Erbrechen geachtet werden.

Der Magen

  • Kardia ( Magenmund, Übergang von der Speiseröhre zum Magen)
  • Fundus ( Magengrund, kuppelförmige Erweiterung des Magens, unmittelbar unter dem Zwerchfell, höchste Abschnitt des Magens
  • Korpus ( Magenkörper, größter Teil des Magens, schließt sich an den Fundus an)
  • Der Korpus geht über in die Magenhöhle ( Antrum, Vorraum des Pförtners)
  • Pylorus ( Pförtner, stellt die Grenze zum Dünndarm dar)

Die Magenschleimhaut besteht aus einem Epithel, welches schlauchförmige Drüsen aufweist.
Der verdauende Magensaft wird jedoch nur im Fundus und im Korpus produziert.
Die Fundus- und Korpusdrüsen enthalten drei unterschiedliche Zellarten:

  • Belegzellen» Herstellung von Salzsäure, Produktion des Intrinsic Faktors
  • Hauptzellen» Bildung von eiweißspaltenden Enzymen
  • Nebenzellen » bilden den Magenschleim, schützt die Oberfläche des Magens vor der Salzsäure

Bestandteile des Magensaftes:

  • Salzsäure
  • Pepsinogene und Pepsine ( Pesinogen wird zu Pepsin umgewandelt, diese zerlegen die Eiweiße in Polypeptide» 10-100 Aminosäuren)
  • Magenschleim
  • Intrinsic Faktor ( wird benötigt, um das Vitamin B12 im Dünndarm aufzunehmen Mangel an Vit. B12» kann es zur perniziösen Anämie kommen)

Die Gallenblase

Lage: rechter Oberbauch hinter der Leber, Gallengang führt von der Leber zum Duodenum

Die Gallenflüssigkeit ist eine gelbbraune von der Leber produzierte Flüssigkeit, sie dient zusammen mit dem Pankreassaft der Verdauung des Speisebreis. Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase angesammelt und bei Bedarf  über den Gallengang an das Duodenum abgegeben.
Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit:

  • Wasser
  • Elektrolyte
  • Bilirubin
  • Phosphorlipide
  • Gallensäure
  • Cholesterin

Die Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit müssen in einem Lösungsgleichgewicht zueinander stehen, ansonsten bilden sich kleine Kristalle, die dann Zu Gallensteinen heranwachsen.
Der Form des Ungleichgewichts entsprechend bilden sich :

  • Cholesterinsteine
  • Pigmentssteine
  • Kalziumbilirubinsteine

Risikofaktoren die zu einer Krankheitsentstehung führen sind:

  • Entzündungen
  • Beweglichkeitsstörungen u. Stauung der Gallenwege
  • Hämolytische Anämien
  • Diabetes mellitus
  • unausgewogene Ernährung
  • Adipositas
  • Schwangerschaft
  • Gen. Disposition

Gallensteine können innerhalb der Gallenblase oder aber im Gallengang liegen.

Bei der Gallenkolik liegt der Gallenstein im :

  • ductus cysticus
  • ductus choledochus
  • vor der Papille

an diesen Stellen verhindert er das Abfließen der Gallenflüssigkeit.

Weitere Komplikationen:

  • Leberabszess
  • Gallensteinilleus
  • Peritinitis

Behandlung:

  • krampflösende, schmerzstillende Medikamente
  • ggf. nach Arztanordnung Nahrungskarenz
  • ggf. Entfernung durch Operation ( Intervalloperation)

Akute Cholezystitis ( Gallenblasenentzündung)

  • Schmerzen im re. Oberbauch (evtl. Ausstrahlen in die Schulter)
  • Übelkeit, Erbrechen, Fieber über 38,5°C
  • Schüttelfrost, evtl. Ikterus
  • Druckschmerz der Gallenblase

Pankreas ( Bauchspeicheldrüse)

Lage:
  1. Caput pankreatis (Pankreaskopf)» liegt in der inneren Krümmung des Duodenums
  2. Corpus pankreatis ( Pankreaskörper)» dorsal (hinter) des Magens
  3. Cauda pankreatis ( Pankreasschwanz) » endet am Milzhilus

Die Pankreas ist einer der wichtigsten Drüsen des menschl. Körpers, da sie zwei wichtige Hauptfunktionen hat:

Aufgaben:

  1. Exokriner Anteil: bildet den Pankreassaft (Verdauungsenzyme), dieser wird  über den Ductus Pankreaticus und dann über die Papilla duodeni major ans Duodenum abgegeben und dient der  endgültigen Aufschlüsselung der zum Teil im Mund und Magen vorverdauten Nahrung

» die Verdauungsenzyme der Bauchspeichels können bei der akuten Pankreatitis wegen fehlender Selbstschutzmechanismen die Drüse zerstören

  1. endokriner Anteil (= Langerhansche Inseln)= Zellanhäufungen die besonders im Schwanzteil aber auch im Pankreaskörper,  Hormone produzieren

A-Zellen; produzieren das BZS-hebende Glukagon
» B-Zellen; produzieren BZS-senkende Insulin

Akute Pankreatitis

» plötzlich einsetzende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Selbstandauung ( da die Verdauungsenzyme bereits in dem Pankreas aktiviert werden

Folge: Beeinträchtigung der Pankreasfunktion

Hauptursachen:

  • Alkoholabusus
  • Gallenwegserkrankungen
  • Medikamente ( z.B.: Glukokortikoide, Zytostatika)
  • Infektionen

Symptome:

  • plötzlicher Beginn mit schweren Oberbauchschmerzen, strahlen oft gürtelförmig in den Rücken aus
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Subilliues, Illeus
  • Evtl. Fieber
  • In schweren Fällen» Ikterus, Aszitis, Pleuraergüsse, Schock, Sepsisanzeichen
  • Druckschmerzhaftes Abdomen,  „Gummibauch“ durch Meteorismus

Komplikationen und Verlauf:

  • Verlauf der meisten Pankreatiden ist relativ leicht
  • Komplkation»
  • RR-Versagen mit Nierenversagen
  • Schocklunge
  • Abszesse
  • Pseudozysten (krankhafter Hohlraum)

Behandlung:

  • bei der akuten Pankreatitis wird konservativ behandelt

» parenterlae Ernährung mit Elektrolyt- und Volumenersatz
» Schmerzbekämpfung z.B.: Procain über Perfuser, evtl. Paracetamol, Tramadol, Temgesic, Dolantin
» bei Verdacht auf Gallensteineinklemmung im Papillenbereich  OP

Prognose:

  • leichte Form gut heilbar
  • schwere Form bis zu 80% tödlich

Chronische Pankreatitis:

  • Kontinuierlich fortschreitend oder in Schüben
  • Endokriner und exokriner Verlust der Pankreasfunktion
  • In 75% bedingt durch Alkoholabusus

Symptome:

  1. Leitsymptom» wiederholt auftretende Schmerzattacken über stunden bis Tage, meist ausgelöst durch fettige Mahlzeiten oder Alkohol
  2. Schmerzen sind typischerweise im Oberbauch und strahlen gürtelförmig in den Rücken aus

Komplikationen:

  • v.a. Pseudozysten, mit Ikterus durch Kompression der Gallenwege
  • Duodenalstenosen
  • Abszesse
  • Milzvenenthrombose
  • Aszitis

Behandlung:

  1. akute Schübe werden wie eine akute Pankreatitis behandelt

Ansonsten gelten folgende Grundsätze:
»

  • absolute Alkoholabstinenz
  • kleine Mahlzeiten, kohlenhydratreich, fettarm
  • fehlende Pankreasenzyme werden substituiert
  • bei einem Diabetes mellitus, ist Insulin erforderlich
  • evtl. Vitamingabe
  • vielfach Analgetika notwendig

Das Pfortadersystem:

  • Das Pfortadersystem verbindet zwei Kapillargebiete die des Magen-Darm-Kanals mit dem der Leber
  • O²-armes, nährstoffreiches Blut wird ohne Umweg, über den großen Kreislauf, zur Leber geführt

Leber:

Ist unterteilt in zwei Lappen, größter Teil liegt unter der rechten Zwerchfellkuppe.
Versorgung durch die Leberarterie und die Pfortader.

  • größtes Stoffwechselorgan
  • Bildung der Galle
  • regelt den Eiweiß- Kohlenhydrat und Fettstoffwechsel
  • Entgiftungsfunktion

Aufgaben im Kohlenhydratstoffwechsel:

  • Auf- und Abbau von Glykogen
  • Speicherung von Glykogen

Aufgaben im Fettstoffwechsel:

  • Auf- und Abbau von Fettsäuren
  • Aufbau von Plasmalipoproteinen ( dienen dem Transport von Tri-glyzeriden, Phospholipiden und Cholesterol
  • Ketonkörpersynthese ( die Ketonkörper werden nicht in der Leber, sondern in den peripheren Organen, z.B.: Muskeln zum Zwecke der Energiefreisetzung restlos abgebaut

» Hunger, Fasten, Diabetes mellitus führen zu einem extremen Konzentrationsanstieg von Ketonkörpern, so dass diese in den Urin übertreten

Aufgaben im Eiweißstoffwechsel:

  • Aufbau der körpereigenen Plasmaproteine

( z.B.: Transportproteine, Gerinnungsfaktoren, osmotisch wirksame Teilchen)

  • Harnstoffsynthese aus Aminostickstoff

Produktion der Galle:

  • Fettverdauung
  • Abbau überalterter Blutzellen ( entstehen beim Hämoglobinabbau, letztendlich Bilirubin, welches über die Gallenflüssigkeit in den Darm gelangt

Entgiftungsfunktion:

  • körpereigene oder Körperfremde Stoffe ( z.B.: Medikamente)

  Dünndarm:

  • reicht vom Magenausgang bis zum Blinddarm

Abschnitte:

  • Duodenum (Zwölffingerdarm)
  • Jejunum ( Leerdarm)
  • Ileum ( Krummdarm)

Aufgaben:

  • Bildung enzymhaltiger Verdauungssekrete
  • Endgültige Verdauung des im Mund und Magen vorverdautem Speisebreies
  • Abgabe  von Nährstoffmolekülen über das Epithel der Dünndarmschleimhaut an den Kreislauf

Enterohepatischer Kreislauf:

  • im letzten Abschnitt des Dünndarms, dem Ileum wird die Gallensäure zu etwa 90% rückresorbiert, gelangt über das Pfortaderblut wieder zur Leber, wird an die Galle erneut abgegeben, dieses entlastet die Leber, da durch das „Recycling“ nur wenig Gallensäure neu hergestellt werden muss.

Kolon ( Dickdarm):

  • reicht vom Blinddarm bis zum Mastdarm/Rektum

Aufgaben:

  • Eindickung des Darminhalts durch Rückresorption von wasser
  • Weiterer Abbau unverdaulicher Nahrungsreste durch Darmbakterien

Mastdarm/Rektum ( Enddarm):

  • letzter Abschnitt des Verdauungsorgans

Aufgaben:
– dient der Speicherung des halbfesten Stuhls, der schließlich über den Anus ausgeschieden wird

Hernien:

» Eingeweide – oder Weichteilbruch, oft mit Durchtritt eines Bruchsacks ( sackartige Ausstülpung des Peritoneums) durch eine Bruchpforte (Bauchwandlücke) und Bruchinhalt ( Eingeweide o. Organteile)

Man unterscheidet:

  • angeborene oder erworbene Hernie
  • äußere oder innere Hernie (Lokalisation)
  • nach ihrer Komplikation » reponibel

» irreponibel
» inkarzeriert

Im Gegensatz zum Prolaps ist eine echte Hernie immer vollständig vom Peritoneum überzogen.

Kranheitsenstehung:

Angeborene Hernie » fehlender Verschluss embrional bestehender Peritonealausstülpungen ( z.B.: Nabelhernie)

Erworbene Hernie» anlagebedingt oder durch Verletzung bedingte Schwäche der Bauchwand -> begünstigt durch Adipositas, chr. Obstipation

Symptomatische Hernie»ist Ausdruck einer krankhaften Ewrhöhung des intraabdominellen Druckes z.B.: infolge von Aszitis oder Darmtumoren

Behandlung:

  • reponible Hernien können meist  manuell zurückverlagert werden, dies ist jedoch keien dauerhafte Lösung, da die Gefahr einer inkarzerierten Hernie weiterhin besteht ( inkarzerierte Hernien müssen sofort operiert werden), deshalb wird auch deshalb meist OP
  • auch nach OP auf weichen Stuhlgang achten
  • Anspannung der Bauchdecke für ca. 6-12 Wochen nach der OP vermeiden

Formen:

  • Leistenhernie
  • Schenkelhernie
  • Nabelhernie
  • Narbenhernie

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